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Alle Jahre wieder … kommen die Masern

Man kommt sich hier bei Psiram fast wie eine Gebetsmühle vor, wenn man über die Masern und die Impfung spricht. Unter dem Tag Masern haben sich schon eine Menge Artikel im Blog angesammelt. Und auch im Wiki finden sich eine Menge Treffer, die vor allem auf Impfgegner verweisen.

Es ist im Grunde egal, ob es ein Ausbruch in Berlin ist, der vor allem Flüchtlingsunterkünfte getroffen hat oder ein Ausbruch in Disneyland.

Das Ziel muss es einerseits sein, allen Menschen die Möglichkeit zur Impfung zu geben und ihnen andererseits klar zu machen, wie sinnvoll die Impfung ist.

Ersteres ist dabei in gewisser Hinsicht „leicht“. Es ist einfach ein logistisches Problem, technisch/politisch lösbar. Obwohl man eigentlich meinen würde, dass Geld, Aufwand, politischer Wille das größere Problem ist, ist doch das andere Problem das größere.

Leider sind viele Eltern verunsichert, weil sie sich im Internet „informiert“ haben. Und man stößt da schnell auf alles mögliche, was so behauptet wird. Unsere Stammleser kennen die entsprechenden Kandidaten und ihre wilden Behauptungen ja zur Genüge.

Diese Leute sind zwar nur wenige, aber dafür sehr laut und aktiv und bedienen die Ängste der Menschen mit gezielter Verunsicherung nach dem FUD-Prinzip (Fear, Uncertainity and Doubt/Furcht, Unsicherheit und Zweifel). Belege sind dabei nicht notwendig, Gerüchte und Hörensagen sind viel wirksamer.

An dieser Stelle sei übrigens auf einen schönen Blog bei der GWUP verwiesen: Der Wahnsinn in den Zeiten der Masern: „Wir impfen nicht!“ im Kommunalen Kino Gießen.

Hey, Ihr lieben Kollegen von der Gießener Zeitung – habt Ihr eigentlich einen Hau?

Zu einer Zeit, da die USA und in Deutschland die Hauptstadt Berlin unter einem heftigen Masern-Ausbruch leiden, propagiert Ihr ungeniert den Rotz-Film “Wir impfen nicht!” des berüchtigten Aids-Leugners Michael Leitner.

Michael Leitners Film „Wir impfen nicht“ ist ein Musterbeispiel des Furcht-Unsicherheit-Zweifel-Prinzips und wurde hier im Blog ja schon zerrissen. Gearbeitet wird vor allem mit Anekdoten und Behauptungen, meist völlig ohne faktische Grundlage. Man fragt sich natürlich, wie kann so etwas als Film überhaupt zustande kommen, was ist nur in den Regisseur gefahren?

Im Grunde braucht man sich zur Erklärung nur einen Satz des Herrn Leitner herauszupicken, um zu wissen, wie es um seinen Realitätsbezug steht:

Aus der Sicht der Quantenphysik ist die DNA kein reiner Bauplan für Eiweiße, sondern durch ihre Doppelspirale eine Sende- und Empfangseinheit für den Kontakt zu höheren Dimensionen

Höhere Dimensionen, soso. Da hat wohl jemand vergessen seinen Aluhut aufzusetzen und ist vom Synchronisationsstrahl aus dem Zentrum der Milchstraße ziemlich hart am Kopf getroffen worden.

Man kann an der Stelle den Eltern, die sich durch einen Michael Leitner, einen Martin Hirte, einen Hans Tolzin oder einen anderen Impfgegner verunsichert fühlen, nur raten, noch einmal tief durchzuatmen und sich zu überlegen, ob wirklich alle anderen die Geisterfahrer sind.

Wenn man Vater oder Mutter ist, dann hat man vor allem ein Ziel: Das Wohl des Kindes.

Handeln Sie danach! Statt sich schwindelige Infos aus dem Internet zu holen, sich auf irgendwelchen Blogs und Webseiten zu informieren (und Sie können uns da gerne dazuzählen, wenn sie die anderen dafür auch ignorieren), informieren Sie sich lieber bei Institutionen wie dem Paul-Ehrlich-Institut oder dem Robert-Koch-Institut, in der Schweiz beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) oder in Österreich beim Bundesministerium für Gesundheit.

  1. Omikronn
    9. Februar 2015, 13:39 | #1

    Was mich immer ankotzt ist, dass beim Thema Impfen vielfach so getan wird als gebe es eine Pro- und Contraseite welche gleichwertige Positionen seien. Den Impfgegnern wird bei Diskussionen meist gleichviel Raum und Zeit wie den Befürwortern eingeräumt, obwohl sie keinerlei faktischen Boden haben, von dem aus sie argumentieren könnten. Praktisch alle Argumente von Impfgegnern basieren entweder auf Lügen, absoluter Inkompetenz bez. Medizin und Statistiken, und/oder Anekdoten.

