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® naturheilzentrum bottrop – Vorreiter der Augen-Akupunktur

naturheilzentrum

Wie kürzlich geschildert, waren wir gezwungen, in aller Form die Behauptung zu belegen, die Betreiber des „® naturheilzentrum bottrop“ seien „® maximal qualifizierte heilpraktiker“. Wenden wir uns nun einem Aspekt ihrer Tätigkeit zu:

“zu den am häufigsten – erfolgreich – mit akupunktur behandelten augenleiden gehören alterssichtigkeit, macula-degeneration, retinitis pigmentosa, glaukom, erkrankungen der netzhaut, kurzsichtigkeit bei kindern und jugendlichen bis zu 20 jahren, sogar erblindung durch gehirnquetschung oder blutgerinnsel. christian rüger und farid zitoun (naturheilzentrum bottrop), vorreiter der augen-akupunktur in deutschland, haben inzwischen ärzte und heilpraktiker in ganz deutschland, österreich und der schweiz in der neuartigen therapieform ausgebildet.”

quelle: wissenschaftssendung: ZDF, 3Sat, nano augen akupunktur
http://www.naturheilzentrum.com/was/therapiespektrumnabo/augenakupunktur/

Klingt vielversprechend. Da möchten wir doch gern mehr erfahren. Bei dieser Quellenangabe ist das ja überhaupt kein Problem, jeder kann sie sofort nachlesen. Und von wem hatten „ZDF, 3Sat, nano“ eigentlich ihre Informationen? – Wir werden uns also anderweitig umtun müssen. Die genannten Anwendungsgebiete finden sich in der gleichen Reihenfolge auch hier [1], hier [2] und anderswo. Meist nennt man immerhin, ehrfürchtig oder renommierend, den Erfinder der Augenakupunktur, „Prof. Dr.“ [3] John Boel aus Dänemark, der „7000 Patienten mit verschiedenen Augenkrankheiten“ behandelt habe. Behandelt, ja; aber erfolgreich behandelt? „Unglücklicherweise können wir nicht alle Augenkrankheiten mit Akupunktur heilen“ [2] – das hört sich bescheiden und grundehrlich an. Da aber „nicht alle“ zumindest gleichwertig ist mit „wenigstens einige“, ist es doch eine versteckte Anmaßung und ein äußerst komfortables Heilungsversprechen dazu. Wer auch immer mit welcher Krankheit auch immer nach der Behandlung wegen fehlender Besserung unzufrieden von dannen zieht – klar, in welche Gruppe er gehört. Weiß er hinterher.

Solche faulen Kompromisse haben Z. & R. nicht nötig. Dennoch, es ist nichts gelogen an den Aussagen von Zitoun und Rüger. Wenn man nur einmal ein bisschen nachdenkt: Das Wort „Erfolg“ bedeutet nicht automatisch, dass der Patient besser sehen kann. Es könnte auch bedeuten: finanzieller Erfolg, für die Behandler.

Machen wir uns einmal ganz entspannt auf die Suche im größten Recherchesystem für medizinische Texte, PubMed. PubMed deckt den gesamten Bereich der Biomedizin ab, umfasst mehr als 22 Millionen Textnachweise, indexiert mehr als 5.000 Fachzeitschriften und wächst jährlich um 500.000 Dokumente [4]. In dieser Meta-Datenbank kann von jedem auf der Welt kostenfrei recherchiert werden.

Wir versuchen es mit der ganz einfachen Variante, ohne jegliche Filter und Einschränkungen, die dazu dienen, die Trefferflut zu bändigen, die uns ansonsten wegspülen könnte. Der Begriff „chemotherapy“ beispielsweise führt zu einer Viertelmillion Treffer, und „acupuncture“ ist in 20.000 Artikeln in den wissenschaftlichen Zeitschriften der Welt Thema. Die Begriffe „eye“ und „acupuncture“ verweisen auf 239 Arbeiten, darunter viele Nieten, und „eye acupuncture“ hat 14 Treffer. Es ist offensichtlich: die Augenakupunktur ist wegen ihres überzeugenden Konzepts und ihrer überwältigenden Effekte im Fokus der weltweiten wissenschaftlichen Öffentlichkeit; da steppt der Bär.

