Home > Medizin > Der Diskurs des Psycho-Irrsinns

Der Diskurs des Psycho-Irrsinns

Ein Kommentar von pianoman zum Blogthema „Erste Pfuscherregel“, der so gut ist, dass er unbedingt einen eigenen Platz hier braucht:


Als ich am vergangenen Wochenende die Meldung zum Psychodrogendoc im Tagesspiegel las, hat sie mir zwar das Frühstück versaut, aber wirklich überrascht hat sie mich nicht.

Ich habe in den letzten Jahren des Öfteren darüber nachgedacht, was wohl passieren würde, wenn sedierende Psychopharmaka auf holotropes Atmen oder andere körperbezogene Manipulationstechniken der psychedelischen Absurd-Psychologie treffen.

Nun gut, die Frage scheint beantwortet: Offenbar geht´s richtig schief.
So war es im Grunde wohl nur eine Frage der Zeit, bis irgend jemand durch Psycho-Quacksalber, die den abgehakten Müll des NewAge wiederbeleben, zu Schaden kommen würde.
(Warum testen diese Schwachköpfe nicht mal ihre Therapien zur Abwechselung an sich selbst?)

Nun kann man ja nicht behaupten, dass die Gefahren solcher parawissenschaftlichen Therapien völlig unbekannt wären. Immerhin stehen solche Verfahren seit geraumer Zeit in der Diskussion.
Das ist zwar gut und wichtig; bringt aber offenbar gar nichts.

Deshalb hat man konsequenterweise damit aufgehört (nicht mit den schwachsinnigen Therapien, sondern mit der Diskussion), und wendet die Therapien einfach an. Ohne Diskussion.
Das ist insgesamt schlecht, und manchmal auch tödlich.

Es ist unübersehbar, dass der Diskurs des Psycho-Irrsinns der letzten drei Jahrzehnte keine Folgen hatte: Eine wirksame Kontrolle im Sinne des Verbraucher- und Patientenschutzes ist ausgeblieben.
Ganz im Gegenteil, Esoteriker und Okkultisten mit Approbation – oder die Pfuscher mit der skandalösen psychotherapeutischen HP-Prüfung – dürfen, relativ unbehelligt, weiter unter dem Deckmäntelchen der Therapiefreiheit herumwurschteln.

[auf mehr klicken, um weiterzulesen]


Und selbst im Bereich der medizinischen Rehabilitation, also dort, wo man eigentlich davon ausgehen sollte, dass eine ständige Supervision der Einrichtungen durch die Sozialversicherungen stattfindet, selbst dort hat der Schwachsinn schon längst Einzug gehalten.

Ich selbst habe in einer ambulanten Berliner Reha-Einrichtung (in der ich wegen meinen kardiologischen Probleme eine Kur absolvieren sollte) beim Einführungsgespräch mit der leitenden Ärztin erfahren dürfen, dass diese sowohl die Homöopathie als auch die Existenz der Meridiane als wissenschaftlich abgesichert ansah, und meine erstaunte Nachfrage mit der Gegenfrage konterte „Warum ich hier meine Bedenken so umfassend dozieren würde? Ob ich denn Angst hätte, mir selbst zu begegnen?“.

Ich habe damals sehr schnell von freundlichem Interesse auf heiligen Zorn umgeschaltet, was natürlich entsprechend psychotherapeutisch gedeutet wurde. Auch mein Hinweis darauf, dass ich wegen einer internistischen Problematik hier sei, und nicht zu einer Psychotherapie, erledigte die Dame ziemlich zügig: „Glauben Sie mir, es liegt alles an der Primärfamilie. Und wir haben bisher noch immer etwas gefunden…“

Gut, meiner Empfehlung, sie möge mir doch den Buckel runter rutschen, ist sie zwar nicht nachgekommen, aber nach dieser Klärung der Fronten hat man mich für die Restzeit der Kur völlig zufrieden gelassen. Ob´s meinem Herzgekasper gut getan hat, kann ich nicht sagen, aber ich bin dort wenigsten wieder herausgekommen, ohne mir zusätzlich ´ne Psychose einzuhandeln.