    Der Impfschutz ist ein wissenschaftlicher Bereich, in dem Meinungen und Anekdoten bei der anwendung von Massnahmen nichts, statistisch erhärtete Zahlen, vielfach überprüfte und wiederholte Studien und deren Resultate, hingegen alles zählen.

    Würden sich Impfgegner durchsetzen, wäre die Herstellung von Kindersärgen wieder ein echt lohnendes Geschäft!

  2. pelacani
    9. Februar 2015, 14:56 | #2

    Es ist eben ein Dauerbrenner.

    Bei SBM beschäftigt sich der unnachahmliche Mark Crislip auch mal wieder mit Masern.
    http://www.sciencebasedmedicine.org/do-two-half-truths-add-up-to-a-complete-truth-or-a-complete-falsehood/

  3. editor
    9. Februar 2015, 16:18 | #3

    Nicht zu vergessen den Impfgegner und AIDS-Leugner Bert Ehgartner- zuletzt in den Medien mit seinem Film und Buch „die Akte Aluminium“, wo er behauptet, dass Aluminium Salze als Adjuvans in Impfstoffen gefährlich seien.

    Der hat auch mal behauptet, dass bei einer Hepatitis B Infektion zuerst eine Leberschädigung vorliege und dann die Leber von Hepatitis B Viren besiedelt werde. Schwachfug zum Quadrat.

    Aber Ehgartner behauptet ja immer der evidence-based-medicine verpflichtet zu sein.

    Wird gerade hier in einem Elternforum diskutiert

    http://www.parents.at/forum/showthread.php?t=824494

  4. Stöber
    10. Februar 2015, 09:30 | #4

    Mal allgemein was zum Schmökern (auf fefe gefunden):
    http://www.schockfaktor.de/articles/5/besuch-bei-den-impfgegnern

    Vorher nen Baldrianinfusus bereiten und setzen.

    Ahjo, und zum Thema Autismus auch dieser Satz (hatte ich so auch noch nicht betrachtet):
    http://blog.fefe.de/?ts=aa263dfe

  5. Stöber
    10. Februar 2015, 09:33 | #5

    *seufz*
    Mädels, bitte hebt die Beschränkung auf einen Link etwas an und kratzt meinen Post aus dem Nirvana. Das macht sonst wirklich wenig Freude.

  6. Groucho
    10. Februar 2015, 11:08 | #6

    @Stöber: Ein Kommentar bleibt erst ab 4 Links hängen. Spamfilter sind halt manchmal Diven 😉

  7. René
    10. Februar 2015, 20:08 | #7

    Dazu kommt ja noch, dass man nicht nur das Leben der eigenen Kinder riskiert sondern auch das Leben von Kindern, die wegen Immunschwäche o.ä. bestimmte Impfungen nicht bekommen dürfen. Und das Leben von Kindern, deren Eltern ebenfalls ignorante ImpfgegnerInnen waren.

    Wenn die nicht an die Wirksamkeit von Impfungen glauben, was denken die eigentlich wie eine ganze Reihe von Krankheiten quasi ausgerottet wurde? Durch Beten oder was?!

  8. knorke
    12. Februar 2015, 12:13 | #8

    In der Hinsicht könnte man sich mal mit dem Gedanken Impfflicht beschäftigen. Das löst das gesellschaftliche Meinungsproblem nicht (verschlimmert dieses vielleicht sogar), aber zumindest erfüllt es die dringend nötige Schutzfunktion. Der Staat hat immerhin auch die Pflicht zur Gefahrenabwehr. Kein sehr populärer Gedanke – auch für mich nicht.

  9. schnüffelchen
    14. Februar 2015, 14:22 | #9

    Am allerschlimmsten ist für mich dabei der Gedanke, dass diese ignoranten Impfgegner massenweise die Gesundheit und das Leben von Babies gefährden. Die erste Impfung gegen MMR wird erst mit einem Jahr gegeben.

    Bei den Pocken damals gab es doch auch eine Impfpflicht. Das hat funktioniert und die Pocken sind ausgerottet.

  10. Flo
    18. Februar 2015, 14:00 | #10

    Leider geht bei mir in der Facebook timeline gerade wieder ein schrecklicher Artikel von dem unsäglichen Kopp-Verlag rum. Besonders gerne wird er von jungen oder angehenden Müttern geteilt. Könnt ihr dazu Quellen liefern, die diesem Schund auf den Grund gehen und das wissenschaftlich beleuchten?

    http://info.kopp-verlag.de/medizin-und-gesundheit/was-aerzte-ihnen-nicht-erzaehlen/jonathan-benson/von-big-pharma-unterdruecktes-dokument-beweist-impfstoffe-verantwortlich-fuer-ploetzlichen-tod.html

    (Ich hoffe, der Spamfilter beißt bei der Domain nicht automatisch zu 😉 )

  11. Scipio
    19. Februar 2015, 10:40 | #11

    Hallo,

    ich habe ein kleines Problem. Mein Impfpass ist nicht mehr auffindbar. Wo wende ich mich da am besten hin?

