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Norman Borlaug zum Hundertsten Geburtstag – Im Gedenken an Milliarden Leben

There are no miracles in agricultural production. --  Norman Borlaug mit GetreideWir hatten vor einiger Zeit hier im Blog die rhetorische Frage gestellt: Wer kann von sich behaupten, 5 Millionen Menschen das Leben gerettet zu haben? und erhielten prompt die Antwort in den Kommentaren: Norman Borlaug

Ja, klar. Treffer und versenkt. Man könnte höchstens anführen, dass die Antwort nicht stimmt, weil 5 Millionen viel, viel zu niedrig gegriffen sind für das Lebenswerk des Vaters der Grünen Revolution.

Vor 50 Jahren – zu der Zeit, in der Norman Borlaug wirkte -, herrschte große Sorge vor einer Malthusianischen Katastrophe: Hungersnöten, ausgelöst durch das ungebremste Bevölkerungswachstum.

So begann zum Beispiel die Originalausgabe (1968) des Bestsellers „Die Bevölkerungsbombe“ mit dem Satz:

The battle to feed all of humanity is over. In the 1970s hundreds of millions of people will starve to death in spite of any crash programs embarked upon now. At this late date nothing can prevent a substantial increase in the world death rate …


Der bekannte Club of Rome prophezeite dystopisch in Die Grenzen des Wachstums unter anderem, dass sich bis zum Jahr 2000 der Landbedarf verdoppeln, also 3 Milliarden Hektar benötigt würden, um die wachsende Menschheit zu ernähren.

Während so nun trefflich schwarz gemalt wurde, forschte man andernorts an der Verbesserung der Landwirtschaft.

Norman Borlaug, ein Bauernsohn aus Iowa, geboren am 25. März 1914, sah sich selbst als Produkt der Großen Depression. Er hatte als junger Mann verzweifelte, hungrige Menschen erlebt, die auf den Straßen um Essen bettelten.

Während seines Studiums der Forstwirtschaft wurde er durch eine Rede des Pflanzenpathologen Elvin Stakman sehr beeindruckt. Dieser hatte herausgefunden, dass sich durch geeignete Zuchtmethoden krankheitsresistente Sorten schaffen ließen. Der begeisterte Borlaug studierte bei Stakman und machte 1941 seinen Doktor in Pflanzenpathologie, der Lehre der Pflanzenkrankheiten.

Nach seinem Abschluss verschlug es ihn schlussendlich 1944 nach Mexiko, wo er für die Rockefeller Foundation ein Programm zur Verbesserung von Weizen leitete. Die ersten Jahre dort waren die schwersten seines Lebens: die Sprache war ihm fremd, die Bauern feindselig und es mangelte an Material und ausgebildeten Kräften. Von einem Gefühl der Dringlichkeit geleitet, man mag es auch Ungeduld nennen, entwickelte er ein kreatives „Schnellzuchtprogramm“, das es ihm erlaubte, innerhalb von vier Jahren mehrere Sorten zu entwickeln.

Der „große Durchbruch“ gelang ihm mit der Idee, japanischen Zwergweizen einzukreuzen. Die so gewonnenen Pflanzen waren kleiner und stabiler. Dadurch konnten sie schwerere Ähren tragen. „Natürliche“ Sorten wachsen eher hoch, da dies die Chance erhöht, Sonnenlicht zu ergattern.

Der Ertrag verdreifachte sich. Mexiko, das 1944 noch 60% seines Weizens importiert hatte, war 1956 zum Selbstversorger geworden.

Die Idee von Borlaug machte Schule, 1961 gründeten Rockefeller und Ford Foundation das International Rice Research Institute (IRRI) auf den Philippinen, um für Reis dasselbe zu erreichen. Das IRRI ist aus unserem Blog vielleicht durch das Interview Prof. Potrykus über Goldenen Reis bekannt.

Nun, man kann sagen, der Rest ist Geschichte und 1968 wurde der Begriff Grüne Revolution geprägt. Eine stille Revolution, ohne die die Welt 7 Milliarden Menschen nicht ernähren könnte. Die Schwarzmaler lagen mit ihren düsteren Prophezeiungen nicht weit daneben. Sie hatten nur nicht mit der Innovationskraft eines Norman Borlaug gerechnet.

Um so mehr Grund, dieses grünen Giganten zu gedenken.

Weitere lesenswerte Texte:

  1. HansT
    25. März 2014, 18:06 | #1

    Interessanter Artikel, danke! Wieder was gelernt!

  2. 25. März 2014, 20:59 | #2
  3. Headnicker
    26. März 2014, 06:48 | #3

    Die Folgen der Grünen Revolution sind international umstritten. Auf der einen Seite verbesserte sie die Ernährungssituation vieler Menschen erheblich, insbesondere in Asien. Auf der anderen Seite sind gravierende Umweltschäden in vielen Ländern zu verzeichnen, weil die Steigerung der Nahrungsmittelproduktion in erster Linie durch Vergrößerung der Anbauflächen, schnellere Staffelung der Ernten und um den Preis eines massiven Pestizideinsatzes erfolgte. Kleinbauern wurden von den industriell bewirtschafteten Flächen verdrängt und mussten Randlagen mit geringer Produktivität neu erschließen. Auch die Grundwasservorräte wurden übermäßig genutzt. Die Aufstände wegen Lebensmittelknappheit in vielen Ländern der Erde seit ca. 2010 machen die begrenzte Nachhaltigkeit der Grünen Revolution deutlich.

    Wikipedia

  4. 26. März 2014, 10:28 | #4

    @ Headnicker
    Aha. Und warum hast Du nicht gleich den ganzen Wikipedia-Artikel verlinkt? Hattest Du Angst, es könne sich jemand selbst ein Bild machen und dann evtl. auf die Idee kommen, der Hungertod von (zusätzlichen) Millionen von Menschen wäre letztlich die größere Katastrophe gewesen?

    Eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema ist natürlich wünschenswert und dazu gehört selbstverständlich auch die Betrachtung der negativen Seiten des Themas, keine Frage. Aber einseitig die Kritik herauszupicken bringt uns da auch nicht weiter. Wäre es besser die vielen Menschen verhungern zu lassen und dafür jetzt eine lokal intaktere Umwelt zu haben? Gehen die negativen Folgen der Grünen Revolution alle auf das Konto von Norman Borlaug, um den es hier immerhin explizit geht?

    Auch die Verwendung der Elektrizität hat bereits erhebliche Umweltschäden angerichtet und sogar Menschenleben gefordert. Sollte man deshalb darauf verzichten und die Menschen sterben lassen, denen Elektrizität das Leben retten kann?
    Mir scheint Du machst es Dir zu einfach, lasse mich aber gern eines besseren belehren.

  5. Wolfgang T.
    27. März 2014, 10:34 | #5

    @ Headnicker
    Interview mit Norman:
    http://www.welt.de/wissenschaft/article1319608/Gruene-Gentechnik-ist-keine-Hexerei.html
    „Ohne Kunstdünger könnte die Landwirtschaft weltweit nur 2,5 bis drei Milliarden Menschen ernähren. Das bedeutet, die Hälfte der Menschheit müsste sterben. Ich frage mich, wo die Freiwilligen dafür herkommen sollen?“

    Headnicker stellst du dich zu Verfügung?

    „Das Problem ist, dass die Reichen und Verwöhnten eine Null-Risiko-Gesellschaft wollen. Aber es gibt kein Null-Risiko in der biologischen Welt. Wir sollten aufhören, so überängstlich zu sein.“

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