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Was kann man denn noch glauben?

Aus einem Forumsbeitrag, irgendwo im Netz:

Solange niemand von uns persönlich also solche Studien durchgeführt hat, bleibt es letztlich eine Glaubens- bzw. Vertrauensfrage, und der Mensch kann ja immer Glauben was er will…. Eine universelle Wahrheit springt letztlich meist doch nicht bei raus

Ich jedenfalls würde nicht in jedem Fall meine Hand für den Wahrheitsgehalt so mancher Hochwissenschaftlich anmutenden Studie ins Feuer legen und gleichzeitig alle Alternativen Methoden per se als Scharlatanerie bezeichnen, weil hinter Wissenschaft letztlich auch nur Menschen stehen, die ja bekanntlich nicht unfehlbar sind.”

Eine super Erkenntnis, aber was hilft sie uns, wenn wir urteilen müssen? Z. B. wenn wir Kinder haben, und die geimpft werden sollen?

Fast alles, was wir über diese Welt jenseits unserer persönlichen Erfahrung wissen, baut auf der Erkenntnis anderer auf. Doch woher wissen wir, dass das alles stimmt? Im Bereich des “Alltagswissens” ist es relativ einfach: Das Wissen über die Welt muss hier dazu dienen und in der Lage sein, möglichst sichere Vorhersagen zu machen, ansonsten ist es wertlos und eben kein Wissen, sondern Vermutung und Spekulation, wie etwas sein könnte, aber nicht sein muss. Wenn wir ein rohes Ei aus 1m Höhe auf einen Steinboden fallen lassen, wissen wir vorher, dass es kaputt gehen wird.

Die Metasicht
Wenn wir vor dem Problem stehen, zu etwas Stellung beziehen zu müssen, zu dem es widersprüchliche Ansichten gibt und einem spezielles Fachwissen fehlt, kann eine “Metabetrachtung” hilfreich sein, indem man als erstes, ohne groß in Details zu gehen, sehr allgemeine Überlegungen anstellt.

Nehmen wir als beliebtes Beispiel die Homöopathie. Angenommen, wir hätten keinerlei Ahnung, was das ist, außer, dass behauptet wird, man könne damit Krankheiten heilen. Also überlegen wir:

Verbreitung
Eine Methode, die gut und günstig hilft, sollte verbreitet sein. Oder zeigen, dass es dort, wo sie verbreitet ist, Menschen besser geht. Schauen wir uns die Verbreitung der H. genauer an, stellen wir fest: Es gibt keine Übereinstimmungen. In Ländern, wo H. verbreitet ist, sind die Menschen auch nicht gesünder bzw. leben auch nicht länger. Vielmehr stellen wir fest: Die Lebenserwartung und allgemeine Gesundheit korreliert stark mit dem Wohlstand eines Landes, seiner medizinischen Versorgung und nicht der Verbreitung der H. Das ist natürlich noch lange kein Beweis gegen die H. aber schon mal ein negatives Indiz.

Historie
Dann schauen wir uns die geschichtliche Entwicklung an und stellen fest, dass die H. von einem einzelnen Menschen erfunden wurde, und sich seit über 200 Jahren im Prinzip nichts verändert hat. Das ist zumindest seltsam, wenn man den rasanten Fortschritt der Medizin in dieser langen Zeit betrachtet. Das führt zu einem logischen Widerspruch, denn wenn die Erfindung damals tatsächlich eine Art “Stein der Weisen” war, etwas, was perfekt funktioniert und nicht verbessert werden kann, warum hat sich dann die moderne Medizin überhaupt entwickelt? Warum hat sich die Lebenserwartung in den letzten 100 Jahren so massiv erhöht, wenn es die H. doch schon vorher über 100 Jahre gab? Warum konnte man mit Entdeckung des Penicillins plötzlich Entzündungen heilen, die vorher oft tödlich waren? Schon wieder kein Beweis gegen die H. aber starke Indizien dagegen.

