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Channelling, uralte Flugzeuge und ein Wissenschaftskongress

Eine Sensation! Die Inder haben bereits vor 7.000 Jahren das Flugzeug erfunden. Wunderdinger geradezu, die in jede Richtung und sogar von Planet zu Planet reisen konnten.

Das behauptet zumindest ein Vortragender beim (eigentlich) hochrangigen 102. Indischen Wissenschaftskongress, der derzeit stattfindet und vom indischen Premierminister Narendra Modi eröffnet wurde.

Kapitän Anand J. Bodas, ein pensionierter Pilot, hat am Sonntag mit seiner Rede mächtig Wellen geschlagen. Er präsentierte den Inhalt einer laut der Washington Post uralten Hindu-Sage, was allerdings eine sehr wunderliche Definition des Wortes „uralt“ voraussetzt.

Es handelt bei dem den „uralten“ Text Vaimānika Shāstra, der durch Channeling in den Jahren 1918–1923 durch einen indischen Mystiker empfangen wurde, um ein pseudowissenschaftliches Dokument erster Güte. Wer sich den abstrusen Text durchlesen möchte: eine englische Übersetzung findet sich hier.

Man kann sich vorstellen, dass diese Behauptungen ordentlichen Wirbel ausgelöst und entsprechend Resonanz gefunden haben. Der NASA-Wissenschaftler Dr. Ram Prasad Gandhiraman hat bereits im Vorfeld eine Petition gestartet, um diesen pseudowissenschaftlichen Vortrag zu stoppen, den er als himmelschreiend empfand. Mehr als 200 Wissenschaftler haben unterzeichnet, um sich diesem Vortrag, der wohl auf politischen Druck zustande gekommen ist, zu widersetzen.

Prof. S.M. Deshpande, einer von fünf Autoren einer Studie über Flug-Technologien in Sanskrit-Texten sah sich gegenüber dem Mumbai Mirror gezwungen, seine eigene Arbeit zu verteidigen, die vor allem durch intellektuelle Neugier getrieben sei.

Wir finden auch nichts dabei. Es ist im Grunde ja kein Problem, warum sollte man eine historische Untersuchung verteufeln? Es spricht ja grundsätzlich nichts dagegen, wenn man nicht gerade einen von Geistern (oder was auch immer) angesagten Spiritus als Grundlage nimmt …

Prof. Deshpande äußerte sich dann auch kritisch über den zugrunde liegenden Text. Es gebe keinen Nachweis, dass der Text vor 1904 [in Bezug auf den Flug der Wright Brüder 1903] schon existiert habe. Er bezeichnete die beschriebenen Flugzeuge als armselig ausgedacht und als unvorstellbar schrecklich aus Sicht des Fliegens.

Angeblicher Flugapparat Quelle: Wikipedia

Quelle: Wikipedia

Es wurde übrigens sogar versucht, aus den Visionen Modelle zu konstruieren und diese fliegen zu lassen, was allerdings erfolglos endete.

Wenn man auf die Illustration blickt, wundert einen das wenig.

Auf Twitter wurde das Thema unter dem Hashtag #Vedic höhnisch kommentiert. „Natürlich hatte Indien in uralter Zeit Flugzeuge. Einige fliegen noch immer für Air India.“ Und in England ritten die Hexen auf Besen …

Im Grunde findet sich im Internet nur Spott für den Vortrag und damit die Veranstaltung, was eigentlich sehr schade ist. Ein Blick in das Programm fördert viele interessante Vorträge aus einigen Wissensgebieten zu Tage. Nanotechnologie, Marsmissionen, Biodiversität, Medizin-Nobelpreisträger Randy Schekman über Zellbiologie, Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus über Technologie für Frieden, Gentechnik, Ernährung, Chemie-Nobelpreisträgerin Ada Yonath über Antibiotika-Resistenz und den Ursprung des Lebens, …

Man kann bei allem Spott für den Vortrag im Grunde nur bedauern, dass diese unglaublich interessante Konferenz unter solchem Unsinn zu leiden hat. Aber vielleicht waren die Veranstalter auch froh, dass sich der Premierminister bei der Eröffnung nicht entsprechend geäußert hat.

Im Oktober hatte er bei einer Krankenhauseinweihung erklärt, dass der Elephantengott Ganesha wohl ein Produkt plastischer Chirurgie im alten Indien gewesen sei. Die alten Inder haben im Übrigen nicht nur das Flugzeug, sondern auch motorisierte Wagen und Stammzellen „erfunden“.

