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„Aktivismus“ beim ZDF

8. Oktober 2009 26 Kommentare

Am 12.09.2009 starb Norman Borlaug, der Vater der grünen Revolution. Für seine Forschungen bekam er den Friedensnobelpreis. An seinem Todestag sendete das ZDF Blödsinn über die grüne Gentechnik. David Harnasch ist es aufgefallen (unseren Senf dazu gibt´s unter dem Video):

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/tv_kritik_zdf_umwelt/

Das ZDF bewirbt sein Programm ja gerne mit dem Slogan „Mit dem Zweiten sieht man besser“. Besser? Nun ja, zumindest wenn es um die Bestätigung populärer Vorurteile und Ängste geht.

In der Sendung „ZDF Umwelt“ vom 13.09.2009 wurde ein regionaler Bauern-Verband vorgestellt, der seine Produkte mit dem neuen Siegel „ohne Gentechnik“ kennzeichnet. Anmoderation, Kommentare und Abspann machen deutlich: man macht sich die Sicht dieses Verbandes zu Eigen. So werden „gentechnikfreie“ Produkte und Produktionsstätten z. B. mit Adjektiven wie „sauber“ und „vorbildlich“ bezeichnet. Beimischungen von gentechnisch veränderten Organismen werden „Verunreinigungen“ genannt. Wer möchte denn schon „schmutziges“ Essen? Das neue Logo des Verbandes sorge für mehr „Sicherheit“ und „Transparenz“, wird von der Moderatorin vorgetragen.

Das ZDF ermöglicht es diesem Verband nicht nur, seine Produkte kostenfrei und von keiner kritischen Nachfrage getrübt zu bewerben, es ist mehr. Es werden diffuse Ängste beim Zuschauer bedient und geweckt, ohne diese zu relativieren oder auch nur ein wenig aufzuklären, was Gentechnik überhaupt ist. Zugleich werden diejenigen Verbraucher, die Gentechnik ablehnen, mehrfach als „aufgeklärte Verbraucher“ bezeichnet. Wer denkt denn schon von sich, er sei unaufgeklärt oder unwissend.

Dass Gentechnik oft nur gezielt macht, was sonst ungerichtet (konventionelle Züchtung und Auslese) stattfindet, also nur eine Beschleunigung zum gewünschten Ergebnis (höherer Ertrag, Robustheit etc.) hin darstellt, oder besonders gewünschte Eigenschaften aus genetisch entfernteren Organismen, die aber eingehend untersucht werden, eingebracht werden, ist anscheinend nur wenigen geläufig.

Zum Thema Gentechnik gibt es mittlerweile viele Umfragen, Beispiele:

http://www.keine-gentechnik.de/fileadmin/files/Infodienst/Dokumente/09_03_dialego_umfrage_gentech_nahrung.pdf

http://www.keine-gentechnik.de/fileadmin/files/Infodienst/Dokumente/09_05_19_forsa_umfrage.pdf

http://www.nabu-bw.de/download/Emnid-Vielfalt_ernaehrt_die_Welt.pdf

http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/pdfs/gentechnik/20090428_gentechnik_forsa_umfrage_kennz._gentechnik.pdf

In diesen Umfragen fällt eines auf: Nirgendwo wird nachgefragt, ob und was die befragten Konsumenten überhaupt über Gentechnik wissen. In einer Umfrage vor Jahren war nämlich herausgekommen, dass etwa 2/3 der Verbraucher glauben, Gene befänden sich nur in gentechnisch veränderten Lebensmitteln, nicht jedoch in der normalen Nahrung. Wenn das von 2/3 der Verbraucher geglaubt wird, wissen dieselben Verbraucher mit Sicherheit auch nicht, was Gentechnik überhaupt ist und was sie kann und was nicht. Was Gene können und was nicht.

Insofern ist die in den Umfragen zur Gentechnik häufig abgefragte Angst vor gentechnisch veränderten Produkten mitnichten eine aufgeklärte (Real-)Angst, sondern eine diffuse Angst vor Dingen, die man nicht versteht, sondern nur zu verstehen glaubt. Diese Angst kann wirtschaftlich ausgenutzt werden, nicht nur von den Erzeugern selbst, die oft genug auch nicht wissen, was Gentechnik eigentlich ist, sondern auch von Organisationen wie Greenpeace, BUND und Foodwatch. Allen kann im Grunde gar nicht daran gelegen sein, die Verbraucher tatsächlich aufzuklären, denn dann hätten sie weniger ausnutzbare Angst.

Auch die Politik wird herangezogen, weswegen auch Agrarministerin Ilse Aigner von verschiedenen Seiten unter Druck gesetzt wird:

http://www.google.de/search?rlz=1C1CHNU_enDE345DE345&sourceid=chrome&ie=UTF-8&q=aigner+gentechnik+forderung

Auch der Landwirt in dem Beitrag spricht ja davon, den „Widerstand“ zu organisieren…

Wohlgemerkt: dieser Beitrag soll nicht die Geschäftspraktiken von Monsanto und Co. rechtfertigen oder gar billigen. Es geht nur um Gefahren, die konkret von den Produkten ausgehend vermutet werden.

Die genannte ZDF-Umweltredaktion hat also nicht oder kaum zu dem gesendeten Beitrag recherchiert, sondern nur diejenigen zu Wort kommen lassen, die von der Bekanntheit des genannten Labels profitieren. Ein paar freundliche Sätze drum herum – fertig. Das Unwissen der Zuschauer wird gepflegt und noch als „aufgeklärter Standpunkt“ gefeiert und gelobt. Und das von unseren Gebühren. Über solchen Beiträgen sollte eigentlich Werbesendung stehen.

Vielleicht sollte man die Umfrage nach dem Gengehalt „natürlicher“ Lebensmittel auch einmal unter den Redakteuren dieser Sendung machen. Vielleicht kommt dann raus, dass die Bienchen und die Blümchen auch „genfrei“ sein sollen und da der diffuse Odem der Schöpfung weht …

Einen schönen und sehenswerten Vortrag von Beda Stadler zur grünen Gentechnik hatten wir auch schon im Blog:
https://blog.psiram.com/index.php?itemid=240

Greenpeace ein Fall für Esowatch?

20. April 2008 6 Kommentare

Greenpeace genießt hohes Ansehen bei uns. Klar, wer findet es nicht gut, dass die Wale vor dem Aussterben gerettet werden? Aber Greenpeace steht für mehr als Artenvielfalt. Greenpeace kämpft auch gegen die böse Chlorchemie, gegen Atomkraft und Gentechnik. Die Frage ist, ob alle diese Punkte das Ergebnis rationaler Überlegungen sind oder vielleicht doch eher auf irrationalen Vorurteilen und Propagandalügen beruhen. Ein Herr namens Patrick Moore behauptet letzteres, und weil er ein Gründungsmitglied von Greenpeace war, hat seine Aussage besonderes Gewicht. Lesen Sie ein Interview mit ihm und bilden Sie Sich Ihre eigene Meinung.