Widersprüche zu anderen Systemen
Wir lesen, dass die Homöopathen eine Kraft/Schwingung/Information behaupten. Im gängigen Modell der Physik ist sowas aber nicht denkbar, sie basiert momentan auf dem Vierkräfte-Modell. Das muss ja nicht stimmen – andererseits lassen sich mit dieser Physik Dinge berechnen, die z. B. einen PC-Prozessor erst möglich machen. Hat die H. hierzu ein alternatives Modell, das funktioniert? Nein. Zwar wieder kein sicherer Beweis gegen die H., aber wieder ein starkes Indiz.

Was wären Konsequenzen?
Was wäre zu akzeptieren, wenn die Behauptungen stimmen? An einem anderen Beispiel lässt sich das gut aufzeigen: Impfgegner. Würden die Behauptungen der Impfgegner stimmen, müsste man konsequenterweise auch folgendes Szenario für richtig halten:

  • Viele tausend Studien weltweit sind gefälscht.
  • Die Pharmaindustrie hat – seit Jahrzehnten und über alle Kriege hinweg – Macht über alle Staaten und Systeme dieser Welt (im Ostblock wurde genauso geimpft, wie im Westen)
  • sämtliche Forscher sind entweder völlig skrupellos und lassen wider besseres Wissen sogar ihre Kinder impfen oder sie sind trotz jahrelangem Studium dümmer als manche Hausfrauen, die 2 Bücher zu dem Thema gelesen haben.

Angesichts dessen, dass es innerhalb der Pharmaindustrie auch noch Konkurrenz gibt und diese Industrie zwar mächtig ist, aber beileibe nicht die größte, erscheint dieses Szenario dann doch eher unwahrscheinlich. Aber: Man muss es konsequenterweise glauben.

Psychologische Aspekte
Dass wir als Menschen stets stark dazu neigen, das zu glauben, was wir gern möchten, ist offensichtlich. Umso skeptischer sollten wir daher Aussagen prüfen, die uns sehr zusagen. Ein schönes Beispiel dafür ist die These der Hohlerde, in der behauptet wird, wir befänden uns nicht auf einer Kugel, sondern im Inneren, und das Universum und der Rest befände sich im Zentrum dieser Kugel. Es ist gar nicht so leicht, diese These zu widerlegen, mit netten mathematischen Tricks lässt sich auch hier ein Modell schaffen, welches größtenteils funktioniert. Was an diesem Modell aber sehr zweifelhaft ist: Es macht den Menschen wieder zum einzigen zentralen Bestandteil des Universums, nach all den vielen Desillusionierungen und Kränkungen der letzten paar hundert Jahre – inzwischen wissen wir, dass wir in einem relativ unbedeutenden Randbereich unserer Galaxie sitzen – ist diese Vorstellung einfach sehr verlockend, wieder Oberchef zu sein.

Einfach, aber falsch
Im Alltag brauchen wir Vereinfachungen. Die Erde z. B. als Kugel zu bezeichnen, ist genau genommen nicht richtig, aber als Annäherung genügend. Doch wenn es zu einfach wird, wird es oft falsch. Wir sollten uns stets gegenwärtig sein, wie sehr wir von dieser Art Erklärungen verlockt werden. Als Faustregel kann man hier sagen: Je komplexer eine Sache, umso wahrscheinlicher sind simple Erklärungen falsch. Gleichzeitig: Je emotionaler ein Thema aufgeladen, umso eher suchen wir nach einfachen Erklärungen, sind wir unfähiger, komplexe Zusammenhänge zu realisieren.
Dies ist z. B. mit ein  Grund, warum die “Germanische Neue Medizin” eines Ryke Geerd Hamer trotz ihrer absurden Behauptungen bei doch erstaunlich vielen Menschen Zuspruch findet: Es geht um ein emotionales Thema (Krebs) und die Erklärung mit fünf “eisernen”, “biologischen” “Gesetzen” ist so simpel, dass sie sofort einleuchtet. Leider halt völlig falsch, mit der traurigen Folge, dass schon hunderte Menschen sinnlos früh und unter großen Qualen gestorben sind.

