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Früh sterben schützt vor Langzeitschäden?

oder wie man pseudowissenschaftlich argumentiert.
Frechheit alleine genügt heutzutage nicht mehr, man braucht auch noch bescheuerte Argumente, will man im Web als Ignorant glänzen. Das beliebteste Argument aller Quacksalber ist: Wer heilt hat recht.

Es ist das Pseudoargument schlechthin, welches man von Anhängern alternativer Methoden – und damit häufig auch Impfgegnern – entgegengeschleudert bekommt. Einer der fiesesten Sätze überhaupt, denn er leuchtet spontan ein und umschifft elegant die eigentliche Fragestellung, ob denn die Behandlungsmethode überhaupt ursächlich etwas mit der Heilung zu tun hat. Der Satz ist lediglich die Behauptung einer Kausalität. Man schätzt, dass ca. 80% aller Erkrankungen sowieso von selber wieder verschwinden. Man hat also gute Chancen, auch mit den absurdesten Methoden „Erfolge“ zu erzielen. (Wer heilt, hat recht)

Bei Impfungen zieht dieses „Argument“ nicht mehr – man ist ja nicht krank, also kann auch nichts heilen. Sondern man beugt vor. Eigentlich eine clevere, günstige und sehr sichere Sache – was macht man da nun als Impfgegner? Welches Totschlagargument kann man da bringen? Sie haben es gefunden: Langzeitstudien.

Dieses Argument ist besonders trickreich:
– Es klingt so, als würde man die wissenschaftliche Methode akzeptieren.
– Die Frage ist prinzipiell durchaus berechtigt (es gibt sie ja auch, solche Studien).
– Es unterstellt den Angesprochenen sorglosen und fahrlässigen Umgang und definiert die eigene Position als ethisch höherwertig.


Nun ist es aber beim Impfen so, dass es wohl kaum einen Bereich in der Medizin gibt, der besser und über so einen langen Zeitraum erforscht worden ist. Alle angeblich langfristigen Nebenwirkungen, die Impfgegner heute verwendeten Impfstoffen unterstellen, haben sich regelmäßig als haltlos oder sogar als absichtliche Irreführung (siehe Wakefield, Autismus und Masernimpfung) herausgestellt. Legt man Impfgegnern Langzeitstudien vor, kommt immer ein „Ja, aber …“ und ein lustiges Hase-und-Igel-Spiel beginnt, bei dem der Impfgegner klar im Vorteil ist: Er ist nur durch seine Fantasie beschränkt, kann die unmöglichsten Zusammenhänge postulieren und dann scheinheilig fragen: Gibt es da eine Langzeitstudie, die das widerlegt? Könnte ja sein, dass sich erst in der 10. Generation furchtbare Schäden zeigen.

Der Ruf nach 100% Sicherheit ist letztlich nichts anderes als der Ruf danach, die Methode aufzugeben. Denn es gibt keine 100% Sicherheit außer der, dass wir alle sterben werden (genau genommen darf man selbst für diese Aussage keine 100% setzen, nur eine sehr, sehr hohe Wahrscheinlichkeit).

Impfen ist eine furchtbar ganzheitliche Sache. Mit geringsten Kosten beugt man schweren Erkrankungen vor. Es gibt nur einen Schönheitsfehler: Impfstoffe werden von Firmen hergestellt und nicht von ET oder anderen Außerirdischen, die zufällig auf der Erde gestrandet sind und ausschließlich eine altruistische Motivation haben, wie man das von Außerirdischen ja so kennt. Es stecken sozusagen finanzielle Interessen dahinter. So ähnlich wie die von fiesen Bäckern, die so leckere Brötchen backen, dass man sie freiwillig kauft. Sowas bringt Impfgegner zum Hyperventilieren. Es ist ja auch schwer vorstellbar, dass Industriezweige wie die Pharmaindustrie jemals irgendwas Sinnvolles geschaffen haben. Hunderttausende von Ärzten, Biochemikern etc. arbeiten ja unermüdlich daran, blanken Unsinn zum Wohle der Rendite zu verbreiten. Ebenso dramatisch die Situation vieler ganzheitlicher Mütter. Was sollen sie nur tun, wenn ihre Kinder nicht mehr sterbenskrank werden? Wohin nur mit soviel fürsorglicher Liebe, wenn der kleine Fratz nicht mehr vor Schmerzen schreit, blöd wird oder gleich krepiert?

Sei es, wie es sei, das ultimative Argument wurde ja gefunden: Wo sind die Langzeitstudien? Das Schöne an diesem Wort sind für die Freunde der Quacksalberei hauptsächlich die Bestandteile „Lang“ und „Zeit“. Studien weniger.

Impfgegner haben eine seltsame Logik: Lieber gleich sterben, als sich später möglicherweise einem Risiko auszusetzen, das zudem höchstwahrscheinlich nicht mal vorhanden ist.

