Home > Paramedizin > Was ist Qualität?

Was ist Qualität?

Die Deutsche Angestellten-Krankenkasse wurde vom Wirtschaftsmagazin Euro „zur Kasse mit besten alternativen Heilmethoden gewählt
Die DAK interpretiert das so:

Neues Signet bestätigt DAK-Qualität.

Auf der oben verlinkten Seite schreibt die DAK selber:

Eine jüngst veröffentlichte Forsa-Umfrage ermittelte, dass 67 Prozent der Deutschen, die Kompetenz in Fragen der medizinischen Versorgung als entscheidend für die Kassenwahl ansehen.

Kompetenz in Fragen der medizinischen Versorgung? Schauen wir mal: Zur Homöopathie sagt die DAK in echter Werbetexter-Poesie:

Nutzen Sie die verkehrte Heilungswelt! Similia similibus curentur. Alles klar? Na gut. Für die Nicht-Lateiner unter uns: “Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden.” Dies bedeutet die Übereinstimmung des Krankheitsbildes mit dem Arzneimittelbild. Diese Aussage ist die eigentliche Definition der Homöopathie. Ein anderer Begriff hierfür wäre die Resonanz.

Wie bitte? Verkehrte Heilwelt? Welche Resonanz?
Danach:

Die Mittel in der Homöopathie werden systematisch verdünnt – potenziert, wie man im Fachjargon sagt. Dabei wird dem jeweiligen Mittel bei jedem Verdünnungsschritt Energie zugeführt und “verschüttelt”. Was dabei genau passiert, ist wissenschaftlich nicht eindeutig. Am populärsten ist die These, dass dabei Informationen der jeweiligen Substanz übertragen werden. So können auch “giftige” Stoffe als Heilmittel genutzt werden, ohne dass Sie dabei gefährdet würden. Auch bei den sehr stark verdünnten Mitteln gibt es keinerlei Grenzen in der Wirkung.

Welche Energie? Was dabei passiert, ist wissenschaftlich eindeutig: außer Verdünnung nichts. Und keinerlei Grenzen der Wirkung?
Weiter unten aber dann:

Die Arzneimittel, die in diesem Bereich eingesetzt werden, sind sehr umstritten.

Mal ehrlich, ist das medizinische Kompetenz? Qualität? Erst dumme Texte von jemandem, der keine Ahnung von Homöopathie und offenbar auch nicht von Wissenschaft hat, dann das Eingeständnis, dass das sehr umstritten sei?
Weiter geht es mit anthroposophischer „Medizin“.
Auch hier läuft der Dichter zur Hochform auf:

Die anthroposophisch orientierte Heilkunde versteht sich nicht als alternative, sondern als eine erweiterte naturwissenschaftliche Medizin. Sie richtet sich dabei am Wesen des Menschen und seinen individuellen seelisch-geistigen Bedürfnissen aus. Der Zusammenhang zwischen Mensch und Natur, eine zwangsläufige, da evolutionsbedingte Verwandtschaft, bildet einen zentralen Basisgedanken der Anthroposophie.

Eine evolutionsbedingte Verwandtschaft zwischen Mensch und Natur. Aha. Zentraler Basisgedanke.
Weiter gehts mit:

Wahrscheinlich ist Ihnen der Naturwissenschaftler Rudolf Steiner als Begründer der Waldorfschulen ein Begriff. Was viele aber nicht wissen: Ihm und der Ärztin Ita Wegman verdanken wir die anthroposophische Heilkunst, die schon damals als Ergänzung der Schulmedizin gedacht war.

Steiner und Naturwissenschaftler. Klar doch, es hat sich ja etabliert, dass Naturwissenschaftler aus nur in ihrem Kopf bestehenden Chroniken zu lesen pflegen. Kuhhörner im Acker, Mondlicht auf Kuhhintern, Atlantis, Wurzelrassen. Ganz offensichtlich Naturwissenschaft. Der ganze Schwall geht noch weiter, lesen Sie selber.
Spannend ein Schlusssatz:

Die anthroposophische Arzneitherapie beruht lediglich auf Erfahrungen, nicht auf wissenschaftlichen Untersuchungen.