Bei dem Premierminister kann man ja nur froh sein, wenn bei uns so Leute wie Barbara Steffens nur Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen ist.

  1. Rudolf S.
    6. Januar 2015, 14:20 | #1

    ich bin sicher, „Unsere Atlantischen Vorfahren“ konnten schon lang vor den Indern fliegen, Rudolf Steiner weiß, Zitat:

    „Wie wir Vorrichtungen haben, um die in den Steinkohlen schlummernde Kraft in unseren Lokomotiven in Bewegungskraft umzubilden, so hatten die Atlantier Vorrichtungen, die sie – sozusagen – mit Pflanzensamen heizten, und in denen sich die Lebenskraft in technisch verwertbare Kraft umwandelte. So wurden die in geringer Höhe über dem Boden schwebenden Fahrzeuge der Atlantier fortbewegt. Diese Fahrzeuge fuhren in einer Höhe, die geringer war als die Höhe der Gebirge der atlantischen Zeit, und sie hatten Steuervorrichtungen, durch die sie sich über diese Gebirge erheben konnten …“«

    https://ratgebernewsblog2.wordpress.com/2014/12/18/rudolf-steiners-rassistischer-science-fiction-trash-aus-der-akasha-chronik/

  2. Catweazle
    6. Januar 2015, 14:46 | #2

    Ich glaube der Steiner meinte U-Boote.
    Ansonsten sind die „uralten“ Schriften der Inder auch nur zusammengefrickelter Stuss wie die meisten religiösen Schriften auf dem Planeten Erde.

  3. Garrett
    6. Januar 2015, 19:28 | #3

    Heißt das, Amerika wurde doch nicht von den Moslems entdeckt? Hoffentlich kriegt der Erdogan das nicht mit!

  4. Gisander
    7. Januar 2015, 13:36 | #4

    Garrett :Heißt das, Amerika wurde doch nicht von den Moslems entdeckt? Hoffentlich kriegt der Erdogan das nicht mit!

    Dochdoch, das mit Amerika ist schon richtig, aber die alten Inder waren zuerst auf dem Mond, und „Mare Crisium“ ist eine Vokabel aus dem Sanskrit.

  5. Stöber
    7. Januar 2015, 17:34 | #5

    Genauso ein Brüller wie irgendson Scheich bzw. Imam auf AlJazeera neulich. Der predigte tatsächlich davon, dass Mohammed/die ersten Moslems gemeinsam die Pyramiden (!!) gebaut hätten.

    Das ist schon ein köstliches Informationszeitalter…

  6. treberT ottO
    7. Januar 2015, 18:06 | #6

    Ja, das ist alles höchst fraglich. Fest steht dagegen, dass die alten Griechen und Römer Telegramme auf Kurzwelle übermittelt haben. Hat Konstantin Meyl rausgefunden:

    http://www.amazon.de/Sendetechnik-G%C3%B6tter-Konstantin-Meyl/dp/3980254259

  7. Hangi23
    7. Januar 2015, 20:10 | #7

    Alter DDR-Witz:
    In den USA wurde bei Ausgrabungen ein Kupferdraht gesunden: Die Ureinwohner hatten vor 2000 Jahren das Telefon erfunden. In der Sowjetunion fand man keinen Draht: Dort telefonierte man vor 2000 Jahren drahtlos.

  8. 7. Januar 2015, 20:13 | #8

    @ Garrett

    Keine Angst, kann nicht passieren.

    „Welcher Sinne entbehren wir, dass wir die Welt um uns nicht wahrnehmen?“

  9. Gisander
    13. Januar 2015, 12:27 | #9

    Hangi23 :Alter DDR-Witz: In den USA wurde bei Ausgrabungen ein Kupferdraht gesunden: Die Ureinwohner hatten vor 2000 Jahren das Telefon erfunden. In der Sowjetunion fand man keinen Draht: Dort telefonierte man vor 2000 Jahren drahtlos.

    Ich kenne folgende Variante: In der UdSSR erfand man einen Draht, der so dünn ist, dass man ihn nicht sehen kann. Um die Leistungsfähigkeit des sozialistischen Systems zu demonstrieren, schickte man Proben davon an alle Länder der Welt. Aus Japan kam die Antwort, man wisse nicht, was man damit anfangen solle – soll ein Außen- oder ein Innengewinde drauf?

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