Wir haben jetzt also ein Thema, von dem wir kein tieferes Wissen haben, allein durch eine allgemeine Fragestellung soweit durchdrungen, dass wir schon ungefähr wissen, wo die Reise hingehen wird. Die Eckdaten sind klar geworden: Vielleicht hilft es beim Einen oder Anderen, aber die “Erlösung” von allen Krankheiten kann die H. wohl auch nicht sein.
Das Elegante daran: Wir haben zwar etwas an Daten ausgraben müssen, aber wir sind auf einer Ebene geblieben, wo es noch keinen Streit gibt – weder ein Befürworter noch Gegner der H. wird etwa das Geburtsdatum Hahnemanns bestreiten, noch die allgemeinen Daten, die wir dazu rausgefunden haben.

Hier käme nun die nächste Stufe, indem wir in die Details gehen und nach für und wider suchen. Auch hier gibt es eine hilfreiche Regel, die viel Zeit sparen kann: Bevor man sich damit auseinandersetzt, warum etwas wirkt, sollte man schauen, ob es überhaupt wirkt, denn etwas erklären zu wollen, das gar nicht vorhanden ist, ist überflüssig. Freilich ist hier auch oft ein psychologischer Trick im Einsatz, analog zu “wer heilt, hat recht”: Indem man die Frage nach dem Wie stellt, impliziert man unausgesprochen, dass es funktioniert und übergeht stillschweigend die eigentlich zuerst zu klärende Frage.

Wer sagt das?
Als weiteres sollte man schauen, wer der Urheber der Behauptungen ist. An sich zählt erstmal das blanke Argument, und nicht, wer es sagt. Trotzdem ist auch hier klar: Es gibt so etwas wie ein Vertrauensvorschuss, der Redaktion eines Wissenschaftsmagazins traut man bei einem wissenschaftlichen Thema einfach mehr, als wenn es irgendwo in der Gelben Presse steht, einem Blinden, der über Farbe spricht, eher vorsichtig begegnen.

Qui bono?
Wem nützt es? Diese Frage ist auch stets legitim zu stellen, ist aber mit ganz gefährlichen Hürden ausgestattet. Im politisch/gesellschaftlichen Bereich kommt diese Frage zurecht stets als erstes. Im Bereich der Wissenschaft sollte sie ganz weit hinten kommen. Aus dem einfachen Grund, weil die Welt, die Realität nicht zweckgerichtet agiert. So ist die Tatsache, dass es keine Energie aus dem Nichts gibt, keine Verschwörung der Erdölindustrie, sondern einfach eine physikalische Gegebenheit. Die Tatsache, dass Antibiotika bei bakteriellen Infekten helfen keine geschäftstüchtige Behauptung der Pharmaindustrie. Fast alles, was geeignet ist, die Realität in die vom Menschen gewünschte Richtung mit möglichst wenig Aufwand zu dirigieren, hat zwangsläufig wirtschaftlichen Erfolg. So kann man natürlich sagen, dass hier die Erdöl- und Pharmaindustrie profitiert. Nur ist das aber kein Argument, welches zu größerer Erkenntnis verhilft.

Zählt man am Schluss alle Indizien zusammen, kann man auch auf Gebieten, in denen man nur wenig Fachwissen hat, relativ weit kommen, was die Beurteilung angeht. Natürlich nicht zu einer 100%igen Sicherheit – die gibt es nirgends. Selbst, dass die Sonne morgen aufgeht, bzw. die Erdrotation nicht plötzlich aufhört, müssten wir streng genommen glauben. Aber die Qualität dieses “Glaubens” ist doch von einer Art, dass es sehr unvernünftig wäre, täten wir es nicht.

  1. AlteWeser
    19. Dezember 2010, 10:27 | #1

    Sehr schön geschrieben, ich hoffe, ich werde mal Gelegenheit finden, den Text zu verlinken.

  2. Bernd Gast
    19. Dezember 2010, 11:02 | #2

    Sehr gelungene Zusammenfassung! Gut geschrieben! Vielen Dank!

