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Zurück zur Natur!

Groucho,
du fehlst uns

Natur ist gütig, Natur ist gesund. Natur ist romantisch und schön, durchwandert in Hightech-Funktionsunterwäsche und Goretex-Overall, durchsegelt in Karbonrümpfen, um ihre Urgewalt zu erleben, ans Ziel geführt von unzähligen Satelliten und einem Heer superschneller Siliziumchips. Natur heilt und pflegt, verpackt in Klarsichtflakons, zum Sonderpreis im Online-Versandhandel, aus China importiert, von indischen Kindern geerntet, zu Säften gepresst und zu Pillen gerollt. Wir sind ungeimpft glücklich, gesund und frei von Chemie, essen ökologisch, vegan, aus nachhaltiger Massenproduktion. Natur gibt uns das neue Superfood, regelt Verdauung und Blutdruck, schützt vor freien Radikalen, entgiftet, entschlackt und entsäuert, erhältlich beim Discounter, mit Chia und Goji oder mit Aktivkohle versetzt. Natur ist entspannend und labend, schön anzusehen durch Dreifachverglasung in polystyrolisolierten Wänden, die Idylle schnell zu erreichen, nur kurz über die Autobahn, man fährt naturbewusst elektrisch oder im neuen Direkteinspritzer mit grüner Plakette, um Pflanzen und Tiere zu bewundern, deren Namen wir nicht einmal kennen.

Natur ist die Sonne, die unsere Haut verbrennt, die Wüste, die uns verdursten lässt, das Eis, das unsere Zehen gefriert, eine endlose und unermüdliche Armee von Viren, Bakterien, Pilzen, Insekten und Parasiten, die nichts lieber täten als unsere Leiber zu verzehren und sich darin einzunisten. Natur ist der Dorn, der unsere Gesichter zerkratzt, auf der Suche nach etwas Essbarem im Unterholz. Natur ist das Raubtier, das im Dickicht verharrt und auf Beute wartet. Natur ist der Fluss, der unser Haus überschwemmt, der Schädling, der die Ernte verdirbt, der Stachel des Skorpions, der uns im Schlaf überrascht. Natur ist die Seuche, die ganze Landstriche entvölkert, Siechtum und Elend bereitet und nicht zu besiegen ist. Diese Natur, die wir so sehr lieben, die Leben spendet, nimmt es auch wieder, wo immer sich die Gelegenheit bietet, und führt uns zurück in ihren immerwährenden Kreislauf, schneller als uns lieb ist.

Es wird Zeit. Wir müssen zurück zur Natur. Dem Laster der Zivilisation entfliehen, wieder eins werden mit Gottes Schöpfung, dem Universum und den Geistern der Ahnen. Aber bitte vollkaskoversichert, vor allen Gefahren bewahrt und mit Highspeed-Internet, um der ganzen Welt davon zu berichten.

Zurück zur Natur!

 

  1. Daarin
    20. Juli 2017, 08:26 | #1

    Die Frage ist ja erstmal: Wo findet man noch Natur?
    Die Wälder in der Gegend? Kultur.
    Viele Seen? Kultur.
    Der Rhein? Sowas von Kultur, also alleine der Verlauf, die Geschwindigkeit, da wurde über Temperaturerhöhungen und Chemikalien noch gar nicht nachgedacht!
    Das Feld? Kultur!
    Auch die Wiese, alles umgestaltet um dem Menschen zu nutzen.

    Es ist ein weiter Weg zur Natur. Mögen ihn die Esoteriker finden… und dort bleiben!

  2. Ich
    20. Juli 2017, 08:32 | #2

    Stimme Daarin zu.
    Ohne fremde Hilfe würden es wohl die wenigsten überleben, setzte man sie nackt in freier Natur aus. Essen und Trinken fehlt. Alle möglichen Geschöpfe wollen einem Leben, als Parasit oder als Jäger.

    Die Natur ist für alle Individuen(!) lebensgefährlich, nicht nur für den Menschen. Nur für das Leben „allgemein“ ist sie förderlich.

  3. knorke
    20. Juli 2017, 13:54 | #3

    Genau das denke ich auch immer. Ich habe beruflich am Rande meiner Tätigkeitsbereiche oft mit Werbung zu tun und diese ganzen „natürlich“ Schlagworte lösen in mir geflissentlich einen Brechreiz aus.

