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Psirama – Der Psiram-Wochenrückblick (KW45,46, 2017)

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Kann man an Wissenschaft glauben? Hugo Stamm erklärt, warum man etwas für richtig halten kann, ohne dabei in einen Glauben zu verfallen. Wissenschaftliche Erkenntnis ist eine Zustandsbeschreibung, eine Ansammlung von Belegen, die eine bestimmte Vermutung stützt. Im Gegensatz zu einem Glaubenssystem kann sich diese Vermutung aber durchaus als falsch herausstellen und durch neue, bessere Erkenntnisse ersetzt werden. Genau das scheint aber der Grund zu sein, warum vielen Menschen ein reiner Glaube mit stabilen Dogmen vertrauenswürdiger erscheint als etwa eine wissenschaftliche Theorie, die vielfach bestätigt wurde: Glaube gibt (trügerische) Gewissheit, Wissenschaft wirft immer weitere Fragen auf und fordert den Verstand, alles immer wieder zu hinterfragen. In sofern ist Glauben der bequemere Weg, führt aber eben nicht zu Erkenntnissen über die Beschaffenheit unserer Welt. In den letzten zwei Wochen haben wir wieder viele Links gesammelt, die geglaubt, besser aber hinterfragt werden dürfen und selbst neue Fragen aufwerfen. Und natürlich freuen wir uns immer über Vorschläge für den kommenden Wochenrückblick.

 


 

Gesellschaft, Religion und Politik

 

Man Glaubt Es Nicht!: MGEN-Podcast 2017.10: Alles ist größer in Texas

Skandalöse Fake News über “Goldenes Vatikan-Penthouse auf Kosten kranker Kinder”
Premiere in Deutschland: Streik der Angestellten eines katholischen Krankenkauses
KiPo-Sammler: Vatikan liefert vatikanischen Diplomaten nicht an die Justiz aus
Ein Besuch bei “The Atheist Experience” in Austin, Texas
Wahlnachlese zur Bundestagswahl 2017: Religionszugehörigkeit der neuen Abgeordneten
MGEN würdigt das Reformationsjubiläum
Definitionsstündchen „Glaube“
HbP: Quantenverschränkung und “Atheisten gibt’s ja gar nicht!”, Teil 1000

 

watson.ch (Hugo Stamm): Denkst du schon oder glaubst du noch? Weshalb Wissenschaften keine Ersatzreligion sind

Tatsächlich sind sich Glaube und Wissenschaften oft spinnefeind. Ich bekomme dies seit vielen Jahren von gläubigen Bloggerinnen und Bloggern demonstriert, die mir in ihren Kommentaren mantramässig vorwerfen, ich sei wissenschaftsgläubig und habe ein mechanisches oder utilitaristisches Weltbild. Ein Vorwurf, den ich vehement bestreite.

 

TagesWoche: Der Manipulator

Der umstrittene Basler Historiker Daniele Ganser ist mit einem Hypnotiseur in Aarau aufgetreten. Thema: mediale Gehirnwäsche. Ein denkwürdiger Abend – mit einem Ganser, der unter dem Mantel des Skeptikers sein Publikum an der Nase herumführt.

 

Novo: Wie Lobbyismus über Wissenschaft siegt

Bei Forbes kommt der Krebsepidemiologe Geoffrey Kabat vom Albert Einstein College of Medicine zu dem Schluss: „All dies deutet darauf hin, dass eine angesehene Agentur die Beweislage so zurechtbiegt, dass sie zu ihrer vorbestimmten und erwünschten Botschaft passt.“ Genauso ist es wohl gewesen. Die Evaluierungsmethoden der IARC müssen grundlegend überarbeitet, und die Leitung der Organisation ausgetauscht werden.

 

NZZ: Glyphosat: Wenn Wissenschaft politisch ist

Denn für viele Umweltaktivisten ist Glyphosat mehr als ein Herbizid. Es ist ein Symbol für alles, was ihrer Ansicht nach schiefläuft in der Landwirtschaft. Wer Glyphosat bekämpft, zieht damit meist auch gegen Monsanto, industrielle Landwirtschaft und Gentechnik ins Feld. Ob Glyphosat gefährlich ist oder nicht, ist deshalb schon lange keine wissenschaftliche Frage mehr, sondern eine politische. Damit wird aber auch jedes wissenschaftliche Ergebnis zum Politikum.