Der Wahnsinn hat offenbar Methode.

Es scheint, als wäre der sozialpsychologische Ansatz, wie ihn Horst Eberhard Richter oder Alexander Mitscherlich in den 1970er Jahren propagiert haben, und der den Menschen im Kontext seiner oftmals inadäquaten Lebensumstände sah, heute erledigt.
Die Psychologie hat sich – zumindest in Teilen – wieder in den Elfenbeinturm der Realitätsverweigerung zurück gezogen, feiert nostalgische Urstände mit Freud, Reich, Jung oder Riemann, und hat, dem Zeitgeist geschuldet, die Therapeuten-Couch durch den west-östlichen Diwan ersetzt.

Wie es ausschaut, ist die Psychotherapie mittlerweile zum Spielplatz für irrationale, psychomanipulative Therapiemodelle verkommen. Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielfältig:

Es mag daran liegen, dass die Versorgung mit neurologisch-psychiatrischen Fachärzten und seriösen Vertretern der Psychologie vor allem in der Fläche so schlecht ist, dass oft mit mehreren Monaten Wartezeit gerechnet werden muss.
Dass solche Versorgungssituationen dazu führen, dass der suchende Patient, der aus seiner Sicht dringend der sofortigen Hilfe bedarf, wahrscheinlich auch bei Quacksalbern landet, weil er nicht in der Lage ist, seriöse von unseriösen Therapieansätzen zu unterscheiden, ist zwangsläufig.

Es mag daran liegen, dass psychologische Therapieerfolge möglicherweise zu wenig spektakulär sind. Jemanden aus dem Jammertal einer depressiven Episode wieder herauszuholen und zur aktiven Teilnahme am Alltag zu befähigen, bedeutet letztlich nur, ihn zur Bewältigung der weiterhin bestehenden Frustration und Enttäuschungen zu befähigen.
Der Weg führt also von „tief betrübt“ zu „geht so“, der Patient will aber „himmelhoch jauchzend“. Gerade das Letztere versprechen jedoch bevorzugt die „alternativen Heiler“…

Es mag daran liegen, dass eine apolitische Psychologie, die nur in der seelischen Disposition des Klienten die Quelle allen Übels sieht, zwangsläufig scheitern muss, weil sie die bedrückende Lebensrealität als Ursache ausblendet, trotzdem aber ein Ergebnis produzieren muss, das dem Klienten suggeriert, er hätte eine positive Veränderung erfahren.
Auch wenn diese beispielsweise nur darin besteht, das gequälte Menschlein in einen Kasten zu setzen, und ihm zu erzählen, es sei nun mit kosmischen Energien verbunden, die „Allet schön“ machen würden.
Wenn das Menschlein auch das nicht mehr glaubt, wird eben der störende Restverstand mit ein paar Drogen lysiert. Wer sich aus der Realität verabschiedet hat, den fechten auch deren Verwerfungen nicht mehr an.

Und es mag letztlich auch daran liegen, dass der zunehmende Einfluss fernöstlicher Heilsvorstellungen, deren eigentlicher Sinn und Zweck es wohl war, Menschen, die in strikten Hierarchien und starren gesellschaftlichen Systemen lebten, Wege zu vermitteln, durch konsequente Realitätsflucht den Zumutungen menschenunwürdiger Lebenswirklichkeiten, wie sie beispielweise das indische Kasten-System darstellt, entkommen zu können, sich durchaus kompatibel mit den politischen Interessen des postmodernen Kapitalismus westlicher Prägung erweist.
Wer die Bedrängnisse des Alltags als notwendigen Weg zur karmischen Erlösung auffasst, entwickelt nur wenig revolutionäre Ambitionen.

