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Lustiges Vergiften

Peter Artmann, seiner Angabe zufolge Biologe, Wissenschaftsjournalist und Webdesigner, Autor des Scienceblogs „Medlog“ hat sich köstlich über die Dummheit von amerikanischen Forschern amüsiert, die in ayurvedischen Zubereitungen über 1000-fache Grenzwertüberschreitungen bei Schwermetallen gefunden haben, so z.B. bei Quecksilber. Das ist irgendwie lustig oder? Haha. Er findet das deswegen so lustig, weil die Schwermetalle ja da rein gehören! Und man einen Schamanen braucht, der einem das verabreicht. Und die dummen Forscher wissen das nicht! Haha. Und dann gibts auch noch so Blöde, die solche Sachen übers Internet bestellen. Und dann nette Cocktails aus Schwermetallen zu sich nehmen. Haha! Keine Ahnung von Ayurveda.

Herr Artmann ist schon mit einem anderen abstrusen Artikel aufgefallen. So holte er hier zu einem Rundumschlag gegen Kinderärzte aus, welche alle von der Pharmaindustrie gekauft wären und Kinder massenhaft mit der „chemischen Peitsche“ Methylphenidat „verstümmeln“. Auch hier wird es bedenklich, erinnern doch solche Aussagen exakt an den Unsinn, den Scientology verbreitet. Dass dies gerade bei Methylphenidat völliger Unsinn ist – bei nicht betroffenen Kindern wirkt das eben nicht beruhigend, sondern aufputschend – ignoriert er. Dann will er Kinder auch noch „chemisch unversehrt“ halten, was immer das heißen soll. Aber lesen Sie selbst:

Gibt es jemanden, der Kinder, die früher mit Ohrfeigen bestraft wurden, vor der Zwangsabhängigkeit durch Psychostimulanzien schützt?
Abhängigkeiten, die in der Grundschule geschaffen werden und frühestens in der Pubertät enden, weil zuvor sämtliche Absetzversuche scheitern.
Oder anders gefragt: Wenn die heutigen Erwachsenen die Wahl hätten zwischen jeweils drei Ohrfeigen für nicht gemachte Hausaufgaben und sechs Jahre lang Psychopharmakaschlucken
– mit ungewissen Folgen für die Gehirnentwicklung – wie würden sie entscheiden?
Das soll jetzt kein Plädoyer fürs Kinderschlagen sein, aber wenn Leute ernsthaft eine körperliche Unversehrtheit für Kinder fordern, die sie sogar ins Grundgesetz schreiben wollen, dann sollten sie auch mal über eine chemische Unversehrtheit nachdenken.
Denn was auf den ersten Blick als saubere Tablettenlösung daherkommt – und sogar vom Kinderarzt verschrieben wird – muss nicht unbedingt die beste Lösung für Erziehungsaufgaben sein.

Für jemanden, der Biologie studiert hat, ein echtes Armutszeugnis.

Die Science Blogs sind im Allgemeinen mit wirklich guten Leuten besetzt. Hier scheint es, dass sich neben Bert Ehgartner noch ein zweiter Kuckuck ins Nest gesetzt hat.
Kann man nur hoffen, dass er sich mehr auf Webdesign konzentriert. Das kann man zwar auch unglaublich schlecht machen, aber es stirbt keiner dran.

  1. Antonio
    5. September 2008, 11:02 | #1

    Apropos Kinderärzte: Meine Schwester arbeitet bei einer Kinderärztin und diese muss sich regelmäßig mit Eltern herumschlagen, denen von Hebammen im Zuge der Nachsorge nach der Geburt des Kindes eine Menge Flausen ins Ohr gesetzt werden, z.B., wie schlecht, böse und gefährlich doch Impfungen sowie die Schulmedizin und wie vorteilhaft und schonend Homöopathie u.a. "Heilmethoden" seien. Überhaupt scheinen Hebammen DIE Verbreiter von esoterischem Kokolores in deutschen Privathaushalten zu sein. Habt Ihr darüber vielleicht schon mal etwas geschrieben? Und wieso wird nicht kontrolliert, was diese medzinischen Voll- / Halblaien so von sich geben? Ich halte das für sehr gefährlich. Ich möchte jetzt aber nicht den Stab über alle Hebammen brechen, die, die meinen Sohn, mich und meine Frau betreut hat, war klasse.

