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110 Nobelpreisträger fordern von Greenpeace ein Ende der GMO-Ablehnung

In einem offenen Brief haben sich inzwischen schon 110 Nobelpreisträger gegen die Haltung von Greenpeace zu gentechnisch modifizierten Pflanzen und im Speziellen zu Goldenem Reis ausgesprochen. In den ersten Medienberichten war noch von 107 Nobelpreisträgern die Rede, inzwischen haben sich aber weitere angeschlossen.

Collage der 110 Nobelpreisträger

Die 110 Nobelpreisträger und Unterzeichner (mit Dank an Karl Haro von Mogel von Biofortified für die freundliche Genehmigung. Zum Originalartikel)

In ihrem offenen Brief kreiden sie diversen Organisationen mit Greenpeace an der Spitze an, die Fakten zu ignorieren und ein wertvolles Werkzeug, die Gentechnik, pauschal abzulehnen. In den Kampagnen dieser Organisationen werden die Fakten, Vorteile und Auswirkungen falsch dargestellt sowie die kriminelle Zerstörung von genehmigten Feldversuchen und Forschungsprojekten gutgeheißen.

Aber der Brief richtet sich nicht nur an Greenpeace: auch die Regierungen der Welt werden aufgefordert, dem Treiben von Greenpeace Einhalt zu gebieten und den Zugang von Landwirten zu biotechnologisch verbessertem Saatgut zu beschleunigen.

Starker Tobak und der Brief hat einiges an Medienecho hervorgerufen, auch im deutschen Raum. Unten findet man den ganzen Text sowie einen Link auf die Liste der Unterzeichner. Die meisten Artikel befassen sich mit Goldenem Reis, auch Greenpeace hat vor allem dazu Stellung genommen.

Bevor wir selbst zum Thema einige Worte verlieren wollen wir aber auf den schönen Blog von Schillipaeppa aufmerksam machen, lesenswert:
#Nobels4GMOs: Die Antwort

Wir haben hier ja zum Thema Goldener Reis schon einige Artikel geschrieben und sogar einem der Schöpfer, Ingo Potrykus, direkt einige Fragen dazu gestellt:

Im zweiten Artikel haben wir uns sehr viele Behauptungen zu Goldenem Reis, die von einer österreichischen Politikerin aufgestellt wurden, zur Brust genommen. Auch einige, die Greenpeace noch heute aufstellt. Dazu später mehr.

Goldener Reis ist zweifellos ein Produkt, das mit einer großen Chance verbunden ist. Der Chance, das Leben von Millionen Menschen nachhaltig zu verbessern. Seit ungefähr 25 Jahren werden jedes Jahr 500 Millionen Vitamin-A-Tabletten ausgegeben, um das Leiden der Kinder zu lindern und zu verhindern. Und trotz dieser Kraftanstrengung werden nicht alle erreicht.

Ohne jetzt die Bedeutung von Goldenem Reis schmälern zu wollen: Es geht hier nicht nur um Goldenen Reis! Goldener Reis hat zwar vielleicht den höchsten Symbolwert, aber es geht in diesem Brief auch um die Gentechnik an sich! Die Technologie hat sich als sicher und verlässlich erwiesen und Pflanzen, die mittels Biotechnologie verbessert wurden, sind mittlerweile seit 20 Jahren im Einsatz. In Europa hat Greenpeace im Wesentlichen gewonnen: kaum ein Land traut sich, die Technologie einzusetzen, weil die Bürgerstimmung dagegen ist.

Vielleicht sind die Menschen ja bereit, diesem Aufruf von mehr als einem Drittel der lebenden Nobelpreisträger zuzuhören? Es wird Zeit, die Scheuklappen der Ideologie abzulegen und mit klarem Blick die Fakten zu betrachten.

Die Reaktion von Greenpeace

Da wir hier im deutschen Raum sind, schauen wir uns einmal an, was Greenpeace als „Stellungnahmen zum offenen Brief von „Golden Rice“-Befürwortern an Greenpeace“ geschrieben hat. Für diese marketingtechnisch elegante Formulierung muss man Greenpeace ernsthaft loben: man vermeidet es, von Nobelpreisträgern zu sprechen und nennt sie einfach „Golden Rice-Befürworter“.

