Lesereise 5: Religion

26. Dezember 2018 Keine Kommentare

Teil 5 unserer Serie zur Philosophie Bunges

“Verbindung von Religion und Ethik”

Nach dem Vorgesagten wird man von Bunge keine Verteidigung der Religion erwarten, und darin wird man nicht enttäuscht. Manche Gedanken sind natürlich mehr oder weniger atheistisches Gemeingut, aber dennoch hat er Bleibendes zu sagen. Ein kurzer Abriss findet sich bereits in Treatise (Vol. 6, eingeordnet ins Kapitel 14, “Kinds of Knowledge”, Abschnitt 4, “Illusionary Knowledge”, Unterabschnitt 4.2., “Ideology”). Ausführlicher ist das Kapitel 6, “Materialismus, Wissenschaft und Religion” in der Natur der Dinge. Der “populäre Irrtum” einer Verbindung zwischen Religion und Ethik, dieser zentrale Punkt der heutigen Gottesbeweise, wird in Abschnitt 5.5 regelrecht zertrümmert. Auf gedrängtem Raum kommen Bunge/Mahner fast ohne Beispiele aus; sie argumentieren nahezu ausschließlich aus der inneren Widersprüchlichkeit der “gottgegebenen” Ethik heraus. Sie scheitert als Gottesgebot:
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Lesereise 6: Wissenschaftlichkeit und Philosophie, Szientismus

26. Dezember 2018 Keine Kommentare

Teil 6 unserer Serie zur Philosophie Bunges

Die Kritik Bunges an der vorherrschenden Philosophie ist scharf; kein Wunder, dass er nicht gemocht wird. Der intellektuelle Mob bekundet seine Abneigung hemmungslos: Eine Rezension bei Amazon von Über die Natur der Dinge spricht vom “kaum zu überbietenden Blödsinn” und empfiehlt “jedem Leser, den Brennwert dieses Buches empirisch zu ermitteln”. – Da kommen einem die öffentlichen Auftritte von Trump-Anhängern (einfachen, gläubigen Menschen) in den USA in den Sinn, die ihre Nike-Sportschuhe verbrannt haben, weil die Firma einen Werbespot mit dem von Trump als Hurensohn titulierten Football-Spieler Colin Kaepernick geschaltet hatte.
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Anhang: What it is like to be a bat to read the Treatise

26. Dezember 2018 Keine Kommentare

Anhang unserer Serie zur Philosophie Bunges

Magisches Theater
Eintritt nicht für jedermann
[…]
Nur – – für – – Ver – – rückte!

Hermann Hesse, Der Steppenwolf

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Psirama – Der Psiram-Wochenrückblick (KW 50, 2018)

16. Dezember 2018 Keine Kommentare

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Sprechen wir über Motivation: Was bringt eigentlich eine bunte Mischung von Menschen dazu, ein Informationsportal über Pseudowissenschaften, Beutelschneiderei und irrationale Überzeugungssysteme seit inzwischen elf Jahren zu pflegen? Nach Ansicht einiger Kritiker kommen dafür nur niedere Beweggründe in Frage: Angst, Neid, Missgunst oder gar Geld aus dunklen Kanälen. Andererseits kann auch der Wunsch, die Aufklärung voranzutreiben, sich mit interessanten wissenschaftlichen Themen zu beschäftigen und gemeinsam mit ähnlich Gesinnten nützliche Informationen zusammenzutragen, einen wirksamen Antrieb darstellen. Freundliche Zuschriften, Dankesworte und Anfragen von Journalisten wirken ebenfalls motivierend. Vielleicht ist es aber auch überhaupt nicht notwendig, die Frage nach dem Nutzen immer wieder zu stellen. Wie Florian Aigner bei futurezone schreibt, darf etwas auch einfach nur Spaß machen, ohne ein höheres, nutzbringendes Ziel zu verfolgen. Über Themenvorschläge und warme Worte sowie über Linkspenden für den nächsten Wochenrückblick – der allerdings erst im Januar erscheinen wird – freuen wir uns auf jeden Fall und wünschen erkenntnisreiche Feiertage.

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In eigener Sache

15. Dezember 2018 Keine Kommentare

Wir werden am Dienstag, dem 18.12.2018, nachmittags vom Netz gehen. Wir haben uns entschlossen aufzugeben … nee, April April. Es sind nur Wartungsarbeiten!

Nur zur Info: Die Wartungsarbeiten sind noch nicht abgeschlossen. Es kann in den nächsten Tagen zu Ausfällen kommen.

