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Artikel Tagged ‘Burzynski’

Spirit of Health – Die Referenten: Pilze, Backpulver und Bleichmittel

9. April 2015 7 Kommentare

Der diesjährige MMS-Kongress in Kassel hat ja schon einiges an Wellen geschlagen. Die Begeisterung ist groß, auch der Stadt Kassel ist es inzwischen peinlich, dass sie den Vertrag mit der MMS-Truppe geschlossen hat.

Ebenso wie die GWUP möchten wir Hotelmanager Peter Jürgen Waindok vom “Best Western Plus Hotel Kassel City” lobend erwähnen. Er hat die Buchungen (Tagungsräume und Zimmer) der Bagage storniert und will die Leute nicht als Gäste haben. Respekt.

Aber zum Thema:
Die Referentenliste beim Spirit of Health Kongress ist ein Wahnsinn. Wirklich.

Dr. Tullio Simoncini

Gäbe es einen Preis für die bekloppteste Idee zur Behandlung von Krebs, der italienische Arzt Tullio Simoncini wäre garantiert unter den Favoriten. Ernsthaft. Simoncini ist der irrigen Meinung, dass sämtliche Krebsfälle durch den Pilz Candida albicans bedingt seien und Krebs daher als eine Infektionskrankheit anzusehen sei. Krebs sei ein Pilz.

Aber damit noch nicht genug! Und was macht man da, wie behandelt man so etwas? Antibiotika? Fungizid? Nein! Backpulver!

Ja, wirklich. Backpulver gegen Krebs. Und damit das Ganze einen klingenden Namen hat, nennt man es Bikarbonat-Therapie, behauptet dann Heilungsraten von über 80% und verlangt tausende Euro für die Behandlung. Mit Backpulver. Mehr…

Burzynski und die Jagd nach Barbara Streisand

29. November 2011 5 Kommentare

Was macht man, wenn man viele Blogger verärgert hat, weil man einen bedroht hat? Richtig! Man legt nochmal nach: Auf den ScienceBlogs hat Orac, der Burzynski schon lange innig liebt, die weiteren (und alten) Drohungen thematisiert.
Ein Bravo! an Marc Stephens, den angeblichen Anwalt der Burzynski-Klinik und Marketingexperten, exzellente Leistung! So geht das mit Publicity!

Ein besonderes Highlight ist die Drohung an den 17-jährigen Blogger Rhys Morgan. Nach einer anfänglichen Klagsdrohung, die ja in England aufgrund der dortigen Gesetzgebung ziemlich haarig ist (siehe auch die Libel-Reform-Seite), zog der junge Mann erst mal zurück, um die Fakten klären zu können. Er blieb dabei allerdings hartnäckig und bohrte nach, was dem guten Marc Stephens dann nicht mehr so gefallen haben dürfte. Das Ergebnis war, Stephens drohte nicht mehr nur mit Klage, sondern auch noch, die Schule des Jungen wegen angeblich illegaler Handlungen zu verständigen … und schickte Rhys Morgan ein Google-Maps-Bild vom Elternhaus! (Ich weiß, wo du wohnst.)

Der Mann sollte einen Marketingpreis bekommen! Einem 17-jährigen drohen und ihm einen Screenshot seines Elternhauses zu schicken? Wow!

Nun, jedenfalls hat sich die Sache zu einem veritablen „Shitstorm“ ausgewachsen. Die Bloggerin Josephine Jones (mein Mann hängt an seine Sätze das Wort Burzynski an, damit ich ihm zuhöre …) stellt eine Liste von Blogs, die ebenfalls berichten, zusammen und hat schon über 60 gesammelt, Skeptical Humanities hat eine Liste der öffentlich bekannt gewordenen Fälle zusammengestellt; der Blogger Anarchic Teapot ebenso, außerdem beschäftigt er sich gerade mit den öffentlich bekannten Finanzen von Burzynski. Von Anaximperator wurden angebliche Erfolge „seziert“ (Und in einem aktuellen Blogpost von Orac noch weiter analysiert). Immer mehr Details werden zu Tage gefördert und über Twitter auch nach Opfern und Verwandten von Opfern gesucht.

Da übrigens Burzynski im April vor das Texas Medical Board geladen ist und nichts Besseres zu tun hat, als seine wirkungslose Antineoplaston-Therapie mit Petitionen an den Gouverneur von Texas zu verbringen, besteht wohl gute Hoffnung, dass er seine Approbation verliert. Hat ja nur 30 Jahre und 8.000 Patienten lang gedauert …

 

Wir wünschten übrigens, das selbe könnte man über Klehr sagen. Nicht ganz so lange im Geschäft, aber ansonsten ziemlich ähnlich. Keinerlei erwiesene Heilungen, keine Studien, keine Wirksamkeit, nur Opfer und Klagen gegen jeden, der auch nur schief in seine Richtung schaut. Allerdings ist er etwas professioneller und hat sich einen richtigen Anwalt geleistet. Wäre wirklich schön, wenn diesem „erwerbsgetriebene[n] Ungeheuer“ auch mal ein Shitstorm entgegenblasen würde! (Vielleicht sucht ja Marc Stephens bald einen neuen Job? Bei Klehr müsste er sich nicht viel umgewöhnen.)