 

Welt: Das Missverständnis um die Biologie des dritten Geschlechts

Ganz so eindeutig liegt die Sache auf den zweiten Blick allerdings nicht. Das Gericht hat an keiner Stelle behauptet, dass Geschlechter von nun an als soziale Konstrukte zu betrachten seien, ganz im Gegenteil. Es hat die Bundesregierung vielmehr aufgefordert, endlich die biologische Realität anzuerkennen. Und die besagt, dass es Menschen gibt, die ohne eindeutiges Geschlecht geboren werden. Allein in Deutschland leben etwa 100.000 Intersexuelle.

 


 

Wissen und Forschung

 

Der Standard: Nie geschriebenes Paper wurde in 400 Fachartikeln zitiert

Ein niederländischer Statistiker stieß nun auf ein Paper, das in den vergangenen Jahren in Hunderten Publikationen zwar formal einwandfrei zitiert wurde, aber einen nicht unerheblichen Haken hat: Es existiert nicht.

 

Bauer Willi: Englische Insekten – 30 Jahre Beobachtung

Auch in England werden Flug-Insekten untersucht. Aber anders als in Krefeld geschieht dies durch ein wissenschaftliches Forschungsinstitut, die Standorte sind über ganz England verteilt, sie liegen mitten in der offenen Landschaft, es werden am den immer gleichen Standorten Fallen aufgestellt und die aktuellen Daten sind für jeden online einsehbar. Sauber aufgereiht nach der jeweiligen Insekten-Art.

 

Welt: Expertenstreit – Wie zählt man Insekten richtig?

Ihre jüngste Kritik richtet sich gegen eine Studie, die seit 1989 in Deutschland ein Insektensterben von mehr als 75 Prozent bescheinigt. Die drei Statistikexperten kommen nur auf einen Rückgang von maximal 30 Prozent. Das wiederum weisen die Autoren der Studie in der Fachzeitschrift „Plos One“ als „irrig“ zurück. Dem Statistikprofessor Walter Krämer wird vorgeworfen, er hätte die Methode der Studie nicht verstanden.

 

schillipaeppa.net: Grossarths Furor

Die Stärke von Insektenpopulationen ist sehr volatil, das heißt, sie schwankt – zum Teil witterungsbedingt, zum Teil bedingt durch Entwicklungszyklen bestimmter Arten – stark von Jahr zu Jahr. Wenn ich hier verlässliche Daten generieren will, das heißt u. a. einen Datenfluss, ohne statistische Ausreißer nach oben oder unten, dann brauche ich einfach eine gewaltige Menge an Messpunkten. Auch sollten die zeitlichen Abstände zwischen den Messpunkten einheitlich sein. Beides kann die Studie leider nicht leisten, die Messungen waren vermutlich auch gar nicht dafür konzipiert.

 

Spiegel Online: Kann Biolandbau die Menschheit ernähren?

Die gesamte Landwirtschaft auf nachhaltige Bioproduktion umzustellen und damit die Weltbevölkerung zu ernähren, ist theoretisch machbar. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher im Fachmagazin „Nature Communications“ . Das funktioniert aber nur, wenn Agrarmethoden und Konsumverhalten sich drastisch ändern.

So müssten die Menschen zum Beispiel weniger Fleisch essen und weniger Lebensmittel verschwenden. Ein deutscher Experte hält den von den Forschern vorgeschlagenen Weg zu einer weltweiten Öko-Landwirtschaft deshalb für ein „Wünsch-dir-was-Szenario“.

 

Deutschlandfunk: Zum Todestag von Werner WalterDeutschlands bekanntester UFO-Skeptiker

Jahrzehntelang betrieb der gelernte Einzelhandelskaufmann in Mannheim eine Hotline, bei der man UFO-Sichtungen telefonisch melden konnte. ESA, Flugsicherung oder Polizei haben UFO-Meldungen dorthin weitergeleitet. Werner Walter hat sich zahllose Nächte um die Ohren geschlagen und ist akribisch mehr als 5.000 Meldungen nachgegangen. Vermeintliche Raumschiffe entpuppten sich als Planet Venus, abgetrennte Raketenstufen, zerplatzende Wetterballone, fliegende Lampions aus Reispapier oder ähnliches.

