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Artikel Tagged ‘Michael Grandt’

Grandts kranke Affenfleischphantasien

20. August 2009 8 Kommentare

Heute hat unser Liebling unter den Verschwörungsjournalisten – Michael Grandt – wieder gezeigt, was er kann: Keine Ahnung haben und dabei die Backen ganz dick aufblasen. Seriöse Verlage hätten solche journalistischen Versager längst gefeuert, aber die Kundschaft des Kopp-Verlags saugt seine Horrorlügengeschichten scheinbar begierig auf.

Das neueste Machwerk des Starjournalisten handelt von der Impfstoffherstellung gegen die Schweinegrippe H1N1. Vermutlich weil er unfähig ist selbst zu recherchieren, greift er auf eine englischsprachige Quelle zurück, der man mit etwas Sachverstand sofort ansehen kann, dass darin außer dummem Verschwörungsgeblubber nix Sinnhaftes enthalten ist.
Doch Grandt übernimmt den Inhalt unreflektiert. So wird behauptet, der Bevölkerung werde verschwiegen, dass der Schweinegrippe-Impfstoff aus erkrankten Affennieren hergestellt werde. So würden Westliche Grünmeerkatzen (African Green Monkeys) gezielt mit Viren krank gemacht, getötet und dann die kranken Nieren direkt für die Impfstoffherstellung benutzt. Dies würde in einer „unmenschlichen Umgebung, in einer grausamen Fleischfabrik“ geschehen. Als Beweis muss ein Patent aus dem Jahr 1997 herhalten. Das Patent scheint er nicht gelesen zu haben, denn darin geht es nicht um die Herstellung von kranken Affennieren zur Impfstoffproduktion, sondern um eine Methode zur Gewinnung neuer Stammzelllinien, die natürlich auch zur Impfstoffproduktion benutzt werden können. Doch das, was Grandt hier als Beleg für seine kranken Affenfleischphantasien bringt, hat für die aktuelle Grippeimpfstoffproduktion nicht die geringste Relevanz, zeigt aber eindeutig, dass Grandt fachlich keine Ahnung hat.

Die Schweinegrippe wird durch das H1N1-Grippevirus hervorgerufen. Wie alle Viren hat auch das Grippevirus keinen eigenen Stoffwechsel und ist zur Vermehrung immer auf eine Wirtszelle angewiesen, deren Stoffwechsel dann auf Virenproduktion umgestellt wird. Bakterien können sich hingegen – bei genügend Nahrung – selbst vermehren, da diese einen eigenen Stoffwechsel besitzen.

Damit das Immunsystem des Menschen einen Schutz gegen die Schweinegrippe aufbauen kann, muss man Teile des Schweinegrippevirus mit Hilfe einer Impfung spritzen. Das Immunsystem bekommt so einen Steckbrief des Virus und kann dann im Ernstfall sehr viel schneller das echte Grippevirus bekämpfen. Im Idealfall macht ein geimpfter Mensch die Schweinegrippe durch, ohne es zu bemerken. Wie oben beschrieben, kann man Viren nicht einfach in eine Nährlösung kippen und warten, dass sich diese vermehren. Man braucht Zellen, die vom Impfvirus infiziert werden und die dann das Impfvirus vermehren. Klassisch geschieht dies beim Grippeimpfstoff mit Hilfe von bebrüteten Hühnereiern. Der Nachteil ist, dass man zum einen sehr viele Hühnereier benötigt und dass im Impfstoff trotz starker Reinigung noch Spuren von Hühnereiweiß verbleiben können, welches bei allergischen Personen Probleme machen kann. Modernere Impfstoffe benutzen für die Virusvermehrung Zellen aus potentiell unsterblichen Zelllinien. Die Zellen dieser Zelllinien können nahezu beliebig vermehrt werden und sie stammen ursprünglich von einem Spenderorganismus. Es müssen also für die laufende Impfstoffproduktion keine neuen Tiere gezüchtet und getötet werden, sondern es werden nur die Zellen selbst vermehrt. Bei den Impfstoffen gegen die H1N1 Grippe werden aktuell zwei Zelllinien benutzt. Influenzaviren für den H1N1-Impfstoff Optaflu von Novartis werden auf Hundenierenzellen gezüchtet. Baxter benutzt für seinen Impftsoff CELVAPAN die Verocell-Linie, mit deren Hilfe auch schon lange inaktivierte Polioimpfstoffe hergestellt werden. Die Verocell-Linie geht auf Nierenzellen einer einzigen Westlichen Grünmeerkatze (African Green Monkey) zurück. Diese Zelllinie existiert bereits seit 1952 und ist somit sogar ein Jahr älter als Verschwörungsschreiberling Michael Grandt.

