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Kein wahrer Energetiker?

Kein wahrer Schotte“ bezeichnet einen logischen Fehlschluss mit dem Zweck, eine Person aus einer Gruppe, zu der sie definitionsgemäß gehört, wegen angeblich atypischer Merkmale auszuschließen.

Beispiel:

„Alle Schotten sind tapfer.” – „Aber ich kenne einen, der ist feige.” – „Der ist kein echter Schotte. Echte Schotten sind nicht feige.”

 

Wie letzte Woche in mehreren Medien zu erfahren war, hat ein geschäftstüchtiger „Energetiker“ in Wien ein Honorar von 95.000 Euro eingestrichen, um den Neubau des Krankenhauses Nord „energetisch zu harmonisieren“ und einen „Schutzring“ gegen böse Energien um das Gebäude zu legen. Nun, das ist genau das, was Energetiker tun: Sie schwurbeln etwas von Energien, fuchteln mit Händen oder Gegenständen herum und kassieren anschließend ein Honorar dafür, etwas getan zu haben, was sich bei genauerem Hinsehen als völliger Unsinn herausstellt. Sowas bezeichnet man auch als sittenwidriges Geschäft.

Um Energetiker zu werden, muss man nichts können und keine Ausbildung vorweisen, auch keine Prüfung ablegen. Trotzdem gibt es diesen Beruf tatsächlich und offiziell in Österreich. Ein Gewerbeschein genügt. Energetiker sind also hauptberufliche Scharlatane mit dem Segen und dem Siegel der Wirtschaftskammer. Das hindert die Energetiker-Zunft allerdings nicht daran, einen gewissen Standesdünkel zu pflegen. Und so war auch sofort klar, dass der Klinikentstörer von Wien kein echter Energetiker sein kann, wie der Obmann der Wiener Fachgruppe erklärt.

Begründung:

„Wäre der Herr tatsächlich Energetiker, dann hätte er ein Riesenproblem mit uns.“ Denn: Wahre Energetiker „harmonisieren Schwingungen. Man kann gar nicht Schutzringe zu deren Ausgrenzung machen“.

 

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  1. RainerO
    22. März 2018, 10:43 | #1

    Warum muss man genauer hinsehen, um zu erkennen, dass das, was dieser Kerl veranstaltet hat, vollkommener Schwachsinn ist? Das, was Energetiker anbieten, ist per Definition Humbug (egal ob mit, oder ohne „Schutzring“).
    Jeder, mit einem kleinen Rest an Vernunft sollte das erkennen. Diejenigen, die an dererlei Hirnrissigkeiten glauben, nützt ein genaueres Hinsehen auch nicht mehr.

  2. 22. März 2018, 14:25 | #2

    RainerO :

    Warum muss man genauer hinsehen, um zu erkennen, dass das, was dieser Kerl veranstaltet hat, vollkommener Schwachsinn ist?

    Weil viele Menschen das zunächst für plausibel halten. Nicht jeder weiß, dass der Begriff „Energie“ klar definiert ist und nichts mit den Geistern der Ahnen zu tun hat. Außerdem hantieren Energetiker auch mit kompliziert aussehenden Geräten, die erst mal den Anschein erwecken, als hätten sie tatsächlich einen Zweck. Nicht zu vergessen der offizielle Segen der Wirtschaftskammer: Wenn ein Stempel drauf ist, kann es doch kein Schmarrn sein, oder?

    Klar, der Skeptiker mag über sowas lachen, aber offensichtlich werden noch viel absurdere Sachen geglaubt.

  3. RPGNo1
    22. März 2018, 18:33 | #3

    Warum vertrauen scheinbar aufgeklärte Menschen des 21. Jh. der Homöopathie? Richten ihre Möbel nach Feng Shui Lehren aus? Lassen Wünschelrutengänger nach Wasseradern suchen? Glauben an Psiphänomene, Geister, göttliche Wunder?
    Die Liste lässt sich sicher noch verlängern.

  4. Catweazle
    22. März 2018, 18:48 | #4

    @RPGNo1
    Aufgeklärte Menschen? Eher drogensüchtige Konsum-Affen!

  5. RainerO
    23. März 2018, 10:16 | #5

    @ celsus, RPGNo1
    Stimmt zwar, aaaber… – siehe mein Schlusssatz.
    Wer glaubt, dass Energetiker sinnvolle Sachen veranstalten, dem hilft ein genaues Hinsehen auch nicht mehr.

  6. 23. März 2018, 12:11 | #6

    @RainerO

    Da bin ich etwas optimistischer. Ich denke, man kann genaues Hinsehen aka kritisches Denken lernen. Aber das tun viel zu wenige Menschen. Das muss schon in der Schule vermittelt werden oder noch früher.

