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Von Quacksalbern und Scharlatanen

29. November 2008 18 Kommentare

Die Anhänger postmoderner Esoterik sind letztlich nichts anderes wie Franchise-Nehmer. So wie Anthroposophen, Homöopathen etc.

Das Franchise besteht darin, ein vorhandenes System zu befürworten, welches einem im Gegenzug den Status des „Geheim-Wissenden“ zugänglich macht – also dem, was man als Esoterik bezeichnet. Der Clou daran ist, dass diese Systeme völlig individuelle Arten von „Geheimwissen“ erzeugen. Es wird also Menschen, die in die Fänge solcher geistiger Mc Donalds-Buden geraten, niemals möglich sein, auf gleicher Ebene zu agieren – der Guru ist stets unerreichbar voraus.

Das funktioniert auf sehr primitiven Ebenen, man kann als entsprechender Manipulator dem Anderen dann schon seine Unterlegenheit dadurch zeigen, dass er in der letzten Nacht nicht das gleiche geträumt hat. Steiner mit seiner Akasha-Chronik ist da ein legendäres Beispiel.

Ein gutes Franchise-Unternehmen bietet natürlich auch ausgefeilte Möglichkeiten zur Kundengewinnung. Im Fall der Esoterik-Branche ist das Mittel der Wahl, Komplexes einfach zu erklären; egal, welche Lügen das erfordert, so dass es möglichst auch die Blödesten kapieren.

[Exkurs: Ein typisches Beispiel ist R.G: Hamer mit seiner „Neuen Germanischen Medizin„. Da gibt es nur fünf „eiserne Gesetze“ die „immer“ gelten. Alles ist ganz einfach. Im Gegensatz dazu kann man sich als wissenschaftlich Interessierter schon mal ein Jahr um die Ohren schlagen, um auch nur im Ansatz zu verstehen, was in einer „simplen“ Zelle so abgeht.]

Das ist der erste Schritt, die Leimrute. Der Geleimte ist dankbar für ein einleuchtendes Modell. Dann kommt ein psychologisch/neuronaler Aspekt dazu: Erklärungsmuster, die uns einmal einleuchten, sind nur sehr schwer wieder abzuschaffen. Man denkt sich die ganze Welt in ihnen. Und schon ist der Leim getrocknet.

Danach will man es dem Guru nachtun: Man „lernt“, will auch solche Einsichten haben. Das ist dank des Franchise-Systems aber unmöglich: Glaubt man an beliebige Ergüsse des Gurus, kann man diese niemals gleichzeitig nachvollziehen. Damit hat die Hilflosigkeits-Falle zugeschnappt: „Ich werde es nie so gut können wie mein Guru.“

Geschäftstüchtige Gurus wiegeln natürlich ab: Sie bieten dann Kurse an. Und sollte jemand zweifeln, wird er in die Verzweiflung gestürzt: Er ist dann unfähig, das „große Ganze“ zu verstehen.

So funktioniert dieses perfekte Geschäftsmodell seit Jahrhunderten. Quacksalber und Scharlatane sind die geistigen Schmarotzer der geistig Schwachen, der Unbeholfenen, der Ungebildeten, der Verzweifelten.

Solche Menschen auszunutzen, statt ihnen zu helfen, ist zutiefst unethisch. Meine ich jedenfalls.

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