Xavier Naidoo ist ein Antisemit

30. August 2015 8 Kommentare

naidoo

 

Wollten wir einfach mal sagen. Weil es andere nicht mehr sagen dürfen, ohne ihre finanzielle Existenz zu gefährden. Der Mannheimer Schmusesänger mit ganz viel Emotion, Schluchzseufzern und christlich radikaler Aufrichtigkeit ist gnadenlos, wenn er einen Spiegel vorgehalten bekommt. Wer dumm, größenwahnig oder sonstwie ernsthaft in der Selbsterkenntnis begrenzt ist, reagiert darauf ähnlich wie unsere nichtmenschlichen Mitgeschöpfe, die sich in einem Spiegel nicht erkennen und auf Drohmodus schalten. In dem Fall per Anwalt – aber lest selbst, liebe Leser:

Einer, der die Gedankentöterknarre aktuell mit “Dum-Dum-Geschossen” durchgeladen hat, ist Xavier Naidoo. Paradoxerweise jemand, der für sich selbst als “kämpferischer Systemkritiker” die “Meinungs- und Kunstfreiheit” einfordert, nach der er als “kritischer Mensch” auch “nicht-massentaugliche” Äußerungen von sich geben will.

Der ganze, lesenswerte Text hier: www.rheinneckarblog.de

 

Verschwörungstheoretiker sind fast immer Antisemiten. Das ist keine Pauschalisierung, sondern systemimmanent. Wer Verschwörungsfan ist, sucht einfache Erklärungen. Die einfachste sind in unserem Kulturkreis „die Juden“. Das ist bewährt und man muss dabei nicht groß denken, womit die Anforderungen an eine übliche Verschwörungstheorie fast zu 100% erfüllt sind. Xavier Naidoo ist ein Antisemit, ein lupenreiner. Die Belege dafür sind zahlreich und eindeutig.

Das muss man einfach so feststellen, auch ohne daraus größere Forderungen abzuleiten oder über Ursachen zu spekulieren. Wir rufen weder zu einem Konzertboykott auf, noch dazu, dass er seine Ansichten nicht mehr zum Besten geben darf. Aber man muss es einfach sagen und wissen.

Differenzieren ist gut. Aber dort weiter zu differenzieren, wo es nichts mehr zu differenzieren gibt, ist Feigheit.

 

Zum Weiterlesen:

GWUP:  Xavier Naidoo will kein Antisemit und kein Reichsbürger sein und zieht vor Gericht

GWUP: Udo Lindenberg: Xavier Naidoo singt nicht bei Soli-Konzert für Flüchtlinge in Berlin

Indymedia: Reichsbürgeraktivist Xavier Naidoo erpresst Medien und antifaschistische Stiftung

Viele weitere Links zum Thema finden sich im GWUP-Blog

 

Schon wieder der angebliche Betreiber von Psiram enttarnt – oder doch nicht?

29. Juli 2015 34 Kommentare
Benjamin_Ernst_Honigmann

Diesmal wirds gefährlich und peinlich – nein, nicht für das Projekt Psiram oder andere Blogger. Diesmal steht das Renommee eines Königs samt seinem KRD-Geheimdienst sowie von Teilen der Reichsbürgerbewegung auf dem Spiel und nebenbei riskiert ein ähh lichtbildscheuer Edelmetallhändler sein Konterfei. Was ist da passiert seit dem 25. Juli 2015? Ernst Köwing (a.k.a. Honigmann) glaubt, einen der Herausgeber von Psiram bildlich identifiziert zu haben, zeigt in seinem Blog aber das ihm auf unbekannte Weise zugegangene Bild des Edelmetalldealers und keltischen Druiden Benjamin Ernst vor, eines Intimus von Jo Conrad und Aktivisten des Projekts Aufbruch Gold Rot Schwarz. Conrad hatte Ernst 2012 in einem Video selbst interviewt, das Video mit dem Titel „Operation Gotthardmassiv“ erschien jedoch nicht in gewohnter Weise im Conrad-Projekt Bewusst TV; die Thematik war wohl zu peinlich. Es ging um Goldgeschäfte in der dafür sensiblen Reichsbürgerszene, die ja regelmäßig einen Zusammenbruch des Geldsystems herbeiorakelt. Dumm nur, dass das per Vertrag georderte Gold nicht so recht zu den Kunden kam, die es wohl besser bei einer herkömmlichen Bank „des Systems“ gekauft hätten.

