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Metasophie – ZDF legt nach

Precht_Ici

Wie Psiram aus gut informierten Kreisen mitgeteilt wurde, plant der öffentlich-rechtliche Sender ZDF ein neues Format. Nachdem die Pilotsendung mit Richard David Precht als Double von R. D. Sprecht erfolgreich verlief, will man jetzt wirklich klare Kante zeigen, was den öffentlichen Bildungsauftrag angeht. Eine erste Testsendung wurde in einem Hörsaal der Europa-Universität Viadrina mit Studenten des Lehrganges Pataphysik durchgeführt. Wir haben den ersten Abschnitt, bis es zu einem Zwischenfall kam, transskribiert. Gesprächspartner sind R.D. Sprecht und Dr. Ici Wenn, asiatischer Kulturantroposophologe mit deutschen Wurzeln, bekannt durch sein Werk „Vom Werden des Seins“.

R. D. Sprecht: Ich freue mich sehr, Sie heute in der Sendung zu haben!

Dr. Ici Wenn: Das kann sein, oder auch nicht. Es hängt vom Bezugsrahmen ab.

R. D. Sprecht: Sie sind also der Ansicht, dass Klarheit in ihrer reinen Form, die wirklich klare Klarheit sozusagen, nur durch Verwirrung hervorgerufen werden kann, und zwar so, dass die Klarheit stets in dem Maße zunimmt, wie auch die Verwirrung zunimmt, und das, obwohl doch gemeinhin davon ausgegangen wird, das Klarheit und Verwirrung unterschiedliche Dinge sind, die sich im konstruktiven Positivismus betrachtet meist sogar diametral gegenüber stehen, also völlig gegensätzliche Dinge sind?

Dr. Ici Wenn: Ja.

R. D. Sprecht: Aber ist es nicht so, dass die Klarheit ein Zustand ist, der in aller Regel durch das Nichtvorhandensein der Verwirrung hervorgerufen wird, also in gewissem Sinne als eine Art “Unverwirrung” bezeichnet werden könnte?

Dr. Ici Wenn: Nein.

R. D. Sprecht: Lassen Sie mich das philosophisch unterfüttern: Wenn man nun aber den Kant’schen kategorischen Imperativ zu Rate zieht, welcher bekanntlich besagt: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Würde das nicht, angewendet auf die Klarheit als solche, oder eben auf die Verwirrung, über die wir ja gerade sprachen, bzw. noch sprechen werden, bedeuten, dass das Immanente in sich nicht als geschlossen betrachtet werden kann als Form der Klarheit, weil die Verwirrung, würde sie zur Maxime des Handels, allgemeines Gesetz ihrer selbst würde?

Dr. Ici Wenn: Das kann sein, oder auch nicht. Es hängt vom Bezugsrahmen ab.

R. D. Sprecht: Und dieser Bezugsrahmen, von dem Sie sprechen, könnte man sich den nicht bildlich vorstellen als eben eine Art Bilderrahmen, in dem sich das Bild just der Verwirrung befindet, die abgebildet wird auf die Klarheit? Wobei man dann natürlich berücksichtigen müsste, dass der Bilderrahmen, will heißen: der Bezugsrahmen, auch einmal schief hängen kann. Oder würden Sie sagen, dass eine solche Bezugsrahmenschiefe ausgeschlossen ist durch die Anwendung der immanenten Klarheit?

Dr. Ici Wenn: Man muss das Bild mit dem Rahmen abhängen. Dahinter ist die Klarheit.

R. D. Sprecht: Dann ist die Klarheit also Ihrer Ansicht nach die Wand, also eben jene Wand, die uns vielleicht auch einschränkt, wenn wir uns bewegen, wenn wir die Gegebenheiten verlassen, wenn wir unser Potenzial entfalten wollen?

Dr. Ici Wenn: Wände sind Illusionen.Sie gaukeln uns Grenzen vor.

R. D. Sprecht: Sie sagen also, dass die Begrenztheit unserer Existenz, unseres gesamten Lebens, nur eine Illusion ist, wie auch die Wand, die den Bezugsrahmen umgibt, ihn quasi umrahmt, also einen Rahmen um den eigentlichen Rahmen bildet?

Dr. Ici Wenn: Gurke!

R. D. Sprecht: Aber in Ihrem Gurkengleichnis …

Dr. Ici Wenn: Gurkensalat sollte man niemals ohne Dill machen.

R. D. Sprecht: Ich darf zitieren:

Dr. Ici Wenn: Nein!

