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Greenpeace: Gefährliche Gen-Pflanzen außer Rand und Band

Im ersten Teil haben wir uns ja schon mit einigen Aussagen von Greenpeace zur Gentechnik beschäftigt, jetzt geht es mit den angeblichen Gefahren für die Gesundheit weiter.

Gen-Pflanzen können Stoffe bilden, die Risiken für die menschliche Gesundheit bergen. Die Langzeitfolgen von Gen-Pflanzen sind bisher nicht ausreichend erforscht. Inzwischen gibt es einige Fälle, die zeigen, dass Gen-Pflanzen negative Auswirkungen auf die Gesundheit von Versuchstieren haben können.

Das gilt eigentlich auch für beliebige „normale“ Pflanzen. So wurde kurz aufgeschrien, als Killer-GMO-Gras auf einer Weide 15 Kühe getötet hat. Der Aufschrei währte nur kurz – als man feststellte, dass das Gras gar nicht gentechnisch modifiziert war, sondern gezüchtet, war es gleich wieder ruhig.

Mutationen oder Veränderungen sind immer Chance und Risiko. Zahllose Mutationen haben unsere Fauna zu dem gemacht, was sie heute ist, und sind für die Vielfalt der wir gegenüberstehen verantwortlich. In dieser Vielfalt wurden manche Pflanzen giftig und manche nicht.

Aus der Geschichte wissen wir, welche wir essen können/sollen. Wir wissen, dass Fliegenpilz Knollenblätterpilz nicht für die Einnahme gedacht ist, unsere Vorfahren haben die notwendigen Experimente vor langer Zeit durchgeführt. Vielleicht kommt daher das Sprichwort: „Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht“. Ein durchaus nicht unkluger Ansatz.

Und die Langzeitfolgen? Man versucht selbstverständlich diese auch zu testen, aber das ist besonders schwierig. Wir sind ja nicht einmal bei den Langzeitfolgen beliebiger Dosierungen bekannter Stoffe sicher. Langzeitnachweise sind sehr mühsam.

Man versucht natürlich mögliche Auswirkungen zu testen, hat bisher nichts gefunden. Die Gegner argumentieren, dass man dann einfach nicht gut genug getestet hat. Dieses Spiel kann man natürlich immer nur gewinnen. Man fordert etwas, was nie bewiesen werden kann.

Nahrungsmittel aus Pflanzen die mit Gentechnik verändert wurden, stehen mittlerweile seit mehr als 15 Jahren in den Regalen(Flavr-Savr-Tomate) der Welt und das war es.

Daraus folgt natürlich nicht, dass jede gentechnische Veränderung immer harmlos ist. Mit der Gentechnik führt man eine kontrollierte Mutation durch, man sorgt dafür, dass sich eine neue Eigenschaft ausbildet. Das heißt aber nicht automatisch, dass man daraus dann einen Vorteil hat.

Kann das einen giftigen Stoff zur Folge haben? Aber sicher! Aber das kann man testen. Dann stellt sich eben exakt diese Änderung als Fehlschlag heraus.

Von Seiten der Gentechnik-Gegner wird interessanterweise noch argumentiert, dass es nicht genug Forschung gäbe, dass nicht genug und unabhängig genug getestet wird. Auf der anderen Seite will man aber auch keine Forschung zum Thema, wie schon mehrfach demonstriert.

Das Urteil ist ja bereits gefällt, Gentechnik ist nutzlos.

Wir wünschen uns genauso unabhängige Bewertungen und Studien von den Universitäten, die die angepriesenen Fähigkeiten der verschiedenen Sorten prüfen und die Modifikationen bewerten. Konservativ bewerten? Gerne. Sicherheit sollte die Richtschnur vorgeben.

Platz 1 auf der Liste von Greenpeace bei den „Beweisen“ für die gesundheitsschädliche Wirkung von gentechnisch veränderten Pflanzen nimmt eine Rattenstudie ein:

Veränderte Blutwerte bei Ratten: Französische Wissenschaftler berichten in einer Studie über Gesundheitsrisiken, die von drei Gen-Maisvarianten der Firma Monsanto ausgehen. Untersucht wurden Daten aus Fütterungsversuchen an Ratten, die die US-Firma Monsanto in Auftrag gegeben hatte. Die Blutwerte der Tiere für Leber und Nieren zeigen signifikante Veränderungen. Laut Professor Gilles-Eric Séralini von der französischen Universität Caen könnten Schäden für die menschliche Gesundheit daher nicht ausgeschlossen werden.