So zynisch es klingen mag, eine solche „Psychologie“, die den alltäglichen Zumutungen nur die Idee entgegen setzt, einen Patienten so zu konfigurieren, dass diesem der ganze Dreck ziemlich egal wird, ist gesellschaftskonform und wertschöpfend: Sie erspart nicht nur die Diskussion über die ökonomischen, sozialen und politischen Bedingungen der Menschen, sie verschafft auch ein paar Schreinern Arbeit; entweder beim Orgon-Kastenbau oder bei der Herstellung von Särgen.

Aber in der Zwischenzeit ist der Klient ein lohnenswertes Objekt. Wahlweise als Prüfmuster für die abgedrehten Weltanschauungen des Psychotherapeuten, oder als eben als Goldesel, der solange therapiert wird, wie die Krankenkasse und das Klientenkonto es zulassen.

Wenn Reiki nicht funktioniert, nehmen wir eben Shiatzu. Wenn Reinkarnation patzt, probieren wir es mit Familienstellen. Dann geht’s ans Geburtstrauma, danach wird dem Craniosakral-Rythmus nachgespürt und der Beckenschiefstand beseitigt.
Dem chronischen Schmerzpatienten werden die Flausen mit Klangschale, Hustensaft und Elektroakupunktur ausgetrieben.
Klappt das auch nicht, versuchen wir es mit NLP, Urschrei, astrologischer Psychologie, oder theomedizinischem Handauflegen.
Ein möglicherweise sinnvolles Antidepressivum ersetzen wir mal durch Natrium Chloratum C200, Ritalin durch Ex. can. LM 1000, oder durch die „Heiße Sieben“.
Scheißegal, was man benutzt, irgend ein Placebo-Effekt wird schon die Unfähigkeit des Therapeuten und der Therapie kaschieren.
Und weil der Placebo-Effekt doch verhältnismäßig zuverlässig auftritt, ist es auch kaum verwunderlich, dass im Bereich der „Psychotherapie“ eine effektive Qualitätssicherung kaum durchzusetzen ist; obwohl die Forderung dazu schon seit Jahren von Kritikern der Psychoszene, wie z.B. Colin Goldner, ständig wiederholt wird.

Zitat Goldner: Ich verlange nicht nur eine Wirksamkeitskontrolle der eingesetzten Verfahren, sondern auch einen Befähigungsnachweis der „Lebenshelfer“ und „Therapeuten“.
Das Heilpraktikergesetz von 1939 reicht hier nicht aus. Selbsternannte Heiler ohne die geringste therapeutische Kompetenz dürfen nach wie vor mit völlig unbrauchbaren Methoden an teils schwersten Problemen und Störungen herumpfuschen.
Jeder Automechaniker muss eine dreijährige Lehre absolvieren, um ein Auto reparieren zu dürfen, im Bereich des Gesundheitswesens aber reicht ein Wochenendlehrgang oder ein Fernkursus aus, sie zum „Therapeuten“ zu qualifizieren.

Zu den Verfahren selbst: Es gibt heute hervorragende Methoden zur Effizienzüberprüfung bzw. zur Abwägung von Risiko und Nutzen einzelner Therapien; die Mehrzahl der auf dem Psychomarkt angebotenen Verfahren hat sich solch wissenschaftlicher Überprüfung nie unterzogen; einschließlich der klassischen Psychoanalyse, für deren behauptete Wirksamkeit bis heute nur eine einzige Studie vorliegt…
(aus Goldner, Esoterik-Szene“ / Textarchiv TA-1999-1)

Zu dem schon oben angesprochen gesellschaftlichen Interesse an einer Psychologie, die nicht korrigierend in antisoziale Gestaltungsprozesse eingreift (oder diese zumindest deutlich aufzeigt), sondern nur deren Opfer therapiert, gesellen sich noch die Auswirkungen der New-Age-Denke, deren Anhänger, nach dem Marsch durch die Institutionen, heute auch auf höchster politischer Ebene ihren Kulturkampf weiter kämpfen.