Nun gibt es ja nichts, was es nicht gibt, und die Akupunktur bei Glaukom war sogar schon Thema für eine Cochrane-Metaanalyse [5]. Wir hier bei Psiram meinen ja, man müsse schon in gewisser Weise „open minded“ (Text noch einmal hier) sein, um sich ernsthaft mit diesem Thema auseinanderzusetzen, aber schön, wer gerade freie Valenzen hat … . Die Autoren durchsuchten nicht nur PubMed/MEDLINE ohne Sprachrestriktion, sondern auch noch ein Dutzend weiterer Datenbanken mit Texten ab 1937, einschließlich einer händischen Suche in den chinesischen medizinischen Zeitschriften der Peking Union Medical College Library. Sie fanden

„… eine abgeschlossene und eine anlaufende Studie. … Die abgeschlossene Studie verglich die Aurikular-Akupressur – eine unübliche [nonstandard] Akupunkturtechnik – mit einer Scheinbehandlung für Glaukom. Das Risiko, dass die Untersuchenden wussten, mit welcher Methode behandelt wurde, ist hoch, und das Risiko, dass die Ergebnisse nur selektiv dargestellt wurden, ist nicht bestimmbar. … Der Augendruck war nach vier Wochen in der Akupressur-Gruppe signifikant geringer als in der Vergleichsgruppe, aber nicht zu den anderen Kontrollterminen … Zu keinem Zeitpunkt gab es einen signifikanten Unterschied in der Sehschärfe. Die anlaufende Studie wurde beim internationalen Studienregister (ICTRP) der WHO registriert. Bis heute hat sie noch keine Teilnehmer rekrutiert.“

Die Autoren resümieren enttäuscht, dass es derzeit unmöglich sei, aus den vorliegenden Ergebnissen verlässliche Schlüsse zur Wirksamkeit der Glaukomtherapie mittels Akupunktur zu ziehen. Wir wären da nicht so zaghaft: wir halten verlässliche Schlüsse für möglich. Es hätte uns überrascht, wenn Druck auf die Ohren die Sehschärfe verbessert hätte.

Es ist uns nicht gelungen, uns zu motivieren, uns auch in den anderen genannten Anwendungsgebieten schlauer zu machen. Wir erwarten keine anderen Ergebnisse, würden uns aber belehren lassen. Auch von Patienten, die sich im „® naturheilkundezentrum bottrop“ erfolgreich oder erfolglos haben behandeln lassen. Sie wissen schon, wir haben:

für alles ein offenes ohr

wir sind für sie da. für jede noch so kleine frage oder ausgefallenen wunsch. wir freuen uns auf ihren kontakt.


  1. : “Prof. Dr. John Boel ist ein dänischer Ingenieur, der ein eigenes Akupunktursystem erfunden hat … Im Jahr 1996 stellte er erstmalig seine Augenakupunktur in Deutschland vor. Auf seiner Homepage heißt es in 12/2009: ‚In den letzten 20 Jahren haben wir rund 7000 Augenpatienten mit den verschiedensten Augenleiden behandelt.‘ … Bis vor einigen Jahren bildete er, unter anderem auch in Deutschland in 2- oder 4-Tagesseminaren Heilpraktiker und Ärzte in seiner Methode aus.“ [hier] – Ah! ein weiterer Haltepunkt auf unserer Jagd über die sieben Kontinente nach der Qualifikation von Z. & R.!
  2. : http://www.naturheilkunde-berlin.eu/acupuncture.phtml
  3. : Er selbst nennt sich „Prof. Dr. Acu. John Boel“ [hier] – köstlich. Ist „Acu.“ die Abkürzung seines ersten Vornamens, oder gehört das zum „Prof. Dr.“? Die Antwort ist nicht weit: „John Boel ist ein dänischer Ingenieur und Medizinlaie. … Auf diversen Internet-Seiten wird Boel als „Prof. Dr. Boel“ vorgestellt. Allerdings wird nicht die Titelherkunft genannt. Auch ist nicht zu erfahren, auf welchem Fachgebiet Boel Professor sein soll. Gleichermaßen bleibt die Frage nach einer medizinischen Qualifikation unbeantwortet. Tatsächlich erhielt Boel seine wertlosen käuflichen Titel von einer Titelmühle in Colombo/Sri Lanka mit dem Namen „The Open International University for Complementary Medicines“. Diese verlieh ihm den ebenso belanglosen Titel „Akupunkteur des Jahrhunderts“. Boel wird auf Webseiten der Scientology-Organisation als Scientologe genannt.“ [hier]
  4. : https://de.wikipedia.org/wiki/PubMed
  5. : http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23728656
  1. Habra
    5. Dezember 2013, 22:34 | #1

