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Thüringen – Ministerpräsidentin Lieberknecht protegiert Kreationismus

Christine Lieberknecht, Landesvorsitzende der CDU Thüringen, seit 2009 auch Ministerpräsidentin und Nachfolgerin von Dieter Althaus, war evangelische Pastorin, ebenso wie ihr Vater und schließlich ist sie zudem mit einem Pastor verheiratet.
Bei oberflächlicher Betrachtung eigentlich alles kein Problem. Nun gut, Frau Lieberknecht ist Kuratoriumsmitglied des Vereins ProChrist, Organisator einer evangelikalen Großevangelisationsveranstaltung. Dass ProChrist in die Schlagzeilen geraten ist, liegt daran, dass sich im Verein neben den evangelischen Landeskirchen auch viele evangelikale Freikirchen tummeln, die ihre fundamentalistischen Ansichten bei entsprechenden Veranstaltungen ebenso verbreiten. 2009 sorgte die „Umerziehung Homosexueller“ für besonderen Medienrummel. Man kann den Landeskirchen auf alle Fälle vorwerfen, dass sie sich mit radikalen Christen unter einer Decke tummeln. Schwierig ist und bleibt jedoch, die Spreu vom Weizen zu trennen, denn bibeltreue Dogmatiker findet man auch in den Reihen der evangelischen Kirche wieder.

Bei näherer Betrachtung hat Frau Lieberknecht schon einen erheblichen Faux pas hinter sich, denn offenbar war die einstige Pastorin in den Jahren nach der Wende etwas unbekümmert im Umgang mit radikalen Rechten.

Jetzt kommt aber der aktuelle Clou, der schon tief blicken lässt, wenn es um die religiöse Einstellung der guten Frau geht:

„Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) hat einem emeritierten Hochschullehrer der Universität Jena, der sich für eine evangelikale Vereinigung engagiert, das Bundesverdienstkreuz am Bande überreicht. In der Begründung wird ausdrücklich betont, der Wirtschaftswissenschaftler Reinhard Haupt habe sich neben der Tätigkeit als Professor vielfältig engagiert, so »als Leiter der Abteilung für Wirtschaft und Ethik in der Studiengemeinschaft Wort und Wissen«. Haupt sei jemand, der durch »vorgelebte christlich-soziale Werte das Gemeinwohl fördert«.
Die »Studiengemeinschaft Wort und Wissen« ist ein evangelikaler Verein, der sich der wörtlichen Bibelauslegung verpflichtet fühlt und durch Angriffe auf die wissenschaftliche Evolutionstheorie und das Eintreten für die biblische Schöpfungslehre (Kreationismus) von sich reden macht. Lieberknechts Vorgänger Dieter Althaus (CDU) hatte im Herbst 2005 bundesweit für heftige Kritik gesorgt, als er den Kreationisten Siegfried Scherer zum »Erfurter Dialog« der Staatskanzlei einlud, um »verschiedene Theorien zur Entstehung des Lebens« zu debattieren. Scherer war zu dieser Zeit Vorsitzender von »Wort und Wissen«. Landtagsopposition und biologische Fachverbände warfen Althaus daraufhin vor, die Staatskanzlei fördere mit Steuermitteln religiösen Fundamentalismus. Die Einladung an Scherer wurde zurückgezogen …“

Mehr dazu:

  1. Cicero
    16. Februar 2010, 11:09 | #1

    ..darum heißt das ja auch Bundesverdienst_KREUZ_

  2. Christ
    16. Februar 2010, 11:33 | #2

    Kreationisten sind ja in erster Linie Ketzer. Und als solche muss man Sie als gläubiger oder agnostischer Mensch erst mal verstehen.

    Nicht umsonst lautet es in den 10 Geboten: Du sollst Dir kein Bild Gottes machen.

    Und Kreationisten machen genau das. Gott ist allmächtig und es ist seine Schöpfung. Vielleicht hat Gott beschlossen die Welt einfach zu machen, in 7 Tagen, incl. Spuren von Dinosaurieren etc. pp. Vielleicht hat er ein Itelligent Design gemacht. Vielleicht war er aber auch faul, und hat einfach die Evolution erfunden und sieht nun zu, wie sein Werk wächst und gedeiht.

    Gebe ich aber dokmatisch einen Weg vor, dann mache ich mir ein Bild von Gott und das ist eine Sünde.

    Die Naturwissenschaftler machen daher zu Gott keine Aussage. Sie betrachen Gottes Werk und wollen das Werk verstehen. Nicht mehr. Kreationisten wollen nicht das Werk verstehen, sie wollen sich ein Gottesbild basteln, das Ihrem Weltbild gerecht wird. Das ist was völlig anderes und m.M. nach zutiefst blasphemisch. Ich denke, ein Wissenschaftler der versucht Gottes Werk zu verstehen begeht eine Art Gottestdienst, ein Kreationist ist ein gefährlicher Fundamentalist.