Wenn „Die Grünen“ im Jahre 2009 durch ihre gesundheitspolitische Sprecherin Birgit „Biggi“ Bender verkünden lassen, dass sich die Partei weiterhin dafür einsetzen werde, „[…] dass komplementärmedizinische Verfahren ihren Platz ausbauen können.“, und dass es dringend notwendig sei, sich von den „Kulturkämpfen zwischen Schul- und Komplementärmedizin zu verabschieden […]“, dann ist das nicht weniger als die Ankündigung, dass bei politischen Entscheidungen der „Grünen“ künftig naturwissenschaftliches Wissen

– ein Antibiotikum bekämpft die bakteriellen Erreger einer Infektionskrankheit –

in etwa die gleiche Bedeutung hat, wie das tobende Narrativum im Hirn eines Rudolf Steiner:

„Als Heilmittel gegen die angstverbreitenden ahrimanischen Mächte wirken die Eisenkräfte im Blut, die sich makrokosmisch in den Meteoritenschwärmen zeigen, die Ende August herunterregnen. Das Eisenphantom des Blutes bewirkt eine Entängstigung. Die Imagination Michaels leuchtet auf, der mit der Kraft, die von seinem Herzen strömt, die Meteoritenschwärme zu eisernen Schwert zusammenschmilzt und damit den ahrimanischen Sulfur-Drachen besiegt.“

Liest man parallel dazu das zutiefst dogmatische Werk einer Marylin Ferguson, entlarvt sich angebliche weltanschauliche Pluralität des „alternativen Denkens“ als direkte Umsetzung einer ideologischen Position, die, wegen des ihr innnewohnenden Irrationalismus, kein Interesse an einer Validierung ihrer Verfahren und Prozesse haben kann.

„Das neue Paradigma, das jetzt in verschiedenen Bereichen auftaucht, ist von einer ganzheitlichen und ökologischen Sicht geprägt. Es umfasst neue Konzepte von Raum, Zeit und Materie aus der subatomaren Physik; die Systembegriffe des Lebens, des Geistes, des Bewusstseins und der Evolution; den entsprechenden ganzheitlichen Zugang zu Gesundheit und Heilen; die Integration westlicher und östlicher Methoden der Psychologie und Psychotherapie; ein neues Konzept für Wirtschaft und Technologie; und eine ökologische und feministische Betrachtungsweise, die letztlich zutiefst spirituell ist.“
[Zitat aus M. Ferguson, Die sanfte Verschwörung, S.13]

Es ist eben das nicht zu übersehen, was uns Erasmus von Rotterdam mit seiner Adagia erläuterte: „Piscis primum a capite foetet.“
Und irgendwann kommt der Gammel auch in Hermsdorf an.

Pianoman

  1. Stuff
    26. September 2009, 20:43 | #1

    http://www.conspiracyresear
    Insbesondere das quasi Nachwort über diverse "moderne" Religionen

  2. ajku
    26. September 2009, 22:40 | #2

    Chapeau!

  3. 27. September 2009, 09:57 | #3

    Eine klare Analyse, leider nur zu wahr.

    Die genannten Probleme müssten politisch erkannt und auch angegangen werden. Die Schwierigkeit ist, dass ein großer Teil der politisch Verantwortlichen die Probleme gar nicht erkennt, selber an einen der vielen Irrationalismen glaubt oder populistisch meint, sich damit nur die Finger verbrennen zu können. Ebenso bei den Medien, die sich weitgehend aus der kritischen Bearbeitung dieser Themen verabschiedet haben. Die werden allenfalls aktiv, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist (den sie mit gegraben haben) und sie mit einer scheinheilig anmutenden Empörung Quote/Auflage machen können.