So, diese Informationen kann ein seriöser Journalist mit etwas Grundwissen innerhalb kurzer Zeit im Internet zusammentragen. Nix ist geheim, nix wird verschwiegen.

Grandt abschließend zu seinen Phantasien:
„Das ist einmal mehr der Beweis, wie scheinheilig das ganze Schweinegrippe-»Affentheater« in der Öffentlichkeit lanciert und dargestellt wird.“
Für uns mal wieder ein Beweis für die Inkompetenz des Michael Grandt.

BTW: Die journalistischen Qualitäten von Michael Grandt scheinen bereits auch anderen aufgefallen zu sein; so sieht die Lügenboldmaske eines Onlineversenders aus, als wäre sie Grandt aus dem Gesicht geschnitten. Ein Zufall?

Kopp Verlag: We’ll blow your mind!

18. Juli 2009 44 Kommentare

Kopp Verlag: Bücher, die Ihnen die Augen öffnen. Seit über 15 Jahren hat es sich Inhaber Jochen Kopp zur Aufgabe gemacht, unterdrückten Informationen, unbeachteten Entdeckungen und der Öffentlichkeit unbekannten Erfindungen Aufmerksamkeit zu verschaffen und diese Informationen in seinem Verlag im idyllischen Rottenburg am Neckar zu veröffentlichen. Verschickt wird von dort aus an Kunden in alle Welt – schwerpunktmäßig natürlich in den deutschsprachigen Raum. Eine Seltenheit im Versandhandel: Die Lieferung erfolgt innerhalb Europas grundsätzlich versandkostenfrei.
Und Kunden für dieses Sortiment gibt es genügend, denn immerhin verschickt der Kopp Verlag täglich rund 1500 Pakete, in Spitzenzeiten nach einer Katalogaussendung sogar bis zu 2500. Daneben verlassen Monat für Monat 150.000 Kataloge das Lager des Familienbetriebs in der Bischofsstadt.

So wirbt dieser Verlag für sich selbst, in Wirklichkeit müsste es aber heißen:
der Verlag für aktive Verblödung

