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Artikel Tagged ‘Statistik’

Impfstoffe und der plötzliche Kindstod

19. Februar 2015 5 Kommentare

Da im Blog gerade die Frage gestellt wurde – und bei uns gilt „Service is our success!“ – , möchten wir uns kurz einen Artikel des Kopp-Verlags vorknöpfen. In dem Text Von Big Pharma unterdrücktes Dokument beweist: Impfstoffe verantwortlich für plötzlichen Tod wird behauptet, dass der Impfstoff Infanrix hexa am schockierenden Tod von Dutzenden Kleinkindern schuld sei. Der Hersteller habe dies jedoch in offiziellen Sicherheitsberichten verschleiert.

Begründet wird dies damit, dass durch eine Klage in Italien der offizielle Report von GlaxoSmithKline (PDF, 1271 Seiten, 12 Megabyte) an die regulierenden Behörden veröffentlicht wurde und damit diese schrecklich geheimen Informationen bekannt wurden.

So behauptet Kopp:

Es erklärt, dass entgegen den verzerrten Zahlen von GSK, die den Eindruck erwecken, Dutzende plötzliche Tode nach einer Impfung stünden nicht in Verbindung mit Infanrix hexa, dieselben Zahlen jedoch, aufgeschlüsselt nach der Zeit des Auftretens, deutlich machten, dass der Impfstoff tatsächlich in direktem Zusammenhang mit den Toden stand.

Der Teufel steckt im Detail, heißt es, und in diesem Fall übertünchte GSK diese Details, indem die Mehrheit der Tode innerhalb von zehn Tagen nach der Impfung mit den wenigen Toden nach mehr als zehn Tagen zusammengefasst wurde.

Ist schon unglaublich, wie GSK das im offiziellen Report verschleiert hat. Brillant geradezu: Mehr…

Was Sie schon immer über Statistik wissen wollten, aber nie zu fragen wagten.

4. Mai 2013 23 Kommentare

Eine Empfehlung für einen Vortrag von Gerd Gigerenzer, den er am 2.7.2007 beim Chirurgie-Symposium hielt.

Illusion der Gewissheit

betitelt Gigerenzer seinen Vortrag, und er beginnt mit einem Zitat von H.G. Wells:

Wenn wir mündige Bürger in einer modernen, technologischen Welt möchten, dann müssen wir ihnen drei Dinge beibringen: lesen, schreiben und statistisches Denken.

Dass gerade letzteres, der Mangel an „statistischem Denken“, ein Metakonflikt in der Auseinandersetzung mit Pseudomedizin und Quacksalberei bei uns ist, wird den regelmäßigen Leser hier nicht überraschen.

Überraschend ist aber, dass Gigerenzer diesen Mangel gerade bei Medizinern anprangert, die es eigentlich besser wissen müssten, sind doch gerade in der Medizin Entscheidungsfindungen idealerweise sehr stark an diese Fähigkeit gekoppelt, mit Unsicherheiten und Risiken vernünftig umzugehen. Und mangelt es an dieser Fähigkeit, kann man bei Patienten sehr viel Schaden anrichten. Mehr…

Deutschland verbrennt den Impfpass

6. Februar 2013 105 Kommentare

ImpfpropagandaUnser alter Freund Hans Tolzin hat offenbar Facebook entdeckt und träumt dort seine wirren Träume weiter, wie man am Titel des Posts ablesen kann.

Argumente hat er ja keine, darum wird vor allem mit „schockierenden“ Bildern Stimmung gemacht. Sehr gerne werden dabei schreiende Kinder und Spritzen gezeigt, dass Ganze garniert mit Verschwörungstheorien und wilden Behauptungen. Auf Fakten wird dabei so gut es geht verzichtet. Und wenn Daten präsentiert werden, dann werden sie verfälscht, dass es schon ans Kriminelle grenzt.