    Konnte man früher noch auf die Akademiker hoffen (jetzt mal als Gruppe betrachtet), denen es peinlich gewesen wäre, "blödem Volksaberglauben" anzuhängen, ist dies gerade in der Gruppe heutzutage mehr oder weniger gesellschaftsfähig. Das ist dann zwar nicht das Kartenlegen oder die Astrologie, aber dafür Familienstellen, Homöopathie oder Kinesiologie. Zwar ist das Angebot an Information so groß wie nie, aber die Gruppe, die dies nutzen könnte, versteht trotz Grundbildung, die mit dem Abitur ja vermittelt werden sollte, oft genug die Welt nicht mehr. Möglicherweise wird in der Schule schon zu wenig Wert darauf gelegt, den Kindern und Jugendlichen zu vermitteln, wie die Welt *wirklich* funktioniert. Was nutzen auswendig gelernte Details, wenn derjenige sie nicht einordnen kann. Wenn man die Welt nicht mehr versteht*, ersetzt man Wissen durch Glauben, den man aber für Wissen hält. Und der "kleine Mann"? Der wähnt sich durch die Politik geschützt und durch die Medien informiert. Den lässt man im Sinne einer falsch verstandenen (Therapie-)Freiheit, die in diesem Zusammenhang nur die weitgehende Freiheit der Geschäftemacher verschiedenster Schattierungen ist, auflaufen.

    Eine schwierige Gemengelage, gegen die anzugehen bei der Politik und Medien dem Versuch entspricht, einen Pudding an die Wand zu nageln.

    * Natürlich in den Grenzen einer Allgemeinbildung.

  4. 27. September 2009, 15:07 | #4

    Kompliment Pianomann,

    besser geht’s nicht!!!

    … vielleicht kürzer, polemischer, verletzender???

  5. 27. September 2009, 15:24 | #5

    Immer , wenn ich so ein Ding von Pianoman lese, kriege ich erstmal eine akute (vorübergehende) Schreibhemmung.

    Klasse!

  6. Scardanelli
    27. September 2009, 22:09 | #6

    Reschpekt, Herr Architekt.

    Bei so einer Wortgewalt muss man verstummen. Beeindruckend.

    Untertänigst usw.

  7. eiderdauss
    27. September 2009, 23:34 | #7

    Irrsinnig witzig, wie der totale Konsum sich in das Gesundheitsdenken hineingefressen hat – und dort Gedankenkinder erzeugt hat, die sich genau gegen diese Konsumgesellschaft wehren wollen. So sind Meme halt: Sie fressen sich durch, wo die Gehirnmasse weich ist.

    Mann, ich bin so dankbar, dass es solche helle Menschen wie den pianoman gibt – und da möchte ich gleich anmerken, dass "Konsumrebellen" ein sehr gutes Buch ist. Das beschreibt im weitesten Sinne eine Mitursache an der ganzen Misere hier. Wahlfreiheit am falschen Ort führt nur zu Ablenkung und behindert eine Diskussion. Wer sich in seiner Wahlfreiheit eingeschränkt fühlt, zetert gleich drauflos und möchte "seine Freiheit" zurück.

    Die Akademiker sollten sich endlich was bewusst werden, meint der ajku. Nun, "die Akademiker" gibt es sowieso nicht mehr. Seit unsere Eliten mit ihren Agenden 20-irgendwas wie mit einem Freibrief auf Kinderbeuterei gezogen sind und auf Teufel komm raus eine Akademikerschwemme produzieren, ist es nicht verwunderlich, dass die Massendummheiten und -psychosen auch an den Unis einsetzen. Es tut mir weh, wie sich Volksglauben in Diskussionen zwischen gestandenen Studenten breit macht und niemand was dagegen tut. Die üblichen "och, bei mir hats ja gewirkt" oder "das sind doch alles Verschwörungen" sind üblich. Aber es geht noch tiefer, wie er eben beschrieben hat. Das Bildungssystem selbst wird ja unter grosser Anstrengung zu einem Ausbildungs, was schreib ich, einem Wegbildungssystem mutiert. Man bildet die Leute vom Schreibtisch weg in die Wirtschaft, wo sie gefälligst hirnlos wählen sollen.