Goldener Reis wird daraufhin als „nur ein Forschungsprojekt mit gut geölter PR-Maschinerie“ bezeichnet. Also, an Stelle von Greenpeace wären wir ja ganz, ganz still, bevor wir irgendetwas als „gut geölte PR-Maschinerie“ bezeichnen. Der größte Teil des Budgets von Greenpeace geht in Fundraising und Marketingkampagnen. Greenpeace gibt pro Jahr mehr Geld für Selbst-Marketing aus als Goldener Reis wahrscheinlich in Summe je kosten wird. 2014 hatte Greenpeace Einkünfte in Höhe von 297 Millionen Euro, aber dafür auch Ausgaben von 107 Millionen Euro für Fundraising, also das Beschaffen von Geld durch Spenden usw.

Dazu kommen dann noch sonstige Kampagnen wie „Media & communications“ mit 28 Millionen Euro, „Political, science & business“ mit 5 Millionen Euro usw., in Summe noch einmal 189 Millionen Euro an Ausgaben (also das ganze Budget). (Quelle: Annual Report 2014, Greenpeace)

Wir wollen Greenpeace zu Gute halten, dass sie auch für viele sinnvolle Dinge eintreten, aber im Wesentlichen macht Greenpeace eine Sache: Marketing und PR-Kampagnen. Nicht, dass die Leute das verwechseln: es geht nicht wie z.B. bei Ärzte ohne Grenzen darum, dass Leute vor Ort Menschen helfen. Nein, Greenpeace redet vor allem darüber, wie man Menschen helfen kann. Und das für sehr, sehr viel Geld.

Greenpeace dürfte die letzte Organisation sein, die jemandem eine „gut geölte PR-Maschinerie“ vorwerfen darf.

In dem Zusammenhang möge sich der interessierte Leser auch die Webseite des Aufrufes, http://supportprecisionagriculture.org/nobel-laureate-gmo-letter_rjr.html ansehen. Also, eine gut geölte PR-Maschinerie stellen wir uns anders vor. Da fragen wir dann vielleicht eher Greenpeace um Rat.

Jedenfalls wird dann auch gleich der Goldene Reis angegriffen; wir möchten hier noch einmal auf unseren Artikel, Goldener Reis – Fluch oder Segen? Ein Faktencheck hinweisen, der viele der Behauptungen bereits vorweg zerlegt.

Besonders ärgerlich finden wir übrigens folgende Passage:

Neben all diesen Unwägbarkeiten ignoriert die Golden Rice-„Lösung“ völlig die Ursachen von Mangelernährung – nämlich Armut und daraus resultierend einseitige Ernährung. […] Langfristig muss Mangelernährung durch die Versorgung mit einer Vielfalt an Lebensmitteln, Aufklärung und den nötigen politischen Willen bekämpft werden. Als Übergangslösung wird längst erfolgreich mit der Vergabe von Vitamin-A-Präparaten und angereicherten Lebensmitteln gearbeitet.

Das Gegenteil trifft zu: Goldener Reis bezieht die Armut der Menschen ein. Reis ist erschwinglich und z.B. auf den Philippinen verzehrt jeder Mensch im Durchschnitt 330g pro Tag. Reis wird vor Ort auch von den kleinsten Bauern angebaut. Die Menschen könnten sich also plötzlich selbst, ohne Spenden und Hilfe, mit dem wichtigen Vitamin A versorgen.

Greenpeace tut hier so, als könnte man schwuppdiwupp die Armut wegzaubern und fertig. Dass man Armut bekämpfen muss, ist für jeden ethisch denkenden Menschen trivial, nur ist das ein Prozess, der Jahrzehnte dauert. Und derweil sollen die Leute verrecken, oder wie?

Weltkarte mit farbiger Darstellung der betroffenen Gebiete

Karte der betroffenen Gebiete

Die Übergangslösung mit der Vergabe von Vitamin-A-Präparaten gibt es übrigens schon seit 25 JAHREN.

Eine schöne „Übergangslösung“: 25 Jahre und kein Ende in Sicht. Es ist zudem teuer: jedes Jahr werden 500 Millionen Dollar für diese „Übergangslösung“ ausgegeben. Und trotzdem krepieren Kinder noch wie die Fliegen an Vitamin-A-Mangel. Einen interessanten Artikel zum Thema „versteckter Hunger“ findet man übrigens bei Transgen: Biofortification: Gegen den versteckten Hunger

Der Brief der Nobelpreisträger spricht am Ende in harschen Worte von „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Wenn man so darüber nachdenkt, kann man das gut verstehen.