  1. Dr. Gonzo
    29. Dezember 2009, 19:49 | #1

    Besserer Artikel als der davor 🙂

    Dankeschön.

  2. Hlodyn
    30. Dezember 2009, 00:47 | #2

    Besonders schönes Beispiel, dass mir von einem lustigen Impfgegner entgegengeschleudert wurde: Früher, als es noch keine Impfungen gab, da gab es auch kaum Fälle von Alzheimer, Demenz etc.! Da gibt es bestimmt einen Zusammenhang!
    Ja und zwar den, dass die Leute früher einfach nicht alt genug geworden sind um an Demenz zu erkranken… *rolleyes*

  3. mrbaracuda
    30. Dezember 2009, 09:45 | #3

    Hallo,

    hat jemand bei info@psiram.com meine e-Mail bekommen? Ich hab mein Passwort für’s Forum vergessen, bekomme aber keine e-Mail mit einem neuen. Hab’s jetzt schon öfters probiert. :L

    Gruß,
    mrb

  4. dab
    30. Dezember 2009, 14:13 | #4

    Der Broetchen-Baeckervergleich ist ein wenig misslungen, denn es ist nicht anzunehmen, dass die "Baeckerlobby" moeglicherweise gezielt Angst verbreitet, man wuerde sterben, wenn man ein bestimmtes Broetchen nicht kauft/isst. Es geht in meinen Augen eher um das Spiel mit der Angst, und da haben Baecker, Friseure oder sonstwer nichts mit zu tun. Davon abgesehen ist ein Broetchen essen kein annaehernd so weiter Eingriff fuer den Koerper wie eine Spritze mit einem Impfstoff.

  5. 30. Dezember 2009, 14:22 | #5

    Nö, Brötchen sind ein Milliardengeschäft.
    deswegen sind Brötchen nach Verschwörungsheinilogik was Schlimmes.

    Das "Pharma Shill"-Gambit:
    http://www.sciencebasedmedi

    Und dab ist sowieso von der Bäckerlobby gekauft und denen total hörig.

  6. 30. Dezember 2009, 16:12 | #6

    Gezielt Angst verbreiten … Jaklar. Bei Pocken und Polio hat es die Pharmalobby übertrieben, die verkaufen heute fast keinen entsprechenden Impfstoff mehr, weil es das bei uns so gut wie nicht mehr gibt.
    Wenn überhaupt, könnte man vermuten, dass Impfgegner in Wirklichkeit Pharmalobbyisten sind. Denn ohne die wären z.B. Masern In Europa auch soweit ausgerottet, dass Impfen hinfällig wäre.

    Und Ein Brötchen kann man durchaus mit einer Impfung vergleichen, wenn es sehr knusprig ist und einem, wie es ja mal vorkommt, den Gaumen anritzt. Da kommen dann ein vielfaches an verschiedenen Antigenen direkt ins Blut.

  7. 30. Dezember 2009, 16:31 | #7

    @ MrBarracuda:

    Deine mail ist angekommen und war schon mal beantwortet. Ich habe sie nochmal geschickt. Schau mal in deinen Spam-Folder ggf.

  8. mrbaracuda
    30. Dezember 2009, 19:02 | #8

    Ja, Danke nochmals. Die erste Mail ist allerdings gar nicht angekommen; meinen Spamordner überseh ich nicht (Ich brauche schließlich das Viagra!). 😀

  9. sceptico
    31. Dezember 2009, 12:26 | #9

    "Wohin nur mit soviel fürsorglicher Liebe, wenn der kleine Fratz nicht mehr vor Schmerzen schreit, blöd wird oder gleich krepiert?"
    Verächtlicher kann eine Sprache nicht sein als die ihre.

  10. 31. Dezember 2009, 12:50 | #10

    Wie formuliert man es denn politisch korrekt, wenn ein Kind sinnlos an einer impfprävalenten Krankheit leidet?

  11. 31. Dezember 2009, 13:01 | #11

    @sceptico: Sie haben das gut erkannt, das ist verächtlich. Mütter (meist sind es Mütter), die ihren Kinden eine bewährte Vorbeugung oder bei akuter Erkrankung wirksame Medikamente vorenthalten und im Ernstfall ihr Kind sinnlos leiden lassen, für die habe ich nur Verachtung übrig.
    Man findet in einschlägigen Foren mehr als genug von solchen "Müttern"

    Noch besser, wenn sie andere in den Tod treiben:

    http://www.youtube.com/watc

  12. Hlodyn
    31. Dezember 2009, 14:13 | #12

    Ich finde, dass man bei diesem Thema ruhig die Dinge beim Namen nennen kann. Oder vielmehr muss!
    Ich musste auch Kinderkrankheiten durchmachen, weil es damals noch keine (für mich?) geeignete Impfung gab. Ich wünsche meinem ärgsten Feind keine Pertussis! Einen Monat Erstickungsanfälle etc. bei denen meine Mutter hilflos dabeistehen musste und eine Hand am Telephon hatte um den Notarzt zu rufen! Ewig lange durfte ich keine anderen Kinder um mich haben!
    Windpocken hatte ich auch. Gut das fand ich persönlich wesentlich angenehmer als den Keuchhusten, aber trotzdem, auch hier wieder lange Isolation, Schmerzen, unerträglicher Juckreiz, Fieber! Dazu noch die Gefahr im Laufe des Lebens an einer Gürtelrose zu erkranken. Hätte es damals eine Impfung gegeben, dann wäre mir einiges erspart geblieben, denn meine Mutter hat immer darauf geachtet, dass wir komplett durchgeimpft waren.