  3. Karl Ranseier
    19. Dezember 2010, 19:43 | #3

    Vielen vielen Dank für den erneut ausgezeichneten Beitrag! Eine echte Perle im Netz!

  4. Skepsis
    20. Dezember 2010, 07:29 | #4

    Stimme meinen Vorkommentierern nur zu. Bis auf den vorletzten beiden Abschnitte. Die haben mich zu lautem Schreien gebracht. Das liegt aber weniger an dem Inhalt als eher daran, dass ich die Phrase ‚Qui bono‘ mittlerweile nicht mehr hören kann, da sie mir als Königsargument (meistens begleitet mit triumphierender Intonation bzw einer fast unübersehbaren Aufeinanderfolge von Ausrufezeichen) für allen möglichen Schwachsinn untergekommen sind. Spätestens ab dem Zeitpunkt hat sich auch jede Diskussion erübrigt, da man ja das ‚Qui bono‘ nicht widerlegen kann.

    Gruß

  5. mythbuster
    20. Dezember 2010, 11:00 | #5

    Ein häufiges Problem, wenn man es mit jeglichem Esoquatsch zu tun hat: Wie überzeugt man diejenigen, die Grundsätzlich für alles offen sind? Ein *bischen* Homöopathie kann ja nicht schaden, ein *wenig* wird schon dran sein am Rutengehen… bli, bla, blo.
    Das ist mal ein wertvoller Beitrag dazu.

    Gruß,
    mythbuster

  6. 20. Dezember 2010, 11:13 | #6

    An sich ein guter Leitfaden. Ich möchte nur den ersten Absatz kritisieren: Wenn die Verbreitung herangezogen wird (und alle anderen Faktoren weggelassen würden), so müßte man die Homöopathie zweifellos als hochwirksam ansehen. Daß es sich dabei um eine Nonsenskorrelation handelt, ist natürlich klar.

    Die Homöopathie ist vor allem in den wohlhabenden Gesellschaften verbreitet (in denen entsprechend der (wissenschaftlich fundierte) medizinische Standard hoch ist). In diesen Gesellschaften ist die Lebenserwartung deutlich höher als in armen Ländern. Was übrigens nicht nur an der Medizin liegt, sondern auch an Leben- und Arbeitsbedingungen.

    Aber rein von der Verbreitung her könnte ein Homöopathiebefürworter hier Argumente herausziehen. Denn in der Tat ist es so, daß es in Gesellschaften mit hohem Homöopathieanteil eine höhere Lebenserwartung gibt.

    Vielleicht sollte der Absatz überarbeitet werden?

  7. 20. Dezember 2010, 12:06 | #7

    Es gibt genügend erste Welt-Länder, in denen die Homöopathie keine große Mode ist. Die leben nicht kürzer.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Hom%C3%B6opathie#Weltweite_Verbreitung

    In Japan (127 Mio. Einwohner) stehen auch erst ein paar Hunderttausend auf die Glaubuli:
    https://blog.psiram.com/?p=1920#more-1920

  8. Dreadnik
    20. Dezember 2010, 12:27 | #8

    Grundsätzliche stimme ich mit dem Artikel überein. Probleme habe ich mit den „Behauptungen“. Ein paar Quellenhinweise oder Tipps wie man an die genannten Daten kommt wären nicht schlecht.
    Bsp.: „Schauen wir uns die Verbreitung der H. genauer an, stellen wir fest: Es gibt keine Übereinstimmungen.“ woher kommen diese Daten?
    Ein Link zum statistischen Bundesamt oder meinetwegen die passenden Google-Searchterms würden mir reichen.

    Ansonsten wie immer großartige Arbeit.
    Klasse das es Seiten wie diese hier gibt.