Warum der noch immer Patienten abzocken darf, fragt sich auch der Bayrische Rundfunk in einem aktuellen Podcast:
Dr. Klehr ist nicht zu fassen: Zweifelhafter Krebsarzt darf weiter praktizieren (Prädikat hörenswert!)

Wer den ersten Teil verpasst hat, hier nochmal der Link:
Dr. Klehr ist nicht zu fassen

Und auch bei „Quer“ wurde über das Thema schon berichtet:
Umstrittener Krebsarzt: Geld verdienen mit Todgeweihten – quer – Bayerisches Fernsehen – ARD

LETZTE WARNUNG: Denken Sie an Frau und Kind, enfernen Sie den Blogeintrag …

27. November 2011 4 Kommentare

Englischer Originaltext:

Be smart and considerate for your family and new child, and shut the article down..Immediately. FINAL WARNING.

Diese freundliche Warnung plus einiges mehr an aggressiven Drohungen erging vor ein paar Tagen an „Le Canard Noir“/Andy Lewis vom Quackometer. Quackometer ist eine englische Skeptikerseite, die sich mit Quacksalbern aller Art beschäftigt. Unserer Ansicht nach eine exzellente Seite mit gut geschriebenen, gut recherchierten Artikeln!

In einem Artikel betitelt „The False Hope of the Burzynski Clinic“ hatte der Blogger Bedenken zur Antineoplaston-Therapie geäußert. In der Zeitung hatte er die traurige Geschichte der 4-jährigen Billie Bainbridge gelesen, die an einer seltenen inoperablen Form von Hirntumor leidet. Die Prognose ist denkbar schlecht, aber die Familie will nicht aufgeben und versucht 200.000 Pfund zu sammeln, um das Kind in die Burzynski Clinic zu schicken.

Das Problem ist nun, dass diese Klinik einen höchst zweifelhaften Ruf genießt. Seit 1977 am Werk, zahllose Zusammenstöße mit der FDA, fehlende unabhängige Verifizierung der Angaben der Klinik (keine dokumentierten Heilungen), das Texas State Medical Board wird bald darüber beraten Burzynski die Approbation zu entziehen, usw. usw. Zu kritisieren gibt es wahrlich genug.

Es gibt einen Propagandafilm, der die Klinik in leuchtenden Farben schildert und drei angeblich geheilte Fälle präsentiert. Einer Prüfung halten die Fälle allerdings nicht stand.

Der Quackometer-Artikel hat nun offensichtlich der Burzynski Clinic nicht besonders geschmeckt und ein fröhlicher Reigen von Drohbriefen begann. Ein Marc Stephens drohte Lewis mit Klage, wenn er den Artikel nicht sofort von der Webseite nehme.

Andy Lewis hat dieses Ansinnen grundsätzlich abgelehnt; faktisch falsche Behauptungen werde er natürlich gerne korrigieren. Sobald man ihm diese nenne.

Das hat seinem Gegenüber offensichtlich nicht so gefallen, verstehen wir gut, wo kommen wir denn hin, wenn jemand auf Untermauerung von Forderungen/Behauptungen auf Fakten besteht?

… I am giving you final warning to shut the article down. The days of no one pursuing you is over. Quackwatch, Ratbags, and the rest of you Skeptics days are numbered …

Nun, die skeptische Welt bedankt sich für diese netten Worte. Unglaublicherweise ist Andy Lewis weiterhin freundlich geblieben. Er hat allerdings als Fazit im Gegenzug auch ein paar Forderungen gestellt: (in Zusammenfassung)

* Sofort mit der Behandlung von Patienten aufzuhören, bis unabhängige Beweise für die Wirksamkeit vorliegen
* Sofort damit aufzuhören, Kinder als Versuchskaninchen aufzunehmen und von den Eltern große Summen zu verlangen
* Alle Daten, die in den letzten 30 Jahren gesammelt wurden, freizugeben
* Sich lieber mit Beweisen bei dem bevorstehenden Hearing zu verteidigen als mit PR-Kampagnen um sich zu schlagen
* Kritiker nicht mit Klagen zu drohen und stattdessen im Sinne guter Wissenschaft zu diskutieren

Le Canard Noir findet dann noch treffende Worte zum Ausklang seines Blogs:

You may feel that your reputation is being lowered by such criticism. But reputations must come second to the well-being of small children who are desperately ill with cancer.