    Macht weiter so. Also ihr, nicht die hirnlosen Wässerchenschleifer. 🙂

  8. mimi
    28. September 2009, 02:35 | #8

    Danke, Herr pianoman!

    Gerne gäbe ich Ihren Text den mit Kügelchen um sich werfenden Müttern der Mitschüler meines Sohnes, die mich mitleidig anschauen, wenn ich erwähne, daß wir uns impfen lassen, besonders vor Auslandsreisen… die "ganz tolle ätherische Öle" gegen Läuse kennen, und es als persönlichen Sieg verbuchen, daß ihre Kinder Streptokokken, Lungenentzündungen etc. ganz ohne Antibiotika durchmachen "dürfen"… das volle Programm…

    Nur leider sind bei diesen Damen und Herren Hopfen und Malz verloren bzw. auf "subatomare" Mengen verdünnt. Denn dieser Personenkreis, dem wohl auch ein großer Anteil der gut 22 % Grünen-Zweitstimmen in meinem Wahlkreis geschuldet ist, hält ja sich selbst für "bestens informiert" (aus dem Internet? Von der Hebamme?), und alle anderen für von der "Pharmiamafia" verblödet.

    Was Sie über die bildungsmäßigen Voraussetzungen dieser Schwachsinnswelle schreiben, stimmt leider genau, und es darf Schlimmeres befürchtet werden. Bis dann, vielleicht, hoffentlich, die Kinder der Eso-Spießer gegen ihre Eltern aufbegehren und sich diesem Unfug verweigern. Wenn nicht aufgrund ihrer Schulbildung, dann ja vielleicht mit Hilfe der Pubertät.

    Was die Hermsdorfer Drogenexperimente betrifft: Ich habe als junge Wilde auch dem einen oder anderen Halluzinogen zugesprochen. Nicht gewohnheitsmäßig, eher so als gelegentlicher Kurzurlaub. Was ich durchaus auch danach im "geht-so-Alltag" ganz entlastend empfand. Esoterikerin bin ich dadurch allerdings nicht geworden…

  9. giordano
    28. September 2009, 09:50 | #9

    Hervorragener Artiekl und ebenfalls die Kommentare. Mich würde interessieren, wie gross der Anteil der Menschen ist, der z.B. zwar an Homöopathie glaubt, aber nur, weil er sich nicht damit wirklich beschäftigt hat. Kürzlich berichtete mir ein Ökonom, dass er einen kritischen Vortrag zur Homöopathie gehört hat, und seither auch nicht mehr daran glaubt. Kann es sein, dass es nicht "Dummheit" ist, sondern einfach Ignoranz ist (ich setze das mal nicht gleich), dass viele Akademiker und Politkier an esoterischen Heilmethoden glauben?

  10. 28. September 2009, 10:32 | #10

    Als normaler Verbraucher hat man es aber auch schwer.
    Die normale Zeitung jubelt die Homöopathie hoch, Fachleute, denen man eigentlich vertrauen können müsste (Ärzte, Apotheker und nicht zluetzt Hebammen), bewerben die Homöopathie und Werbung für diese "Mittelchen" gibt es auch nicht gerade wenig.

    Man könnte die Anteile aus dieser Homöopathieumfrage rauslesen:
    http://www.scienceblogs.de/

    Ich denke, die meisten wissen einfach gar nicht, was das ist und halten die Homöopathie einfach für eine Art pflanzliches Arzneimittel mit nachgewiesener Wirkung und ohne Nebenwirkungen.

  11. Tobias
    29. September 2009, 13:11 | #11

    Hallo "pianoman",

    sehr guter Artikel!

    Zu Steiners wahnsinniger Anthroposophie gibt’s ja nur ein Zitat, aber das ist deutlich!