Im ersten Augenblick dachten wir schon, dass die aktuelle Studie von Séralini verlinkt sei, aber das hat sich Greenpeace dann wohl entweder nicht getraut oder der Text ist einfach älter. Diese war zwar ein großer Mediencoup, hatte aber in Wahrheit schwerste Mängel. Darüberhinaus wird stark bezweifelt, dass Séralini unparteiisch ist. Gilles-Eric Séralini findet sich übrigens bei uns im Wiki, er liefert z.B. auch Studien zu homöopathischen Produkten zum Schutz vor Roundup.

Diese ältere Arbeit ist ebenfalls höchst mangelhaft, eine Bewertung mit Analyse findet man hier. In der Conclusio wird daher auch erklärt: „[the study] presents no admissible scientific element likely to ascribe any haematological, hepatic or renal toxicity to the three reanalysed GMOs“

Mäuse erkranken an Atemwegen: In Australien stellten Wissenschaftler fest, dass Gen-Erbsen im Fütterungsversuch mit Mäusen zu einer Beeinträchtigung des Immunsystems und zu Atemwegserkrankungen der Tiere führten. Das in die Erbse hineinmanipulierte Gen stammte von einer Bohne, die für Säugetiere gut verträglich ist. Die Struktur des Proteins, das sich in der Gen-Erbse bildete, war jedoch leicht verändert. Und dieser feine Unterschied hatte weitreichende Auswirkungen auf die Gesundheit der Mäuse.

In diesem Fall geht es um eine Studie, die 2005 ziemlichen Aufruhr verursacht hat. Australische Forscher hatten ein Gen von der Bohne auf die Erbse übertragen um sie resistent gegen den Erbsenkäfer zu machen. Das hat auch super geklappt.
Aber dann die böse Überraschung. Bei den gentechnisch veränderten Erbsen gefütterten Mäusen kam es zu einer Immunreaktion die durch eine Lungenentzündung charakterisiert wurde. Der Tierversuch wurde daraufhin abgebrochen, die Erbse als Fehlschlag betrachtet.

Nach neuesten Erkenntnissen war der Versuch völlig ungeeignet, da Erbsen, Bohnen und Kichererbsen generell Allergien bei Mäusen hervorrufen können. Egal ob genetisch modifiziert oder nicht. Die Änderung hat die allergene Wirkung zwar verstärkt, aber Versuche mit Mäusen waren in diesem Fall prinzipiell nicht sinnvoll. Eine aktuelle Studie schlägt daher vor:

We recommend that the use of mouse models for testing GMO allergenicity needs to be carefully evaluated on a case-by-case basis.

Das diese neue Bewertung aufgetaucht ist, disqualifiziert diese Studie, wir möchten aber einschränkend bemerken, dass so ein Ergebnis sicherlich möglich ist. Man arbeitet mit einer extrem mächtigen Technologie und wenn man „Neukonstruktionen“ vornimmt, so muss man die natürlich testen.

Selbstverständlich sollten daher an unseren Universitäten solche Fütterungsversuche unternommen werden und wenn sich eine Modifikation als problematisch erweist, dann zurück ans Reißbrett.

Aber genau das ist hier ja auch geschehen. Tests wurden gemacht, die Ergebnisse wurden veröffentlicht, jahrelange Forschung war mit einem Schlag „umsonst“. Das sich der Test im Nachhinein als fehlerhaft herausgestellt hat, ist natürlich „bitter“. Aber der Prozess hat funktioniert.

Riskante Gene: Antibiotikaresistenz-Gene werden von Gentechnikern oft als sogenannte Markergene eingesetzt. Diese helfen, jene Pflanzenzellen zu finden, die das neue, in die Pflanze manipulierte Gen aufgenommen haben. Die Technik ist jedoch überholt und riskant.

Hier kann man nur sagen: Ja, stimmt. Wie hoch das Risiko ist, lässt sich nur schwer abschätzen, aber die Nachteile dieser Technik überwiegen. Im Detail nachzulesen bei biosicherheit.de.

