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Keyword: ‘Schwarzbuch Waldorf’

Vom Kritiker zum Mietmaul?

2. Juli 2009 76 Kommentare

Es ist nicht gerade erfreulich, wenn man feststellen muss, dass jemand, den man als seriösen Kritiker vernommen hatte, plötzlich zum Mietmaul oder Vertreter
absurder Hypothesen mutiert.
Niemand weiß so genau, was mit Michael Grandt passiert ist. Bekannt wurde er als Autor zu kritischen Themen. Seine Bücher „Schwarzbuch Anthroposophie“, „Waldorf Connection“ und zuletzt sein „Schwarzbuch Waldorf“ waren Meilensteine der Aufklärung, was das traditionell undurchsichtige Verhalten der Anthroposophen und speziell im Zusammenhang mit Waldorfschulen („Das wollen wir der Welt nicht mitteilen“) betrifft. Grandt war Aufklärer. Jetzt unterstützt er die Esoterik. Die große Frage bleibt, ob er es damit ernst meint oder ob er nur vom Zynismus gepackt, die gleiche Schiene wie seine einst kritisierten Gruppen fährt. Nach dem Motto: „Was ihr könnt, kann ich schon lange, Schwamm drüber, denn
ich will auch mal richtig Kohle verdienen.“
Es bleibt ein Rätsel.
Jedenfalls bemüht sich Grandt gerade besonders, sich lächerlich zu machen.
Es begann mit einem Artikel über UFOs, der im Kopp Verlag veröffentlicht wurde und der allgemeines Kopfschütteln zur Folge hatte. Als man ihn dafür kritisierte, hieß es dann, dass jeder Leser erkennen müsse, dass der Text nicht seine eigene Meinung spiegele, sondern eine Buch-Rezension im Auftrag des Verlages gewesen sei. Aha.
Dennoch, auch nach zehnmaligem Lesen, erschließt sich einem diese Erkenntnis beim besten Willen nicht.
Des Weiteren vertritt er in seinem neuen Buch „Antibiotika aus der Natur: Sanfte Heilung durch natürliche Medizin“ inzwischen völlig abstruse Ansichten. So sollen bestimmte Kräutlein moderne Antibiotika gleichwertig ersetzen können und nicht nur das, sie sollen gar den schädlichen Pharmazeutika vorgezogen werden, weil natürlich und nebenwirkungsfrei.
Glückwunsch Herr Grandt, damit werden sie statistisch gesehen bei einigen Kranken für Lebensverkürzung sorgen.
Michael Grandt wusste jedoch auch diesen Kritikpunkt eindeutig abzuschmettern:

„Wer nicht an die Wirksamkeit von pflanzlichen Antibiotika glaubt, hat keine Ahnung. Natürlich wurde das Buch unter medizinischer Aufsicht geschrieben und mit seriösen Quellen belegt“

Er scheint sich wohl in die Reihe der unsäglichen Mietmäuler einreihen zu wollen, wie z.B. auch unser berüchtigter Bert Ehgartner, der wohl alles behaupten würde, solange sich eine Gelegenheit bietet, um Aufmerksamkeit zu erregen und um ein Publikum für sich gewinnen zu können.
Es ist schlicht und ergreifend irritierend zuzusehen, wie jemand, der kompetent zeitkritisch schreiben kann, seinen Ruf freiwillig zerstört und damit noch denen in die Hände spielt, die er früher kritisierte.
Ob Herr Grandt auch uns eines Besseren belehren möchte, bleibt abzuwarten. Die Spannung steigt.

Von Elfen, Gnomen und Rassisten

3. Dezember 2008 22 Kommentare

So betitelt Autor Andreas Kunz seinen Artikel in der Schweizer Weltwoche. Er nimmt Bezug auf die Abstimmung in der Schweiz bezüglich freier Schulwahl und Michael Grandts «Schwarzbuch Waldorf». So schreibt er z.B.:

Für den Sektenspezialisten ist die Steiner-Schule eine esoterisch-okkulte Weltanschauungsanstalt mit religiösen Zügen. Die vorgeblich freie und tolerante Pädagogik werde glorifiziert, der tatsächliche Hintergrund der Lehre den Eltern verschwiegen. Gründervater Rudolf Steiner (1861-1925), ein österreichischer Philosoph, von den Anhängern seiner anthroposophischen Geisteswissenschaft als Universalgenie verherrlicht, sei nichts anderes als ein geistig verwirrter, offenkundiger Rassist, der mit seinen hellseherischen Offenbarungen bis heute den Unterricht bestimme.
Grandt zitiert ausführlich aus Steiners anthroposophischen Abhandlungen, und die klingen tatsächlich verwunderlich. Der selbsternannte «Lehrer des Okkultismus» fabuliert ausschweifend über Kobolde, Elfen, Gnomen und Wichtelmännchen, die als real existierende Wesen mit den Menschen Schabernack treiben und den Lauf der Natur bestimmen. Die «Mondbrüller» zum Beispiel seien «nicht grösser als etwa ein siebenjähriges Kind» und ihr Brüllen «Ausdruck der klimatischen Verhältnisse auf dem Mond. Je nachdem Vollmond oder Neumond ist, brüllen oder schweigen diese Mondwesen.»