Deswegen haben wir ein passendes Plakat entworfen, das die Aussage – Wir öffnen Ihnen die Augen – ehrlich und unverblümt trifft.
Dieser Verlag scheint sich immer mehr zu einer journalistischen Resteverwertungsanstalt zu mausern. Es muss wohl auch eine virtuelle Kanalisation geben mit medialen Kanalratten. Ohne den Kopp-Verlag würde uns manches Geheimwissen entgehen. Es gibt viele ungeklärte Fragen wie z.B. lebt Elvis? Ist die Queen in Wirklichkeit eine Reptiloide?
Das Prinzip ist immer das gleiche: Hanebüchener Unsinn vermischt mit einem Korn Wahrheit und einem Schuss Hetze, verkauft als „Tatsache“, die angeblich offiziell unterdrückt wird.
Nein, liebe Leute vom Kopp Verlag, es gibt auch heute noch eine intellektuelle Schamgrenze, die nicht jeder so eklatant wie die Autoren eures Verlages unterschreitet.
Journalistenpflicht wäre, seriöse Quellen von Spekulationen zu unterscheiden. Den Autoren des Kopp-Verlages scheint jedoch eines gemeinsam; sie haben wohl das dringende Bedürfnis, sich zu Großmeistern des absurden Schwachsinns und des
Panikschürens zu mausern. Dazu ist ihnen jedes Mittel recht.
Ellen Brown, Jürgen Elsässer, F. William Engdahl, Michael Grandt, Brigitte Hamann, Thomas Mehner, Andreas von Rétyi, Udo Ulfkotte und Gerhard Wisnewski.
Dies sind die festen Autoren, die täglich die Online-Rubrik: „Informationen, die Ihnen die Augen öffnen“ mit Verschwörungsmüll-Artikeln füllen. Aus ehemals anerkannten Journalisten, wie Ulfkotte und Michael Grandt wurden opportunistische Mietmäuler, denen keine These zu abgefahren erscheint, um sie nicht als exklusive Wahrheit zu verkaufen.
Das gleiche Schema findet sich in den Büchern der erlesenen Damen und Herren wieder, welches das gesamte Verlagsprogramm spiegelt. Die Frage, wie tief man wohl sinken kann, hat sich mit jeder Veröffentlichung im Kopp Verlag leider ausreichend beantwortet.
Selbstverständlich wird das eigene feste Angebot mit Gastautoren und verlagsfremden Werken erweitert, wobei man natürlich seinem eigenen Stil die Treue hält.
Bekannte Heilsapostel wie Rüdiger Dahlke und Bärbel Mohr treffen sich mit unzähligen Pseudoschreiberlingen zum Stelldichein.
Dass dort auch Witzfiguren wie Hademar Melissengeist Bankhofer und Jim Humble rumgeistern, die vermutlich noch nie etwas anderes ernst genommen haben außer sich selbst darzustellen, verwundert nicht.
Angst und Panik schüren, auf dass sich noch der letzte Dreck leichter verkaufen lässt – das Geschäftsmodell des Kopp Verlages. Schauen wir doch mal, welche sagenhaften Erstaunlichkeiten uns die Augen öffnen sollen:

Michael Grandt: […] „Die Schweinegrippe kostete weltweit bisher 429 Menschen das Leben, bei einer Gesamtbevölkerungszahl von 6,75 Milliarden, und die WHO will nun Massenimpfungen in den meisten Ländern der Erde einführen. Was stimmt hier nicht?
Diese unglaubliche Hysterie wird – so behaupten manche Kritiker – durch willfährige Institutionen und die WHO als Handlanger der großen Pharmakartelle inszeniert, um der Pharmalobby neue Milliarden in die Kassen zu spülen.“[…]

[…] „Mein Kollege Gerhard Wisnewski hat in seinem Artikel Schweinegrippe: WHO plant Menschenversuche im großen Stil«» bereits darauf aufmerksam gemacht, dass die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Impfung der Bevölkerung in Wahrheit ein gigantischer »Menschenversuch« ist, weil die Nebenwirkungen des Impfstoffes noch nicht ausreichend bekannt und erforscht sind.“[…]
Quelle

Redaktion: […]“Und mindestens ein investigativer Reporter fragt, ob der 58 Jahre alte Politiker ermordet wurde. ‚Es gibt zu viele offene Fragen‘, sagt Gerhard Wisnewski, Autor des Buches Jörg Haider – Unfall, Mord oder Attentat?, das sich in Österreich nach seinem Start am letzten Dienstag schnell verkaufte. ‚Nach acht Monaten Recherche bin ich davon überzeugt, dass Haider höchstwahrscheinlich Opfer eines politisch motivierten Attentates wurde.“ […]
Quelle