Wie die entsprechende Szene zusammenhängt, zeigte sich dann gleich drei Tage später, als seine Durchlaucht, der König von Deutschland, seinen Facebook-Account nutzte, um das Bild des Goldhändlers Ernst als das eines anderen unbekannten Bloggers und angeblichen Psiramverantwortlichen vorzuzeigen. Der Blog von Beamtendumm sprang ebenso dumm auf.

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Management und Esoterik

16. Juli 2015 13 Kommentare

Eigentlich… ist eigentlich ein Unwort. Doch in diesem Zusammenhang macht dieses Unwort Sinn. Denn eigentlich sollte man meinen, dass die deutschen Wirtschaftsunternehmen rein rational getrieben sind. Klar, es gibt signifikante Unterschiede zwischen den kleinen Betrieben, dem klassischen deutschen Mittelstand und den großen Konzernen. Doch eines sollten sie gemein haben: Fakten als Fundament und klare betriebswirtschaftliche Spielregeln… Eigentlich.

Doch der Einfluss der Esoterik macht auch vor Vorstandsetagen – und besonders vor Personalvorständen – nicht Halt. Auf der ständigen Suche nach Optimierungspotentialen in der Personalentwicklung sind die Verantwortlichen die Getriebenen. Der immer unübersichtlicher werdende Markt der selbst ernannten Trainer- und Coach-Gurus treibt die wildesten Blüten.

Richtig ernst wurde es gegen Ende der 90er-Jahre. Jürgen Höller galt als Vorreiter des Motivations-Trainers. Zu seinem Repertoire gehörte u. a.: Barfuß über Glasscherben laufen, positives Denken [1] und NLP [2].

Dies zog zahlreiche Nachahmer nach sich, bis die medienwirksame Pleite, rechtskräftige Verurteilung wegen Meineid und Steuerhinterziehung und die daraus resultierende Haftstrafe des Jürgen Höller die Welt der Gurus in ein kritisches Licht rückte.[3]

Nun sollte man denken, die Verantwortlichen aus den Personalabteilungen hätten daraus gelernt – weit gefehlt! In der Gegenwart ist dieses Thema immer noch präsent – nur nicht ganz so marktschreierisch wie zu Höllers Zeiten. Das haben die Motivations-Gurus gelernt: Sie kommen mittlerweile auf leisen Sohlen daher. Natürlich finden sich Angebote zu NLP tagesaktuell im Netz. Selbst im als seriös geltenden Business-Netzwerk „Xing“ machen sich die Gurus breit. Gibt man bei „Xing“ den Suchbegriff „NLP“ ein, so werden „+10.000 Treffer“ angezeigt. Gruselig. Mehr…

Neues von Raif Badawi

10. Juli 2015 114 Kommentare

badawi

Wie allgemein bekannt, wurde der saudiarabische Blogger Raif Badawi wegen Beleidigung des Islam von einem Gericht seines Heimatlandes zu 10 Jahren Haft, 1000 Stockhieben und 1 Million Riyal ($267,000) Strafe verurteilt. Man muss die Barmherzigkeit Allahs preisen, dass es nicht 100 Jahre, 10.000 Hiebe und 1 Milliarde Riyal geworden sind, oder die schlichte Todesstrafe, die für Apostasie infrage gekommen wäre.