Greenpeace und das Verständnis von Ethik

Wenn man sich Goldenen Reis, Zielsetzung und Chance ansieht, kann man eigentlich nur hoffen, dass der Reis erfolgreich ist. Darf man skeptisch sein, zweifeln? Natürlich. Kann/soll man andere Lösungen suchen? Selbstverständlich. Es geht doch zuallererst darum, Menschen zu helfen. Vitamin-A-Mangel wird durch die hunderten Millionen an Vitamin-A-Tabletten, die jedes Jahr durch die WHO oder die Helen Keller Foundation ausgegeben gelindert, aber noch immer erblinden 250.000 bis 500.000 Kinder pro Jahr. Jedes Jahr.

Die Sicherheit ist erwiesen – dass er funktioniert, ist erwiesen – dass er gelagert werden kann, ist erwiesen und er ist FREI. Die humanitäre Lizenz lässt keine Wünsche offen, er darf an Bauern als Saatgut nicht teurer verkauft werden, Bauern dürfen Saatgut aufbewahren, tauschen, …

Ein auf einem Auge erblindetes indisches Mädchen

Ein auf einem Auge erblindetes indisches Mädchen

Goldener Reis mag scheitern, mag sich doch noch überraschenderweise als nicht gut genug erweisen, aber das wäre kein Grund zum Feiern. Es wäre traurig, da ein Werkzeug, um das Leben von Millionen Kindern zu verbessern, gescheitert wäre.

Für jeden ethisch denkenden Menschen ist nach etwas Nachdenken klar, dass man Goldenem Reis die Daumen drücken muss, hoffen muss, dass das Projekt ein Erfolg wird. Im Idealfall hilft man mit, aber das ist gar nicht notwendig. Wenn Greenpeace meint, dass andere Lösungen besser sind, nur zu. Greenpeace hat etwa das dreifache Budget des International Rice Research Institute, da sollte sich schon was machen lassen. Kann natürlich sein, dass man 1-2 Marketing-Kampagnen streichen muss.

Aber Greenpeace bekämpft Goldenen Reis. Oh, Greenpeace Manila hat erklärt:

Anschuldigungen, dass irgendjemand gentechnisch veränderten ‚Goldenen‘ Reis blockiert, sind falsch.

Und wer hat dann auf den Philippinen eine gerichtliche Verfügung erwirkt, die die Entwicklung von gentechnisch veränderten Produkten, also auch Goldenem Reis, blockiert? Wer war das nur – blätter, blätter, huch: Greenpeace. Sowas aber auch. Wurde zwar inzwischen aufgehoben, aber Greenpeace will weiter kämpfen.

Greenpeace bekämpft Goldenen Reis. Menschen sterben? Völlig egal. Hauptsache keine GMO.

Der aktuelle Status von Goldenem Reis

So, aber genug aufgeregt. Nun, ohne großartig auf die Behauptungen von Greenpeace eingehen zu wollen – da muss man sich nur noch einmal ärgern: wie schaut es aktuell mit dem Goldenen Reis aus? Bei Feldtests auf den Philippinen stellte sich heraus, dass der Ertrag des eingereichten Events GR2-R (Event kann man hier als „Sorte“ lesen) weniger ertragreich war als aktuelle Sorten. Mit niedrigerem Ertrag als eine aktuelle Sorte würde er von den Bauern nicht angenommen werden und man räumte ihm keine Chance ein. Die Gesetzgebung der Philippinen erlaubt weiterhin nur, ein Event zur Zeit einzureichen. d.h. zurück auf Start. So weit, so schlecht.

In Bangladesh (das noch immer jedes Jahr 28.000 tote Kinder unter 6 Jahren wegen Vitamin-A-Mangel zu beklagen hat) sieht es dagegen besser aus. Feldversuche waren sehr erfolgreich, der Ertrag ist ausgezeichnet, die Kosten für eine erfolgreiche Kultivierung bis 2018 werden alles in allem auf weitere 9 Millionen Euro geschätzt.

Wie schon gesagt, jeder ethisch denkende Mensch kann hier nur die Daumen drücken, dass es klappt.

Gentechnik im Allgemeinen
Wir wollten hier eigentlich noch ein paar Worte zu Gentechnik im Allgemeinen und den Behauptungen von Greenpeace verlieren, aber es reicht. Der Blutdruck ist hoch genug, mehr muss nicht sein. Der geneigte Leser kann sich ja folgende ältere Artikel zur Gemüte führen, die sich mit Behauptungen auf Seiten Greenpeace befasst:

Und bei generellem Interesse an der Gentechnik wollen wir auf diese beiden Interviews mit Prof. Wolfgang Nellen verweisen, der so freundlich war uns einige Fragen zum Thema zu beantworten:

Hier der ganze Text (mouseover für das Original):