  3. thomas
    16. Februar 2010, 12:41 | #3

    Hallo Christ,

    interessanter Gedanke: Auch für mich als Ex-Katholik ist Kreationismus schlechte Theologie. Als atheistischer naturwissenschaftler betrachte ich die Natur zwar nicht als Gottes Werk, halte mich mit Aussagen über Gott aber trotzdem vornehm zurück. Ich sehe einfach keine Evidenz für eine solche Hypothese.

  4. 16. Februar 2010, 11:52 | #4

    @christ: Ein interessanter Ansatz und ein frommer Wunsch. Ein Wissenschaftler, der mit wissenschaftlichen Methoden versucht, Gott zu finden und dann auch noch zu verstehen, wird nur zu einem Schluss kommen: Gott gibt es nicht.

  5. NuEM
    16. Februar 2010, 13:07 | #5

    Wer ist dieser Gott überhaupt? Ich hab ihn noch nie gesehen? Und ihr?

  6. Stoeber
    16. Februar 2010, 14:59 | #6

    Dabei könnte es so einfach sein: Die Theologen beschäftigen sich mit der Zeit vot dem Urknall und die Wissenschaftler mit der Zeit danach. 😉

    Hier ein sehr interessanter aktueller Link:
    http://www.bildblog.de/16247/das-schein-interview-mit-dem-komapatienten/

    Vielleicht Stoff für einen erweiterte Blogeintrag mit Hintergründen?

  7. 16. Februar 2010, 15:23 | #7

    Stoeber :

    Dabei könnte es so einfach sein: Die Theologen beschäftigen sich mit der Zeit vot dem Urknall und die Wissenschaftler mit der Zeit danach. ;-)

    Danke Stoeber, Der Satz schnalzt knochentrocken und bringt es auf den Punkt. 🙂

    Zum Link: Der Markus Anhäuser hat sich damit ja schon befasst. Aber für das Wiki sicher ein Thema.

  8. 16. Februar 2010, 17:18 | #8

    @Stoeber: Das ist allerdings eine ziemlich willkürliche Grenzziehung, die sich nicht durchhalten lässt. Schau zum Beispiel hier: http://literaturecho.blogspot.com/2009/04/zuruck-vor-den-urknall.html

    @Christ: Ich denke Naturwissenschaftler erforschen die Natur und nicht Gottes Werk. Man kann natürlich sagen Natur=Gottes Werk, aber dann ist der Begriff Gott sowieso unnötig.

  9. Feinheit
    17. Februar 2010, 04:06 | #9

    Warum ist das esowatch-wiki so verdammt hetzerisch??
    der artikel über werner altnickel, ist das euer ernst??

  10. NuEM
    17. Februar 2010, 13:15 | #10

    Weil vieles von diesem Eso-Mist nicht einfach nur komisch, sondern real gefährlich ist, und wenn man vielleicht Leben retten kann, indem man ein paar Gefühle verletzt, dann ist das eben so.

  11. 17. Februar 2010, 13:23 | #11

    Feinheit :

    Warum ist das esowatch-wiki so verdammt hetzerisch??
    der artikel über werner altnickel, ist das euer ernst??

    Feinheit, was gefällt dir denn am Altnickel Artikel nicht? Willst du uns vielleicht davon überzeugen, dass es Chemtrails gibt?

  12. Scardanelli
    18. Februar 2010, 12:13 | #12

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    lieber Christ: Sehe ich als (immer Noch)-Katholik fast genauso. Ob es einen Gott gibt oder nicht ist eh‘ unerheblich – alle Versuche, einen Gottesbeweis zu konstruieren, sind in der Sackgasse gelandet. Ob es einen gibt, das werden wir erst erfahren, wenn wir tot sind (oder eben nicht). Und, lieber Stefan: Wenn man denn unbedingt einen Gott braucht, dann kann man den verorten, wo man will – ob nun vor dem Urknall, oder vor dem Quantenschaum, aus dem der Urknall entstand, oder whereever.

    Untertänigst

    S.

  13. Simon
    23. Januar 2013, 15:14 | #13

    „Thüringen – Ministerpräsidentin Lieberknecht protegiert Kreationismus“
    Ich verstehe absolut nicht, warum Lieberknecht nun den Kreationismus protegiert. Sie hat lediglich einem Professor, welcher sich UNTER ANDEREM für eine evangelikale Vereinigung engagiert, ein Bundesverdienstkreuz überreicht. Ich kenne den Professor und ich verstehe absolut warum er ein solches Verdienstkreuz überreicht bekommen hat und jeder, der ihn kennen lernt, weiß warum.

    Also kann mir jemand die Herkunft des Titels erklären???

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