Liebe Leserin, lieber Leser: Wenn Sie bis zu dieser Zeile gekommen sind, bedeutet das wohl, dass Sie lesen möchten, was ich zu sagen habe. Es gibt Menschen, die der Ansicht sind, dass ich etwas zu sagen habe. Es gibt aber auch solche, die meinen, dass ich einfach ein gewöhnlicher Mensch bin. Einer, der es nicht verdient hat, dass seine Blogartikel übersetzt und als Buch veröffentlicht werden. Ich selbst sehe mich einfach als jenen dünnen, aber zähen Mann, der auf wundersame Weise fünfzig Peitschenhiebe überlebt hat, umringt von einer jubelnden Menschenmenge, die immerzu »Allahu Akbar« rief – um der Artikel willen, die Sie jetzt lesen werden.

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Wenn Heilpraktiker ihr Unwesen treiben – Ein Horror-Erlebnisbericht einer Krebspatientin

8. Juli 2015 77 Kommentare

Der folgende Artikel erschien am 29. Juni 2015 im Ratgeber-News-Blog. Wir sind der Ansicht, dass dieser Bericht möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht werden sollte, um sich der Gefahren „alternativer“ Krebstherapien bewusst zu werden.

Link zum Original-Artikel: https://ratgebernewsblog2.wordpress.com/2015/06/29/wenn-heilpraktiker-ihr-unwesen-treiben-ein-horror-erlebnisbericht-einer-krebspatientin/

 


 

Über den Größenwahn von Heilpraktikern und dass vor ihnen selbst schwerste Krankheiten wie Krebs nicht sicher sind, wissen wir längst Bescheid. Hier nun aber ein konkreter Fall einer Krebspatientin, die es einem Heilpraktiker zu verdanken hat, hier sogar ihrem eigenen Mann, bald sterben zu müssen.

Der Bericht ist nichts für schwache Nerven. Einfach unvorstellbar furchtbar, welches vermeidbare Leid dieser Frau widerfahren ist, die nun im Endstadium nicht nur rechtliche Konsequenzen und Gerechtigkeit fordert, sondern jeden vor den Allmachtsphantasien des Heilpraktikers und Überzeugungstäters Siegfried H. Reichardt und seinesgleichen warnen möchte.

Die große Ausnahme dieses speziellen Falles ist sicherlich die zusätzliche persönliche Beziehungsebene, was jedoch nicht davon ablenken sollte, dass Einstellung und Therapieansätze des Heilpraktikers heute überall zu finden sind und eigentlich die Regel darstellen.

Soll mir also niemand damit kommen, dass es sich um einen außergewöhnlichen Einzelfall handelt, auch wenn natürlich nicht jeder Heilpraktiker seine Grenzen so sehr überschreitet oder sich jeder Patient so hörig verhält. Von den nicht wenigen Opfern, meist eingeschüchtert und verschämt, hört die Öffentlichkeit nur eben nichts.

Einen herzlichen Dank an Frau Reichardt für ihre Courage und Offenheit!

Gesucht wird noch ein kompetenter Anwalt im Raum Stuttgart, dessen Fachgebiete sowohl Medizin- als auch Scheidungsrecht sind. Ansonsten ist Frau Reichardt, die sich in der Klinik befindet, dankbar für jeden Tipp, was ihr weiteres Vorgehen betrifft und wünscht sich eine weite Verbreitung ihrer Geschichte in jeglichen Medien.

Der Kontakt kann über mich hergestellt werden. (Anm.: Über Ratgeber-News-Blog)

Also liebe Leser, bitte teilen, rebloggen und Journalisten darauf aufmerksam machen! Mehr…

Kriminelle bei Psiram

27. Juni 2015 23 Kommentare

Psiram Wiki feat. The Daltons

Wer sich durch die unendlichen Weiten des Netzes bewegt und dabei auf den Namen „Psiram“ stößt, wird früher oder später mit Unterstellungen angeblich diverser Straftaten, Prozesse und Urteile konfrontiert. Auf anonymen Webseiten ohne Impressum wird geraunt, es gäbe da dunkle Machenschaften, die dringend an die Öffentlichkeit gebracht werden müssten.