Im letzten Block ihres Artikels geht es um die Kontrollierbarkeit der Technologie:

Neben der Gentechnikindustrie behaupten auch einige Politiker, dass genmanipulierte Pflanzen kontrollierbar seien. Das zentrale Ziel des in Deutschland seit April 2008 gültigen Gentechnikgesetzes ist daher die Koexistenz: Ein Nebeneinander von Landwirtschaft mit und ohne Gen-Pflanzen sei kein Problem, heißt es. Ist es aber doch – wie die Realität auf dem Acker und in unseren Lebensmitteln zeigt.

Greenpeace hat in gewisser Hinsicht recht: Sobald die Pflanzen zugelassen sind, werden sie genutzt. Bestes Beispiel die USA. In den USA haben diese Sorten bei Mais, Baumwolle, Zuckerrübe und Soja 90% der Anbaufläche erobert und weltweit ist die damit bebaute Fläche auch 2012 wieder angewachsen, auf nunmehr 170 Millionen Hektar geklettert.

Aber das Beispiel USA zeigt auch, dass ein Miteinander prinzipiell möglich ist. Immerhin werden bei den obigen Pflanzen jeweils etwa 10% der Ackerfläche des Landes mit nicht transgenen Sorten bebaut. „Organic farming“ (ungefähr „Bio“ bei uns) ist auch in den USA ein Trend.

Regelmäßig werden auch in Deutschland Gentechnik-Lebensmittelskandale bekannt: Illegaler Gen- Reis aus China und den USA, mit Gen-Raps verunreinigter Honig und Senf aus Kanada oder Brötchen mit illegaler Gen-Leinsaat.

Uns ist zu diesem Zeitpunkt nicht klar, warum Gen-Reis (eine interessante Bezeichnung, der nahelegt, dass guter Reis keine Gene hat) oder Gen-Raps eine Verunreinigung darstellt. Greenpeace hat es nicht geschafft darzulegen, warum es ein Problem ist.

Zu folgender Behauptung noch ein paar Sätze:

Gen-Pflanzen halten sich nicht an Ackergrenzen: Werden Gen-Pflanzen auf den Feldern angebaut, können sie sich über Pollenflug in artverwandte Acker- und Wildpflanzen auskreuzen und so das ökologische Gleichgewicht und die biologische Vielfalt gefährden. Gen- Pflanzen kennen keine Ackergrenzen, und Pollen lassen sich weder durch Zäune noch durch Abstandsregelungen kontrollieren. Einmal in die Umwelt freigesetzt, kann niemand die Gene zurückholen.

Und das ist ein Problem weil? Hier kommt wieder die Evolution ins Spiel. In diesem Fall die natürliche Auslese. Ist das Gen von Wert, dann verbreitet es sich auch in anderen Pflanzen. Es setzt sich durch, was einen Vorteil bringt.

Greenpeace tut gerade so, als wäre ein Gen „böse“. Das ist es nicht. Gene sind Bauteile des Lebens und setzen sich durch oder auch nicht. Wenn sie von Vorteil sind verbreiten sie sich, wenn nicht, dann nicht. Das ist das natürlichste auf der Welt, immer schon gewesen.

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  1. Dolge
    9. März 2013, 21:41 | #1

    „Aus der Geschichte wissen wir, welche wir essen können/sollen. Wir wissen, dass Fliegenpilz nicht für die Einnahme gedacht ist, unsere Vorfahren haben die notwendigen Experimente vor langer Zeit durchgeführt. Vielleicht kommt daher das Sprichwort: “Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht”. Ein durchaus nicht unkluger Ansatz.“

    Kulturgeschichte des Amanita muscaria: 6, setzen.

    Sowas zu lesen, bricht mein Mykologen-Herz. Fliegenpilze wurden in etlichen Kulturen konsumiert, auch in „unserer“ (d.h. der germanischen) war es durchaus Usus. Ich weiß, was eigentlich gemeint ist, aber die unpräzise Ausdrucksweise macht das oben zitierte leider komplett falsch.

    Die Flavr-savr-Tomate ist übrigens auch längst wieder aus den Regalen verschwunden. Selbst der Einsatz zur Produktion von Ketchup und Tomatenmark (weil man die Tomaten auch später ernten und trotzdem anständig verarbeiten konnte) ist mittlerweile überholt.