An die Führer von Greenpeace, der Vereinten Nationen und der Regierungen der Welt

Das Ernährungs- und Landwirtschaftsprogramm der Vereinten Nationen hat erklärt, dass sich die weltweite Produktion von Nahrungsmitteln, Futtermitteln und Faserstoffen bis 2050 ungefähr verdoppeln muss, um die Bedürfnisse einer wachsenden weltweiten Bevölkerung zu decken. Organisationen, die sich gegen moderne Pflanzenzucht aussprechen, mit Greenpeace an der Spitze, haben wiederholt diese Fakten bestritten und widersetzen sich biotechnischen Innovationen in der Landwirtschaft. Sie haben die Risiken, Vorteile und Auswirkungen falsch dargestellt und die kriminelle Zerstörung von genehmigten Versuchsflächen und wissenschaftlicher Forschung unterstützt.

Wir fordern Greenpeace und dessen Unterstützer auf, die Erfahrungen von Landwirten und Konsumenten erneut zu untersuchen, die weltweit mit biotechnologisch verbesserten Pflanzen und Nahrungsmitteln gemacht wurden, die Erkenntnisse der maßgeblichen wissenschaftlichen Institutionen und Behörden zu würdigen und ihre Kampagne gegen GMOs im Allgemeinen und Goldenen Reis im Speziellen zu beenden.

Wissenschaftliche Institutionen und Behörden auf der ganzen Welt haben wiederholt und übereinstimmend festgestellt, dass Pflanzen und Nahrungsmittel, die durch Biotechnologie verbessert wurden, genauso sicher, wenn nicht sogar sicherer sind als solche, die auf andere Weise hergestellt wurden. Es hat keinen einzigen bestätigten Fall einer gesundheitlichen Beeinträchtigung von Menschen oder Tieren durch ihren Verzehr gegeben. Es konnte wiederholt gezeigt werden, dass sie weniger schädlich für die Umwelt und ein Segen für die Biodiversität sind.

Greenpeace führt die Opposition gegen den Goldenen Reis an, der das Potential hat, Tod und Krankheit durch Vitamin-A-Mangel zu reduzieren oder zu unterbinden, dessen Auswirkungen am Stärksten unter den ärmsten Menschen in Afrika und Südostasien verspürt werden.

Die WHO schätzt, dass 250 Millionen Menschen an Vitamin-A-Mangel leiden, darunter 40 Prozent der Kinder unter 5 Jahren in den Entwicklungsländern. Laut UNICEF-Statistiken treten jedes Jahr 1-2 Millionen vermeidbare Todesfälle auf, weil Vitamin-A-Mangel das Immunsystem schwächt und somit Babys und Kinder einem hohen Risiko ausgesetzt sind. Vitamin-A-Mangel ist die Hauptursache für Blindheit bei Kindern und betrifft jedes Jahr 250.000 – 500.000 Kinder. Die Hälfte davon stirbt innerhalb von zwölf Monaten nach der Erblindung.

WIR RUFEN GREENPEACE AUF, ihre Kampagne gegen den Goldenen Reis im Speziellen und gegen Pflanzen und Nahrungsmittel, die durch Biotechnologie verbessert wurden im Allgemeinen, einzustellen.

WIR RUFEN DIE REGIERUNGEN DER WELT AUF, die Kampagne von Greenpeace gegen Goldenen Reis im Speziellen und gegen Pflanzen und biotechnologisch verbesserte Nahrungsmittel im Allgemeinen zurückzuweisen, und alles in ihrer Macht stehende zu tun, um sich den Aktionen von Greenpeace zu widersetzen und den Zugang von Landwirten zu all den Werkzeugen moderner Biologie, speziell zu durch Biotechnologie verbessertem Saatgut, zu ermöglichen. Widerstand auf der Basis von Emotionen und Dogma, dem die Datenlage widerspricht, muss Einhalt geboten werden.

Wie viele arme Menschen auf der Welt müssen noch sterben, bevor wir dies als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ betrachten?

Sincerely,

Link zur Liste der Unterzeichner
Link zum Text

  1. Thomas
    5. Juli 2016, 14:35 | #1

    Auch Nicht-Nobelpreisträger können unterschreiben!

