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Traunstein, Homöopathie und Hogwarts

Als wir im vorletzten Jahr über die esoterische Masterarbeit zur Hellseherei an der Viadrina (Institut IntraG) berichteten und es in kürzester Zeit zu einem Aufschrei der Blogosphäre kam, der auch von diversen Zeitungen wie der Sueddeutschen oder dem Spiegel aufgegriffen wurde, war die Freude groß.

Es war ermutigend zu sehen, wie sich Journalisten, Blogger, Wissenschaftler und viele mehr über die Zustände empörten und ihrem Ärger Luft machten.

Und es war auch schön zu sehen, wie der Druck auf Hogwarts an der Oder wuchs.

Kurz darauf stufte die Hochschulstrukturkommission das IntraG (Viadrina) auch auf Ramsch-Niveau hinab und Harald Walach wurde dann auch mit dem verdienten Goldenen Brett (vorm Kopf) ausgezeichnet für sein Bemühen, wissenschaftsbefreite Theorien in die akademische Welt hineinzubringen.

Man hatte danach den Eindruck, dass das Pseudoinstitut den Kopf unten hielt, um nur ja nicht mehr aufzufallen. Die Abstrafung durch Medien und Hochschulkommission hatte Wirkung gezeigt.

Es schien, als würde solcherlei Schwachsinn nicht mehr akzeptiert. Ok, ein etablierter Professor wie Walach ist nicht leicht rauszukriegen, vor allem wenn es sich um eine privat finanzierte Stiftungsprofessur handelt und die Universität das Gehalt nicht selbst zahlen muss.

Aber das Ganze schien eher geduldet als gewünscht. Das war ermutigend.

Und dann kam Traunstein. Zugegeben, es ist nur ein weiterer Eintrag in der langen Liste der Hochschulen mit pseudowissenschaftlichen Lehr- und Forschungsinhalten, aber es wäre (ausnahmsweise) mal schön, wenn die Liste schrumpfen und nicht wachsen würde.

Schon im Herbst 2012 hörte man, dass das kleine oberbayerische Städtchen eine eigene Hokuspokus-Hochschule bekommt. Nicht was Sie denken, nichts Seriöses wie ein Lehrgang in Zauberei oder so, nein: Homöopathie. Auch bei lokalen Bloggern regte sich Unmut, um es gelinde zu sagen.

Die Europäische Union der Homöopathie hat mit einem Haufen Lobbyarbeit diesen Quatsch offenbar durchgesetzt. Als Abschluss winkt angeblich ein „Bachelor of Science“, was einer echten Verhöhnung aller Studenten gleichkommt, die einen solchen Abschluss an richtigen Hochschulen erworben haben.

Der Autor Norbert Aust äußerte erst vor kurzem noch Zweifel an der Akkreditierung und ob es nicht ungesetzlich wäre, die beworbenen akademischen Grade am Ende tatsächlich zu verleihen. Wie die „Hochschule“ jemals akkreditiert werden wolle, haben sich schon 2012 Die Ausrufer gefragt.

Wie es scheint, hat sich hier wohl ein Ausweg gefunden: das Ganze soll über die private Steinbeis-Hochschule Berlin laufen. Der Blogger Joseph Kuhn hat dazu beim bayerischen Wissenschaftsministerium zur Hochschulgenehmigung nachgefragt und Folgendes herausgefunden:

  • Die Feststellung gem. Art. 86 BayHSchG ist noch nicht abgeschlossen.
  • Prüfpunkte des Feststellungsverfahrens sind lediglich formaler Art.
  • Die inhaltliche Verantwortung liegt in Berlin.

Mit anderen Worten: Nicht unsere Baustelle, zuständig ist Berlin. Es lohnt sich wohl, diese ehrenwerte Steinbeis-Hochschule unter die Lupe zu nehmen. Sie bietet jede Menge an pseudowissenschaftlichem Unsinn an.

So ist z.B. einer der Professoren dort, Albrecht Hempel, Anhänger der Energiemedizin, Mitglied des Vereins DGEIM, der den sogenannten Biofeldtest propagiert, eine Wünschelruten-Methode zur Diagnose chronischer Krankheiten.