    Ja, es ist war, ich bin gern draußen in der Natur – in einer Kulturnatur ohne mir überlegene Carnivoren und bestmöglich geschützt vor allem insekten- oder spinnenartigen das sich für mein Blut, meine Körperöffnungen oder mein Essen interessiert. Und ich bin auch gewillt, meinen Biwi, meine Isomatte und meine Funktionswäsche mit nach draußen zu nehmen, um mich von Mutter Natur notfalls etwas feucht in den (verdammt beschissenen) Schlaf geleiten zu lassen. Aber ich weiß wie zwiespältig dieses Erlebnis allein schon ist und dass ich ein Zivilisationswürstchen bin, dass einsam und verlassen auf einer karibischen Insel, in der Taiga 2 Autotage von der nächsten Ortschaft oder in der afrikanischen Savannenlandschaft ohne all die technischen Errungenschaften einfach nur verrecken würde. Die Natur ist schön und majestätisch, aber sie ist kein Wesen, das sich durch Konzepte wie Güte oder Bosheit beschreiben lässt, das sollte man lassen. Wer sich ganz in sie begibt, kriegt auch die harten Seiten zu spüren.
    Diese verkitschte Natur, die uns Obstsäfte, Krombacher, Claus Hipp, Reisemagazine, Naturkostläden und so weiter vorführen sind verdammt weit weg von der harten und spröden Realität Natur. Wir alle sollten dankbar für die Zivilisation sein, wenn die heute verschwinden würde wären wir alle, mit Verlaub, am Arsche. Und hätte es sie nie gegeben, würden wir heute nochimmer mit 35 sterben und eine Kindersterblichkeit wie Meeresschildkröten aufweisen.

    Zumal, wie Daarin schon sagt: Unsere Kulturlandschaft passt besser zu uns. Genug Natur, aber nicht zu viel, und nicht zu weit weg vom rettenden Tollwut-Piks, einem heißen Kaffee nach einer verregneten Zeltnacht oder dem WM-Halbfinale.

    Rüdiger Nehberg ist übrigens mal von Nord nach Süd durch Deutschland gewandert, ohne Essen zu kaufen, zu betteln oder zu klauen, also von dem Leben was unsere Kulturlandschaft abseits landwirtschaftlicher Nutzflächen und Ortschaften zu bieten hatte. Er war am Ende dem Zusammenbruch nahe und sagte am Ende der Reportage (er kam mit Müh und Not an), dass das härter gewesen wäre als seine Tour im tiefsten Amazonas-Gebiet. Auch das ist die ach so ramontische Natur.

  4. Martin Däniken
    20. Juli 2017, 14:50 | #4

    Nature is a bitch..nichtmal ein Eis essen ohne dieses fliegende stachlige gelb-schwarze Gesocks und jetzt begehen auch noch Roboter Selbstmord…
    die Apokalypse naht,und wo ist dieses Gott-Dingen
    Und ich habe die „Person of Interest“ die 4.Staffel fast fertig.
    Ungefragt sage ich ,kann man gucken wenn man die anderen Staffeln gesehen hat
    -ein paar gute philosophische Einsprengsel und clevere Gangster,ist ganz ok 😉

  5. sumo
    20. Juli 2017, 17:06 | #5

    Zurück zur Natur ist tatsächlich eine inhaltsleere Floskel. Während meiner Zeit bei der NVA haben wir uns oft im Wald aufgehalten, sind nachts ohne Lampen durch Wald und Feld gelaufen, aber Spaß dabei?
    Nun ist es so, daß ich durchaus auf liebgewordenen Luxus bestimmter Art verzichten könnte, aber ganz ohne geht es nicht. Ich möchte mal einen dieser Zurückzurnaturmenschen sehen, wenn er ohne ein Messer leben müßte, auch Messer sind nicht natürlich. Oder Feuer machen mit gänzlich natürlichen Ressourcen, ist mir nicht möglich, obwohl ich schon mal Feuer im Wald gemacht habe mit Magnesium und einem Feuerstarter.
    Ich mag all diese Überhöhung nicht, die man „Mutter Natur“ entgegenbringt.