    Hier diskutieren Waldorfschüler Rudolf Steiners Geisteskrankheit, vielleicht könnte man mal ein Piano-Solo …:

    http://waldorfblog.wordpres

  12. Sibylle
    30. September 2009, 13:24 | #12

    Ich schließe mich der Ansicht an, dass Akademiker eine beschränkte Sichtweise haben. Allerdings glaube ich kaum, dass man hier viel verändern kann.

    Grüße

    Sibylle *hXXp://www.kosmetikstudio-luebeck.de*

  13. treberT ottO
    30. September 2009, 13:45 | #13

    Und? hat sich schon jemand gemeldet, der Ihre Internetdomain kaufen will?

  14. 30. September 2009, 18:43 | #14

    "Ich schließe mich der Ansicht an, dass Akademiker eine beschränkte Sichtweise haben."

    Stimmt. Die ist im Idealfall auf die Realität beschränkt.

  15. Rose
    4. Oktober 2009, 22:31 | #15

    Treffender geht’s nicht!

    Die Esoterik-Welle ist ja nicht nur "ungeschichtlich" in ihrem seligen Kosmos-Gebrabbel, sie liefert auch die denkbar einfach gestrickten Rechtfertigungs-Stereotypen für historisch gewachsenes und historisch veränderbares Unrecht: Schmöker wie "The Secret", "Law of Attraction" usw. tun ja so, als wäre von allem für alle genug da, man müsste sich bloß "in Resonanz" mit Erfolg, Glück, Reichtum bzw. dem gewünschten Parkplatz setzen – und schon schüttet das Universum das Füllhorn aus. Umkehrschluss: Du doofer Arbeitsloser/ Sozialhilfe-Empfänger/Bewohner der Sahel-Zone… bist leider in deinem primitiven Mangeldenken stecken geblieben – und das hast du jetzt davon.

    Esoterik richtet den Menschen nicht nur mental fürs unkritische Funktionieren in bestehenden Systemen ab, sie überhöht die Privilegierten und gaukelt individuelle Gestaltbarkeit vor, wo es in Wahrheit um Teilen, um Zugang zu Ressourcen und Gerechtigkeit geht. Die "protestantische Ethik" der Frühkapitalisten ist ein Lercherlschas gegen die kosmische Verschleierung des Menschengemachten im Namen des "Neuen Zeitalters".

  16. neuhier
    19. Februar 2010, 12:05 | #16

    Was Esoterik bewirken kann spüre ich gerade in der eigenen Familie. Eine nahe Verwandte
    ist seit geraumer Zeit auf dem absoluten Esoteriktrip, findet aber noch nicht den für Sie richtigen Weg und stürzt sich von einem teuren Selbsterfahrungseminar in das nächste. Alles wird angenommen, von Schmanismus, braune Esoterik, Hamer, NLP usw. Das Problem,
    sie versucht die ganze Familie zu beeinflussen und zur Teilnahme an obskuren Seminaren zu nötigen. Kritische Anmerkungen werden zur Lachnummer deklariert. Zur Zeit stehen teuere NLP Seminare z.B. bei Tony Robbins in Rom auf dem Plan. Aus der fröhlichen Person von einst ist ein abhängiges beeinflussbares Wesen geworden. Die Frage ist, wann werden sich endlich die Politik und unsere Medien mit diesen Themen beschäftigen und hier Einhalt gebieten.

  17. 19. Februar 2010, 12:42 | #17

    Hallo neuhier,
    dem Einhalt gebieten ist nicht so einfach. Wer als erwachsener Mensch meint, darin sein Glück zu finden, der darf das natürlich tun. Du kannst auch gerne mal bei uns ins Forum schauen (Link oben, rechte Seite), da wurden solche Fälle auch schon diskutiert („Hilfe, was kann ich tun?“)

  1. Bisher keine Trackbacks

Spamschutz: Setzen Sie einen Haken im vierten Kästchen

Spam protection: Check the forth box



      

css.php