Das hat uns natürlich sehr interessiert, deshalb sind wir der Sache nachgegangen und haben unser Psiram-Wiki genauer untersucht. Und tatsächlich: es wimmelt dort nur so von Gerichtsurteilen, Anklagen und Ermittlungsverfahren. In knapp 200 Artikeln haben wir entsprechende Hinweise und Quellenangaben gefunden, diese sorgfältig aufgelistet und analysiert.

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Diagramm anklicken um zugehörige Daten in der Tabelle anzuzeigen

Diese interaktive Grafik zeigt die Verteilung der im Psiram-Wiki dokumentierten Straftaten und Urteile. Ein Klick auf das jeweilige Segment öffnet eine Tabelle mit Links auf die zugehörigen Artikel.




 

Gesiebte Luft

Die Bandbreite der Kriminalgeschichten reicht von Betrug, Steuerhinterziehung, Volksverhetzung bis hin zu Körperverletzung, Totschlag und Sexualstraftaten. Ein nicht unwesentlicher Teil unserer Wiki-Bewohner hat bereits gesiebte Luft geatmet und wurde zu Haftstrafen zwischen 3 Monaten bis zu 20 Jahren verurteilt, die Summe aller Urteile mit darauf folgendem Freiheitsentzug beträgt mehr als 290 Jahre.

Aber werfen wir zunächst einen Blick auf die kleineren Übeltäter. Volksverhetzung ist unter den Bewährungs– und Geldstrafen am häufigsten zu finden. Dabei handelt es sich meistens um Anhänger kommissarischer Reichsregierungen und Verbreiter rechtsesoterischer Verschwörungstheorien. Beleidigung und Bedrohung von Staatsbediensteten gehören in diesen Kreisen ebenso zum guten Ton wie die Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole und wurden mit entsprechenden Urteilen geahndet.

Bemerkenswert: Unter den Kleinkriminellen im Psiram-Wiki finden sich so gut wie keine Betrüger, wenn man minderschwere Fälle von Steuerhinterziehung und Konkursbetrug vernachlässigt. Verurteilungen wegen Betruges fingen sich vorwiegend die Schwergewichte der Scharlataneriebranche ein. Spitzenreiter ist hier ein Anbieter unkonventioneller Krebstherapien, der zu 14 Jahren Haft verurteilt wurde. Gewissermaßen außer Konkurrenz wird die Top-Ten jedoch vom Erfinder des Wasserautos angeführt, der seine Strafe allerdings nie antrat und frühzeitig verstarb.

„Perendev-Generator“ von Mike Brady

Unmögliche Erfindungen und schräge Geschäfte mit dem Geld anderer Leute scheinen ohnehin sichere Tickets in die staatliche Vollpension zu garantieren. Hier seien beispielhaft Andrea Rossi (E-Cat), Horst Kirsten (GFE), Mike Brady (Perendev) und Holger Thorsten Schubart (Neutrino Inc.) erwähnt, die aus ihrer frischluftarmen Vergangenheit immerhin gelernt haben, nur noch leere Versprechungen statt funktionsloser Geräte und geplatzter Kredite zu verkaufen.

Erschreckend fanden wir die Tatsache, dass ein großer Teil der dokumentierten Straftaten Sexualdelikte betrifft, deren Opfer teils minderjährige Personen waren. Diese Verbrechen fanden überwiegend im Umfeld von Sekten und esoterischen Vereinigungen statt.