Er kommt nicht umhin, die gaaaannnnzzzzzz alten Fälschungen aus dem Fundus zu kramen.

So zum Beispiel dieses Bild hier: Mehr…

Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast

18. Juli 2012 36 Kommentare

Vor kurzem stießen wir wieder auf diesen geflügelten Satz, der sehr gerne Winston Churchill in die Schuhe geschoben wird. Die etwas besser Informierten meinen oft, dass der Satz nicht von Churchill, sondern von Goebbels stamme. Ein kleiner Unterschied, nicht wahr? Wen zitiert man hier – Churchill oder Goebbels?

Zweiteres ist allerdings genauso wenig erwiesen wie Ersteres, liegt aber vielleicht sogar etwas näher an der Wahrheit.

Bereits 2004 ging ein interessanter Artikel im Statistischen Monatsheft Baden-Württemberg der Sache soweit möglich auf den Grund. Der sehr lesenswerte Text beleuchtet Churchills Einstellung zur Statistik und zur Auswertung von Daten und versucht auch herauszufinden, ob dieser Satz wirklich von Churchill stammt.

Englische Historiker hatten noch nie davon gehört. Churchill selbst war einerseits vom Wert der Statistik überzeugt sowie andererseits davon, dass die Deutschen logen: Mehr…

Momentum 2011: Hans Rosling

27. August 2011 3 Kommentare

Wir haben hier noch ein weiteres Video von und mit Hans Rosling, in dem er wieder über Reichtum, Armut und vor allem die Bevölkerungsentwicklung spricht. Diesmal gibt er uns nicht nur Statistiken, er gibt uns auch Hoffnung für die Welt.

Danke Hans Rosling!

Upgrade your world view!
Bush did it, you can do it!

Die Geschichte vom bösen Bein.

21. Februar 2011 8 Kommentare


Die letzten zwei Monate hatte ich immer wieder mal Probleme mit meinem linken Bein. Genauer gesagt, es tat in der Kniekehle höllisch weh. Mal mehr, mal weniger. Weg war es aber nie. Wenn es arg war, konnte ich nur mit großen Schmerzen ins Auto einsteigen, denn beim Anwinkeln war es besonders schlimm. Irgendwann tat es dann auch beim Liegen weh, und ein leichtes Schmerzmittel war zum Einschlafen angesagt. Ich war bei zwei Hausärzten – das hat sich so ergeben, weil der eine mal die Vertretung des anderen war. Beide waren eher ratlos, es war nichts vom Üblichen, was sie so kennen. Beide meinten, ab zum Orthopäden, wenns zu arg schmerzt, Ibu einwerfen. Nun ist das mit Orthopäden ja so eine Sache. Es gibt solche und solche. Ich wollte zu einem solchen. Der ist aber ein bisschen weiter weg. Nachdem das Alles ja nicht lebensbedrohlich, sondern nur lästig und manchmal schmerzhaft war, schob ich das noch etwas vor mich hin. Und dann geschah es: Plötzlich war alles weg. Nicht nur weniger, sondern komplett, als ob nie was gewesen wäre. Von heute auf morgen. Es ist seitdem auch noch nicht mal im Ansatz wieder aufgetaucht.

Warum schreib ich diese für Andere eigentlich völlig uninteressante Geschichte in einen Blog? Ganz einfach, es ist ein wunderschönes Beispiel, wie man sich selber übers Ohr hauen kann. Wenn man z.B. in der Zeit irgendwelche Alternativmittelchen, sei es Homöopathie, Schüssler- oder sonstige Salze genommen hätte, Quarkwickel, Fernheilung, Gebete etc. wäre man ab spätestens diesem Ereignis glühender Verfechter dieser Methode. Denn: wenn etwas so lange und über viele Wochen angehalten hat, und dann von heute auf morgen weg ist – das kann doch kein Zufall mehr sein!