    Gruß Dreadnik

  9. 20. Dezember 2010, 13:00 | #9

    @All: Danke für das Lob. Und schön, das auch etwas Kritik kommt, das fühlt sich sonst nicht normal an 😀
    @ Skepsis: Auf dieses „Qui bono“ kann man leider nicht verzichten, da es ja, wie Du sagst eigentlich dauernd als Totschlag-Argument kommt. Ist auch meine Erfahrung. Darum der Versuch eines Gegenargumentes, indem man das auf physikalische Erscheinungen anwendet, die dann offensichtlich ins Absurde führen (z.B. Schwerkraft, Muster von Eisblumen, …)
    @German Psycho: Klar ist die H. als typische Wohlstandsserscheinung mit ihrer Trittbrettfahrerei hauptsächlich in wohlhabenden Gesellschaften vertreten, aber eben dann doch so unterschiedlich verbreitet, dass man eigentlich Unterschiede sehen müsste – siehe Cohens Beispiele.

  10. 20. Dezember 2010, 14:12 | #10

    @Rincewind
    Ich will nur warnen. Ich garantiere Ihnen, daß dieses Argument in einer Diskussion dann kommt. Und da sollte man eben vorbereitet sein.

  11. 20. Dezember 2010, 14:45 | #11

    @German Psycho: Danke, ist wohl durchaus berechtigt. Spätestens wenn man dann in die Ecke getrieben wird, und die „Feinheiten“ zwischen Korrelation und Kausalität vergeblich zu vermitteln sucht 😀

  12. retiree
    20. Dezember 2010, 15:36 | #12

    Der Artikel ist einfach super!

    Das einzige was zu hinterfragen wäre ist der Titel!

    Glauben kann man alles, das wird auch täglich bewiesen, egal was und wer!!!!!

  13. Nehoc
    20. Dezember 2010, 19:40 | #13

    Ganz toller Artikel, Du kannst stolz auf Dich sein, lieber Autor! Nur bin ich beim Lesen beinahe eingeschlafen. Könntest Du nicht mal was vernünftiges schreiben, von dem der Leser auch einen Nutzen hat? Schreib doch mal was über Tiere oder die Hurtig Routen….

  14. Skepsis
    21. Dezember 2010, 15:46 | #14

    @Rincewind: Das mit dem ‚Qui bono‘ war von mir auch nicht als Kritik an der Behandlung in dem Beitrag gedacht. In einem solchen Beitrag muss es einfach kommen. Aber, wie schon gesagt, ich bin mittlerweile so negativ auf diese Phrase konditioniert, dass ich unabhängig vom Kontext, in dem sie verwendet wird, zu schreien anfange ;-).

    Gruß

  15. Alfred Wankdorf
    22. Dezember 2010, 07:19 | #15

    Ich verfolge einen zweiteiligen Ansatz in Diskussionen mit Menschen, die wissenschaftlichen quasi-Konsens in Frage stellen – um damit Homöopathie und andere Pseudowissenschaften zu stärken:

    1) Der Punkt an einer guten, stabilen Studie ist, dass sie reproduzierbar ist. Alle Informationen liegen vor, um das Experiment nochmals und nochmals durchzuführen. Die Studie ist transparent und kann mit mehr oder weniger Aufwand von jedem nachgebaut werden.

    2) Korrelation ist nicht Kausalität.

    Mit dem Ansatz konnte ich bisher Diskussionen wenigstens einigermaßen in Schach halten. Also, dass aus „Aber meinem Baby hat’s geholfen!“ nicht nach ein paar Minuten die Pharmaverschwörung breitgetreten wird. In manchen Fällen hat es auch dazu geführt, dass die Leute häufiger im täglichen Leben auf die Metaebene wechselten. Zwar kam es selten zu einer Abkehr vom präferierten Glaubensgebäude, aber wenigstens hinterfragen diese Menschen jetzt mehr und häufiger oder sind sich bewusst, dass sie eben: Glauben.

    Dieser Artikel gefällt mir entsprechend sehr gut. Danke für!

  16. T-M
    30. Dezember 2010, 10:37 | #16

    Schönes Artikelchen, aber ein bisschen nörgeln muss ich trotzdem: Habt ihr nicht die Hohlwelt mit der Hohlerde verwechselt?

    https://www.psiram.com/de/index.php?title=Hohlerde
    https://www.psiram.com/de/index.php?title=Hohlwelt

    (Ich finde es jedes mal aufs neue erstaunlich, auf wie viele seltsame Ideen die Leue kommen können.)