Ja was jetzt? Naturwissenschaft oder nicht?
Jetzt wissen wir ungefähr, was die DAK unter Qualität und medizinischer Kompetenz versteht. Blöd nur, dass sich Quacksalber aller Art wiederum auf sowas als „Beweis“ beziehen: Eine Kasse würde ja sowas nicht erstatten, wenn es nicht wirkt, behaupten sie kuhäugig. Wer es noch nicht gewusst haben sollte: Kassen haben als Ziel, möglichst wenig zu erstatten. Die Zielgruppe der esoterisch Verdummten ist im Schnitt noch relativ jung und verursacht wenig Kosten.

  1. Scardanelli
    3. Juni 2009, 14:13 | #1

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    das Fazit des Beitrags würd ich so unterschreiben. Ansonsten: Reg‘ ich mich da schon nicht mehr auf. Schließlich lässt sich die Kasse leicht wechseln – und dass unsere Gesundheitsversorger den Schmarrn mit ins Programm nehmen ist reines Selbstnutz-Denken. Kann ihnen niemand verbieten: Schließlich ist der Markt da, also wird er bedient.

    Untertänigst

  2. treberT ottO
    3. Juni 2009, 15:23 | #2

    Kranke Kasse schrob:

    "Ein anderer Begriff hierfür wäre die Resonanz."

    Soweit ich es sehe, ist "Resonanz" seit ein paar Jahren DIE Szenevokabel. Hat natürlich nichts mit Resonanz im physikalischen Sinn zu tun, sondern heißt soviel wie "A beeinflusst B irgendwie" oder "A und B haben bestimmt irgendwie etwas miteinander zu tun".

  3. Typ.o
    3. Juni 2009, 22:20 | #3

    Energie, Strahlen, Wellen, Felder… Gerade die technikfeindlichen und von jeder wissenschaftlichen Denkweise verschonten Esoteriker bedienen sich gerne dieser Vokabeln, denn selbst in wisenschaftlich bildungsfernen Schichten kann man mit deren Beiklang von Glaubwürdigkeit und Signifikanz wenigstens ein bisschen punkten.

  4. AlteWeser
    4. Juni 2009, 09:05 | #4

    Patienten – nein, Kunden – der alternativen Heiler sind doch wirtschaftlich eher gut gestellt und in den besten Jahren. Mit etwas Glück lohnt es sich ja wirtschaftlich für die Krankenkassen: verhältnismäßig gesunde Menschen mit höherem Einkommen?

    Nichtsdestotrotz ist es ein Jammerspiel bei Euch mitzulesen, wie die Welt zusehends verdummt. In meinem Umfeld z.B. will niemand mehr über die Alternativmedizin reden, weil ich ja immer alles in Frage stelle. Sie gehen lieber zu ihrem Homöopathen.

  5. 4. Juni 2009, 09:31 | #5

    Tja, Rationalität hat irgendwie keine Lobby.
    Was sollen ein paar Idealisten auch gegen die geballte Macht von Zeitschriften, Volkshochschulen, MDR-Sendungen, Krankenkassenmarketing etc. schon ausrichten?

  6. Odu
    4. Juni 2009, 20:02 | #6

    "Steiner" als Naturwissenschaftler zu bezeichnen ist mehr als nur lachhaft – das ist GROTESK! Daraus kann man schon ersehen, dass die Verantwortlichen der DAK keine Ahnung haben. Hauptsache mal Werbung für Quacksalber-Methoden wie die Homöopathie und anthroposophische Medizin machen um sich damit eventuelle unwissende Mitglieder zu angeln.

    Alleine dies ist m.E. schon Grund genug, sich sofort eine andere Kasse zu suchen, welche einen derartigen Ober-Unsinn nicht bezahlt…aber gibt es eine solche gesetzliche Kasse überhaupt noch, oder beteiligen sich mittlerweile alle daran?