    MfG Scipio

  12. Scipio
    19. Februar 2015, 10:41 | #12

    @ Scipio
    Also, wenn ich einen neuen haben will.

  13. Groucho
    19. Februar 2015, 16:57 | #13

    @Flo: Die Beleuchtung ist im neusten Blogartikel 😉
    @Scipio: Hausarzt. Da bekommst Du einen neuen. Die Impfungen, die noch dokumentiert sind (10 Jahre Archivierungspflicht), können nachgetragen werden. Ansonsten auffrischen lassen, wo man nicht sicher ist und wo empfohlen. Ist ja keine große Sache.

  14. AlteWeser
    21. Februar 2015, 09:52 | #14

    Hatte als Kind keine Masern, kann mich an eine Impfung nicht erinnern, Impfpass der Kindkeit längst verschollen. Möchte als Erwachsener nicht erkranken und habe mich nun impfen (Masern und drei Wochen später Keuchhusten) lassen. Nicht einmal Nebenwirkungen habe ich gespürt.

    Wenn Impfgegener Beschwerden nach einer Impfung als Beweis für deren Schädlichkeit werten, dann darf ich das jetzt wohl als Beweis für deren Unschädlichkeit werten 😉

  15. Flo
    22. Februar 2015, 15:23 | #15

    @Groucho: Wow! Danke für den prompten Service 🙂

  16. Gisander
    22. Februar 2015, 16:13 | #16

    AlteWeser :Hatte als Kind keine Masern, kann mich an eine Impfung nicht erinnern, Impfpass der Kindkeit längst verschollen. Möchte als Erwachsener nicht erkranken und habe mich nun impfen (Masern und drei Wochen später Keuchhusten) lassen. Nicht einmal Nebenwirkungen habe ich gespürt.
    Wenn Impfgegener Beschwerden nach einer Impfung als Beweis für deren Schädlichkeit werten, dann darf ich das jetzt wohl als Beweis für deren Unschädlichkeit werten

    Hatte als Kind die Masern, 1965, mit acht Jahren. Es war das grausigste Erlebnis, an das ich mich erinnere. Drei Tage en Suite mit um die 41 Fieber, und am Ende Schwierigkeiten, Traum und Wirklichkeit zu unterscheiden. So eine Scheiße einem Kind bewusst zuzumuten, ist das letzte.

  17. Wicht
    22. Februar 2015, 23:16 | #17

    Da ihr so fleißig gegen Impfgegner kämpft, nur mal hier kurz meine Geschichte:
    Ich, mittlerweile 33 Jahre, Vater von 2 Kindern, und meine Kinder auch immer nach dem Empfehlungen der Stiko impfen lassen. War auch eigentlich für mich nie eine Frage. Allerdings bin ich dann von Bekannten die Impfgegner sind (oder besser gesagt: Impfskeptiker) zwischendurch etwas verunsichert wurden.
    Squalen, Blut-Hirn-Schranke, Aluminium, Formaldehyd, etc. war das Erste, was man mir erzählt hat.
    Kurz danach kamen die ganzen verheimlichten Impfschäden, fehlende Langzeit-Studien, etc.
    Das hat mich schon etwas verunsichert.
    Gottseidank, es gibt euch, die gwup, das RKI, etc. und somit kann ich diesen Bekannten entspannt entgegen treten.
    Und ich habe vor 2 Wochen meine MMR-Impfung nachgeholt und auch Tetanus, Diphtherie und Pertussis habe ich jetzt. Hepatitis B hatte ich sowieso noch.
    Ihr werdet niemals Impfgegner überzeugen können, aber ich hoffe ihr bleibt weiter am Ball.
    LG, Wicht

  18. Groucho
    23. Februar 2015, 01:39 | #18

    @ Wicht: Danke für Deine Geschichte! Ja, richtig harte Impfgegner kann man nicht überzeugen. Aber: Wie Du selber festgestellt hast, schwirren unzählige Behauptungen im Netz rum, die durchaus geeignet sind, den Unkundigen erstmal kräftig zu verunsichern, vieles klingt erstmal nachvollziehbar und logisch. Wir – und natürlich auch die erwähnten anderen Seiten – versuchen, mit entsprechenden Hintergrundinfos den verunsicherten, aber vernünftigen Argumentationen zugänglichen Menschen eine Entscheidungshilfe zu geben.