  6. biomango
    21. Juli 2017, 02:01 | #6

    Natur gibts noch : nicht in der Stadt, noch weniger in den Vororten mit Samentütchen- Wiesen vom Baumarkt, sondern dazwischen : Ruderal- Flächen- oft „Bauerwartungsland“ die gern als ungepflegt oder verwildert den Spiessern ein Ärgernis sind.

  7. gedankenknick
    21. Juli 2017, 08:13 | #7

    Hier zum Beispiel http://ambrosia.met.fu-berlin.de/ambrosia/downloads/Adlershof-Ambrosia-Doku.pdf findet sich die Natur. Mitten in der Kulturlandschaft Großstadt. Mitten unter uns. Also schnell zurück zu ihr!

    Und anschließend noch schneller in die Notaufnahme des nächstgelegenen Krankenhauses… 😉

  8. knorke
    21. Juli 2017, 09:51 | #8

    sumo :Zurück zur Natur ist tatsächlich eine inhaltsleere Floskel. Während meiner Zeit bei der NVA haben wir uns oft im Wald aufgehalten, sind nachts ohne Lampen durch Wald und Feld gelaufen, aber Spaß dabei? Nun ist es so, daß ich durchaus auf liebgewordenen Luxus bestimmter Art verzichten könnte, aber ganz ohne geht es nicht. Ich möchte mal einen dieser Zurückzurnaturmenschen sehen, wenn er ohne ein Messer leben müßte, auch Messer sind nicht natürlich. Oder Feuer machen mit gänzlich natürlichen Ressourcen, ist mir nicht möglich, obwohl ich schon mal Feuer im Wald gemacht habe mit Magnesium und einem Feuerstarter. Ich mag all diese Überhöhung nicht, die man „Mutter Natur“ entgegenbringt.

    Ich war bei der Bundeswehr und das einzige Gute an den Truppenübungsplätzen war, dass man außer Sicht von den vorgesetzten war (Fernmelder – Kilometer Kabeltrommel abrollen und so…). Da war Natur mir auch wurscht. Feuer machen kann ich noch heute nur mit Feuerzeug (Streichhölzer sind grenzwertig). Habs noch nie mit Feuerschlagen probiert oder mit Hölzchen an Hölzchen. Bushcrafter üben sowas jedenfalls, auch die sind halt in der Zivilisation aufgewachsen.

  9. RächerDerVerderbten
    21. Juli 2017, 17:32 | #9

    Feuer, pah!

    Wieviel Wälder sind dadurch abgebrannt, wieviel Tiere damit gebraten, wieviel Hex…Weise Frauen auf dem Scheiterhaufen hingerichtet worden?
    Verbrennungsmotoren, CO2, Dinner bei Kerzenschein…also ICH brauch sowas nicht!

    Früher gings auch prima ohne, und im Winter zieht man sich halt n Pullover mehr an!

  10. gedankenknick
    22. Juli 2017, 10:24 | #10

    @knorke #8
    Ich zitiere hier mal (so ungefähr) aus einem us-amerikanischen Komödienschinken, wo einer Pfadfindergruppe ein neuer „vorgesetzter Erwachsener“ (ich will grad nicht das böse F…Wort nehmen) …äh… vorgesetz wird:

    Kinder: Wie machen Sie im Wald Feuer?
    Erwachsener: Ich nehm Streichholzer und halte die an trockene kleine Holzstücke… Und wie macht ihr das?
    K: Mit einen Brennglas, mit dem man Sonnenlicht bündelt. Wo wollen Sie denn im Wald Streichhölzer herbekommen?
    E: Aus dem selben Laden, aus dem ihr im Wald die Lupe herbekommt!

    Wenn man sich die „Überlebensprofis“ auf DMAX anschaut, haben die immer ZUMINDEST ein Messer dabei – zumeist mit spezielgehärteter Stahlklinge. Ohne würde da keiner barfuß vor seine Zeltplane treten. Und Feuersteinklingen zu basteln erfordert nicht nur enorme Sachkenntnis und Übung, sondern als allererstes mal einen Feuerstein! 😉

    Passend dazu amüsant anzuschauen: „Survival im geschlossenen Schwimmbad“ https://www.youtube.com/watch?v=gi5Rz97BjLI

  11. 22. Juli 2017, 14:15 | #11

    Zurück zur Natur ist für den Menschen keine artgerechte Haltung.