    Die Darstellung der „Natürlichkeit“ von horizontalen Gentransfers (z.B. auch von Bakterien in Pflanzen) ist insofern schwachsinnig, dass die beobachteten Transfers z.B. bei Pflanzen nicht in die Keimbahn gelangen und so keiner Evolution unterworfen sind. Insofern kann ich das Argument der Florenverfälschung schon nachvollziehen. Vor allem künstlich eingeführte (Stress- oder Infekt-) Resistenzen können zu überlegener Konkurrenzstärke führen und dafür sorgen, dass einheimische Arten oder Genotypen verdrängt werden. So etwas ist von der Warte des Umwelt- und Naturschutzes durchaus ein Problem, wie man an dem Heckmeck mit invasiven Neobiota gut sehen kann.
    Dem sollte man eher folgende Argumente gegenhalten: Gentechnische Sicherheitstechnischen wie Infertilität zur Verhinderung der Auskreuzung in Wildarten oder Supplementabhängigkeiten, die dafür sorgt, dass GV-Pflanzen nur auf Böden gedeihen, die per Düngung entsprechend vorbereitet wurden.

  2. Mr. Bojangles
    9. März 2013, 22:58 | #2

    Ich wusste nur, dass die Russen und Germanen den Fliegenpilz ob seiner berauschenden Wirkung genutzt haben. Aber wie mir die Suchmaschine gerade mitteilt, es gibt tatsächlich Rezepte um den Pilz zuzubereiten. Wieder etwas gelernt, von Pilzen habe ich leider keine Ahnung.

  3. Dolge
    10. März 2013, 00:36 | #3

    So gesehen ist Konsum wegen berauschender Wirkung auch deutlich wertvoller als Konsum, um satt zu werden. Fressen kann man letztlich viel. Aber bunte Visionen? Das kann nicht jeder 😉

  4. ark
    10. März 2013, 11:18 | #4

    „Kulturgeschichte des Amanita muscaria: 6, setzen?“

    „Sowas zu lesen, bricht mein Mykologen-Herz. Fliegenpilze wurden in etlichen Kulturen konsumiert, auch in “unserer” (d.h. der germanischen) war es durchaus Usus“?

    Germanische Kultur? Was soll denn das sein? So etwas bricht mein Archäologen- und Historikerherz, 6 setzen!

  5. Geralt
    10. März 2013, 13:46 | #5

    > Uns ist zu diesem Zeitpunkt nicht klar, warum Gen-Reis (eine interessante
    > Bezeichnung, der nahelegt, dass guter Reis keine Gene hat) oder Gen-Raps
    > eine Verunreinigung darstellt.
    Aus dem gleichen Grund aus dem es aktuell einen Skandal um Pferdefleisch in Lebensmitteln gibt: Es ist nicht das drin was außen draufsteht. Pferdefleisch an und für sich ist weder ungesund noch irgendwie schädlich. Taucht es aber in irgendwo auf, wo eigentlich nur Schein drin sein soll, ist es eine Verunreinigung bzw. glatter Betrug am Käufer.

    Zur „interessante[n] Bezeichnung“ Gen-Reis:
    Es dürfte sich eher um eine verkürzte Form von „genmanipulierter Reis“ handeln. Solche Zusammenziehungen sind nun wirklich nicht unüblich.

    >> Gen-Pflanzen halten sich nicht an Ackergrenzen
    > Und das ist ein Problem weil?
    Siehe oben, weil sie dann in Produkte gelangen in denen sie nicht sein sollten. Auch als Bauer sähe ich es nicht gerne wenn ich mich bewußt dafür entscheide GMO nicht anzubauen, sie mir dann aber trotzdem von einem Nachbarfeld einfange.

    Mal ganz zu schweigen von möglichen rechtlichen Folgen – Monsanto hat in der Vergangenheit schon auf Schadenersatz geklagt, weil die betroffenen Bauern dann ja unlizensierte GMO einsetzen.

  6. froschels
    10. März 2013, 14:22 | #6

    Auch beim 2. Teil hätte ich mir wieder gewünscht GreenPeace um eine Stellungnahme zu bitten. Das würde den Text meines Erachtens sehr aufwerten

  7. tachy
    11. März 2013, 01:00 | #7

    „Ist das Gen von Wert, dann verbreitet es sich auch in anderen Pflanzen. Es setzt sich durch, was einen Vorteil bringt.“

    Vorsicht: Was ist mit genmanipulierten Pflanzen, die andere aufgrund ihrer Eigenschaften verdrängen? In der Tierwelt gibt es das schon, beispielsweise mit per Schiff importierten Insekten.