 

Spektrum.de: Parasiten: Ins Gras gebissen

Es klingt wie aus einem Gruselfilm – und ist doch biologische Realität: Pilzsporen infizieren Ameisen, übernehmen deren Kontrolle und steuern die befallenen Tiere fern. Wie Zombies bewegen sich die Sechsbeiner aus der Deckung, beißen sich an exponierten Stellen fest und sterben. Bald wachsen Pilzkörper aus ihrem Leib, aus denen Sporen freigesetzt werden, die neue Opfer infizieren

 

Technology Review: Uganda erlaubt Gentechnik

Auch in dem afrikanischen Land sind einige Jahre ins Land gegangen – und auch hier gab es Diskussionen. Zum Beispiel über die mit Vitamin A angereicherte Kochbanane, die in Uganda ähnlichen Zwecken dienen soll wie der Golden Rice in jenen Gegenden, in denen Reis zu den Grundnahrungsmitteln zählt. Aber der australische Bananenforscher James Dale hat bewusst afrikanische Wissenschaftler von Anfang an mit in die Entwicklung einbezogen. Auch fanden die Feldversuche schon früh in Uganda selbst statt.

 

BaZ: Die Propaganda mit dem Insektentod

Richtig ist, dass bis heute keine Ursache bekannt ist für den Rückgang an Insekten, wie gross dieser auch sein mag. In der Studie in PLOS One wird zwar mit statistischen Methoden möglichen Gründen nachgegangen – allerdings ohne Resultat: Veränderungen im Pflanzenspektrum, in der Landwirtschaft oder im Klima könnten als Ursache ausgeschlossen werden, halten die Autoren fest. Möglicherweise sind die Gründe für eine Abnahme der Insekten anderswo als in der Landwirtschaft zu finden: Viele Naturschutzgebiete in Deutschland verbuschen nachweislich. Eine immer dichtere Vegetation wirkt sich erfahrungsgemäss aber negativ auf die Vielfalt von Pflanzen und Tieren aus. Davon könnten auch Insekten betroffen sein.

 


 

Gesundheit und Medizin

 

The Guardian: Homeopathic products should not be sold in pharmacies – review

Homeopathic products should not be sold in Australian pharmacies because they place consumers at “unacceptable risk”, an independent review of pharmacy regulation for the health department has found.

In his interim report the chair of the review panel, Prof Stephen King, found homeopathy and homeopathic products should be kept out of pharmaceutical benefits scheme-approved pharmacies.

 

Die Erde ist keine Scheibe: Abschied vom Paralleluniversum

Da gibt es eine Geschichte, über 200 Jahre alt. Ein Gedankengebäude zur Medizin, eines unter vielen der damaligen Zeit. Diese Geschichte gewann ein gewisses Renommee, da sie viele Fehler bisheriger Methoden vermied und deshalb fälschlicherweise für „richtig“ gehalten wurde. Ihre Grundlagen waren aber eine Mischung aus vorwissenschaftlichen, teilweise mystischen Überlieferungen, garniert mit Hypothesen, die aber nicht mehr taten, als eine verführerische Schlüssigkeit und Einfachheit des Systems vorzugaukeln. Natürlich – wir sprechen von der Homöopathie.

 

Keine Ahnung von Garnix: „High dilution research“ – Forschung oder Verirrung?

Das Informationsnetzwerk Homöopathie hat vor kurzem die Frage erreicht, weshalb bei diesem keine Auseinandersetzung mit der Forschung zu ultrahohen Verdünnungen, dem sogenannten high dilution research, stattfinde. Das ist die Forschungsrichtung, die -soweit sie in Bezug auf Homöopathie stattfindet- in weit höherem Maße im „Nichts“ forscht als jeder Astrophysiker und in der Vorstellung lebt, irgendein Nachweis irgendeines auffälligen Verhaltens von hochverdünnten Lösungen sei per se der ultimative Nachweis der Richtigkeit von Hahnemanns Lehre.