  2. Daarin
    5. Juli 2016, 17:52 | #2

    Hmmm… nur mal so als Verständnisfrage: Greenpeace sagt (laut einem Bericht in einer Zeitung) „Zur Sicherung der Welternährung müsse man nicht teure neue Wege gehen, sondern könne bewährte Methoden nutzen, etwa die Verbesserung des Zugangs zu Land und die Förderung des Ökolandbaus.“ (Wochenblatt.com), propagiert aber als „Zwischenlösung“ etwas, das etwa 500 mio im Jahr kostet, während die komplette Entwicklung des Golden Rice zumindest laut diesem Artikel wahrscheinlich unter 300 mio Gesamt kostet? Was genau sind jetzt diese „teuren neuen Wege“?

  3. Sinapis
    5. Juli 2016, 18:15 | #3

    Was genau sind jetzt diese “teuren neuen Wege”?

    Im Fall Greenpeace scheint es manchmal nichts wertvolleres zu geben als die eigene ideologische Verbohrtheit…

  4. 5. Juli 2016, 19:19 | #4

    Auch wenn ich meinen Standpunkt bzgl. GMO (aber auch z. B. Glyphosat) geändert habe und sie längst nicht mehr so kritisch sondern eher positiv sehe (dazu bedurfte es keiner Nobelpreisträger, es reichten einige wenige sehr gut recherchierte, wissenschaftliche Artikel mit pro und contra beider Seiten der Medaille): auf den Punkt gebracht „110 Nobelpreisträger gegen Greenpeace“ erinnert mich sehr an „100 Autoren gegen Einstein“, und die Betonung des Status der Unterzeichner als Nobelpreisträger ist ein „argumentum ad verecundiam“. (Einstein soll übrigens zu „100 Autoren gegen Einstein“ – sehr zu Recht – gesagt haben, dass wenn er unrecht hätte, einer genug gewesen wäre.)

    Sorry, Argumente werden nicht besser, wenn sie von 110 Nobelpreisträgern vorgetragen werden. Das sollten gerade Skeptiker wissen. Lasst doch einfach die Argumente für sich sprechen.

  5. Groucho
    5. Juli 2016, 19:20 | #5

    Sinapis :

    Was genau sind jetzt diese “teuren neuen Wege”?

    Im Fall Greenpeace scheint es manchmal nichts wertvolleres zu geben als die eigene ideologische Verbohrtheit…

    Aus der Nummer kommen sie halt schlecht wieder raus, ohne den letzten Rest Glaubwürdigkeit zu verlieren. Und dritten Welt Ländern, in denen Armut und Hunger herrscht, Ökolandbau zu empfehlen, ist an Ignoranz und/oder Zynismus kaum zu über bieten. Nur dampflplaudern, aber selber kaum was Konkretes tun, und die Spendengelder hauptsächlich für Kampagnen für noch mehr Spenden zu verwenden.

    Wer spenden will, soll das bitte an so Vereine wie „Ärzte ohne Grenzen“ (wie im Artikel erwähnt) tun, weil die bewegen was real und nicht diesem Verein, der immer mehr zur Sekte verkommt.

  6. Groucho
    5. Juli 2016, 19:32 | #6

    omnibus56 : …dazu bedurfte es keiner Nobelpreisträger, es reichten einige wenige sehr gut recherchierte, wissenschaftliche Artikel mit pro und contra beider Seiten der Medaille): auf den Punkt gebracht “110 Nobelpreisträger gegen Greenpeace” erinnert mich sehr an “100 Autoren gegen Einstein”, und die Betonung des Status der Unterzeichner als Nobelpreisträger ist ein “argumentum ad verecundiam”. (Einstein soll übrigens zu “100 Autoren gegen Einstein” – sehr zu Recht – gesagt haben, dass wenn er unrecht hätte, einer genug gewesen wäre.)

    Sorry, Argumente werden nicht besser, wenn sie von 110 Nobelpreisträgern vorgetragen werden. Das sollten gerade Skeptiker wissen. Lasst doch einfach die Argumente für sich sprechen.

    Natürlich werden sie nicht besser. Aber es haben sich halt diese Leute zusammengefunden, die eine ziemliche Öffentlichkeit erzeugen. Sollen wir darüber nicht berichten? Vielleicht fangen damit ja mal ein paar Leute an, sich tiefer mit der Thematik zu befassen in einem zweiten Schritt.

    Die Tatsache, dass sich so viele Nobelpreisträger in einem offenen Brief an Greenpeace wenden, hat ein Gewicht, ein gesellschaftliches, das freilich nichts beweist – gibt es in den NaWi eh nicht.

    Wir argumentieren hier eher weniger eminenzbasiert, aber der offene Brief ist nun mal da. und im Artikel werden viele tatsächliche Argumente aufgegriffen und verlinkt.