    Gut? Schlecht? Nicht der Rede wert?

  8. Compuholic
    11. März 2013, 01:25 | #8

    Monsanto hat in der Vergangenheit schon auf Schadenersatz geklagt, weil die betroffenen Bauern dann ja unlizensierte GMO einsetzen

    Ich will die Geschäftspraktiken von Monsato sicher nicht verteidigen aber bei dem Fall, der mir bekannt ist, war der betreffende Bauer alles andere als unschuldig. Klar kann er erst einmal nix dafür, wenn vom Nachbarfeld was rüberweht. Allerdings hatte er dann gezielt das Roundup-Herbizid eingesetzt welches nur die gentechnisch veränderten Pflanzen überstehen. Die so selektierten Pflanzen hatte er dann benutzt um kostenlos an das Saatgut zu kommen. Das ist schon ziemlich dreist.

  9. Oscar Dube
    11. März 2013, 17:08 | #9

    Hallo,

    ich hätte mal ein Frage, reines Interesse: Hat irgendjemand (Psiram-Team inkl.) mal Erfahrungen gemacht, was Gentechnik-Gegner eigentlich antworten, wenn man sie mit dem Argument konfrontiert, dass Gentechnik eine ökologisch-nachhaltige Technik sein könnte (wenn man es zuließe)? Also in dem Sinne, Pflanzen zu manipulieren, um Bodengüte, Erosion, Wasserhaushalt, Giftbelastungen, Atmosphäre etc. positiv zu beeinflussen (mal abgesehen von der Möglichkeit, Essen und Rohstoffe effizienter (und damit letztlich ökologisch) herzustellen). Klingt vielleicht nach SciFi, aber mir kommt es eher so vor, als würde das Thema unter den Tisch gekehrt… m. E. handelt es sich hier um einen eklatanten Widerspruch im (angeblich) ökologischen Denken.

    Und hat sich mit diesem Punkt (also Ökologie mittels GMO) schonmal jemand tiefergehend auseinander gesetzt? Tut mir leid, dass ich so direkt um Informationen bitte, aber das Argument „Gentechnik funktioniert nicht, ist aber trotzdem schädlich“, das ist so alt und dumm; ich würde mich mal gerne etwas interessanterem zuwenden. Ich habe hier die letzten Posts zu dem Thema verfolgt, und das Thema tauchte nicht auf. Ich kenne persönlich leider (oder sei’s gedankt) niemanden, der sich für „Gene“;) interessiert, also etwas dazu sagen kann.

    Danke vielmals & für die schönen Artikel auch

  10. Dolge
    11. März 2013, 17:52 | #10

    tachy :“Ist das Gen von Wert, dann verbreitet es sich auch in anderen Pflanzen. Es setzt sich durch, was einen Vorteil bringt.”Vorsicht: Was ist mit genmanipulierten Pflanzen, die andere aufgrund ihrer Eigenschaften verdrängen? In der Tierwelt gibt es das schon, beispielsweise mit per Schiff importierten Insekten.Gut? Schlecht? Nicht der Rede wert?

    Offenbar nicht der Rede wert, sonst hätte *irgendwer* meinen Kommentar zum Thema auch beantwortet. Ebenso der Einfluss selbspestizider GVO auf das Ökosystem Feld. Das ist ein wichtiger Kritikpunkt, auf den von den Agrargentechnik-Befürwortern nicht eingegangen wird. Ich nehme an, das zählt als Kollateralschaden und wird achselzuckend hingenommen, weil es sich mit den Ängsten, die die breite Bevölkerung hat, eher nicht deckt und daher keinen Einfluss auf die Markt- und Verbraucherfähigkeit von GVO hat. Allerdings sind das auch Themen, die Greenpeace kaum anschneidet, eben weil man weiß, dass man damit die Normalbevölkerung nicht hinter dem Ofen hervorlockt. Für die ist es kein Problem, wenn „Schädlinge“ aussterben.

  11. Combo
    11. März 2013, 18:06 | #11

    Geralt :Zur “interessante[n] Bezeichnung” Gen-Reis: Es dürfte sich eher um eine verkürzte Form von “genmanipulierter Reis” handeln. Solche Zusammenziehungen sind nun wirklich nicht unüblich.