R. D. Sprecht: Aber in ihrem neusten Werk, dem “Werden des Seins”, schreiben Sie: “Ein Sinnbild für das Werden im Sein ist die Gurke. Als Keimling grün, als reife Frucht ebenso. Trotzdem hat sie eine Wandlung erfahren, sie ist im Sein geworden.” Wollen Sie damit nicht zum Ausdruck bringen, dass es sich beim Werden des Seins sozusagen auch um die Gurkizität des Seins, betrachtet im weitesten Sinne, handelt?

Dr. Ici Wenn: Wenn Sie so wollen, kann man das im Sinne Heideggers verstehen; der Phänomenologie des Seienden in sich auf sich selbst berufend, sich selbst erklärend der Entwicklung des Ganzen folgend. Wie die Gurke. Heutzutage nennt man das Strukturalismus. Haben Sie überhaupt eine Ahnung von moderner Esophie?

R. D. Sprecht: Sie sind also der Ansicht, dass bereits Heidegger, um noch einmal auf die ursprüngliche Verwirrtheit auch unter dem Gesichtspunkt sowohl des Strukturalismus als auch des Poststrukturalismus betrachtet zurückzukommen …

Dr. Ici Wenn: Lesen Sie doch mal Platon! Schon der war verwirrt durch die Klarheit des Scheins des Seins in seiner Höhle! Und haben Sie Steiner überhaupt verstanden? Sie sind doch so ein Waldi? Sagt Ihnen Jacques Lacan nichts? Oder das Höchste Sein des Zhou Dunyi? Durch das Sein wird dem Nichts erst eine Struktur vermittelt, soviel sollten Sie schon vorbereitet sein, das zu wissen. Warum spucken Sie eigentlich dauernd beim Sprechen?

R. D. Sprecht: (Macht Sprechproben mit der Hand vor dem Mund)

Dr. Ici Wenn holt plötzlich eine Gurke hervor und schlägt sie Sprecht auf den Kopf. Der kippt um.

Dr. Ici Wenn: Wie ich schon sagte: Gurke! (zum Publikum) Auf Wiedersehen meine Damen und Herren, und bis zum nächsten mal! Und denken Sie daran: Akasha Akasha Kaka!

  1. Mabuse
    28. Oktober 2013, 14:14 | #1

    Das ist frei nach Daniil Charms . . .
    Auch Er argumentierte mit Existenz und Sein von Stühlen und Tischen die dann
    allerley anderen Krempel nachzogen. Bemerkenswert ist das auch in einer seiner
    Erzählungen jemandem mit einer Gurke auf den Kopf geschlagen wird.

    Mehr unter:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Daniil_Charms
    Und:
    http://www.youtube.com/watch?v=AWEUVjqfXw0

    Esotheriker sind unnütze Aurahämoriden denn nur eine Gurke heilt den ganzen Kosmos.

  2. Gefährliche Bohnen
    28. Oktober 2013, 16:28 | #2

    Was für ein Quatsch. Gurke, pff. Die Gurke ist ein Irrweg.

    Rosenkohl!

    http://www.youtube.com/watch?v=SSjpPuTtYW0

  3. Groucho
    28. Oktober 2013, 16:40 | #3

    @Mabuse: Ich kann versichern, dass dem/der/den Autor/in/en Daniil Charms völlig unbekannt war, was sich aber aufgrund der interessanten Links geändert hat.

    Der Entität Gurke scheint dann doch etwas archetypisch Metaphysisches innezuwohnen.

  4. gurkenmantra
    29. Oktober 2013, 12:18 | #4

    alle gurken sind weich.

  5. Flori macht nicht wirklich frei
    29. Oktober 2013, 14:26 | #5

    @ Groucho

    Dr. Ici Wenn ist momentan auf einer Vortragsreise in Ostasien, deswegen könnte es etwas dauern, bis er auf deinen Kommentar eingehen kann.