    Die Millionen Globuli-Süchtigen, Wirbelwassertrinker und Astrohotline-Anrufer etc. sind meiner Meinung nach keine komplett verblödeten Spinner sondern Menschen, die etwas Falsches beigebracht bekommen haben. Das lässt sich in den meisten Fällen korrigieren.

  7. LaDeesse
    23. März 2018, 12:12 | #7

    @RainerO: Ist doch prima, dass Du zum Kreise derer zählst, die solchen Schwindel auf den ersten Blick erkennen.

  8. RainerO
    23. März 2018, 18:19 | #8

    Es stimmt, man kann kritisches Denken lernen. Auch als Erwachsener. Das kann ich an mir selber feststellen. In der Schule habe ich es jedenfalls nicht gelernt. Meine leicht esoterisch angehauchten Eltern taten es auch nicht. Früher war ich einigem von dem Zeug auch recht unkritisch gegenüber eingestellt. Hinterfragt habe ich es damals aber hauptsächlich deswegen nicht, weil es mich schlicht nicht interessiert hat.
    Vielleicht habe ich selbst zu viele schlechte Erfahrungen gemacht und schätze deshalb manche Esoterikgläubige falsch ein. Natürlich ist mir klar, dass nicht alle Spinner sind. Das ist eine breit verschmierte Grenze. Bei meiner Mutter musste ich auch recht dicke Bretter bohren, bis ich beim Themenkomplex Homöopathie/Schüßler/Bach zu ihr durchdringen konnte. Und sie ist definitiv keine Spinnerin. Sie hatte einfach keine Ahnung, was das eigentlich ist.

    @ LaDeesse
    Jetzt mag ich zu dem Kreis gehören, vor 30 Jahren war das noch nicht so. Da hätte ich auch genauer hinsehen müssen (wenn es mich interessiert hätte).

  9. knorke
    24. März 2018, 08:06 | #9

    celsus :
    @RainerO
    Da bin ich etwas optimistischer. Ich denke, man kann genaues Hinsehen aka kritisches Denken lernen. Aber das tun viel zu wenige Menschen. Das muss schon in der Schule vermittelt werden oder noch früher.
    Die Millionen Globuli-Süchtigen, Wirbelwassertrinker und Astrohotline-Anrufer etc. sind meiner Meinung nach keine komplett verblödeten Spinner sondern Menschen, die etwas Falsches beigebracht bekommen haben. Das lässt sich in den meisten Fällen korrigieren.

    Das kann man auch später lernen. Man muss nur willens sein, zu lernen. Ich habs im Studium und durch das Lesen bei den Science Blogs gelernt. Bis in die frühen 2000er habe ich mit Begeisterung Däniken gelesen. In den heutigen Zeiten gibt es einen großen Vorteil: Das Internet. Nie war es so einfach, Sachverhalte von mehreren Seiten beschrieben zu bekommen und mit kritischem Denken und etwas Quellenkompetenz ist es dann oft gar nicht so schwer. Es gibt Sachen, die werde ich nie so richtig verinnerlichen, die allgemeine und die spezielle RT z.B., von Quantenmechanik gar nicht zu reden. Aber ich kenne einige physikalische Grenzen und Prinzipien, ein paar chemische und biologische „Rechenregeln“ und das reicht oftmals aus im Alltagsgebrauch. Gelernt habe ich das alles mit 23+. Die Schule wäre natürlich der bessere Ort gewesen, damit anzufangen. Aber der Zug ist nie abgefahren.

  10. Marvin
    24. März 2018, 19:34 | #10

    Wobei das natürlich auch eine Zeitfrage ist. Bis man zu dem Punkt kommt, verlässlich zu verstehen, dass und warum Schwurbelei Schwurbelei ist, braucht man einen ganzen Rattenschwanz an Vorwissen aus mehreren Bereichen.
    Das setzt also Zeit und eine gewisse Bildung, oder noch viel mehr Zeit voraus. Das Studium ist dafür ein guter Zeitpunkt (wars auch bei mir), aber zum einen studiert nicht jeder, zum anderen räumt einem nicht jedes Studium die Zeit ein.
    Somit ists zwar rein von der Fähigkeit her nie zu spät, aber die Gelegenheiten zum Erwerb von… Realitätskompetenz?… nehmen mit steigendem Alter ab, scheint mir.