Ebenfalls grausam sind unterlassene, aber notwendige medizinische Behandlungen, die zu Verurteilungen wegen Körperverletzung und fahrlässiger Tötung durch Unterlassen führten. Unter den Verurteilten finden sich etwa Anhänger der Germanischen Neuen Medizin nach Hamer, die sich weigerten, ihren Kindern eine Versorgung nach aktuellen wissenschaftlichen Standards zukommen zu lassen, aber auch falsche Heiler, die krebskranke Patienten durch pseudomedizinische Verfahren in den sicheren Tod schickten.

Viele Möchtegern-Mediziner schmücken sich mit falschen Titeln, lassen sich als Doktor und Professor bezeichnen oder glänzen mit Jodeldiplomen von Titelmühlen. Jene, die sich dabei weniger geschickt anstellten, konnten dafür bis zu zwei Jahren Auszeit in ihren Lebenslauf eintragen.

Die gute Nachricht zum Schluss: Eine Auswertung der polizeilichen Führungszeugnisse sämtlicher Wiki-Autorinnen und Autoren bei Psiram ergab übrigens insgesamt eine Zahl von – Moment, nochmal nachrechnen – ja, exakt Null dokumentierten Verurteilungen, auch keine laufenden Strafverfahren und selbst die Hochschulabschlüsse sind alle echt.

Im Psiram-Wiki dokumentierte Haftstrafen – „Top-Ten“
Person Artikel Urteil(e) Delikt
Daniel Dingel Wasserauto 20 Jahre Betrug
Guy-Claude Burger Guy-Claude Burger 15 Jahre + 4 Jahre Sexualdelikt
Nicholas Bachynsky Intracellular Hyperthermia Therapy 14 Jahre Betrug
Michel und Dagmar Ginoux Glaubensgemeinschaft Zwölf Stämme 12 Jahre Körperverletzung
Holger Thorsten Schubart Neutrino Inc 4 J. 4 M., 6 J. 6 M. Betrug
Jim McCormick ADE 651 10 Jahre Betrug
Kevin Trudeau Kevin Trudeau 10 Jahre Betrug
Horst Kirsten Freie-Energie-Geschäftsmodelle 9 Jahre Betrug
Andrea Rossi Focardi-Rossi-Energiekatalysator 9 Jahre Betrug
Grigori Grabovoi Grigori Grabovoi 8 Jahre Betrug
Otto Mühl Otto Mühl 7 Jahre Sexualdelikt

Mehr zum Thema:

Bad Gögging: Wie man esoterischen Quark und Plastikschamanen als Trommelevent tarnt

25. Juni 2015 76 Kommentare

Trommelevent
Angekündigt wird die auf den 27./28. Juni 2015 terminierte Veranstaltung als großes „Trommelevent mit Künstler- und Handwerkermarkt in Bad Gögging“ . Hinter der harmlos daherkommenden Bezeichnung verbirgt sich allerdings ein Wochenende, das prallvoll mit esoterischer Schwurbelei, allen möglichen Heilern und vielen Plastikschamanen auf Kundenfang geht. Auf der Facebook-Seite heißt es, das Event stehe „ganz im Zeichen von Mensch, Gesundheit, Ökologie, Spiritualität und Freude“, „[w]as als kleine Idee des Veranstalters Norbert Grüner aus Kelheim und einigen Gleichgesinnten begann, mobilisiert nun Schamanen, Trommler und Heiler aus ganz Europa“. Es wird nichts ausgelassen: „… gemeinsam zum Herzschlag der Erde für die Heilung der Mutter Erde trommeln. Damit soll ein Zeichen gesetzt werden …“ und natürlich: „Für alle, die neue Wege gehen wollen, sich über die Möglichkeiten der Heilungsmethoden aus der Natur erkundigen möchten oder einfach nur zum spirituellen Gedankenaustausch mit anderen treffen wollen …“. Für das breite Publikum gibt es ebenfalls noch Line-Dance (seeehr spirituell und indigen) und einen „Chuck Berry vom Schlachthofviertel“.
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Stoppt Tierversuchsgegner!