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SkyWay und die verschwundenen Patente

10. Dezember 2018 5 Kommentare

„Scammer“ sind Firmen oder Personen, die etwas anbieten, das nicht oder nicht wie angegeben existiert bzw. funktioniert – also Betrüger. Eine typische Masche von Scammern ist die Ankündigung eines angeblich sensationellen Produktes, das z.B. Energie aus dem Nichts produziert, gegen allerlei Krankheiten hilft (“Snake Oil“) oder Reichtum ohne Arbeit ermöglicht. Beliebt sind auch Zusatzfunktionen, welche die Welt besser, die Umwelt sauberer und die Gesellschaft gerechter machen; Weltverbesserung verkauft sich gut. Wer aber Geld für ein Produkt nimmt, das gar nicht existiert, muss damit rechnen, verklagt und wegen Betrugs verurteilt zu werden. Daher haben sich die meisten Scammer auf fachfremde (und daher leichter zu täuschende) Investoren oder Spekulanten als Zielgruppe spezialisiert. Diese werden mit Versprechungen geködert und anschließend – oft auf Jahre hinaus – mit noch größeren Versprechungen vertröstet. Die ehrgeizigen Pläne werden natürlich niemals umgesetzt.

Als Köder für Technologie-Scams dient die Präsentation zahlreicher Patente. Diese sollen neben Zertifikaten (z.B. vom TÜV) und Referenzen (die gewöhnlich frei erfunden sind) die Seriosität des Unternehmens sowie die Machbarkeit des Projekts belegen.

Ein derzeit recht aktives Scam-Projekt ist die Firmengruppe SkyWay aus Weißrussland. Firmengründer Anatoli Yunitsky möchte angeblich das weltweite Transportwesen revolutionieren und vielerorts Gondeln (“String Transport” genannt) aufhängen, die bislang allerdings nur als Computer-Animationen, Handzeichnungen oder Funktionsmodellen auf Märchenpark-Niveau existieren. Yunitsky behauptet, solche Hängebahnen seit über 40 Jahren zu entwickeln, kann aber keinen einzigen Auftrag vorweisen. Die Beschreibung des Systems steckt voller Widersprüche und technischer Unmöglichkeiten, das Firmengeflecht ist undurchsichtig, und die Finanzierung von Yunitskys Jugendtraum basiert auf einem MLM-System mit überzogenen Gewinnversprechen. Das Geschäftsmodell von SkyWay besteht darin, wertlose Gutscheine als „Firmenanteile“ zu verkaufen. Finanzaufsichtsbehörden vieler Länder haben bereits Warnungen vor SkyWay veröffentlicht.

Immerhin kann er aber doch einen ganzen Stapel Patente vorweisen, oder? Mehr…

Psirama – Der Psiram-Wochenrückblick (KW 48/49, 2018)

9. Dezember 2018 2 Kommentare

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Sind Skeptiker starrköpfig und unbelehrbar? Glaubt man den Worten von Esoterikern, Homöopathen und Aluhüten, ist das wohl der Fall. Grundsätzlch sollten Skeptiker in der Lage sein, flexibel auf neue Informationen zu reagieren, diese zu prüfen und gegebenenfalls ihre Ansichten zu ändern. Kritisches Denken bedeutet nicht, an einer Meinung entgegen anderslautender Argumente festzuhalten. Allerdings sind Skeptiker recht gefestigt in ihren Vorstellungen, wie ein Argument auszusehen hat. Reine Meinungen sind wertlos. Erst überprüfbare Fakten werden als Diskussionsgrundlage anerkannt. Sind diese vorhanden, ist es allerdings sehr einfach, die Ansichten von Skeptikern zu ändern. Die Diskussion um das Münsteraner Memorandum Heilpraktiker zeigte im letzten Jahr sehr schön, wie Gegenargumente – soweit sie überhaupt vorhanden waren – nicht aussehen sollen. Eine frisch erschienene Analyse der Kritik am Memorandum wurde diese Woche in einer Fachzeitschrift publiziert und ist sehr aufschlussreich. Eure Linkvorschläge für die kommende Woche nehmen wir wieder gerne entgegen, ebenso wie Argumente jeglicher Art – bevorzugt solche mit nachprüfbaren Fakten.

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Zur Neutralisierung fundierter Kritik durch falsche journalistische Ausgewogenheit – Beispiel: Homöopathie

1. Dezember 2018 44 Kommentare

Homöopathie-Aufklärung ist eine tolle Sache. Allen, die geduldig immer wieder erläutern, warum wirkstofflose Zuckerkugeln keine Medizin sind, gebührt höchster Respekt. Hier sind an erster Stelle das Informationsnetzwerk Homöopathie und die GWUP sowie der Konsumentenbund bzw. deren unermüdliche und überwiegend ehrenamtliche AktivistInnen zu nennen. Auch wir bei Psiram versuchen, unseren Teil dazu beizutragen. Und tatsächlich sind seit etwa einem Jahr erste Erfolge zu verzeichnen. Der Tenor in den Medien hat sich verändert, über Homöopathie wird kritischer berichtet, (echte) Experten dürfen sich zu Wort melden, es gibt sogar politische Aktivitäten zur Eindämmung der verdünnten Zuckerflut. Die verhinderten Tortenverzierer haben es zunehmend schwer, ihre wissenschaftsfernen Märchen unwidersprochen zu verbreiten.

So weit, so gut.