Und man hat noch andere „Eisen im Feuer“, wie z.B. in Kitzingen einen Lehrgang für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und Klassische Homöopathie.

Falls man überlegt, wer denn da zuständig sein könnte:
Staatliche Anerkennung privater Hochschulen, Berlin

Die freuen sich bestimmt über nette Post, die darlegt, wie glücklich man doch darüber ist, dass so eifrig an der Entwertung der (medizinischen) Studien in Deutschland gearbeitet wird.

Norbert Aust hat dort schon nachgefragt, eine Antwort steht allerdings noch aus.

Weitere lesenswerte Artikel zum Thema

Besonders lesenswerte Artikel zum Thema von Norbert Aust
Der Autor Norbert Aust verfolgt die Angelegenheit mit Argusaugen, man findet dort im Großen und Ganzen die umfassendsten Informationen zum Thema:
Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie von Norbert Aust

  1. 4. Februar 2014, 14:24 | #1

    Meyl hatte mal ein Steinbeis-Transferzentrum, das aber schon lange dicht ist. Siehe:

    http://www.xy44.de/skalar/
    https://www.psiram.com/de/index.php/Konstantin_Meyl

  2. Gast
  3. Louise Bauer
    27. Februar 2014, 19:05 | #3

    Na zumindest bei den bayrischen Piraten scheint noch Hoffnung zu bestehen, die stellvertretende Vorsitzende Christina Grandrath im Forum der Partei zur Thematik.

    Eine PM nicht unbedingt, aber ein Kommentat für die Homepage bietet
    sich da an (wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich das tun)

    Falls diese Akademie kommt, wird übrigens nicht das bayerische
    Hochschulgesetz gelten sondern das Berliner, da es ein Ableger der
    Steinbeis-HS sein wird.
    So oder so ist es schon arg bedenklich wenn da versucht wird eine
    Heilpraktikerausbildung einen Hochschulanstrich zu geben. Das ist eine
    knallharte Lobbysache. Ein Master macht nun mal was her. Allerdings
    schießt man sich damit imho nur ins Knie. Wie soll man denn bitte
    ernst genommen werden, wenn man Hochschulabschlüsse in HokusPokus zulässt.
    Ich bin allerdings zuversichtlich, dass die Akkreditierungsagentur
    sich nicht die Blöße gibt, diesen Quark anzuerkennen. In Frankfurt war
    die Ansage zum Schluss ja auch eindeutig.

    Die Tatsache dass Homöopathie Teil der offiziellen Lehrplans für
    Pharmazie ist und es Stiftungsprofessuren für „Alternativmedizin“ an
    deutschen Unis gibt, ist allerdings in der Tat wesentlich
    bedenklicher. Traunstein wäre hier ein guter Aufhänger, das zu
    thematisieren.

    https://news.piratenpartei.de/showthread.php?tid=421114&pid=2056884#pid2056884

  4. Christoph Lauer
    11. März 2014, 13:06 | #4

    Bei den Piraten in Berlin geht die Diskussion weiter. Ein offenes Forum es sind also alle eingeladen mitzudiskutieren. Wichtig vielleicht bei diesen „Gegenargumenten“

    „ja eine gut geschmierte Lobby gibts eben nicht nur bei der Pharmaindustrie und hier in der EU verhindert dann eine ganz ähnlich bzw. viel geschickter agierende und vorgebich (gute) Biolobby die Zulassung z.B. von Chlorhühnern und/oder sogenanntem Genfood, auch ganz ohne seriöse wissenschaftiche Erkentniss, in den USA macht eine andere (böse) Lobby dann genau das Gegenteil und vom Einfluss der Kirchen gerade in D will ich gar nicht erst wieder anfangen.“
    wie war das noch gleich mit dem ändern? mit Verboten erreicht man IMO aber eher genau das Gegenteil und lenkt von den eigentliche Problem ab…

    https://news.piratenpartei.de/showthread.php?tid=421339&pid=2069258#pid2069258

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