Home > Allgemein, Medizin > Hühnerschlachten in Hongkong

Hühnerschlachten in Hongkong

In Hongkong wurden vor Weihnachten in einer Ruckzuck-Aktion 17.000 Hühner geschlachtet.

Warum? Weil ein einziges totes Huhn positiv auf den Vogelgrippe-Virus H5N1 (eine schöne Erklärung, was dieser Code eigentlich bedeutet, findet man hier) getestet wurde. Die Einfuhr von lebenden Hühnern wurde für 3 Wochen untersagt, der Markt um den Bereich, wo das tote Huhn gefunden wurde, einstweilig geschlossen. Eine Grippewarnung wurde ausgegeben, Krankenhäuser sind angehalten, auf Influenzakranke zu achten. Vor Weihnachten hat Hongkong den Hühnermarkt praktisch zum Erliegen gebracht.

Man könnte jetzt denken, warum tun die das? Spinnen die? Das alles wegen eines toten Huhns? Tja, leider spinnen die nicht. Influenza vom Typ H5N1 hat in 59% der aufgetretenen Fälle zum Tod des Erkrankten geführt. Man kann zwar über eine Dunkelziffer spekulieren, in denen die Krankheit nicht nachgewiesen wurde und glimpflich verlaufen ist, aber trotzdem ist die Zahl grob hoch. Erschreckend hoch.

Die Erklärung für die Reaktion ist einfach: Angst. Und in diesem Fall keine irrationale Angst, sondern rational begründete Sorge. Sicherlich verstärkt dadurch, dass SARS in Hongkong 2002/2003 300 Menschen getötet hat (SARS hatte ca. 11% Todesrate). Das Problem ist eben, dass das Risiko real ist. Hongkong ist dicht bevölkert, wenn H5N1 auf den Menschen übergreift und sich die 59% Todesrate auch nur als halbwegs korrekt erweist…

Dieses Risiko darf man nicht eingehen. Menschen stecken sich zwar nur schwer mit H5N1 an, was die geringe Anzahl an Fällen bisher erklärt, aber wenn, dann sterben etwa 60% der Infizierten. Wirklich gefährlich wird es, wenn das Virus weiter mutiert und infektiöser wird. Zoon Politikum und Weitergen berichten auf den Scienceblogs darüber, dass es Forschern „gelungen“ ist, eine „Supergrippe“ zu züchten. Es geht dabei genau um H5N1, die Forscher haben gezeigt, dass es nur 10 Generationen gedauert hat, bis das Virus in eine Form mutiert ist, die durch die Luft übertragen werden kann (Tröpfcheninfektion).

Die Studien sind umstritten, weil ein noch gefährlicheres Virus geschaffen wurde, eines, das nie frei kommen sollte. Aber sie haben auch die wichtige Information dazu geliefert, wie hoch das Risiko einer Mutation ist.

Als 2009 vor der Schweinegrippe gewarnt wurde, haben sich die Forscher, Warner und Mahner in gewisser Hinsicht völlig geirrt. Diese Grippe hat nur 18.000 Menschen umgebracht. Harmlos sozusagen. Angst hatte man aber vor einer Wiederholung der spanischen Grippe mit 50-100 Millionen Toten. Man hatte damals Glück, der Virus war relativ harmlos. Wenn jedoch H5N1 geeignet mutiert… Der Virologe und Experte Robert Webster hat deswegen schlaflose Nächte.

So bedauerlich es auch ist, dass Schweinegrippeimpfstoff für 130 Millionen Euro im Müll landen. Was wäre, wenn keiner gewarnt hätte, aber die eine oder andere Mutation anders ausgefallen wäre?

Um den Artikel positiv abzuschließen: Die Chancen stehen gut, dass ein universeller Grippeimpfstoff in absehbarer Zeit auf den Markt kommt. Ein Impfstoff zeigt bei Mäusen gute Erfolge und es gibt sogar eine erste Studie am Menschen zu einem Impfstoff. Es erscheint wahrscheinlich, dass innerhalb von 5 Jahren ein Impfstoff gegen die Influenza vorhanden sein wird.

  1. 29. Dezember 2011, 15:53 | #1

    Die Meldungen um Grippe & Co. kommen ja immer wieder uns so ist ja nun nichts wirklich schlimmes passiert. Die Leute meckern dann, was das nicht kosten würde. Ich habe das Gefühl, dass manche wollen, dass etwas passiert.

  2. observer
    29. Dezember 2011, 16:01 | #2

    H5N1 ist ja nur deswegen so wenig ansteckend, weil die Bindungsstellen für das Virus tief unten in der Lunge sitzen. Ein geschwächter Infizierter kann daher kaum genug husten um infektiöse Dosen auszuhusten. Mutiert das H5N1 Virus jedoch so, dass es an Rezeptoren in der oberen Lungenetage bindet, dann kommen genug Viren in Form einer Tröpfcheninfektion aus der Lunge um die Infektkette aufrecht zu erhalten

  3. Marc
    30. Dezember 2011, 16:14 | #3

    Wenn man 17.000 Hühner auf Grippe testet, wie hoch ist dann die Wahrscheinlichkeit, dass man einen False-Positive dabei hat? 😉

  4. 30. Dezember 2011, 16:37 | #4

    Wenn man irgendwelche Zahlen mit irgendwelchen Begriffen aus dem Artikel kombiniert und daraus dann eine Frage zusammenbastelt, wie hoch ist dann die Wahrscheinlichkeit, dass die Frage das Thema des Artikels halbwegs trifft?

  5. 30. Dezember 2011, 17:06 | #5

    @Marc
    WIe hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass alle 17 000 Hühner getestet wurden?

  6. Mr. Bojangles
    30. Dezember 2011, 17:56 | #6

    @Marc: Es wurde wohl mindestens ein totes Huhn gefunden und getestet. Bei einem Huhn schlug der Test an.

    Die Möglichkeit des F/P verschlimmert das Thema ja eigentlich noch. Wenn man nämlich trotz dieser Möglichkeit gleich zu solch drastischen Maßnahmen greift.

  7. Statistiker
    31. Dezember 2011, 00:57 | #7

    Besser einmal zuviel als zuwenig getestet…..

    btw: Seid mir nicht böse, aber ich hab grad Hunger und hab mir eine schöne Frühlingsrolle gemacht….. allerdings rein vegetarisch…..

  1. 28. Januar 2013, 14:16 | #1