    „Wieviele Möglichkeiten gibt es jetzt, diese Materie anzuordnen? Unendlich viele? Nicht wirklich. Es gibt zwar wirklich jede Menge Materie aber die Elementarteilchen können nicht beliebige Positionen einnehmen. Es gilt die Unschärferelation der Quantenmechanik die uns sagt, dass wir die relevanten Parameter nicht beliebig genau messen können. Nicht weil uns die Technik fehlt, sondern weil es prinzipiell nicht geht. Der Auflösung sind also Grenzen gesetzt und daher kann es auch nur endlich viele Möglichkeiten geben, wie die Materie in einem begrenzten Raumbereich angeordnet ist. Gut, die Zahl Möglichkeiten ist immer noch schwindelerregend hoch – es sind etwa 1010122 verschiedene Kombinationen möglich. Diese Zahl ist so groß, dass man sie nicht wirklich veranschaulichen kann. Aber so groß sie auch sein mag, im Vergleich mit der Unendlichkeit ist sie immer noch nichts. Wenn also nur endlich viele Kombinationen möglich sind und das Universum unendlich groß ist: dann muss es irgendwann zu Wiederholungen kommen. Irgendwo in diesem unendlichen Universum muss es also einen Insel geben, in der die Materie ganz genau so angeordnet ist wie hier bei uns. Unsere Galaxie, unsere Sonne, unsere Erde – jeder einzelne von uns wäre dort genauso vorhanden wie hier und würde das gleiche denken, tun und fühlen (es sei denn man glaubt daran, dass Menschen nur deswegen lebendig sind, weil Gott dem ansonsten unbelebten Materiehaufen einen Lebensfunken eingehaucht hat). Es muss dann sogar unendlich viele solcher exakten Kopien geben. Und jede Menge Variationen. In einer dieser Parallelwelten habe ich heute vielleicht lieber einen Spaziergang gemacht als diesen Blogeintrag zu schreiben. In einer anderen Welt habe ich nie zu bloggen angefangen. In irgendeiner Welt habe ich Brian Greene umgebracht und sein Buch zu Paralleluniversen ist nie erschienen. Und in einer wieder anderen Welt hat Brian Greene mich abgemurkst….“

    Florian hat den Durchblick, hahahaha

  6. tollkollekt
    29. Oktober 2013, 18:23 | #6

    … wieder nur ne Satire. Schade. Gibt doch genug Satire-Seiten im Netz wo man diesen Artikel
    veröffentlichen könnte, aber nur sehr wenig wirklich Informative in diesem Bereich.

    Falls man jedenfalls bei Euch darüber diskutieren sollte ob Artikel wie dieser hier (oder W. und der Bäcker) öfter erscheinen sollten – ich gebe mal denjenigen meine Stimme die das skeptisch sehen.

    Ihr habt n gutes Profil, seid ne zitierfähige Quelle use. – es wär schade wenn das für ein paar Lacher und Schenkelklopfer an Schärfe verliert.

  7. Groucho
    29. Oktober 2013, 18:46 | #7

    @tollkollekt: Man kann es nicht jedem recht machen. es stehen jetzt gerade über 1000 Artikel im Blog, davon laufen die allerwenigsten in der Rubrik Satire. Im Gegensatz zu Dir bin ich allerdings der Meinung, dass gute Satire (ob die bei uns nun gut ist, muss der Leser entscheiden) viele Dinge viel treffender auf den Punkt bringen kann, als lange Abhandlungen.

    Und vergesse bitte nicht: Psiram ist erstmal das Psiram-Wiki. Das ist zitierfähig und da kommt auch keine Satire vor.

  8. 29. Oktober 2013, 23:10 | #8

    Groucho :

    Psiram ist erstmal das Psiram-Wiki. Das ist zitierfähig und da kommt auch keine Satire vor.

    Hüstel … 😉

  9. Groucho
    29. Oktober 2013, 23:35 | #9

    celsus :

    Groucho :

    Psiram ist erstmal das Psiram-Wiki. Das ist zitierfähig und da kommt auch keine Satire vor.

    Hüstel … ;)

    Jaja. Einer. Kommt in den besten Nachschlagewerken vor 🙂

  10. Un Bekannt
    31. Oktober 2013, 14:41 | #10

    Das Bittere an dieser Satire ist, dass das gehaltlose Geschwurbel in der ersten Hälfte durchaus authentisch für die typischen Vertreter der Esofraktion sein könnte…

  11. Flori macht nicht wirklich frie
    31. Oktober 2013, 18:50 | #11

    Un Bekannt :Das Bittere an dieser Satire ist, dass das gehaltlose Geschwurbel in der ersten Hälfte durchaus authentisch für die typischen Vertreter der Esofraktion sein könnte…

    Na klar und wer dann so ein typischer Vertreter von der „Esofraktion“ ist wird dann von irgendwelchen hergelaufenen sogenannten Skeptikern (was immer das auch sein mag) bestimmt, gell?

    Und fertig ist das Vorurteilssüppchen, voila!
    🙂

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