    Vergeßt die medizinische Ausbildung! Vergeßt überhaupt alle naturwissenschaftlichen Ausbildungen! Der wahre Fortschritt liegt in den altbewährten Methoden. Jahrhundertealte Erfahrungen auf dem asiatischen Kontinent können uns von den allen Krankheiten befreien. Das Ganze erlernt sich beim durchschnittlichen Mitteleuropäer in weniger als einem Jahr, die alten Asiaten waren ein wenig ungeschickter, die benötigten halt ein halbes Leben.
    Man könnte den Eindruck haben, je besser die Gesundheitsversorgung als Sicherheitssystem ist, desto eher fallen die Leute auf Pseudomedizin herein. (Nebenbei: wenn die Chinesen und Inder irgendwann unser Wohlstandsniveau erreicht haben, wird dort wahrscheinlich die europäische Medizin von Galen und Paracelsus als Alternativmedizin betrachtet.)
    Ich habe mal bei Augenakupunktur gegoogelt und fand unwahrscheinlich viele Seiten mit Anwendern, aber leider nichts mit realen Heilerfolgen z.B. bei Grünem Star. Preise für eine Behandlung (ca. 30 min) in der Größenordnung von € 45,00, für eine ganze Behandlungsserie kommen da leicht € 900,00 und mehr zusammen. Ich finde, das ist zu leicht verdientes Geld für etwas, bei dem kein gesundheitlicher Erfolg meßbar ist, sondern über dessen Erfolg lediglich anekdotisch berichtet wird. Das Schlimmste ist noch: diese Methode wird sogar bei einigen Augenarztpraxen angeboten (selbstverständlich in Zusammenarbeit mit der Heilpraktikerin XY). Die Seiten nenne ich nicht, nicht dass diese Praxen maximal ausgebildete Rechtsanwälte haben. Wer googelt, findet diese Seiten bestimmt auch in der Werbung.
    Meine Hausärztin sagte mir, dass sie für eine einfache Akupunktur zur Schmerzbehandlung mehr verdient als für einen normalen Patienten im Quartal. (Sie ist trotzdem nicht esoterisch angehaucht, sie behandelt als Notfallmedizinerin auch mit richtigen Schmerzmitteln). Nach der Durchsicht einer Pseudogebührenverordnung für Heilpraktiker muss ich feststellen, dass ein Arzt besser danach abrechnet als nach seiner eigenen Gebührenverordnung. Der HP hat nicht so viele Kunden, weil die bösen und unwissenden Krankenkassen nichts übernehmen, das kann er aber durch wenige Selbstzahler wieder hereinholen. Und das Ganze mit nicht maximaler Qualifikation!
    Und ich wiederhole ständig: Wann fällt ausreichend Hirn nach Berlin, um ein Gesetz zu schaffen, dass eine Mindestqualifikation für Heilberufe vorschreibt. (Auch wenn damit nicht jeder Unfug verhindert wird.)

  2. bayle
    5. Dezember 2013, 23:23 | #2

    Habra :Meine Hausärztin sagte mir, dass sie für eine einfache Akupunktur zur Schmerzbehandlung mehr verdient als für einen normalen Patienten im Quartal. (Sie ist trotzdem nicht esoterisch angehaucht, sie behandelt als Notfallmedizinerin auch mit richtigen Schmerzmitteln).

    Ich war früher immer der Ansicht, dass die Anerkennung als kassenfähige Medizin der Tod der Akupunktur sein wird, denn dann wird sie für den Arzt unattraktiv und für den Patienten verliert sie den Glorienschein des Außergewöhnlichen. Ich hatte mich geirrt. Die Akupunktur wird extrabudgetär, ungedeckelt, vergütet. Das war politisch so gewollt.

  3. Jay
    6. Dezember 2013, 18:47 | #3

    Die gesamte sogenannte „Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)“ ist ein für den Westen maßgeschneidertes Marketingkonzept mit Ursprung in den 1960er Jahren. China ist ein großes Land mit einer jahrtausendelangen, wechselhaften Geschichte. Es ist unrealistisch von einer, in sich geschlossenen, „chinesischen Medizin“ zu sprechen, wie es bei uns im Westen immer gerne getan wird.

  4. Groucho
    6. Dezember 2013, 19:16 | #4
  5. Olli
    3. Juli 2015, 20:35 | #5

    Ich suche Patienten, die eine Augenakupunktur hatten (bei arterliellem Gefäßverschluss) und mir ihre Erfahrungen mitteilen können

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