Den ganzen Artikel gibt es hier

Das Übliche von den Anthroposophen

16. September 2008 15 Kommentare

Heute schreiben wir einfach mal ab.
Das „Schwarzbuch Waldorf“ von Michael Grandt ist erschienen.
Es kam, wie es kommen musste:

16.09.2008: NEWS – PRESSEMITTEILUNG DES GÜTERSLOHER VERLAGSHAUS ZUR EINSTWEILIGEN VERFÜGUNG

„Am 11.September 2008 hat das Landgericht Stuttgart dem Gütersloher Verlagshaus durch Einstweilige Verfügung untersagt, das Buch des Autors Michael Grandt „Schwarzbuch Waldorf“ anzubieten, auszuliefern oder zu verbreiten, soweit es zum Thema des Verhältnisses der Waldorfpädagogik zu körperlichen Strafen in den Waldorfschulen aus dem Buch „Die Strafe als Selbsterziehung und in der Erziehung des Kindes“ zitiert, ohne dabei nachfolgend näher bezeichnete gerichtliche Auflagen zu beachten. Der Verlag bedauert, dass der Bund der Freien Waldorfschulen das Angebot des Verlages zu einem klärenden Gespräch über angebliche falsche, in Wirklichkeit nie auch nur ansatzweise substantiierte Tatsachenbehauptungen ausgeschlagen und stattdessen Gerichte Hilfe gesucht hat. Souveränität im Umgang mit Kritikern sieht anders aus, entsteht doch so der Verdacht, dass ein grundsätzlich missliebiges Buch in Gänze verhindert und ein renommierter Autor mundtot gemacht werden soll.

Der Verlag wird diesen durchsichtigen Versuch der Beeinflussung der öffentlichen Diskussion über die kontroverse, in Grandts Buch thematisierten Frage, ob die Waldorfschulen Weltanschuungsschulen sind, mit allem Nachdruck zurückweisen. Deshalb wird der Verlag gegen die Einstweilige Verfügung Widerspruch einlegen. Bis zu einer positiven Entscheidung über den Widerspruch wird das Buch mit einem klarstellenden Hinweis ausgeliefert, der den gerichtlichen Auflagen entspricht.

Ein Kritikpunkt des Gerichts war, dass im Schwarzbuch nur Passagen aus dem Buch von Grabert, immerhin von 1951 bis 1998 in zehn Auflagen als Band 1 der Schriftenreihe der Pädagogischen Forschungsstelle beim Bund der Freien Waldorfschulen erschienen, zitiert werden, die sich zustimmend zu körperlichen Strafen äußern. Eindeutig der Anwendung körperlicher Gewalt zustimmenden Passagen bei Grabert wie zB „Das Schmerzerlebnis [hat] eine seelisch-reinigende und zugleich eine das Bewusstsein aufweckende und aufhellende Wirkung. Dabei kann solcher Schmerz in der Strafe von der aller verschiedensten Art sein. Er kann rein physischer Schmerz sein, wie bei einem Schlage, einer Ohrfeige.“ müssten, so das Gericht, zukünftig auch Passagen gegenübergestellt werden, in denen Grabert die negativen Folgen körperlicher Gewalt erörtert.

Im Schwarzbuch muss zukünftig weiter klargestellt werden, dass 1998 eine Neubearbeitung des Grabert-Buchs durch einen Autor Kniebe erfolgte, in der körperliche Strafen ausdrücklich abgelehnt werden. Interessanterweise aber nennt das Vorwort der Neubearbeitung Graberts Fassung trotz der teilweisen Abkehr von dessen Thesen zur körperlichen Gewalt weiterhin einen „Klassiker der Literatur zur Waldorfpädagogik“ und ein „verdienstvolles Buch“. Und die oben zitierte Passage Graberts zur körperlichen Gewalt schreibt Kniebe trotz seiner Ablehnung körperlicher Gewalt im Übrigen nur eher dezent um zu: „Das Schmerzerlebnis [hat] eine seelisch-reinigende und zugleich eine das Bewusstsein aufweckende und aufhellende Wirkung. Dabei kann solcher Schmerz in der Strafe von der aller verschiedensten Art sein. Der rein physische Schmerz, wie beim Schlag, bei der Ohrfeige, kommt wohl in den seltensten Fällen wirklich in Betracht.“

Schließlich muss nach dem Wunsch des Gerichts klargestellt werden, dass sich die Verlagswerbung des überarbeiteten Gabert-Werkes („Georg Kniebe hat das Buch – bereits in mehreren Auflagen erschienen und zu einer unverzichtbaren Grundlage der Waldorfpädagogik geworden – grundlegend aktualisiert und durch eigene Überlegungen ergänzt “) nicht mehr auf die Gabert-Fassung, sondern ausschließlich auf die Kniebe-Neubearbeitung beziehen soll. Der Verlag wird diesen Hinweis beachten, jedoch seine entgegenstehende, der Sprachlogik folgende Auslegung der Reichweite der Verlagswerbung gerichtlich verteidigen.

www.michaelgrandt.de

Das gibt ordentlich Aufmerksamkeit.
In der „Süddeutschen“ steht schon mal ein Artikel:
Die Rache der Anthroposophen

Nachtrag:
„Deutschlandradieo Kultur“ unter anderem mit einem Telefoninterview mit Michael Grandt als MP3-Datei.

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