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Artikel Tagged ‘Bill Gates’

Kinderlähmung – Endspiel

30. April 2013 1 Kommentar

Beim Schach versteht man unter dem Endspiel die letzte Phase der Partie, in der man mit reduziertem Material gegeneinander ringt. Nur mehr wenige Figuren sind auf dem Brett, aber die Komplexität hat nicht etwa abgenommen. In dieser Situation kann jeder kleine Fehler entscheidend sein.

Beim Kampf gegen die Kinderlähmung sind wir inzwischen auch im Endspiel angelangt; die letzten Züge werden gemacht, das Ende der Partie ist in Sicht. Und auch wenn der Sieg zum Greifen nahe ist, kann jetzt noch jeder Fehler die Partie verderben.

Momentan stehen wir bei 22 Fällen dieses Jahr; letztes Jahr zählte man im Vergleichszeitraum noch 48 Fälle. Wenig, nicht wahr? Trotzdem sollen in den nächsten Jahren 5,5 Milliarden US-Dollar in diesen Kampf fließen. Im Rahmen des „Impfgipfels 2013“, der letzte Woche in Abu Dhabi stattfand, wurde darüber gesprochen, wie man das Geld zusammenbekommt, um in diesem Endspiel der Krankheit keine Chance zu lassen. Bill Gates hat dazu dem Spiegel ein Interview gegeben, in dem er einige Fragen zur Zielsetzung und Umsetzung beantwortet. Mehr…

Impfgegner im Aufruhr

4. September 2012 35 Kommentare

Die Bill & Melinda Gates Foundation hat vor einigen Wochen jeweils 100.000 Dollar an insgesamt 17 Projekte vergeben, die im Bereich Impfungen einiges verbessern sollen. Verbesserte Lagerräume, um die Kühlkette aufrecht zu erhalten; verbesserte Überwachung eben dieser; kompostierbare Verpackungen; SMS-System, um Eltern über anstehende Impfungen zu informieren und vieles mehr. Alles nette, überschaubare Projekte, die Detailverbesserungen bringen sollen.

Was aber, wie Orac von den englischen Scienceblogs berichtet, die nicht so ganz glasklare Welt der Impfgegner erschüttert, ist folgender Punkt: Mehr…

Warum Bill Gates mein Held wurde

8. Dezember 2011 24 Kommentare

Ich mochte Windows nie besonders und hatte den folgenden Spruch lange als Signatur:
„In a world without walls and fences, who needs windows and gates?“

Steve Jobs war cool und Linus Torvalds der Größte.

Bill Gates? Ein skrupelloser Geschäftsmann, wie er im Buche steht. Als er die Torte ins Gesicht bekam habe ich gelacht, über Windows Millenium noch mehr.

Heute ist Bill Gates mein Held. Warum? Ganz einfach. Wäre er nicht, würde die Welt heute anders aussehen. 5 Millionen Menschen ärmer, Tendenz steigend …

Vor mehr als 15 Jahren begann Bill Gates seinen Maßstab des Erfolges zu ändern. Der Maßstab war nicht mehr Verkauf, Lizenzen, Marktanteile, auf der Messlatte wurden stattdessen „gerettete Leben, Kinder die nicht verkrüppelt werden“ aufgetragen. Die Gründung seiner Stiftung, die heute die zweitgrößte und außerdem die größte transparente private Stiftung der Welt (Die „IKEA-Stiftung“ ist wohl größer, aber nicht transparent und nur auf dem Papier wohltätig) ist, war eine große Sache. Beeindruckend ist jedoch für mich vor allem, dass Bill Gates ein rationaler Denker ist und bleibt. Die neue Metrik des Erfolges beherzigend, begann er als effizienter und knallharter Geschäftsmann mit dem Ziel die Welt zu verbessern, zu agieren. Hirn regiert über Herz. Wohlfahrt, die nach Ergebnissen strebt, nicht dazu ein schlechtes Gewissen zu beruhigen.

Sehr früh erkannte die Bill & Melinda Gates Foundation (damals noch William H. Gates Foundation) Überbevölkerung als ein Problem mit weitreichenden Konsequenzen. Die Lösungsstrategien lagen scheinbar auf der Hand: Frauen über Verhütungsmittel aufklären, Geburtenkontrolle.

Impfungen ergaben in dieser Logik keinen Sinn. Dann jedoch kamen die Zahlen, die Statistiken. Hans Rosling erklärt das sehr schön:


(Auf der TED-Seite sind Untertitel in 41 Sprachen vorhanden)

Wenn die Kindersterblichkeit sinkt, sinkt, scheinbar paradoxerweise, auch die Geburtenrate. Die Logik ist aber eigentlich einfach, wenn die Menschen wissen, dass ihre Kinder überleben, bekommen sie weniger.

Bill Gates, der Rationalist, sah diese Daten und Statistiken und änderte Meinung und Strategie. Neues Ziel: Senkung der Kindersterblichkeit. Das ist ein Punkt der Rationalisten, Skeptiker, Wissenschaftler auszeichnet: Wenn die Daten nicht zur Theorie passen, verwirft man die Theorie. Nicht die Daten.

Die Daten zeigten weiterhin, dass der beste/kostengünstigste Weg um die Kindersterblichkeit zu senken, Impfungen waren. Das Pferd wurde gesattelt und bestiegen. Die Bill & Melinda Gates Foundation wurde gegründet, noch etwas mehr Kleingeld hineingesteckt.

Und dann kam das Problem: Es gab nicht genügend Impfstoffe! Die Pharmariesen produzierten nicht genug. Warum sollten sie? Warum sollten sie Impfstoffe herstellen, für die Ärmsten der Armen, die sich das Zeug sowieso nicht leisten können? Er stand vor dem Problem, dass es nicht einmal jemand gab, dem er einen Scheck ausstellen konnte…

Es mag als Schock für Impfgegner kommen, aber Impfstoffe waren kein großes Geschäft. Die letzten Ereignisse um Wakefield und Thimerosal verbesserten die Situation auch nicht.

Um die Versorgung zu garantieren musste zuerst ein Markt geschaffen werden, Anreize gegeben werden. Etwas, das der knallharte Geschäftsmann Gates verstand. Zusammen mit UN, Unicef, Weltbank, Pharmafirmen, … stampfte er die Global Alliance for Vaccines & Immunisation aus dem Boden. Er knallte sein Scheckbuch auf den Tisch und schuf einen Markt für Impfstoffe. Garantien der Entwicklungsländer zur Finanzierung von Impfprogrammen, 750 Millionen aus seiner Tasche und ein Abkommen zu einem prüfbaren Verteilungssystem. Die Gates Foundation warf letztens noch etwas Kleingeld ein (also 1 Millarde).

Es hat sich ausgezahlt. Die Kosten für Impfstoffe fielen dramatisch, Rotarix fiel seitdem z.B. von 102 Dollar auf 2,50 Dollar pro Impfung. 5 Millionen Tote (viele davon Kinder) konnten vermieden werden. Im nächsten Jahrzehnt sollen weitere 10 Millionen Menschen durch Impfungen gerettet werden. Die Kinderlähmung steht vor der Ausrottung, die Masern sollten eigentlich recht schnell zu schaffen sein, auch gegen Malaria gibt es einen ersten Impfstoff.

Der von Gates „gerettete“ Impfstoff bietet 50% Schutz. Das ist zwar wenig, aber bei Malaria nimmt man, was man kriegen kann.

5 Millionen Menschen haben Bill Gates und seiner Initiative ihr Leben zu verdanken. Wer sonst kann so etwas von sich behaupten?

Autor: Mr. Bojangles