Udo Ulfkotte: […] „Noch im Jahre 2008 prognostizierte die CIA die Unregierbarkeit vieler deutscher Stadtviertel in einer Studie für das Jahr 2020. Da ahnte selbst der amerikanische Geheimdienst noch nicht, wie schnell die Entwicklung im Herzen Europas die Studie überholen sollte. Wo also sollte man nach Einschätzung deutscher Sicherheitsbehörden schon jetzt in Deutschland keinen Cent mehr investieren? Wo sollte man möglichst schnell wegziehen? Wo wird die Polizei die innere Sicherheit nicht mehr dauerhaft gewährleisten können?
Lesen Sie, wie Polizeiführer derzeit insgeheim auf die Bekämpfung von schweren Unruhen und auf die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr in deutschen Städten vorbereitet werden. Von Internierungslagern bis zu Zwangsdurchsagen im Radio wird derzeit alles vorbereitet. Einige der Polizeiführer sprechen ganz offen über den erwarteten »Bürgerkrieg«, den sie mit allen Mitteln abwehren müssen.“ […]

Quelle

Guido Grandt (Bruder von Michael Grandt): […] „Spenden- und Korruptionsaffären, Rotlichtskandale, Lustreisen, Steuerhinterziehung, Bestechung, Schmiergeldaffären, Untreue und der Besitz oder gar die Verbreitung von Kinderpornografie sowie andere kriminelle Machenschaften sind hierzulande durchaus nicht mehr selten. Politiker betrügen, lügen, mauscheln, vertuschen, sind korrupt, bedienen sich am allgemeinen System und sind laufend in Skandale verwickelt. Politiker sind in weiten Teilen zu Egoisten und Egomanen verkommen – habsüchtig und unmoralisch. Sie, die sie täglich in den Machtzentralen dieser Republik zu Hause sind und ihre Arbeit zum Wohle des deutschen Volkes erledigen sollen.“ […]
Quelle

Andreas v. Rétyi: […]“Sie haben etwas gesehen, das sie nicht hätten sehen sollen. Sie waren an geheimen Projekten und schwarzen Operationen beteiligt. Sie sind auf Informationen gestoßen, die nicht für sie bestimmt waren. Und plötzlich ist alles anders. Sie wissen zu viel – und müssen deshalb sterben. »Selbstmord«, so heißt es, oder auch: »Ein tragischer Unfall«. Polizeiliche Untersuchungen verlaufen schlampig, Beweise verschwinden, Autopsien werden nicht durchgeführt, Ermittlungen werden eingestellt.
Unter den Opfern sind keineswegs nur Agenten, sondern auch Wissenschaftler und Ingenieure, allzu neugierige Rechercheure, Journalisten oder einfach nur Menschen, die zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort waren. Besonders erschreckend ist die Zahl der Menschen, die im Zusammenhang mit den Ereignissen um den 11. September 2001 auf mysteriöse Weise ums Leben kamen. Dutzende mussten hier bereits sterben.“[…]

Quelle
Wir könnten jetzt stundenlang so weitermachen und ein Zitat nach dem anderen auflisten. Wer sich für mehr interessiert, kann selbst nachlesen, dazu sind genügend Links vorhanden. Ganz besonders ans Herz lege ich Ihnen jedoch noch folgenden Artikel von unserem Liebling Michael Grandt:
Bioterrorismusanklage gegen die WHO
Wem hier nicht die Augen komplett übergehen, dem ist wahrlich nicht mehr zu helfen. Wo sind nur die vielen Menschen, die angeblich an diese Märchen glauben?

Vom Kritiker zum Mietmaul?