  12. Martin Däniken
    22. Juli 2017, 20:33 | #12

    Und Schwämme haben was drauf 700 Mio Jahre alt und still alive and „kicking“!
    Biotechnologie vom Feinsten…
    Bärenfelle haben keine Taschen!
    Echte Outdoorprofis nehmen eh ein (mindestens) Bic-Feuerzeug mit ;-).

  13. Beobachter
    24. Juli 2017, 00:14 | #13

    Du lieber Himmel – kann sich hier keiner mehr vorstellen, dass man in Turnschuhen, Jeans, T-Shirt und hundsnormaler Unterwäsche mit Rucksack und Vesper (weder vegan noch vegetarisch) mal wandern geht? Ohne Handy, GPS und Laptop und ohne die Absicht, gleich ein Survival-Training zu starten?
    Und dass man, um da hinzukommen, wo man überhaupt noch wandern kann, öffentliche Verkehrsmittel benutzt oder hinradelt – und dazu kein Auto braucht?
    Und hat hier irgendwer was gegen Salbeitee bei Husten und Heiserkeit und sonstige bewährte Hausmittelchen oder irgendwas gegen Yoga oder autogenes Training oder selbst Kneipp`sche Anwendungen, wenn`s einem gut tut?

    Warum wird (zurück zur)“Natur“ hier gleich so negativ besetzt im Kontext mit Lifestyle-Geschäftemacherei, Feld-Wald-und Wiesen-Ideologie, esoterischer Spinnerei?

    @ Joseph Kuhn, # 11:
    Ist es etwa „artgerechte Haltung für den Menschen“, z. B. in einem großen heruntergekommenen Mietshaus zu wohnen, direkt von zwei viel befahrenen Bundesstraßen mit Ampelkreuzungen umgeben und einem Busbahnhof und einer Einfahrt zu einem großen Parkhaus genau gegenüber? Wo man wegen des ständigen Lärms und der hereinfliegenden Rußflocken kaum lüften bzw. die Fenster öffnen kann?
    Und man obendrein noch einen Job am Band hat, wo man im Gruppenakkord Elektroherde montiert?

  14. 24. Juli 2017, 07:24 | #14

    @ Beobachter:

    So zu leben und zu arbeiten, wie Sie es beschreiben, ist nicht schön, aber es macht das Leben als Einsiedler im Wald deswegen nicht zu einem menschlichen Leben, menschlich hier anthropologisch verstanden. Der Mensch ist ein Wesen, das sich gesellschaftlich reproduziert – wenn auch nicht immer unter menschenwürdigen Bedingungen. Rousseaus Ruf „Zurück zur Natur“, zum edlen Wilden, ist ein evolutionstheoretisch wie historisch unhaltbares naturromantisches Phantasma. Salbeitee dürfen Sie trotzdem trinken.

  15. pelacani
    24. Juli 2017, 07:32 | #15

    Die Schwärmerei für die Natur kommt von der Unbewohnbarkeit der Städte.
    Bertolt Brecht

  16. Ich
    24. Juli 2017, 09:43 | #16

    @Beobachter:
    „…Du lieber Himmel – kann sich hier keiner mehr vorstellen, dass man in Turnschuhen, Jeans, T-Shirt und hundsnormaler Unterwäsche mit Rucksack und Vesper (weder vegan noch vegetarisch) mal wandern geht? Ohne Handy, GPS und Laptop und ohne die Absicht, gleich ein Survival-Training zu starten?…“

    Du lieber Himmel, – warum sollen denn Turnschuhe, der Verzicht auf GPS usw. höherwertig sein??

    Ich finde es herrlich, in den schottischen Highlands zu wandern und habe dabei auch das Gefühl, in der Natur zu sein. Ich trage dann gern Wanderschuhe, habe mein Outdoor Navi dabei und fühle mich wunderbar. Vor allem aber auch, weil ich dann nicht weit weg bin von Zivilisation, warmen Essen und einer heißen Dusche.

