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Artikel Tagged ‘Beda Stadler’

Wetten, dass wir nur noch Genfood essen werden

7. März 2013 33 Kommentare

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Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Beda M. Stadler. Er ist Direktor des Instituts für Immunologie der Universität Bern. Der Beitrag erschien zuerst bei NZZ-Folio.

 

Die spanischen Eroberer mussten 1537 nicht schlecht gestaunt haben, als die einheimische Bevölkerung grausige Knollen aus dem Boden gruben um diese zu verzehren. Allerdings wurde in Sorocaba, einem Dörfchen in den Anden, bloss etwas entdeckt, was gar nicht zu entdecken war, schliesslich hatten die Inkas bereits 200 vor unserer Zeitrechnung die Kartoffel entdeckt. Eine Pflanze mit dermassen viel Kohlenhydraten, dazu leicht anzubauen, müsste einen Siegeszug vor sich gehabt haben. Weit gefehlt! Es vergingen 200 Jahre, bis sich die Skepsis gegenüber diesem Novel Food verflüchtigte. Wetten: bei Genfood wird es rascher gehen.

Kartoffeln seien giftig oder des Teufels, hiess es damals. Eine ähnliche Argumentation, die wir heute von NGO’s kennen. Greenpeace glaubt auch, Genfood sei giftig. Dabei war die Skepsis unserer Vorfahren sogar berechtigt, schliesslich haben damals einige Menschen anstelle der Knollen die giftigen Früchte gegessen. Selbst heute kann man an Dummheit sterben, falls man Unmengen von rohen Kartoffelschalen isst. Damals behauptete man auch, Kartoffeln würden Lepra oder Syphilis hervorrufen. Heute glaubt jeder, Genfood enthalte unabsehbare Risiken. Das ist gefährlicher als jene Krankheiten, die man dank Gentechnik behandeln kann. Noch taucht alle paar Monate eine miserable Studie auf mit der gezeigt wird, dass Marienkäfer oder Ratten wegen Genfood krank werden. Nichts davon hat je Bestand gehabt und wurde jeweils innerhalb einer Woche von der Wissenschaft widerlegt. Die Panikarbeiten werden aber jeweils zur Lieblingsliteratur für alle, die unser Essen lieber zu Medikamenten statt zu Nahrungsmitteln machen möchten. Schade, dass man das einstige Argument, die Kartoffel sei ein Aphrodisiakum, heute nicht mehr gebraucht, Genfood wäre ein Renner. Mehr…

„Man hat das Thema Gentechnik bereits geschickt tabuisiert.“ Ein Interview mit Prof. Beda Stadler

29. September 2011 27 Kommentare

Prof. Dr. Beda M. Stadler arbeitet und forscht am Universitätsinstitut für Immunologie in Bern. Er ist der Öffentlichkeit aus vielen Diskussionsrunden im TV und Kolumnen in der Presse bekannt. Er war so nett, uns ein Interview zu geben.
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Beda Stadler über Blumenkohl, Baumwolle und Moral als evolutionäres Erbe

22. Mai 2009 10 Kommentare

Eine Stunde Vortrag von Beda Stadler, die sich lohnt. Er wurde am 17. Mai vor den schweizer Freidenkern gehalten, ist also noch ganz frisch.
Vielen Dank an den Finder:
Achter

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Prof. Stadler vs. Oberscharlatan Fliege

16. Dezember 2008 38 Kommentare

Mal sehen, was das wird.
In der ARD gibt es morgen ( am 17.12.2008 um 21:45 bis 23:00 Uhr )eine Sendung zum Thema:
Hand auflegen oder nur Hand aufhalten – Was taugt die alternative Medizin? .

Die Gästeliste:
* Barbara Rütting
* Manfred Lütz
* Jürgen Fliege
* Dorothea Fuckert
* Beda Stadler

Die Grünenpolitikerin Rütting ist eine ziemlich durchgeknallte Anhängerin der Alternativmedizin, Jürgen Fliege hat auch schon einen Wikieintrag bei uns und Frau Fuckert macht so ziemlich in allem, was Quacksalberei und Betrug ist (Ärzte-Chakra- und Auraarbeit, EFT (Emotional freedom techniques), Energetische Behandlungen, Geistheilung, Homöopathie, Hypnosetherapie, Inneres Kind, Körperpsychotherapie, Life-between-lives-Hypnotherapie, MET / Meridian Energie Technik, Orgontherapie, Partnerschaftsberatung, Reinkarnationstherapie, Rückführungen, Sexualtherapie, Voice Dialogue).