  11. knorke
    26. März 2018, 14:59 | #11

    @Marvin
    kommt drauf an ob man seine Freizeit darauf verwenden möchte oder nicht. Mich hat Geschichte schon immer interessiert, Astronomie auch ein bisschen, und so kommt eines zum anderen. Mir waren nur Fachbücher zu schwierig und Sachbücher zu riskant (Preis/Qualität). Ich mochte es dann doch eher leicht verdaulich.
    Aus dem Studium hatte ich nur Handwerkszeug wie Erkennistheorie, Statistik, Empirische Methodenlehre – alles extrem wichtig um bestimmte Dinge formal gut bewerten zu können, aber nichts, was man in einfacher Form auch in Blogs oder sogar bei Youtube finden kann (vorausgesetzt, man stolpert bei YT darüber, denn der Schmarrn nimmt dort bei jedem relevanten Suchwort mehr Raum ein). Der endgültige Sargnagel für meine Däniken-Phase war dann bspw. auch nicht Studium, sondern eine kleine Webseite, auf die ich über die ScienceBlogs in den Kommentaren gestolpert bin. (http://pyramidengeheimnisse.de).

  12. 26. März 2018, 15:07 | #12

    Jemand, der Schwingungen harmonisiert, heißt bei mir nicht Energetiker, sondern Musiker. 🙂

  13. 26. März 2018, 15:27 | #13

    @Mephisto

    So pauschal würde ich das nicht sagen, viele Musiker disharmonisieren Schwingungen eher…

  14. 26. März 2018, 16:20 | #14

    @gnaddrig

    Ich sagte doch gar nicht, dass alle Musiker Schwingungen harmonisieren. :p

  15. gurkerl
    26. März 2018, 16:50 | #15

    Mittlerweile macht sich Verzweiflung breit in mir:

    https://derstandard.at/2000076814046/Wirtschaftsministerin-mit-Gewerbeschein-als-Humanenergetikerin

    Ich komme selbst aus einer leider sehr Esoterik verseuchten Branche, die fühlen sich jetzt auch noch im Aufwind.

  16. 26. März 2018, 18:33 | #16

    @Mephisto
    Auch wieder wahr.

  17. Alte Apfelsorte
    27. März 2018, 20:52 | #17

    @ gurkerl:

    Vielleicht ist Magarete Schramböck auch keine echte Energetikerin? Oder keine echte Wirtschaftsministerin?

  18. Lea
    31. März 2018, 14:45 | #18

    @RainerO
    Wie die bei vielen esoterischen GeschäftemacherInnenn, werden auch hier Begriffe falsch verwendet bzw. Fehlschlüsse gezogen. So dass er für unkritische Menschen ohne Naturwissenschaftliches Basiswissen schwer ist PseudoexpertenInnen von echten zu unterscheiden. Hier bin ich jedoch zuversichtlich, dass nebst Unsinn auch wirkungsvolle Massnahmen (z.B.„Schutzring“ aus Blei um den Röntgenraum, Verbot von Mobiltelefonen auf der Intensivstation…)getroffen werden müssen.

  19. quantumzero
    2. April 2018, 09:51 | #19

    Da es mir frtemd war einen Gerbeschein ohne jeglichen Nachweis einer Qualifikation zu bekommen hab ich mich bei der Wirtschaftskammer einen geholt. Es war tatsächlich so dass keinerlei Nachweis notwendig war. Bekam diesen Schein GRATIS als Jungunternehmer!
    Hab dieses Ding nach 2 Wochen wieder zurückgegeben, musste allerdings das Finanzamt und die SVA (Versicherung) überzeugen in dieser Zeit keine Umsätze gemacht zu haben.

    Eine Bekannte ist mit 48 Jahren an Leukämie gestorben, sie war Energetikerin und hat eine Heilung in einer Alternativklinik in D vorgezogen, nach 3 Wochen und extrem hohen Kosten wurde ihr empfohlen in A eine klassische Therapie zu machen. Es war zu spät nach ein paar Tagen war es vorbei.

    All diese Scharlatane laufen frei herum sogar Ärzte sind sich nicht zu blöd und machen Geld mit solchen Menschen. Dass die Ärztekammer noch dazu einige „Therapien“ mit Zeugnissen versieht macht es für den normalen Bürger unmöglich sich Klarheit zu verschaffen.

    Primum non nocere, heisst es bei Hippokrates als 1. Gesetz!

    Doch der hippokratische Eid wird schon lange nicht mehr geleistet sondern das „Genfer Ärztegelöbnis“ ist die Grundlage der medizinischen Ethik. Damit sind die Türen und Tore für Abtreibung und Tötung geöffnet worden.

Spamschutz: Setzen Sie einen Haken im ersten, zweiten, dritten und vierten Kästchen

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