  17. Beobachter
    24. Juli 2017, 10:02 | #17

    @ Joseph Kuhn:

    Weshalb verbinden Sie den Begriff „Natur“ sofort und theoretisierend mit dem „Leben als Einsiedler im Wald“, mit „Rousseaus Ruf „Zurück zur Natur““, mit dem „edlen Wilden“ und einem „naturhistorischen Phantasma“?
    Warum nicht z. B. mit der Notwendigkeit und dem Bestreben, „Natur“ (-Schutzgebiete) und städtische Naherholungsgebiete zu erhalten?
    Und menschenwürdige Bedingungen zu schaffen – für das Leben der Menschen als soziale Wesen?

    Es gab nicht aus heiterem Himmel und Jux und Dollerei z. B. die Schreber-Garten-Bewegung – die hatte ihren historisch und gesellschaftlich bedingten Ursprung; und die heutzutage eine Wiederbelebung erfährt, nur heißt das jetzt „Urban Gardening“. Auch das hat seine Gründe.

    Es soll Stadtkinder geben, die meinen, dass alle Kühe lila sind, für die Spinat nur ein ekliger grüner TK-Brei mit dem Blubb ist, die Pfannkuchenteig nur fertig aus der Plastikflasche von NESTLE kennen und die ein Gänseblümchen nicht von Löwenzahn unterscheiden können.
    Ist das eine gute, akzeptable, erstrebenswerte Entwicklung?!
    Oder wäre es besser: Zurück zum (vernünftigen) Bezug zur Natur?!

    Es beruht wohl auf einem Mangel an Phantasie, sich nicht vorstellen zu können/zu wollen, dass viele Menschen unter ganz anderen („unschönen“) äußeren Bedingungen, Umständen, Voraussetzungen leben (müssen) als man selbst – und das in der selben Stadt oder auch in nächster Nachbarschaft.
    Es hat nicht jeder z. B. ein eigenes Haus mit Garten drumrum und kann nach Gutdünken eigene Apfelbäumchen pflanzen …

    @ pelacani:

    So ist es.
    Von wann ist das Brecht-Zitat?

  18. pelacani
    24. Juli 2017, 10:24 | #18

    Beobachter :

    Von wann ist das Brecht-Zitat?

    Nicht später als Anfang 30er Jahre. Wenn es genauer gewünscht wird, muss ich erst suchen.

  19. Fritz Danner
    24. Juli 2017, 11:04 | #19

    Gute Satire! Als „Gegensatzausgleich“ würd ich vorschlagen, es geht für uns Menschen nichts nur mit „Natur“ und natürlich auch nichts ohne. Und ich hab eigentlich auch nichts dagegen, Natur mit Hilfe von Kulturgütern wie moderner Wanderausrüstung zu erleben, usw., auch nichts, mich wieder in ein geheiztes Haus zurückziehen zu können, wenn mir die Natur zu widrig wird, im Gegenteil. Zudem stammt all dies letztlich aus dieser Natur, und ist auch nur ein bisschen raffinierter, als z.B. der Bau eines Bibers, ohne den dieser auch nicht zurechtkäme.
    Ist allerdings eher eine Ergänzung als eine Kritik, denn diese Satire richtet sich wohl kaum gegen meine Auffassung.

  20. 24. Juli 2017, 12:25 | #20

    Zudem stammt all dies letztlich aus dieser Natur

    Das ist der Punkt. Diese Trennlinie zwischen „Natur“ und „Zivilisation“ lässt sich eben nirgendwo sinnvoll platzieren. Jedes Lebewesen verändert seine Umwelt.

  21. Martin Däniken
    24. Juli 2017, 21:03 | #21

    Menschen benutzen nun mal Werkzeug um sich ihre Umgebung zurecht zumachen
    (o.k auch ein paar Tiere)-
    deshalb kann man die „Zurück zur Natur“-Leute durchaus als widernatürlich bezeichnen..
    Aber/Und
    „Tiere kann man zum Wahnsinn treiben, wenn man zu viele in einen engen Raum sperrt.
    Homo sapiens ist das einzige Geschöpf, das diese Qual freiwillig auf sich nimmt.“
    Die Leben des Lazarus Long

  22. Beobachter
    24. Juli 2017, 22:24 | #22

    @ pelacani, # 18:

    Danke für die Auskunft – Sie brauchen nicht nach Genauerem suchen.

  23. 24. Juli 2017, 23:16 | #23

    @ Beobachter:

    Wie ich auf Rousseaus „Zurück zur Natur“ komme? Vermutlich weil der Blogbeitrag so überschrieben ist.