    Dabei sollte man aber auch beachten das Verbrauchern durch diese Unterteilung in „Gen-Reis“ und „normalen Reis“ Gene als etwas negatives dargebracht werden. Gerade Menschen mit geringen Kenntnissen in den Naturwissenschaften neigen inzwischen onehin dazu alles was nach einer chemischen Formel oder Bezeichnung aussieht direkt negativ zu besetzen. Ich kenne durchaus Personen denen man mit „enthält H2O“ Angst machen könnte.

  12. Geralt
    12. März 2013, 02:16 | #12

    Combo :Ich kenne durchaus Personen denen man mit “enthält H2O” Angst machen könnte.

    Dihydrogenmonoxid 😉

    Aber du hast schon nicht unrecht damit, daß „Gen“ durch solche Kampagnen potentiell negativ belegt wird. Vermutlich sind solche Verkürzungen schlicht der besseren Kampagnenwirkung geschuldet: „Kein Gen-Mais!“ ist nunmal griffiger als „Kein transgener Mais!“

  13. Compuholic
    12. März 2013, 03:03 | #13

    Was ist mit genmanipulierten Pflanzen, die andere aufgrund ihrer Eigenschaften verdrängen?

    Das Problem besteht ja prinzipiell auch bei klassischen Züchtungsmethoden. Komischerweise interessiert das die Leute aber nur bei gentechnisch veränderten Pflanzen.

    Ebenso der Einfluss selbspestizider GVO auf das Ökosystem Feld. Das ist ein wichtiger Kritikpunkt, auf den von den Agrargentechnik-Befürwortern nicht eingegangen wird.

    Kannst Du genaueres dazu sagen? So wie sie dasteht kann ich die Kritik nicht nachvollziehen. Wo genau ist der Unterschied in den Auswirkungen auf das Ökosystem? Ob die Pestizide vom Landwirt ausgebracht werden oder von den Pflanzen selbst kommen, sollte doch egal sein, oder?

  14. nejtysk
    12. März 2013, 04:38 | #14

    @ ark
    Ich bin zwar „nur“ Historiker aber da gab es auch zumindest ein Modul für Archäologie und man kann hier in der späten Eisenzeit durchaus von (west)germanischer Kultur reden, auch im archäologischen Sinne. Und dies waren nun auch die Leute, die noch Fliegenpilze verspeisten. Viel verbreiteter war es jedoch bei arktischen Rentiernomadenstämmen.

  15. Dolge
    12. März 2013, 07:55 | #15

    compuholic: Das Problem ist auch nicht, dass bestimmte Arten verdrängt werden, sondern Genotypen. Bei hochresistenten oder pestiziden Pflanzen kann eine Auskreuzung dieser Information (die ja oft genug nicht pflanzlichen Ursprungs sind, und, wie ich oben schon dargelegt habe, i.d.r. nicht in die pflanzliche Keimbahn gelangen) Wildtypen verdrängen. Die Sorge besteht z.B. um „alte“ Zuchtsorten, für deren Erhalt mittlerweile viel getan wird oder um selten gewordene reine Wildtypen. Ich kenne z.B. bei Apfelsorten den Trick, dass man auf GV-Pflanzen „normale“ Sorten aufpropft und den GV-Teil steril hält, sodass die Pflanze von den Genprodukten des GV-Teils profitiert, aber keine GV-Saat produziert.

    Wegen pestizider Sorten oder auch totalherbizidresistenter Sorten gibt es Bedenken (und Belege), dass diese ökologisch stärker eingreifen als der konventionelle Einsatz von (nichttotalen) Pestiziden. Das Hauptproblem ist aber auch hier die Freisetzung dieser Information in die Keimbahn und damit den pflanzlichen Genpool im weiteren Sinne.

  16. Compuholic
    12. März 2013, 16:43 | #16

    Das Problem ist auch nicht, dass bestimmte Arten verdrängt werden, sondern Genotypen.

    Und wieder verstehe ich das Problem nicht? Bei Züchtungen verändere ich ja auch den Genotyp einer Pflanze. Diese Veränderungen können auch auskreuzen, Wildtypen verdrängen und den pflanzlichen Genpool verändern. Warum sind gentechnisch erzeugte Veränderungen gefährlich und natürlich gezüchtete Veränderungen nicht?

