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Das Rosch-Auftriebskraftwerk – Von Ratten und Wölfen vor Gericht und auf hoher See

16. November 2016 18 Kommentare

Im Jahre 2009 machte ein gewitzter Tüftler eine verblüffende Entdeckung: Wenn man in den Boden eines Eimers ein Loch bohrt, läuft oben eingefülltes Wasser unten wieder heraus. Robert Schrade, so der Name des hellen Eimerbesitzers, gebar sofort eine Idee, auf die, wie es schien, noch kein Mensch zuvor gekommen war: Ein Rohr, mit dem Loch im Eimer verbunden und durch eine mehrfache Biegung nach oben geführt, würde das auslaufende Wasser auffangen und zurück in den Eimer leiten.

Eine Geschäftsidee war geboren und sie sollte seinen Namen tragen: Aus Robert Schrade wurde „Rosch“ und seine Erfindung, das Eurosch-Auftriebskraftwerk, wurde sogleich zum Patent angemeldet – wobei es bei der Anmeldung blieb und nie eine Erteilung stattfand.

Auszug aus einer Eurosch-Präsentation

Auszug aus einer Eurosch-Präsentation

Allein, es fiel Herrn Schrade schwer, den Rest der Welt von der Genialität seiner Erfindung zu überzeugen. Und so fand sich alsbald eine Bande in Geldsachen erfahrener Mitstreiter, die ihm bereitwillig diese schwere Aufgabe abnahm, um fortan als „Rosch Innovations“, „Save the Planet AG“ und vielen weiteren raffiniert verwobenen Unternehmungen das „Kraftwerk“ um viele unnütze Teile zu ergänzen und die Botschaft in die Welt zu tragen.

„Aber das ist doch Betrug!“, sagen Sie als aufmerksamer Leser und Kenner der physikalischen Grundlagen? „Jedes Kind weiß doch, dass man Energie zuführen muss, um Wasser nach oben zu befördern“, finden Sie?

Das sah – und sieht – ein „böser Wolf“ aus Zwettl im schönen Österreich ebenso und schrieb es in großen Lettern auf seine Webseite, wo er die ganze Geschichte sorgfältig dokumentiert, jede Bewegung der Schlangenölverkäufer und ihrer Anhänger verfolgt, Zusammenhänge und aktuelle Entwicklungen erklärt und immer wieder davor warnt, diesen Scharlatanen zum Zwecke der Vervielfachung Gold und Geschmeide anzuvertrauen.

Verbrechen lohnt sich

Verbrechen lohnt sich

Die „Ratten“ aber, wie der böse Wolf seine Schützlinge von der Firma Rosch liebevoll nennt, waren nicht zufrieden mit den Worten des Wolfes, wies er doch immer wieder darauf hin, dass die nackten Kaiser nicht nur keine Kleider trugen, sondern es auch noch auf das Hab und Gut unbescholtener Bürger abgesehen hatten, ohne eine angemessene Gegenleistung bieten zu können.

Und so beauftragten sie einen Schriftgelehrten, er möge in den Worten des Gesetzes nach einem Passus suchen, der dem Wolf diese Worte verbot. Fündig wurde dieser im Paragraphen 111 (2) des Strafgesetzbuches für die Republik Österreich. Dort ist Folgendes zu lesen:

(1) Wer einen anderen in einer für einen Dritten wahrnehmbaren Weise einer verächtlichen Eigenschaft oder Gesinnung zeiht oder eines unehrenhaften Verhaltens oder eines gegen die guten Sitten verstoßenden Verhaltens beschuldigt, das geeignet ist, ihn in der öffentlichen Meinung verächtlich zu machen oder herabzusetzen, ist mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen.

Nun ließe sich schwerlich bestreiten, dass Betrug ein unehrenhaftes Verhalten sei und der Verfasser der genannten Webseite die Anführer der Firma Rosch eben dieses Verhaltens zeihe. Also bliebe zu klären, ob diese Zeihung aus gutem Grunde und zu Recht geschehe:

(3) Der Täter ist nicht zu bestrafen, wenn die Behauptung als wahr erwiesen wird. Im Fall des Abs. 1 ist der Täter auch dann nicht zu bestrafen, wenn Umstände erwiesen werden, aus denen sich für den Täter hinreichende Gründe ergeben haben, die Behauptung für wahr zu halten.

Morgen, am 17. November 2016 um 10:00 Uhr, soll nun diese Kärung stattfinden, in Form der Hauptverhandlung gegen den Angeklagten Wolfgang Süß, im Landesgericht Linz, Saal 114.

Wir wünschen dem „bösen Wolf“, dass er den Richter in dieser Angelegenheit von der übergeordneten Gültigkeit der Naturgesetze zu überzeugen vermag.

Das Gefühl, von einer Horde Scharlatane mit gut bezahlten Anwälten verfolgt zu werden, ist uns durchaus vertraut. Auch deswegen zollen wir Wolfgang Süß unsere Hochachtung, dass er diese Konfrontation auf sich nimmt, Zeit und Geld investiert, um den Herren Detlev Dohmen und Hanns-Ulrich Gaedke, in diesem Verfahren Vertreter des Rosch-Firmengeflechts, ihre Betrugsmasche etwas schwerer zu machen.

Viel Glück!

 

UPDATE 17.11.2016:

Laut Aussage eines Prozessbeobachters wird die Verhandlung am 12.01.2017 um 10 Uhr im gleichen Saal 114 des Landesgerichts Linz fortgesetzt, um zwischenzeitlich ein Gutachten zur Funktionsweise des Auftriebskraftwerkes einzuholen.

 

Weiterführende Links:

Psiram-Wiki: Rosch

Rosch-Chronik vom „bösen Wolf“

Diskussion „Auftriebskraftwerk“ im Allmystery-Forum