    Wenn das Ganze auch nur einen kleinen Effekt hat, dass man z.b. in den ÖR endlich mal wahrnimmt, das Greenpeace nicht unbedingt der ideale Partner für neutrale „Expertisen“ ist, wäre das schon mal gut.

  7. Habra
    5. Juli 2016, 20:59 | #7

    In meinen Augen ist Greenpeace lediglich nur mehr ein Spendensammelverein, der nicht mehr wie bei seiner Gründung gegen Raubbau an der Natur und gegen Umweltverschmutzung vorgeht, sondern lediglich noch wie ein Wirtschaftsunternehmen, bestimmt dazu gewisse Greenpeaceeliten zu subventionieren, daran interessiert ist, seine Existenz auf jeden Fall und mit allen Mitteln zu sichern. Spätestens seit der Affäre mit der „Brent Spar“ sollte man doch wissen, dass auch Greenpeace lügt, um seine Ziele zu erreichen.

    Es ist eine Schande, dass die Politik Greenpeace, PETA und Konsorten so tief in den Enddarm kriecht, dass sie vergisst, dass es auch Institutionen gibt, die eine andere Meinung als die professionellen Spendensammler haben und dennoch höher qualifiziert sind als alle Greenpeacler zusammen. Und wesentlich unabhängiger als diese sind. Man denke nur an das BfR, das damals von den Grünen selbst initiiert wurde. Übrigens hat auch der Journalismus Angst vor Greenpeace – vielleicht liegt es daran, dass die qualifizierte naturwissenschaftliche und technische Ausbildung nicht mehr so arg in Mode ist.

    Aber vielleicht findet mit diesem offenen Brief vieler Nobelpreisträger ein Nachdenken – vom Umdenken wage ich gar nicht erst zu hoffen – bei der Politik und den Journalisten statt, und diese rücken Greenpeace und Konsorten wieder auf den Platz, auf den sie gehören: eine mittelmäßig begabte Institution, die laut agiert und eigentlich nichts mehr Relevantes für den Umweltschutz bringt – oder noch schlimmer: eine misanthrope Gesellschaft, die lediglich die eigenen Mitglieder und Nachläufer als wertvoll für das Überleben der Menschheit betrachtet.

  8. YorkTown
    5. Juli 2016, 21:03 | #8

    Ein paar Worte zu den Kosten:

    Mit Stand 2008 wurden tatsächliche Entwicklungskosten von etwa 10 Millionen US Dollar angegeben. (Anmerkung: Angaben im Text sind anteilig für Indien)
    http://dx.doi.org/10.1016/j.worlddev.2007.02.013

    Irgendwo gibt es eine neuere Zahl im Bereich von 20 Millionen Dollar, Quelle und exakter Zeitpunkt der Angabe ist mir allerdings leider entfallen.

    An “100 Autoren gegen Einstein” musste ich übrigens auch kurz denken, allerdings kann ich Groucho nur beipflichten. Es geht hier nicht um die wissenschaftliche Diskussion, wo Meinungen sich der Beweislage zumindest mittelfristig immer unterordnen müssen.

    Es geht um die öffentliche Wahrnehmung der Gentechnik. Die Nobelpreisträger haben ihre Prominenz eingesetzt um einem Schiefstand entgegenzuwirken.

  9. Sinapis
    5. Juli 2016, 21:17 | #9

    Groucho :

    Aus der Nummer kommen sie halt schlecht wieder raus, ohne den letzten Rest Glaubwürdigkeit zu verlieren. Und dritten Welt Ländern, in denen Armut und Hunger herrscht, Ökolandbau zu empfehlen, ist an Ignoranz und/oder Zynismus kaum zu über bieten. Nur dampflplaudern, aber selber kaum was Konkretes tun, und die Spendengelder hauptsächlich für Kampagnen für noch mehr Spenden zu verwenden.

    Das. Genau Das.
    Die bitterste Erkenntnis – neben der weitverbreiteten Unfähigkeit sich zu Fehlern zu bekennen – ist für mich, dass dieser Zynismus den Absendern solcher Empfehlungen wohl absolut unerkenntlich ist.

    Ist das noch Dunning-Kruger oder gibts da eine treffendere Bezeichnung?

  10. RainerO
    6. Juli 2016, 09:18 | #10

    @ Sinapis
    Dunning-Lruger ist das nicht. Greenpeace hat sich in eine Sackgasse manövriert und das mit einem Fahrzeug ohne Rückwärtsgang.
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Erkenntnis da ist, bei diesem Thema falsch abgebogen zu sein. Aber man könnte den Laden zusperren, wenn man das zugibt.