    Das "neue Signet" als "Kasse mit besten alternativen Heilmethoden" sollte sich der DAK-Vorstand als Zeichen von "Inkompetenz" auf die Stirn kleben, mit dem Zusatz-Hinweis für ihre Mitglieder:
    "Schaut her liebe Versicherte, wir bezahlen von euren Beiträgen auch totalen Unfug und finanzieren Quacksalberei!"

    Geheim-Tipp an die DAK: Warum nehmt ihr am besten nicht gleich noch den "Aderlass" in euer "alternatives Heilmethoden-Portfolio" mit auf…eventuell stehen ja einige Versicherte darauf?

  7. 4. Juni 2009, 21:17 | #7

    @odu: So eine Kasse zu finden, die Quack explizit ablehnt, dürfte nur schwer zu finden sein …

  8. 4. Juni 2009, 23:15 | #8

    Eine Kasse zu finden, die Quack explizit ablehnt dürfte garnicht zu finden sein, wenn jetzt nicht, dann in Zukunft. Dafür hat man doch extra den Einheitsbeitragssatz eingeführt, damit Kassen nicht über Wirtschaftlichkeit, oder Effektivität konkurrieren können, sondern nurnoch über das Spielchen "wer bezahlt den meisten Blödsinn".

    Mit der formulierung "Verkehrte Heilwelt" machen sie ja schon einen Schritt in die richtige Richtung, das ist schon fast ehrlich. Allerdings fürchte ich, dass man den wirklich Gläubigen sogar meinen achtung EIgenwerbung Text mit dem Antirum <a href="http://moredhel.is-a-geek.n…">hier zu finden</a>.

  9. Ich!
    5. Juni 2009, 01:59 | #9

    @treberT ottO

    Wer bedient sich dieser Begriffe nicht? Manchmal habe ich das Gefühl, das die Technik Fundamentalisten genau so schlimm sind wie Esoteriker. Das Ergebnis kennt man ja. Viel Gerde wenig brauchbare Ergebnisse. Oder Ergebnisse die potentiell tödlich sind. Falsche Ernährung, pseudo Diäten, Psychopharmaka für Kinder.

    Verfette Grüße

  10. 5. Juni 2009, 09:49 | #10

    @Oberclown:

    Der Link ist klasse!

    @Ich:
    Wie wärs mal mit Argumenten?
    So Pauschalkram ist irgendwie langweilig.

    Die einfache Trennlinie verläuft zwischen geprüft/wirksam/Risiken abschätzbar und ungeprüft/wahrscheinlich unwirksam/Risiken unbekannt.
    Da fällt mir die Wahl leicht.
    Wenn Kinder Medikamente benötigen, haben sie auch das Recht sie zu bekommen. Die missbräuchliche Anwendung ist die Ausnahme, nicht die Regel.

  11. Ich!
    5. Juni 2009, 23:10 | #11

    @cohen
    Argumente gibt es nicht mehr. Ich lasse mir die Genugtuung nicht nehmen Esoteriker und Nichtesoteriker beim gegenseitigem massakrieren zuzuschauen. In Krisenzeiten sind solche Auswüchse vollkommen normal. Angst und Unsicherheit bestimmt das Handeln auf beiden Seiten. Nebenwirkungen wie sie auf beiden Seiten totgeschwiegen werden sind einkalkuliert. Und die gibt es bei allem was man tut, besonders dann, wenn man seine Grenzen aus den Augen verliert 🙂

  12. 6. Juni 2009, 09:30 | #12

    Sülze

  13. Blavatsky
    8. Juni 2009, 13:30 | #13

    zum "Naturwissenschaftler" Steiner:

    http://adhsinfo.wordpress.c

    Wer glaubt daß solche Verkündungen auch nur ansatzweise etwas anderes als hirnloses Geschwalle sind dem geschieht anthroposophische "Medizin" gerade recht.

  1. Bisher keine Trackbacks

Spamschutz: Setzen Sie einen Haken im zweiten und vierten Kästchen

Spam protection: Check the second and forth box



      

css.php