    Aber wäre da gestanden „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit“ hätte ich vermutlich auch nur an das alte Wanderlied „Im Frühtau zu Berge wir ziehen“ gedacht. Von Leuten wie mir ist einfach kein Mitgefühl mit den leidenden Menschen zu erwarten.

  24. pelacani
    25. Juli 2017, 07:35 | #24

    Beobachter :

    @ pelacani, # 18:

    Danke für die Auskunft

    Goethe ist noch älter:

    Denn unfühlend
    ist die Natur

  25. Klaus Trophobie
    25. Juli 2017, 08:16 | #25

    Bei „Zurück zur Natur“-Zerrbildern muss ich ja gleich an Christopher McCandless denken.
    Mit „einem Pullover mehr“ wär das wohl kaum anders gelaufen…

  26. RächerDerVerderbten
    25. Juli 2017, 17:04 | #26

    Klaus Trophobie : Mit „einem Pullover mehr“ wär das wohl kaum anders gelaufen…

    Ne Karte hätt wohl gereicht. 😉

    „Der Alaska-Park-Ranger Peter Christian schrieb etwa:

    „Ich bin ständig dem ausgesetzt, was ich als ‚McCandless-Phänomen‘ bezeichne. Junge Menschen, fast immer junge Männer, kommen nach Alaska, um gegen eine gnadenlose Wildnis und eine Landschaft zu bestehen, wo die Bequemlichkeit eines Zugangs und die Möglichkeit einer Rettung praktisch nicht vorhanden sind […] McCandless war aus meiner Perspektive auch nicht besonders mutig, sondern einfach nur dumm, tragisch und gedankenlos. Zunächst einmal verwendete er nur sehr wenig Zeit, um zu lernen, wie man in freier Wildbahn überlebt. Er kam an den Stampede Trail ohne eine Karte von der Gegend. Hätte er eine gute Karte gehabt, hätte er sich leicht retten können […]“

    https://de.wikipedia.org/wiki/Christopher_McCandless#.C3.96ffentliche_Meinung

  27. Martin Däniken
    25. Juli 2017, 18:13 | #27

    McCandless wollte das ursprüngliche kennenlernen,
    die Natur unplugged
    -da hat die Natur ihm den Stecker gezogen!

  28. 25. Juli 2017, 18:26 | #28

    @ Martin Däniken
    So ganz unplugged war er dabei ja auch nicht unterwegs – Flinte und ein bisschen Ausrüstung dabei, dann in einem alten Bus gewohnt (sowas von natürlich und zivilisationsfern!), der war einfach falsch verdrahtet und hatte vermutlich sowieso nicht den richtigen Stecker dabei…

  29. gedankenknick
    25. Juli 2017, 19:09 | #29

    Ne gute Karte alleine reicht aber auch nicht. Man muss auch wissen, wie man sie lesen und interpretieren muss.

    Im Zeitalter des GPS stellt ein gedrucker Autoatlas für manche eine größere Hürde da als eine gesperrte Brücke (so im Navi die Route gerade neu berechnet wird)… Da sind so Fragen spannend wie: Wieso ist bei der Karte oben Norden, wenn ich doch gerade Richtung Süden gucke? Und zu wissen, wo gerade Norden und Süden ist, setze ich auch nicht immer voraus. 😉

    Apropos. In Alaska würde ich meinen beiden Methoden, im Zweifelsfall Süden zu bestimmen, auch nicht trauen.
    Methode 1: Nach Satellitenschüsseln schauen, die auf ASTRA 18°Ost gerichtet sind. Methode 2: Den kleinen Zeiger meiner Analog-Uhr zur Sonne richten, dann die Häfte zur 12 rechnen… (Achtung! Sommerzeit beachten!)

  30. 26. Juli 2017, 15:07 | #30

    Ergänzende Lektüre: Udo Endruscheit bei „Die Erde ist keine Scheibe“

    http://die-erde-ist-keine-scheibe.de/2017/07/08/fuer-mich-bitte-nur-ohne-chemie/

    Der Mensch des wissenschaftlichen Zeitalters scheint in einer Umdeutung und Überhöhung des Rousseau’schen Mottos des „Zurück zur Natur“ zu leben. Er gefällt sich in „kritischer Haltung“ gegenüber der „rationalistisch-materialistischen Weltanschauung“, die angeblich die Jetztzeit beherrsche und erhebt das „Natürliche“ vielfach geradezu zu einem Fetisch. Was dem Markt der medizinischen Mittel und Methoden, der sich nicht auf die wissenschaftliche Medizin beruft, nicht entgangen ist.