  11. Sinapis
    7. Juli 2016, 08:51 | #11

    RainerO :
    @ Sinapis
    Dunning-Lruger ist das nicht. Greenpeace hat sich in eine Sackgasse manövriert und das mit einem Fahrzeug ohne Rückwärtsgang.
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Erkenntnis da ist, bei diesem Thema falsch abgebogen zu sein. Aber man könnte den Laden zusperren, wenn man das zugibt.

    Das ist für mich halt die Frage. Von aussen betrachtet stimme ich dem voll zu, nur bezweifle ich – zumindest bei den allermeisten Greenpeace akteuren – das Vorhandensein dieser Erkenntnis.
    Ich habe, leider, noch keinen Greenpeace Anhänger kennengelernt der auf mich einen Fachlich kompetenten Eindruck gemacht hat, jenseits vom raustrompeten der immergleichen Phrasen. Da ist keine Erkenntnis, da ist ideologische Überzeugnung und eben diese absolute Blindheit für fehlende Sachkenntnis. Ob das ganz oben bei den Entscheidungsträgern anders ist kann ich nicht beurteilen. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass es nicht allzu viele Menschen gäbe, die voll hinter besagtem Zynismus stehen würden, wäre ihnen bewusst was sie da so von sich geben.
    Aus deinem letzten Satz lese ich das Du diesen Punkt auch so siehst …

  12. Thomas
    7. Juli 2016, 15:02 | #12

    Ich unterhielt mich heuer mit einem grünen Aktivisten in Deutschland. Er versicherte mir gegenueber ernsthaft er haette noch nie etwas von einer Ablehnung von biotechnologisch erzeugten Medikamenten von Seiten der Gruenen gehoert. Die Verhinderung der Insulin Produktion in Frankfurt durch die Gruenen unter Joschka Fischer war ihm neu. Er wollte es mir einfach nicht glauben. In der Zeit gibt es aktuell einen Artikel in dem in einer Randbemerkung angemerkt wird, niemand haette jemals etwas gegen doe „rote Biotechnologie“ (Biotechnologie fuer Medikamentenherstellung) gehabt. Weder die Allgemeinheit noch die Journalisten haben so etwas wie ein Langzeitgedaechtnis.
    Ich bin mir sicher ,wenn Greenpeace in 15 Jahren behaupten wird, sie haetten die gruene Gentechnik nie behindert, wird ihnen das geglaubt werden. Greepeace behauptet bereits jetzt, sie waeren nicht an Feldzerstoerungen beteiligt gewesen.

  13. pelacani
    7. Juli 2016, 17:21 | #13

    Thomas :

    Ich bin mir sicher ,wenn Greenpeace in 15 Jahren behaupten wird, sie haetten die gruene Gentechnik nie behindert, wird ihnen das geglaubt werden.

    Ja, das ist der gewöhnliche Verlauf von Geschichte; das geht seit der Antike so. Da gibt es viele Beispiele.

  14. selfi
    10. Juli 2016, 13:34 | #14

    Bereits in den 80ziger sollte per Gentechnik den Hunger bekämpfen werden. Was aus diesem Plan geworden ist beinahe täglich im TV zu sehen.

    Fakt ist und bleibt, das Gentechnik auf dem Agrarsektor Abhängigkeiten schafft bzw schaffen soll. So einfach ist das!

    Die bisherige Bilanz der Gentechnik auf dem Agrarsektor jedenfalls ist ernüchternd.

  15. Groucho
    10. Juli 2016, 13:54 | #15

    selfi :

    Bereits in den 80ziger sollte per Gentechnik den Hunger bekämpfen werden. Was aus diesem Plan geworden ist beinahe täglich im TV zu sehen.

    TV ist eine ganz schlechte Quelle, dies zu beurteilen.

    Fakt ist und bleibt, das Gentechnik auf dem Agrarsektor Abhängigkeiten schafft bzw schaffen soll. So einfach ist das!

    Wenn man Verschwörungstheorien anhängt, mag es so einfach sein. Ansonsten ist es halt so, wie alles Komplexe: Es gibt keine einfache Reduktion der Problematik auf das Einfache. Was wohl manche Menschen nicht so mögen – sie wollen Komplexes soweit reduziert haben, bis es denkökonomisch wird.

    In industriellen Gewerken sind Abhängigkeiten genau das, was den Gesamterfolg ausmacht, nennt sich Arbeitsteilung. Züchtung und Saatgutherstellung sind seit vielen Jahrzehnten getrennte Bereiche, hier nun eine weiter entwickelte Technologie als plötzlich schlimm darzustellen, zeugt nur von völliger Unkenntnis der Sachlage.