An diesem Punkt stellt sich die Frage, wie Homöopathie-Aufklärung idealerweise aussehen soll. Muss es die harte Konfrontation sein? Die „Wissenschaftskeule“? Soll man die Leute „da abholen, wo sie stehen“? Sind eventuell Kompromissvorschläge sinnvoll (ein bisschen Hokuspokus, ein bisschen Wissenschaft)? Ist es wichtig, auf die Globulisten zuzugehen, sie nicht zu verärgern, um ihnen dann mit dem kleinen Löffel und viel Sirup die bittere Realität näherzubringen, nämlich dass sie sich von einer kriminellen Bande, dem Bodensatz der Pharmaindustrie – zu faul zum Forschen, zu gierig und verblendet, um echte Medikamente herzustellen – ,  jahrelang haben veralbern lassen? Sind Gesetze und Verbote erforderlich, um diesen mehr als 200 Jahre währenden Betrug am Patienten zu beenden?

Welche Strategien auf Dauer am wirksamsten sind, muss sich erst noch herausstellen. Unsere Methode ist und bleibt der Realismus. Der kommt nicht immer freundlich daher, weshalb er oft auf Widerstand stößt. Das ist unsere Nische, und wir möchten diese Vorgehensweise nicht verallgemeinern oder gar als die einzig richtige darstellen.

Aus dieser Position heraus betrachten wir allzu nachgiebige Herangehensweisen natürlich mit Vorbehalten. Zwei Beispiele in Form von Homöopathie-Aufklärungsvideos sollen zeigen, welche Gefahren es mit sich bringt, wenn statt klarer Worte eine falsche journalistische Ausgewogenheit die Grenzen zwischen Phantasie und Wirklichkeit zu verwischen droht – und wie Homöopathie-Aufklärung nicht aussehen sollte. Daraus ergibt sich ein Appell, speziell an Journalisten: Traut Euch, Fakten klar zu präsentieren und Unsinn als solchen zu bezeichnen. Redet nicht aus falsch verstandener Toleranz um den heißen Brei herum.  Mehr…

Psirama – Der Psiram-Wochenrückblick (KW 47, 2018)

25. November 2018 Keine Kommentare

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Unsere Rezension zu Bernd Harders Buch über Verschwörungstheorien hat zu einer lebhaften Diskussion geführt, an der bezeichnenderweise fast ausschließlich Leute teilnahmen, die das Buch nicht gelesen haben. Also bleiben wir beim Thema und legen noch ein paar interessante Links nach. Im Netzpolitik-Podcast spricht Markus Beckedahl mit Christian Schiffer, Autor des Buches „Angela Merkel ist Hitlers Tochter. Im Land der Verschwörungstheorien“. Wie in unserer Blog-Diskussion geht es auch hier unter anderem um die Verwendung des Begriffs Verschwörungstheorie, also um die Frage, warum und wo er angebracht ist. Unser Video der Woche beschäftigt sich ebenfalls mit diesem Thema und behandelt im Schnelldurchlauf die historische und philosophische Perspektive. Ein wissensschaftlicher Blick auf die aktuelle Verbreitung von Veschwörungstheorien findet sich im Guardian. Wenn Ihr weitere Links zu diesem oder einem anderen Thema habt, lasst sie uns doch bitte hier (#Psirama).

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Psirama – Der Psiram-Wochenrückblick (KW 46, 2018)

18. November 2018 Keine Kommentare

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Natürlich ist es ein Problem, dass Menschen an gezielt verbreitete Falschmeldungen glauben, daraus falsche Schlüsse ziehen und Entscheidungen treffen, die ihnen selbst oder einer ganzen Gruppe Schaden zufügen. Darüber wird breit diskutiert und nach Lösungen gesucht. Aber wie sieht es eigentlich mit “altem” falschen Wissen aus? Wenn wir darüber nachdenken, was wir von unseren Eltern, in der Schule oder aus Medienberichten vor zwanzig oder dreißig Jahren gelernt haben und das mit dem heute verfügbaren Wissen vergleichen, stellen wir oft gewaltige Unterschiede fest. Da ist es kein Wunder, dass viele Menschen etwa aktuelle Forschungsergebnisse für unzuverlässig halten, weil sich ja “sowieso alles alle paar Jahre ändert”. Es genügt also nicht, sich neues Wissen anzueignen, man muss auch lernen, es zu bewerten, zu hinterfragen, mit anderen Informationen abzugleichen und irgendwo auf der persönlichen Wahrscheinlichkeitsskala einzuordnen. Das Werkzeug dazu heißt kritisches Denken und bewahrt davor, Aussagen vorschnell als richtig oder falsch einzustufen. Wer das beherrscht, fällt weniger leicht auf Populismus, Heilsversprechen, Panikmache und Abzocke herein. Unsere wöchentliche Linksammlung soll helfen, diese Fähigkeit zu trainieren. Deshalb lohnt es sich, die einzelnen Artikel nicht nur anzuklicken, sondern ihnen auch ein wenig hinterher zu recherchieren. Ist euch eine Meldung aufgefallen, deren Wahrheitsgehalt nicht auf Anhieb zu erkennen ist? Dann lasst einen Link hier, vielleicht finden wir es gemeinsam heraus.

 
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