    Und auch wenn Wildtypen verdrängt werden? Ich sehe das tiefere Problem nicht. Die Evolution hat schon lange bevor der Mensch da war Verdrängungswettbewerbe mitgemacht. Natürlich ist der Mensch mittlerweile eine eigene Naturgewalt geworden und ich sehe natürlich ein, dass wir versuchen sollten unseren Einfluss auf unsere Umgebung zu minimieren aber ich sehe nicht, was die Gentechnik so grundsätzlich anders macht als natürliche Evolution bzw. Züchtung.

  17. torben hoffmeister
    12. März 2013, 17:29 | #17

    Oscar Dube
    Ökologie mittels GVO siehe hier:
    http://www.gute-gene-schlechte-gene.de/okolandbau-und-gentechnik-auf-immer-naturliche-feinde/
    http://www.gute-gene-schlechte-gene.de/gentechnik-und-okolandbau-eine-ungewohnliche-verbindung/
    Im Übrigen gab es in Deutschland bereits verheißungsvolle Entwicklungen wie mit der Phytophthora-toleranten Kartoffel (Braunfäuleerreger) der BASF, die weniger Pestizideinsatz im Biolandbau (weniger Boden-schädigender Kupfereinsatz) und im konventionellen Anbau (weniger chemischer Fungizideinsatz) zum Ziel hatte. Nur weil es stigmatisierte Gentechnik mit Transgenen war (eigentlich eher Cisgenetik, da die Resistenzgene aus einer Wildkartoffel stammen) und es inklusive von Feldzerstörungen durch NGO`s und Grüne bekämpft wurde, hat sich BASF im wahrsten Sinne des Wortes vom Acker gemacht und betreibt jetzt Forschung und Entwicklung wie auch Bayer zuvor in den USA.
    Ein Kommentar der die ganze Absurdität zusammenfasst, findet sich hier:
    http://www.tagesspiegel.de/meinung/gruene-gentechnik-gentechnisch-befreite-zone/6078204.html

  18. Dolge
    12. März 2013, 20:11 | #18

    Wenn man dieser Argumentation folgen wollte, wäre sämtlicher Umwelt-, Natur-, Artenschutz hinfällig. Ich sehe Biodiversität sowohl auf Arten- als auch auf Genotypenebene als erhaltenswerten Schatz an, der einen ideellen Wert an sich darstellt. Ob man anthropogenes Wirken auf die Natur begrenzen will oder nicht, ist sicher im Kern eine philosophische und ideologische Frage – ich habe sie für mich persönlich so entschieden, dass ich dies nicht allein aufgrund von ökonomischen Faktoren aufgeben würde. Ich meine damit weniger die technophobe Einstellung zum Thema „Gott spielen“ a la Crichton sondern die Reduktion (und überhaupt Berücksichtigung) auch wirklich langfristiger Risiken. Bei einigen modernen technischen Werkzeugen sollte man jedes mal ernsthaft die Frage stellen, ob die Anwendung gerechtfertigt und auch für zukünftige Generationen verantwortbar ist. Hoffentlich ist unser Nachlass mal mehr als ein Haufen Fehler, aus denen man lernen kann.

  19. CSM
    12. März 2013, 20:33 | #19

    Dolge :Wenn man dieser Argumentation folgen wollte, wäre sämtlicher Umwelt-, Natur-, Artenschutz hinfällig. Ich sehe Biodiversität sowohl auf Arten- als auch auf Genotypenebene als erhaltenswerten Schatz an, der einen ideellen Wert an sich darstellt.

    Ein Fehlschluss. Arten können selbstverständlich geschützt werden. (z.B. Jagdverbote bei Tiger, Elefant, etc.) Aber wir sollten nicht ihre Evolution verhindern. Wenn ein neuer Genotyp auftaucht und den Elefanten z.B. in eine indische und afrikanische Variante spaltet ist es unsinnig den Gen-Puristen zu spielen und einen Genotyp auszulöschen. Ob dieser Genotyp nun durch „natürliche“, künstliche Mutation oder per Gentechnik hinzugekommen ist, spielt keine Rolle.