  13. 1. Januar 2010, 05:58 | #13

    sehr gut geschrieben, vielen Dank!

  14. Marxxxxxist
    1. Januar 2010, 12:20 | #14

    DU arme Ezra !!!

    Wir Russen wurden ALLE GEIMPFT, das war PFLICHT !!!
    Ich hatte NIE solche Krankheiten wie du.

    Die 3er Impfung : Di-Per-Te wurde an alle Kinder gespritzt.

    Ich bin auch gegen Influenza, Pnemokkoken und Scweinegrippe geimpft, weil ich AUFGEKLÄRT Bin.
    PS: wer mich hier löscht STINKT !!!

  15. Think about
    1. Januar 2010, 18:46 | #15

    Ein Haufen armseeliger Blogger versucht mal wieder die Argumente der Pharma Lobby zu verbreiten *gääähn*

    Wer AUFGEKLÄRT ist, lässt sich nicht impfen und schluckt auch nicht unnötig Medikamente. Ganz einfach. Und – wer heilt hat recht. Jawohl! Sogar wenn es die Pharma ist… das gilt für alle. Und WER letztendlich heilt spielt nicht die große Rolle. Fakten und Erfolge zählen. Keine langweiligen Studien, die bei Misserfolg sowieso korrigiert werden bis sie Akzeptanz erlangen.

    Wer sich dieser Esowatch Bewegung anschließt kann auch in eine mittelalterliche Burg ziehen, die Zugbrücke heraufziehen und sich dort einsperren …

  16. Gelmir
    1. Januar 2010, 20:03 | #16

    @Think about
    Geht nicht mit der Burg, kein Platz mehr.
    Da haben sich schon die Impfverweigerer breitgemacht.

  17. 2. Januar 2010, 02:17 | #17

    @think about: Danke für das Stichwort, es wird bald mal einen Blog über das Thema Pseudonyme und das, was sie schreiben geben.

    Also so Leute, die ein "think", "Wahrheit", "Einstein" etc. in ihrem Namen tragen und diesem Anspruch in großer Regelmäßigkeit nicht standhalten, um es höflich zu formulieren. Ein lustiges Phänomen.

  18. Rheinlaender
    2. Januar 2010, 06:10 | #18

    @Think about

    "Und – wer heilt hat recht." … mmmmhhh:

    Es gab um 1580 in Dtld. mehrere Jahre hinterander mit Missernten und Hungernoeten. Dies fuehrte zu massiven Hexenprozessen mit einer Opferzahl im drei- oder vierstelligen Bereich. Um 1585 stiegen die Ernteertraege wieder.

    Soll man nun daraus schlussfolgern, dass das Verbrennen von Hexen ein probates Mittel sei, die Ertraege der Landwirtschaft zu steigern?

  19. Rheinlaender
    2. Januar 2010, 06:35 | #19

    @Think about

    Um das etwas fortzustetzen: Ich habe eine Schuppenflechte, seit ueber 20 Jahren bin ich jedoch weitestgehend symptomfrei.

    Haette ich vor 20 Jahren eine "Schwermetalausleitung", "Kristallterapie" oder einen aehnlichen Hokuspokus gemacht, koennte ich nun, Deiner "Logik" folgend, behaupten, dass dieser Budenzauber gewesen sei, der mich "geheilt" haette.

    Um genau solche Fehlinterpretationen auszuschliessen werden "langweilige Studien" durchgefuehrt.

  20. Godesberg
    2. Januar 2010, 10:56 | #20

    @Think about

    Ich finde viele Studien faszinierend. Aber das könnte auch daran liegen, dass ich Ahnung von der Materie habe und verstehe was da geschrieben steht.

    Eine klare Beweisführung die auf einem intelligenten Studiendesign beruht kann richtiggehend Spaß machen!

    Sie verlassen sich im Zweifelsfall auf einen Erfahrungsbericht von dem Sie nicht wissen können ob Ihnen was erzählt damit Sie was kaufen.

    Fakten und Erfolge zählen ihrer Meinung nach. Gleichzeitig sagen Sie dass man sich nicht impfen lassen sollte.
    Wenn Sie nicht in der Lage sind nach dem simplen Schema "Erfolg oder Misserfolg" zu erkennen, dass Impfungen eine sinnvolle Maßnahme sind, kann einem Angst und Bange um Sie werden.

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