  2. nihil jie
    5. September 2008, 11:03 | #2

    so ein schwachsinn… das ich nicht lache… ayurveda ist doch gar nix… eine medizin ohne plutonium, uranium, thorium usw drin ist doch ein witz *lach* das muss schon richtig strahlen sonnt ist es nix wert 😉

  3. 5. September 2008, 11:28 | #3

    Leider beisst man bei den Hebammenorganisationen da auf Granit. Das ist natürlich nicht offizieller Lehrinhalt der Hebammenschülerinnen, die dürfen sich zu sowas auch gar nicht äussern, jedoch dürfen sie eine eigene Meinung haben und diese laut sagen.

    Tja, und die Mutties sind leicht beeinflussbar und glauben allen Sch****.
    Der Missstand ist bekannt
    gebt mal hier das Wort "Hebammen" in die Suchfunktion
    http://www.kidmed.de/forum/

  4. wolfgang
    5. September 2008, 12:19 | #4

    Da gibt es eine Impfgegnerärztin, die behauptet Viren, Bakterien, Pilze würden sich bei Bedarf ineinander umwandeln – und die macht zertifizierte Fortbildung über Impfungen bei Hebammen.

    Und die Ärztekammer schaut zu.

  5. 5. September 2008, 12:44 | #5

    Könnte das die sein?
    https://www.psiram.com/ind

  6. wolfgang
    5. September 2008, 13:30 | #6

    schöner Eintrag in esowatch 😉

    Das war übrigens ein ganzer "Fortbildungstag" über Impfungen am 15.3.2008 um schlanke 75 €.

    zertifizierte Fortbildungen nach Hebammengesetz müssen gemäß §37c fachlich dem Stand des Wissens entsprechen.

  7. Hexe
    5. September 2008, 15:06 | #7

    Was mag wohl passieren, wenn eine alternative (gibt es überhaupt anderes) Hebamme auf so etwas trifft?
    http://www.sueddeutsche.de/

    Mit Sicherheit nichts Gutes. Schlimm, wenn der Dachschaden nach der Schwangerschaft nicht reversiebel ist.

  8. Ludmila
    5. September 2008, 17:26 | #8

    Nur so zur Info. Ich amüsier mich gerade königlich, wie alle Kommentatoren Peter auseinander nehmen. Dieses hilflose mit den Armen wedeln als Verteidigung ist wirklich köstlich:

    <em>
    Bevor das Niveau zu stark absinkt zwei Einwände:
    Wenn es wirklich nur eine Medizin gibt, warum bekomme ich dann vom Orthopäden um die Ecke Stoßwellentherapie, Magnetfeldtherapie, Akupunktur, Chiropraktik usw. angeboten?

    Wenn Medizin nur unbedenkliche Stoffe enthalten dürfte (also auf keinen Fall Giftstoffe), müsste man dann nicht mindestens die Hälfte aller schulmedizinischen Medikamente sofort verbieten?
    </em>
    1. Niveau? welches Niveau?

    2. Besonders wählerisch ist er bei der Auswahl der Autoritäten, auf die er sich beruft, ja nicht. Der Orthopäde um die Ecke. Prust.

    3. Er kennt Medikamente die Blei oder Quecksilber über den Grenzwerten enthalten? Soweit <b>ich</b> weiß, sind Quecksilberkuren im Abendland wann aus der Mode gekommen? Vor 400 Jahren?

    Aber was weiß ich schon 😉

    P.S.: Mag noch jemand Popcorn?

  9. 5. September 2008, 17:41 | #9

    @Ludmila: Danke, gern, ich nehm was, aber nur, wenn es salzig ist 😉

    Es entwickelt sich wirklich zum absurden Theater. Selten jemanden so hilflos argumentieren sehen. Da ist ja unser Herr Grauer hier von der Anthro-Fraktion noch Gold dagegen 🙂

  10. 5. September 2008, 18:39 | #10

    Zitat Hexe:
    Wenn Medizin nur unbedenkliche Stoffe enthalten dürfte (also auf keinen Fall Giftstoffe), müsste man dann nicht mindestens die Hälfte aller schulmedizinischen Medikamente sofort verbieten?
    Ende Zitat

    Warum ? In der akademischen Medizin werden bergeweise Substanzen eingesetzt die selbst erhebliche Nebenwirkungen haben können, bzw “giftig“ sind. Oftmals nur eine Frage der Dosierung. Aber es gibt da mehrere gravierende Unterschiede zur leichtfertigen Akzeptanz und Anwendung von toxischen Substanzen in der Alternativmedizin:

    1. muss der durch den Einsatz der Substanz erzielte Nutzen nachweisbar, dokumentiert und reproduzierbar grösser als der mögliche Schaden sein, und gleichzeitig darf es keine andere Behandlungsmöglichkeit geben die den gleichen Effekt bei geringeren Nebenwirkungen erzielt. Das ist das ’nil nocere‘ Prinzip. Die reine Hoffnung auf ein günstiges Nutzen-Risiko Verhältnis reicht nicht aus.
    2. Der Einsatz von toxischen Mittel ist nur bei schweren, lebensbedrohlichen Zuständen akzeptabel, der Einsatz bei unklaren Zuständen oder Befindlichkeitsstörungen wäre abzulehnen und ggf strafbar.
    3. Die unerwünschte Wirkungen, die Gefahren müssen vorab so gut es geht erforscht und bekannt sein, das Risiko muss einschätzbar sein. Dazu gehört also eine genaue Kenntnis der Substanz und aller Faktoren die dabei eine Rolle spielen (Alter und Geschlecht z.B.). Alternativmediziner wissen oft nichts um die (langfristigen) Gefahren eigener Mittel.
    4. Die Erfassung von gefährlichen Nebenwirkungen durch der Einsatz solcher Mittel (z.B. Zytostatika). Es gibt regelmässige veröffentlichte Berichte über Todesfälle und Schäden durch therapeutische Eingriffe in der Medizin. Etwas derartiges gibt es im alternativmedizinischen Bereich nicht, hier müssen meist staatliche Einrichtungen diesen Bereich mit überwachen – was schwierig sein kann. Oftmals wenden sich Patienten die falsch behandelt worden sind sehr spät danach an Ärzte, denen dann der Schlamassel angelastet wird.

  11. 5. September 2008, 18:53 | #11

    Mensch Deceptor,
    zur Ehrenrettung von Hexe:
    "Wenn Medizin nur unbedenkliche Stoffe enthalten dürfte (also auf keinen Fall Giftstoffe), müsste man dann nicht mindestens die Hälfte aller schulmedizinischen Medikamente sofort verbieten?"

    Ist von Peter Artmann in den Kommentaren zu seinem Artikel geschrieben worden und wurde von Ludmilla zitiert.
    Das neue Layout hat echt noch Schwächen!

    Das war heute ein lustiger Tag. :-)))

  12. 6. September 2008, 10:56 | #12

    Ludmila Carone von den ScienceBlogs stimmt euch übrigens zu:
    http://www.scienceblogs.de/

  13. 6. September 2008, 11:39 | #13

    Klar, ist ja auch eine kluge Frau.

  14. 6. September 2008, 16:10 | #14

    @Chefarztfrau: Haben wir schon gesehen. Da haben wir einen Volltreffer gelandet.

  15. Hexe
    7. September 2008, 00:20 | #15

    Danke für die Ehrenrettung ;-).

  16. David Marjanovi?
    1. Dezember 2008, 16:02 | #16

    "Alle ding sind gifft / und nichts ist ohn gifft / allein die dosis macht das ein ding kein gifft ist"
    — Paracelsus

    Das hat der gute Herr Artmann offenbar übersehen.

  17. David Marjanovi&263;
    1. Dezember 2008, 16:03 | #17

    Scheiß-Safari.

  18. David Marjanovic
    1. Dezember 2008, 16:04 | #18

    Ah ja, HTML geht ja auch nicht. Werd ich halt zum Witz.

  19. 1. Dezember 2008, 16:30 | #19

    Ne, passt scho, Herr Marjanovic, Botschaft angekommen 😉

    Der Artmann hat noch viel mehr übersehen 😉

    Eine Katastrophe, dass der in den Scienceblogs schreibt. Die deutsche Redaktion scheint extrem blauäugig zu sein, um keine schlimmeren Wörter zu verwenden.

  20. 1. Dezember 2008, 17:04 | #20

    @David Marjanovi&#263;: Super Beitrag bei

    http://scienceblogs.com/ins

    Hauen Sie rein! Die Argumente der Redaktion sind dürftig ohne Ende. Es kann doch nicht sein, dass eine so gute Idee wie die der Scienceblogs von solchen egomanen Trittbrettfahren zerstört wird, nur weil die "Redaktion" zu duselig ist.

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