Zum Glück ist auch Prof. Beda M. Stadler, der Immunologe aus Bern und scharfer Kritiker der Alternativmedizin, eingeladen.

Mal sehen, wie er sich gegen die ganzheitlichen Quasselstrippen und ihre Wunderanekdoten behauptet.
Hoffentlich macht er seine Sache gut und der Moderator lässt sich auch nicht von den Scharlatanen einwickeln.
Im Gästebuch wird derweil schon mal kräftig die Werbetrommel für Hirneise und alternative Krebstherapien gerührt.
Quacksalber sind wirklich ein widerliches und schleimiges Abzockerpack.
Nachtrag:
Ulrich vermutet „Quantenverschränkung“, dabei war es simple Spionage (Wir sind echt überall!):
TV-Tipps für Mittwoch den 17.12.2008 bei „Kritisch gedacht“

Nachtcafé

11. Oktober 2008 23 Kommentare

Macht „Volks“musik dumm oder machen nur Dumme „Volks“musik? Um solche Fragen ging es gestern im Nachtcafé des SWR mit dem genialen Wieland Backes, der sich so stark zurückhalten kann, dass man am Schluß eine eigene Meinung generell als irgendwie unanständig empfindet.

Ok, war nur ein Scherz, die Sendung hieß: Glaube und Religion – reiner Selbstbetrug?

Man hätte sich einige Kosten sparen können, wenn man in dieser Zeit einfach nur ein Schild mit „JA!“ eingeblendet hätte.

Ganz traurig war das psychologische Schnittmuster der anwesenden Gläubigen: Ich glaube, weil ich überzeugt bin. Und weil ich überzeugt bin, glaube ich. Und wenn mir was ganz Schlimmes passiert, ist das eine Prüfung Gottes. Beim Gutem natürlich seine Fügung.

Sehr schön zu beobachten war, wie diese Zirkelschlüsse jenseits aller vergleichbarer Intelligenz bei Gläubigen ablaufen: Wer eher dumm ist, kreist mit wenigen Worten um die Mitte, die Wortmächtigeren können mit ihren Äußerungen ganze Planetenkreisbahnen füllen. Aber alle laufen sie im Kreis. Und wenn einer von außen sagt: „He, du läufst ja dauernd im Kreis!“ kommt ein mitleidiges Lächeln, dass man eben keinen Zugang zum Kreis hätte.

Herausragend war nur einer: Beda M. Stadler, der Schweizer Professor für Immunologie an der Uni Bern und inzwischen ein recht bekannter Polemiker, vor allem aber ein klassischer Humanist, der gegen Scharlatan und Eso-Schrott seine Stimme erhebt. Er hat sich dankenswerter weise dazu hergegeben, in dieser Sendung aufzutreten. Er war der Einzige, der fröhlich und frei verkündete, dass, wer an Gott glaubt, an einer Wahnvorstellung leidet. Damit wäre eigentlich auch schon alles gesagt gewesen, was zu sagen wichtig war. Sowas geht aber nur, wenn es keine Gäste gibt, aber die gab es. Stadler bekam vom Publikum nie Applaus, obwohl er am Besten formulierte, am schärfsten dachte und vor allem glaubwürdig das humanistische Menschenbild vertrat. Dass keiner der Zuschauer die Eier in der Hose hatte, mal gegen den Esodunst nur mal kurz zur humanistischen Sichtweise zu applaudieren, war schon verblüffend bzw. eher erschreckend.

Extrem peinlich war Angela Wiedl, ein sogenannter „Volksmusik“-Star. Ihre Begründungen drehten sich im Ein-Satz-Kreis. Und sie glaubt an Gott, weil ihr Kind mit 5 Jahren gestorben ist. GDas muss ein ganz toller Gott sein.

Beachtenswert war auch Ulrich Schnabel. Er nennt sich Wissenschaftsjournalist, wurde aber von der Postmoderne dermaßen überrollt, dass er nur noch Plattes von sich geben konnte. Ein sowohl-als-auch-Künstler. Ein unglaublich intelligenter Kerl. Er hat gemerkt, dass man mit sowohl-als-auch Nichts mit viel Worten sagen, und damit die Kreisbahn der Gläubigen abstrahieren kann und sich sogar noch die Laufrichtung offen lässt. Clever!