23. Juni 2015 35 Kommentare

Im Deutschen Ärzteblatt ist kürzlich eine knappe Pro-Kontra-Diskussion über Tierversuche erschienen. Die „Kontra“-Position wird von Frau Dr. med. Eva Kristina Bee, Vorstandsmitglied von Ärzte gegen Tierversuche e.V. (die bei uns schon früher auch Thema im Blog gewesen sind), vertreten.

Tierversuche riefen nur „gewisse Symptome“ hervor, die nichts mit menschlichen Erkrankungen gemein hätten. Allen Ernstes behauptet Frau Dr. Bee, dass medizinische Tierversuche „maßgeblich verantwortlich“ dafür seien, dass es bei „der Bekämpfung der heutigen Massenkrankheiten wie Krebs, Herz- und Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und rheumatologischen Erkrankungen keinen Durchbruch“ gebe. Auch „die Initiatoren der europäischen Bürgerinitiative ‚Stop Vivisection‘“ – „allesamt selbst Experten“ – seien dieser Ansicht. Begründet wird das mit dem Umstand, dass die Aussagen von Tierversuchen unzuverlässig seien und dennoch auf den Menschen übertragen würden – kein Wunder also (so wird suggeriert), dass allein in Deutschland jährlich 60.000 Todesfälle durch Medikamente zu beklagen seien. „92 Prozent“ der im Tierversuch erfolgreichen Medikamente versagten am Patienten. „Grundlegende artspezifische Unterschiede“ würden nicht beachtet. „[G]roß angelegte epidemiologische Studien“ hätten gezeigt, dass Krankheiten „vor allem durch Faktoren wie Rauchen, Alkoholmissbrauch, fleisch- und fettreiche Ernährung, Stress und mangelnde Bewegung bedingt“ seien. Menschen würden „vielfach Therapien vorenthalten, da potenziell nützliche Arzneimittel nicht durch die präklinische Phase“ kämen, Tiere dagegen „zu Messinstrumenten degradiert“, und „auf Biochips“ könnten angeblich „wie in einem künstlichen Mini-Menschen Auswirkungen auf bestimmte Organe erforscht“ werden.

Ein Gruselkabinett. Jeder Satz eine Groteske; man traut seinen Augen nicht. In Tierversuchen werden nicht „Symptome“, sondern Aspekte der Pathogenese modelliert. Welches Ausmaß die ideologische Verblendung bei den Tierversuchsgegnern bereits erreicht hat, ist an der These erkennbar, dass medizinischer Fortschritt durch Tierversuche behindert werde. Was stellt sich Frau Bee eigentlich unter „Durchbruch“ vor – die Abschaffung der genannten Krankheiten? Auch Experten können abgehobenen Nonsens schwafeln, wie uns Professor Montagnier vorgeführt hat. Tiermodelle sind selbstverständlich keine perfekten Prädiktoren für menschliche Erkrankungen, aber sie sind global gut brauchbar. Für Tierversuche als Instrument der Forschung gilt sinngemäß, was Churchill über die Demokratie gesagt hat: eine verdammt schlechte Regierungsform, ausgenommen alle anderen. Die „60.000 Todesfälle“ sind auf raffiniert schlichte Weise ermittelt worden (Prozentsatz der Todesfälle in einer einzelnen internistischen Abteilung in den USA in Norwegen mal Gesamtzahl der Krankenhausaufnahmen in Deutschland). Selbst wenn die Zahl stimmte, wären diese Fälle mindestens zur einen Hälfte unvermeidbar, zur anderen schwer vermeidbar; und sie hat mit Sinn oder Unsinn von Tierversuchen nichts, aber auch gar nichts zu tun. Wenn 92% der potentiellen Medikamente am Menschen versagen, sollen dann diejenigen Substanzen, die schon im Tierversuch an ihrer Giftigkeit oder Wirkungslosigkeit scheitern, auch noch am Menschen ausprobiert werden? Hieße das nicht, den Menschen zum Messinstrument zu degradieren? Von den „artspezifischen Unterschieden“ sollte sie mal das Great-Ape-Project informieren; die scheinen da nicht überzeugt zu sein. Alle bekannten Risikofaktoren für die sog. „Zivilisationskrankheiten“ erklären weitaus weniger als die Hälfte der Varianz: mit wenigen Ausnahmen sind diese Erkrankungen Schicksal und nicht Folge einer ungesunden – d.h. hier: unmoralischen – Lebensweise. Bei der Brauchbarkeit der „Biochips“ hat sie sich im Jahrhundert vertan: das ist eine transhumanistische Utopie.