 

tagesanzeiger.ch: Der Wellness-Wahnsinn

In seinem Job als Assistenzarzt auf der Neurologie am Kantonsspital St. Gallen erlebt Uffer regelmässig Patientinnen und Patienten, die eine nötige medizinische Behandlung ablehnen und stattdessen erklären, sie würden sich lieber an die «natürliche» Blutgruppendiät halten oder ihren Darm entgiften, um gesund zu werden. Ganz gemäss dem im Wellness-Metier gehuldigten Glaubenssatz «Chemie ist böse». Das Argument, dass auch Wasser Chemie ist – weil alles Chemie ist und diese mitnichten böse – und dass unser Körper ganz von selbst 24 Stunden lang nichts anderes tut als genau das: entgiften, stösst auf taube Ohren.

 

Onkel Michaels kleine Welt: Hasch mich – ich bin der Frühling oder: Edward Bach und seine Blüten

Wenn der kleine Torben-Tobias am Spielplatz vonner Schaukel knallt, dann kommt seine Mutter, natürlich angaloppiert, um den kleinen Racker mit wirkungslosen Milchzuckerkügelchen aka Globuli vollzustopfen. Aber was macht Loreley-Delilah, wenn es ihr selber nicht gut geht und sie wieder einmal „Kreislauf“ hat. Sektchen geht ja nicht. Früh am Kinderspielplatz. Nein, dafür hat sie in ihrer handgegerbten und kunstgepunzten Handtasche natürlich das Allroundmittel dabei: Rescue-Tropfen.

 


 

Psiram

 

Aus dem Blog-Archiv (11/2010): Botanikprofessor setzt Greenpeace moralisch unter Druck

Der emeritierte Botanikprofessor Klaus Amann („Ich bin weder Befürworter der Gentechnologie noch ein Gegner der Bioproduktion. Ich fordere aber ein Zusammengehen von Biotechnologie und Biobauern. Der Grabenkrieg fruchtet nichts.“) hat mit einer witzigen Aktion für ein kleines Medienecho gesorgt. Analog zu Martin Luthers Thesenanschlag in Wittenberg, schlug er 12 Thesen zur grünen Gentechnik vor der deutschen Greenpeace-Zentrale an eine mitgebrachte Holztür und brachte es auch zu einem kurzen Gespräch mit Greenpeace-Mitarbeitern, die ziemlich überrumpelt waren. Dabei wurden die Thesen überreicht und Greenpeace wurde zu einem öffentlichen Wissenschaftsdialog über grüne Gentechnik eingeladen.

 

Neu im Psiram-Wiki:

 


 

Video der Woche

 

RAYDIO ROENTGEN: MRS BELLA, the Secret und die Bestellungen beim Universum [#rayge]

Willkommen bei #rayge, dem Kritikformat für YouTube und Umgebung. Heute widme ich mich einem Eso-Video der YouTuberin Mrs. Bella, die einen guten Draht zum Universum unterhält. Dort bestellt sie Parkplätze, Geld und Freunde herbei. Wie bitte?! Ja, ihr habt richtigt gelesen. Das funktioniert, und zwar mit dem richtigen Bewusstsein! Wer positiv denkt, dem wird gegeben. Wer negativ denkt, der hat gelitten. Aber wer zahlt eigentlich die Rechnungen?

Direktlink: https://www.youtube.com/watch?v=IUeNA-XnkE8

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  1. Tribeka
    26. November 2017, 12:11 | #1

    Der Type, der Glyphosat trinken sollte; was er vorher noch als völlig harmlos bezeichnet hat …. sah der auch „überrumpelt“ aus?

  2. pelacani
  3. Tribeka
    26. November 2017, 15:32 | #3

    Sah er jetzt überrumpelt aus oder nicht? War die Frage für dich zu schwer? Dein Leseverständnis erklärt allerdings so manchen deiner Posts.

  4. pelacani
    26. November 2017, 15:42 | #4

    Was ist Dein Problem? Wobei kann ich Dir helfen?