    Und wenn ich die Hohlwelt richtig verstanden habe (und berichtigt mich, wenn ich mich irre, ich bin kein Mathematiker), kann man die Hohlwelt so konstruieren, dass sie nicht nur „größtenteils funktioniert“, sondern vollständig die gleichen Ergebnisse liefert, wie das „Normale“ Weltbild. Dementsprechend kann man auch nicht sagen, dass sie falsch ist.

    Das wäre dann allerdings auch gerade der große Haken daran: Man könnte genauso wenig sagen, dass sie richtig ist. Eine solche Hohlwelt wäre in Wirklichkeit gar keine eigene Theorie, da sie weder widerlegt noch bewiesen werden könnte, denn die Ergebnisse sind von denen, die man mit der „normalen Welt“ bekommt, nicht zu unterscheiden. (Und wie war das noch gleich mit der Falsifizierbarkeit von Theorien?) Es wäre nur eine mathematische Spielerei um auf äußerst komplizierte bis unsinnige Weise zu beschreiben, was wir eh schon wissen. Nicht falsch, aber untauglich für zumindest alle „normalen“ Anwendungen.

    Der größte Fehler läge dann nicht darin, dieser Theorie anzuhängen, sondern zu glauben, dass es überhaupt eine ist.

  17. Antiphon
    4. Januar 2011, 12:35 | #17

    Zuerstmal, ich bin sicherlich einer der größten Skeptiker überhaupt und kann daher mit Homöopathie und sowas nichts anfangen. Wie der erste Satz vermuten lässt, habe aber auch ich Kritik anzubringen. Die erste mag ein Druckfehler sein, trotzdem ist sie peinlich, denn es handelt sich um das Kriterium Cui bono. Wer selber mit Begriffen hantiert, die er nicht versteht („qui bono“), präsentiert sich als besserwisserischer Papagei, der nur nachplappert ohne zu denken. Wenn man fremdwortliche Redenswendungen verwendet, sollte man sie auch beherrschen, ich benutze z.B. bewusst keine französischen Ausdrücke (faux pas), da ich die genauen Wortbedeutungen und Konnotationen dort nicht beherrsche. Ansonsten kann man auch viele „Indizien“ wie sie vorgestellt werden, anzweifeln oder umdeuten. Denn zum einen steigt die Lebenserwartung ziemlich sicher da, wo Homöopathie herrscht, weil diese Länder reich sind und sich unwirksamen Firlefanz leisten können. Zum anderen ist eine erst ansteigende Kurve nach Erfindung der Homöopathie auch „ganz einfach“ mit zunehmender Verbreitung zu erklären. Bakterielle Infektionen hörten nach der Erfindung des Penicillins ja auch nicht schlagartig auf, denn es musste ja erst bekannt und verbreitet werden. Ältere werden sich sicher an den Schwarzmarkt in den Anfangsjahren erinnern, der übrigens oft dazu führte, dass es zu niedrig dosiert wurde. Kurzum, viele „starke“ Indizien sind nicht so stark und bedürfen genauerer Untersuchungen, die der Laie nicht versteht. Viel wichtiger und schneller ist die Unvereinbarkeit der Homöopathie mit physikalischen Grundsätzen, und die Demonstration, dass Symptome und Erstverschlimmerung bei übermäßiger freiwilliger Einnahme (man nehme demonstrativ ein zufälliges Fläschchen und leere es auf Ex) nicht erscheinen.

  18. 5. Januar 2011, 14:26 | #18

    Die Frage Cui bono? (Lateinisch: Wem zum Vorteil?) – gelegentlich auch als „Qui bono?“ (qui ist die vorklassische Form von cui)

    http://de.wikipedia.org/wiki/Cui_bono

    Sonst noch Probleme?

  19. 7. Januar 2011, 23:14 | #19

    Touché! 😉

  1. 19. Dezember 2010, 12:10 | #1

Spamschutz: Setzen Sie einen Haken im ersten, zweiten und vierten Kästchen

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