2. Juli 2009 76 Kommentare

Es ist nicht gerade erfreulich, wenn man feststellen muss, dass jemand, den man als seriösen Kritiker vernommen hatte, plötzlich zum Mietmaul oder Vertreter
absurder Hypothesen mutiert.
Niemand weiß so genau, was mit Michael Grandt passiert ist. Bekannt wurde er als Autor zu kritischen Themen. Seine Bücher „Schwarzbuch Anthroposophie“, „Waldorf Connection“ und zuletzt sein „Schwarzbuch Waldorf“ waren Meilensteine der Aufklärung, was das traditionell undurchsichtige Verhalten der Anthroposophen und speziell im Zusammenhang mit Waldorfschulen („Das wollen wir der Welt nicht mitteilen“) betrifft. Grandt war Aufklärer. Jetzt unterstützt er die Esoterik. Die große Frage bleibt, ob er es damit ernst meint oder ob er nur vom Zynismus gepackt, die gleiche Schiene wie seine einst kritisierten Gruppen fährt. Nach dem Motto: „Was ihr könnt, kann ich schon lange, Schwamm drüber, denn
ich will auch mal richtig Kohle verdienen.“
Es bleibt ein Rätsel.
Jedenfalls bemüht sich Grandt gerade besonders, sich lächerlich zu machen.
Es begann mit einem Artikel über UFOs, der im Kopp Verlag veröffentlicht wurde und der allgemeines Kopfschütteln zur Folge hatte. Als man ihn dafür kritisierte, hieß es dann, dass jeder Leser erkennen müsse, dass der Text nicht seine eigene Meinung spiegele, sondern eine Buch-Rezension im Auftrag des Verlages gewesen sei. Aha.
Dennoch, auch nach zehnmaligem Lesen, erschließt sich einem diese Erkenntnis beim besten Willen nicht.
Des Weiteren vertritt er in seinem neuen Buch „Antibiotika aus der Natur: Sanfte Heilung durch natürliche Medizin“ inzwischen völlig abstruse Ansichten. So sollen bestimmte Kräutlein moderne Antibiotika gleichwertig ersetzen können und nicht nur das, sie sollen gar den schädlichen Pharmazeutika vorgezogen werden, weil natürlich und nebenwirkungsfrei.
Glückwunsch Herr Grandt, damit werden sie statistisch gesehen bei einigen Kranken für Lebensverkürzung sorgen.
Michael Grandt wusste jedoch auch diesen Kritikpunkt eindeutig abzuschmettern:

„Wer nicht an die Wirksamkeit von pflanzlichen Antibiotika glaubt, hat keine Ahnung. Natürlich wurde das Buch unter medizinischer Aufsicht geschrieben und mit seriösen Quellen belegt“

Er scheint sich wohl in die Reihe der unsäglichen Mietmäuler einreihen zu wollen, wie z.B. auch unser berüchtigter Bert Ehgartner, der wohl alles behaupten würde, solange sich eine Gelegenheit bietet, um Aufmerksamkeit zu erregen und um ein Publikum für sich gewinnen zu können.
Es ist schlicht und ergreifend irritierend zuzusehen, wie jemand, der kompetent zeitkritisch schreiben kann, seinen Ruf freiwillig zerstört und damit noch denen in die Hände spielt, die er früher kritisierte.
Ob Herr Grandt auch uns eines Besseren belehren möchte, bleibt abzuwarten. Die Spannung steigt.

Das Übliche von den Anthroposophen

16. September 2008 15 Kommentare

Heute schreiben wir einfach mal ab.
Das „Schwarzbuch Waldorf“ von Michael Grandt ist erschienen.
Es kam, wie es kommen musste:

16.09.2008: NEWS – PRESSEMITTEILUNG DES GÜTERSLOHER VERLAGSHAUS ZUR EINSTWEILIGEN VERFÜGUNG

„Am 11.September 2008 hat das Landgericht Stuttgart dem Gütersloher Verlagshaus durch Einstweilige Verfügung untersagt, das Buch des Autors Michael Grandt „Schwarzbuch Waldorf“ anzubieten, auszuliefern oder zu verbreiten, soweit es zum Thema des Verhältnisses der Waldorfpädagogik zu körperlichen Strafen in den Waldorfschulen aus dem Buch „Die Strafe als Selbsterziehung und in der Erziehung des Kindes“ zitiert, ohne dabei nachfolgend näher bezeichnete gerichtliche Auflagen zu beachten. Der Verlag bedauert, dass der Bund der Freien Waldorfschulen das Angebot des Verlages zu einem klärenden Gespräch über angebliche falsche, in Wirklichkeit nie auch nur ansatzweise substantiierte Tatsachenbehauptungen ausgeschlagen und stattdessen Gerichte Hilfe gesucht hat. Souveränität im Umgang mit Kritikern sieht anders aus, entsteht doch so der Verdacht, dass ein grundsätzlich missliebiges Buch in Gänze verhindert und ein renommierter Autor mundtot gemacht werden soll.