  31. Felix Müller
    27. Juli 2017, 14:52 | #31

    Ich find diese Autoritäts-Rangelei zwischen Menschen die eher intuitiv-ahnungsvoll und denen die eher rational-faktenverbunden denken echt dämlich. Irgendwie scheinen die letzteren sich ganz klein zu fühlen, dass sie da dauernd Öl ins Feuer gießen müssen.

  32. 28. Juli 2017, 18:10 | #32

    Wenn man die Kulturgeschichte (die traditionelle deutsche Trennung zwischen „Kultur“ für die geistigen und „Zivilisation“ für die materiellen Aspekte mache ich hier mal nicht mit) als Prozess der fortschreitenden Emanzipation des Menschen von Naturzwängen betrachtet, wäre es dann nicht eigentlich an der Zeit, dieses Projekt endlich – soweit möglich – zu vollenden? Konkret gesagt, sollte unser Ziel nicht sein, mit sowenig fremdbestimmender Natur wie möglich zu leben? Sollten wir die Welt nicht sukzessive in einen einzigen großen Menschen-Garten verwandeln, mit konstant 24°C, Regen nur nachts und so dosiert, dass es keine Überschwemmungen gibt? Sollten wir nicht die Plattentektonik zähmen und das CO2-Recycling, für das bislang der Vulkanismus sorgte, großtechnologisch selbst in die Hand nehmen? Sollten wir nicht unsere gesamte Nahrung rationell aus wenigen Grundstoffen synthetisieren, anstatt von so archaischen Dingen wie Ackerbau und Viehzucht abhängig zu sein? Wozu brauchen wir lebensgefährliche Wildnis, wozu menschenfressende Großraubtiere wie Löwen, Tiger, Wölfe oder Haie? Damit sie uns Demut lehren? Uns „an den uns zustehenden Platz“ erinnern? Religiotengeschwätz! Wenn wir erst einmal (und im Zuge unserer Ausbreitung über die Erde hinaus werden wir dies lernen müssen!) in der Lage sind, unsere physische Existenz mit vollständig künstlichen, menschlicher Kontrolle unterworfenen Stoffkreisläufen zu sichern, ist das Argument mit dem ökologischen Gleichgewicht, das ohne unsere Existenz bedrohende Elemente der Natur aus den Fugen geriete, auf diese Frage hinfällig. Radikal gedacht sollten wir uns sogar von jeglicher Biologie emanzipieren, Softwarecharakter annehmen – dann fände die gesamte Menschheit in wenigen Kubikmetern Elektronik mit ein paar Solarpaneelen zur Energieversorgung statt. Die Natur könnten wir dann immer noch mittels robotischer „Außen-Sensorik“ (als Gegenstück zur elektronisch simulierten Binnenwahrnehmung der softwaregewordenen Individuen) erforschen, wären aber bis auf die Energiefrage nicht mehr abhängig von ihr.

  33. 28. Juli 2017, 23:15 | #33

    @ Yagdar:

    Eine interessante Phantasie, so voller praller Lebensunlust. Matrix lässt grüßen. In welcher Umgebung würden eigentlich die Programmierer leben? Und wären Trump oder Höcke dann Programmierfehler oder programmierte Thrill-Avatare? Ich hoffe ja nur, dass jemand mit Talent programmiert, weil sonst das virtuelle Bier so schmeckt wie sich die Geschichte anhört.

  34. 29. Juli 2017, 02:53 | #34

    Die Matrix wird geiler als alles, was wir uns bislang überhaupt vorstellen können! In der Matrix wird jeder buchstäblich alles sein können, und das für beliebig lange Zeit (jedenfalls, solange die externe Energiequelle nicht versiegt)! Programmierer wird es nur am Anfang geben, sehr bald wird die Matrix in der Lage sein, sich selbsttätig (auch dank der fortwährenden Erforschung der realen Außenwelt) immer weiter zu entwickeln, da können die Programmierer dann ebenfalls in der Matrix als was auch immer leben…

  35. ZKLP