  20. Dolge
    13. März 2013, 01:38 | #20

    Spielt wohl eine Rolle. Beim Artenschutz per Jagdverbot schützt du den Elefanten genauso vor anthropogenem Einfluss. Wenn der Mensch ihn ausrottet, ist das letztlich genauso Evolution, der Elefant war leider nicht an eine vom Menschen dominierte Umwelt angepasst. Entweder räumt man dem Menschen eine Sonderstellung inklusive besonderer Verantwortung gegenüber seiner Umwelt ein oder nicht. Nur Großtiere zu schützen, weil sie sich besser verkaufen und touristisch nutzen lassen oder weil sie einfach unserem ästhetischen Empfinden entsprechen, ist eine Haltung, die ich auch bei vielen „Umweltschützern“ zum Kotzen finde. Ich sage nicht: Schutz um jeden Preis (wenn es zum Beispiel um Pathogene handelt), aber ein Abwägen ist bei jeder Einflussnahme erforderlich.

  21. Dolge
    13. März 2013, 01:40 | #21

    Nachtrag: Wie gesagt, eher eine philosophische als eine wissenschaftliche Frage. Hier an Ort und Stelle garantiert nicht erschöpfend zu klären. Ich bin ziemlich auf einer Linie mit Precht’s „Die Kunst, kein Egoist zu sein“.

  22. Compuholic
    13. März 2013, 11:42 | #22

    @Dolge:

    Nette Ansprache nur haben Sie sich leider (wieder einmal) um die Frage herumgedrückt, warum die Veränderung des Genotyps via gentechnischen Methoden böse ist und natürliche bzw. gezüchtete Veränderungen gut sind.

    Wenn ich Ihrer Argumentation folgen würde, müsste ich zumindest sämtliche Züchtungen zum Schutz der Artenvielfalt verbieten.

  23. ark
    13. März 2013, 13:01 | #23

    Nicht so bescheiden, nur Historiker, ts, ts, walking tall!
    Ihr Modul scheint einführenden Charakters gewesen zu sein. Ich will sie nicht mit der Diskussion um den archäologischen Kulturbegriff langweilen. Der Begriff von der „germanischen Kultur“ wird nicht mehr verwendet, weil es keine einheitliche germanische Kultur gab. Schon gar nicht in der Archäologie! Er ist nur noch ein forschungsgeschichtlicher Termius, so wie „die Kelten“ oder „die Slawen“ auch.

    Nachgewiesen ist die Verwendung von Fliegenpilz nur bei rezenten Völkern. Historische oder gar archäologische Quellen, wie der Anstieg der Sativapflanzungen in römischen Gebieten, findet sich in der Germania magna bisher leider nicht. Die Genese der Legende von der Verwendung in Nordeuropa können sie bei Wikipedis nachlesen, die den der „germanischen Kultur“ übrigens auch.

    Für gewöhnlich bin ich nicht so pingelig aber beim hochmütigen „6 setzen“ schwillt mir der Kamm.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Germanen
    http://de.wikipedia.org/wiki/Fliegenpilz#Der_Fliegenpilz_als_Rauschmittel

  24. ark
    13. März 2013, 21:52 | #24

    Danke für die Aufklärung bezüglich der „germanischen Kultur“. In der Sprachwissenschaft wird der Begriff freilich weiterhin fröhlich verwendet…

    Allerdings gibt es dort etliche Anzeichen für eine Nutzung, unter anderem wird Wotan immer wieder mit dem Fliegenpilz in Verbindung gebracht. Die vielzitierte Verbindung zum Berserker (durfte ich mir auch von einer Ökologie-Professorin noch anhören) finde ich wiederum auch fraglich, zumindest als Hauptwirkkomponente kommt er eher nicht in Frage. Endgültig belegen könnte man den Konsum wohl aber nur durch Sporenfunde im Magen gut konservierter Germanen 😉

    Ändert allerdings alles nichts daran, dass der von mir kritisierte Abschnitt einfach falsch war.

  25. bayle
    13. März 2013, 22:41 | #25

    ark :Endgültig belegen könnte man den Konsum wohl aber nur durch Sporenfunde im Magen gut konservierter Germanen

    Sofern der Verzehr a) freiwillig und b) bewusst war.
    😉

  26. ark
    13. März 2013, 22:54 | #26

    Stimmt. Ja, das wärs ein germanischer Ötzi. Ein letzter Aspekt, nach vertrauenswürdigen Quellen macht Fliegenpilz nicht wütig, sondern mellow. Wer weiß was die Jungs sich da zusammengebraut haben!

  1. 11. März 2013, 17:23 | #1