Der Verlag wird diesen durchsichtigen Versuch der Beeinflussung der öffentlichen Diskussion über die kontroverse, in Grandts Buch thematisierten Frage, ob die Waldorfschulen Weltanschuungsschulen sind, mit allem Nachdruck zurückweisen. Deshalb wird der Verlag gegen die Einstweilige Verfügung Widerspruch einlegen. Bis zu einer positiven Entscheidung über den Widerspruch wird das Buch mit einem klarstellenden Hinweis ausgeliefert, der den gerichtlichen Auflagen entspricht.

Ein Kritikpunkt des Gerichts war, dass im Schwarzbuch nur Passagen aus dem Buch von Grabert, immerhin von 1951 bis 1998 in zehn Auflagen als Band 1 der Schriftenreihe der Pädagogischen Forschungsstelle beim Bund der Freien Waldorfschulen erschienen, zitiert werden, die sich zustimmend zu körperlichen Strafen äußern. Eindeutig der Anwendung körperlicher Gewalt zustimmenden Passagen bei Grabert wie zB „Das Schmerzerlebnis [hat] eine seelisch-reinigende und zugleich eine das Bewusstsein aufweckende und aufhellende Wirkung. Dabei kann solcher Schmerz in der Strafe von der aller verschiedensten Art sein. Er kann rein physischer Schmerz sein, wie bei einem Schlage, einer Ohrfeige.“ müssten, so das Gericht, zukünftig auch Passagen gegenübergestellt werden, in denen Grabert die negativen Folgen körperlicher Gewalt erörtert.

Im Schwarzbuch muss zukünftig weiter klargestellt werden, dass 1998 eine Neubearbeitung des Grabert-Buchs durch einen Autor Kniebe erfolgte, in der körperliche Strafen ausdrücklich abgelehnt werden. Interessanterweise aber nennt das Vorwort der Neubearbeitung Graberts Fassung trotz der teilweisen Abkehr von dessen Thesen zur körperlichen Gewalt weiterhin einen „Klassiker der Literatur zur Waldorfpädagogik“ und ein „verdienstvolles Buch“. Und die oben zitierte Passage Graberts zur körperlichen Gewalt schreibt Kniebe trotz seiner Ablehnung körperlicher Gewalt im Übrigen nur eher dezent um zu: „Das Schmerzerlebnis [hat] eine seelisch-reinigende und zugleich eine das Bewusstsein aufweckende und aufhellende Wirkung. Dabei kann solcher Schmerz in der Strafe von der aller verschiedensten Art sein. Der rein physische Schmerz, wie beim Schlag, bei der Ohrfeige, kommt wohl in den seltensten Fällen wirklich in Betracht.“

Schließlich muss nach dem Wunsch des Gerichts klargestellt werden, dass sich die Verlagswerbung des überarbeiteten Gabert-Werkes („Georg Kniebe hat das Buch – bereits in mehreren Auflagen erschienen und zu einer unverzichtbaren Grundlage der Waldorfpädagogik geworden – grundlegend aktualisiert und durch eigene Überlegungen ergänzt “) nicht mehr auf die Gabert-Fassung, sondern ausschließlich auf die Kniebe-Neubearbeitung beziehen soll. Der Verlag wird diesen Hinweis beachten, jedoch seine entgegenstehende, der Sprachlogik folgende Auslegung der Reichweite der Verlagswerbung gerichtlich verteidigen.

www.michaelgrandt.de

Das gibt ordentlich Aufmerksamkeit.
In der „Süddeutschen“ steht schon mal ein Artikel:
Die Rache der Anthroposophen

Nachtrag:
„Deutschlandradieo Kultur“ unter anderem mit einem Telefoninterview mit Michael Grandt als MP3-Datei.