Was für inkohärenter Unsinn. Zum Fremdschämen. Und man lese auch noch den Pro-Beitrag.

Der Traum meines Großvaters

22. Juni 2015 Keine Kommentare

Als mein Großvater Ding Shuiyang aus der Stadt zurückkam, lag die Abenddämmerung schon über der Ebene. Die Straße nach Dingzhuang war vor zehn Jahren betoniert worden – damals, als die Dorfbewohner Blut verkauft hatten. Das Dunkel der Gedanken, die er unterwegs nicht hatte entwirren können, begann sich zu lichten.

Ihm war klar: wo Wolken sind, da gibt es Regen.
Ihm war klar: wenn der Herbst zu Ende geht, wird es kalt.
Ihm war klar: die Dorfbewohner, die vor zehn Jahren Blut verkauft hatten, würden das Fieber kriegen. Und wer das Fieber hatte, würde sterben, so wie der Herbstwind die welken Blätter von den Bäumen fegt.

Das Fieber war im Blut verborgen; mein Großvater war in seinen Träumen verborgen. Die Krankheit liebte das Blut, Großvater liebte das Träumen.

Seit er in der Kreisstadt war, wusste er:

Das Fieber hatte in Wirklichkeit einen anderen, einen wissenschaftlichen Namen – nämlich AIDS. Wer seinerzeit Blut verkauft hatte, war heute ausnahmslos an AIDS erkrankt. Die Kraft verließ sie, ihr Körper war von Pusteln und Flecken übersät, die Zunge war eiterig und allmählich trockneten die Kranken aus. Sie quälten sich drei Monate oder ein halbes Jahr, hielten vielleicht sogar acht Monate durch, aber nur selten ein ganzes Jahr. Dann – ja, dann starben sie.

Starben wie vom Wind losgerissene Blätter.
Erloschen wie eine Lampe; waren nicht mehr von dieser Welt. Mehr…

Barbara Seebald – I won’t go quietly

21. Juni 2015 15 Kommentare
Screenshot der Facebook-Seite, auf der die Todesnachricht verkündet wurde

Todesnachricht auf Facebook

Barbara Seebald ist verstorben. Im Alter von Mitte 40 sterben zu müssen ist heutzutage keine Normalität mehr.

Barbara Seebald war mit HIV infiziert und litt wohl an AIDS, glaubte aber nicht an die Existenz dieser Krankheit, die ihrer Meinung nach eine Erfindung der Pharmaindustrie sei. Daher lehnte Barbara Seebald auch eine medizinische Behandlung ab.

Auch ihr Ehemann Leonhard Seebald war HIV-positiv und starb 2010 an den Folgen eines Lungenödems. Der Tod wurde „der Folter der pharmagesteuerten Schulmedizin und deren Handlangern, [den] Behörden und Gerichte[n]“ zugeschrieben.

Lesenswert zur Gedankenwelt der Seebalds ist ein Interview/Artikel in Zeit Online aus dem Jahr 2013.

Besonders tragisch an der Geschichte der Familie Seebald ist auch, dass die Tochter Muriel von ihrer Mutter ebenfalls mit HIV infiziert wurde. Die Behörden schritten ein; Muriel wurde in einem SOS-Kinderdorf untergebracht, die anderen Kinder bei Pflegeeltern. Mehr…