    Die bisherige Bilanz der Gentechnik auf dem Agrarsektor jedenfalls ist ernüchternd.

    Das wird wohl der Grund sein, warum weltweit Soya, Baumwolle, Mais inzwischen immer mehr und teilweise bis zu 90% böses Gentechsaatgut ist.

    Weniger Ideologie und mehr Sachkunde wäre angebracht.

  16. Groucho
    10. Juli 2016, 14:36 | #16

    selfi :

    Fakt ist und bleibt, das Gentechnik auf dem Agrarsektor Abhängigkeiten schafft bzw schaffen soll. So einfach ist das!

    Die bisherige Bilanz der Gentechnik auf dem Agrarsektor jedenfalls ist ernüchternd.

    Noch ein P.S.:

    http://nas-sites.org/ge-crops/

    Die größte und umfangreichste Studie, die sich mit diesem Themenkomplex befasst.

    Falls Du keiner jener dümmlicher Ideologen bist, die eine Überzeugung aufgeben nur mit Suizid beantworten können, lies dir das durch, ein halbes Jahr sollte reichen, dann melde dich wieder.

  17. eLender
    10. Juli 2016, 14:58 | #17

    selfi :
    Fakt ist und bleibt, das Gentechnik auf dem Agrarsektor Abhängigkeiten schafft bzw schaffen soll. So einfach ist das!

    Wie sehen diese Abhängigkeiten denn aus? Sind das Abhängigkeiten im Sinne von:

    Ich bin anhängig vom Saatguthersteller, weil …

    ich die tollen Hybridsorten nicht selber vermehren kann und mit der eigenen Nachzucht wesentlich weniger Gewinn machen kann

    oder

    ich durch Verträge so geknebelt bin, dass ich gezwungen werde, das überteuerte und unergiebige Saatgut von ihm zu kaufen

    Oder was genau ist damit gemeint? Bitte auch mal anhand eines Beispiels deutlich machen, das dann aber typisch für gentechnisch verändertes Saatgut ist. Müsste ja leicht belegbar sein, wenn die lauthals verkündete Überzeugung nicht nur die übliche Propaganda der Antis ist.

  18. selfi
    11. Juli 2016, 21:40 | #18

    @Groucho:
    ein halbes Jahr sollte reichen, dann melde dich wieder.

    klar, solange haben Sie Zeit Erfolge der Gentechnik im Kampf gegen den Hunger auf zu schreiben. Und vermeiden sie denkökonomisch dabei zu sein.

  19. Groucho
    11. Juli 2016, 22:08 | #19

    selfi :

    @Groucho:
    ein halbes Jahr sollte reichen, dann melde dich wieder.

    klar, solange haben Sie Zeit Erfolge der Gentechnik im Kampf gegen den Hunger auf zu schreiben. Und vermeiden sie denkökonomisch dabei zu sein.

    Schade. ich hätte jetzt mindestens eine fundierte Beschimpfung erwartet, und eben nicht eine denkökonomische Spiegelung meines kleinen Kommentars.

    Aber so ist das halt mit der Denkökonomie, entweder man hat sie, oder sie hat einem 🙂

  20. eLender
    12. Juli 2016, 13:11 | #20

    Solche Statements wie die von selfi demonstrieren eigentlich nur die intellektuelle Hilflosigkeit, mit der man versucht, seinen inneren Konflikt zwischen scheinbar rationaler Einstellung und tatsächlicher Ideologie wegzuschwurbeln. Alle verstanden? 😉

    Wahrscheinlich ist er schon unter seinem Aluhut verschwunden, aber falls nicht, guckstu:

    http://www.transgen.de/archiv/1427.langzeitstudie-gentechnik-baumwolle.html

    (wurde hier auch schon mal iwo gebloggt)

  21. selfi
    12. Juli 2016, 18:17 | #21

    @Groucho, @eLender,
    Ihre webbekannten Beschimpfungen eingepackt in Schwurbelei etc überlass ich ihnen.

  22. eLender
    12. Juli 2016, 18:42 | #22

    selfi :Ihre webbekannten Beschimpfungen

    Jep. Wir sind die Bluthunde, die Psiram immer von der Leine lässt, wenn rationale Argumente nicht mehr weiterhelfen. Für die Bissigkeit im ganzen Weltnetz gefürchtet. Natürlich genetisch optimiert, das Gebiss.