Ist es vermutlich auch nicht. Der Körper hat sich mal wieder selbst geheilt. Man schätzt, dass in Deutschland ca. 80% aller Arztbesuche – im Nachhinein betrachtet – eigentlich überflüssig gewesen sind. Natürlich nicht wirklich, denn im Vorhinein kennt man das Nachhinein noch nicht, und lieber einmal mehr zum Doc, als mal was wirklich Ernsthaftes zu übersehen oder zu lange zu verschusseln, bis es eher zu spät ist.

Aber man sieht das alte Problem. Wie unterscheidet man zwischen Koinzidenz und Kausalität, also ob etwas nur zufällig im gleichen zeitlichen Rahmen geschieht oder ob das eine die Ursache für das andere war? Gerade im medizinischen Bereich ist das, wie man z.B. an dem Beispiel oben sieht, manchmal enorm schwierig. Darum braucht es Studien. Mit der “Macht der großen Zahl” kann man dem Zufall oder auch der Ursache auf die Schliche kommen.

Aber der Mensch ist ein starrköpfiges Wesen. Sind die Neuronen erst mal auf A ->B verschaltet – und das geschieht bei persönlichem Erleben ganz flott – dann sind abstrakte Hilfsmittel wie Studien als Lösungsmittel für diese Verschaltung nur mehr bedingt wirksam. So wie man bei meiner Nachbarin sieht, wenn sie sagt: “Immer ihr mit euren Studien! Bei mir hats geholfen, und das ist das, was für mich zählt!”

Witzigerweise, das sei noch kurz angemerkt, werden gerade die überzeugtesten Vertreter einschlägiger Quackverfahren wie z.B. Hömoöpathie zum Opfer der Statistik: Wer bei jedem querliegenden Furz Kügelchen einwirft, erlebt die Homöopathie als etwas, was in ca. 80% der Fälle hilft. Und man muss doch doof sein, wenn man das nicht als eindeutigen Beweis sehen kann, oder?
Und ich überlege auch schon dauernd: Hatte ich am Tag vorher, bevor das alles plötzlich weg war, nicht einen außergewöhnlich guten französischen Roten getrunken?

Früh sterben schützt vor Langzeitschäden?

29. Dezember 2009 20 Kommentare

oder wie man pseudowissenschaftlich argumentiert.
Frechheit alleine genügt heutzutage nicht mehr, man braucht auch noch bescheuerte Argumente, will man im Web als Ignorant glänzen. Das beliebteste Argument aller Quacksalber ist: Wer heilt hat recht.

Es ist das Pseudoargument schlechthin, welches man von Anhängern alternativer Methoden – und damit häufig auch Impfgegnern – entgegengeschleudert bekommt. Einer der fiesesten Sätze überhaupt, denn er leuchtet spontan ein und umschifft elegant die eigentliche Fragestellung, ob denn die Behandlungsmethode überhaupt ursächlich etwas mit der Heilung zu tun hat. Der Satz ist lediglich die Behauptung einer Kausalität. Man schätzt, dass ca. 80% aller Erkrankungen sowieso von selber wieder verschwinden. Man hat also gute Chancen, auch mit den absurdesten Methoden „Erfolge“ zu erzielen. (Wer heilt, hat recht)

Bei Impfungen zieht dieses „Argument“ nicht mehr – man ist ja nicht krank, also kann auch nichts heilen. Sondern man beugt vor. Eigentlich eine clevere, günstige und sehr sichere Sache – was macht man da nun als Impfgegner? Welches Totschlagargument kann man da bringen? Sie haben es gefunden: Langzeitstudien.

Dieses Argument ist besonders trickreich:
– Es klingt so, als würde man die wissenschaftliche Methode akzeptieren.
– Die Frage ist prinzipiell durchaus berechtigt (es gibt sie ja auch, solche Studien).
– Es unterstellt den Angesprochenen sorglosen und fahrlässigen Umgang und definiert die eigene Position als ethisch höherwertig.

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