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Artikel Tagged ‘Granderwasser’

Große Gefühle: Der Psiram-Jahresrückblick 2016

29. Dezember 2016 3 Kommentare

 

Gefühlt war dieses Jahr länger, ereignisreicher, aufregender, deprimierender, spannender, bedrohlicher als alle Jahre zuvor. Gefühlt hat der Realismus, das kritische Denken, die Vernunft einige herbe Rückschläge einstecken müssen. Gefühlt bestanden die Nachrichten nur noch aus Meldungen über Krieg, Terror, Flüchtlinge und den endgültigen Untergang des Abendlandes. Gefühlt ist die gesamte Musikszene der 60er, 70er und 80er Jahre ausgestorben. Gefühlt sind wir von Reichsbürgern umgeben, die sich eigene Ausweise drucken und die Erde zur Scheibe in den Grenzen von 1937 erklären. Gefühlt steht an jeder Ecke ein Globulidealer und brüllt uns schon aus der Ferne entgegen: Viren gibt es nicht! Die Pharmamafia will uns alle töten! Komm mit zur nächsten Masernparty! Hüte dich vor den Chemtrails!

Jahresende. Zeit, die gemischten Gefühle zu sortieren, in ihre einzelnen Bestandteile zu zerlegen und zu schauen, was davon wirklich übrig bleibt. Wir richten unser Eulenauge auf die Fakten, so sie denn zu finden sind, übermalen die Schwarzseherei mit der bunten Vielfalt skeptischer Gedanken und glätten die Wogen der Extreme durch einen ausgleichenden Blick auf das große „Was war sonst noch?“.

Ach ja, die Fakten. Unsere Sorgenkinder des Jahres. Braucht die noch jemand oder können die weg? Sind wir jetzt offiziell im „postfaktischen Zeitalter“ angekommen? Während sich mit vollständigem Faktenverzicht problemlos Wahlen gewinnen und Massen mobilisieren lassen, besteht die weite Welt der Wissenschaft bis auf wenige Ausnahmen immer noch darauf, nach den tatsächlichen und nachprüfbaren Zusammenhängen zu suchen. Das Individuum dagegen liebt die schönen Geschichten, die Wünsche, Träume und Hoffnungen, die uns die Realität freundlicher, erträglicher oder wenigstens zuversichtlicher erscheinen lassen.

Also erzählen wir Geschichten. Von Menschen, die uns im vergangenen Jahr bewegt haben, von ihren Erlebnissen, ihren Taten, ihren Erfolgen und Schicksalen. Obwohl, oder vielleicht gerade weil Psiram das nicht ist: Keine Gesichter, keine Namen, keine Geschichten, sondern eine frei verfügbare und kritisierbare Sammlung von nachprüfbarem Wissen, archivierten Belegen und dokumentierten Ereignissen.
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Granderwasser, ein Biologe und die Breuer-Falle: Lehren aus der Causa Dr. Eder

26. Mai 2016 5 Kommentare

OLG

Wieder einmal schlägt ein Rechtsfall Wellen: das Oberlandesgericht Wien hat den Biologen Dr. Erich Eder zur Unterlassung und zum Widerruf von Behauptungen verurteilt, in dem es, grob gesagt, um die vertraglichen Beziehungen einer Werbeagentur zum Firmengeflecht der Familie des inzwischen eher unbelebten Wasserbelebers Johan Grander ging. Im GWUP-Blog wurde darüber bereits berichtet, und die Verärgerung darüber, dass dem Unterlegenen jetzt eine aus mehreren Instanzen aufsummierte Kostenlast von 25.000 Euro obliegt, ist nachvollziehbar und verständlich. Abzuwenden ist diese missliche Situation nicht mehr, allenfalls im Rahmen des verbreiteten Spendenaufrufs für den betroffenen Dr. Eder zu lindern.

Offen gesagt: auch uns ärgert es gewaltig, dass aus dem Umfeld des Granderunwesens ein juristischer Erfolg gegen ein profiliertes GWUP-Mitglied errungen wurde. Über dem Ärger darf allerdings die genaue Betrachtung, was da eigentlich geschehen ist – und was nicht – nicht übergangen werden; ebenso wenig wie die Frage, was man aus diesem Ergebnis in Zukunft praktisch zu lernen hat.

Das Urteil, das man auf der Unterstützungsseite im Volltext nachlesen kann (es geht um das Urteil vom 18.01.2016), ist ein ziemlich sprödes Dokument, in dem man nach Parteinahmen für den Wasserbelebungs-Unsinn lange erfolglos suchen kann – es steht genau nichts darüber drin. Beteiligt war auf Klägerseite ausschließlich die Werbeagentur, mit der wohl ein Dienstleistungsvertrag, aber keine gesellschaftsrechtliche Verflechtung mit Grander-Unternehmen bestand. Dafür enthält es lange Ausführungen und Beweiswürdigungen zu der Frage, wer wann wie lange und in welchem Umfang für welche Firmen des Grander-Clans Reklame schob. Mehr…

Prima! Granderwasser wirkt (im Stadtrat)

21. Mai 2010 5 Kommentare

Im Winterthurer Freibad wurde 2009 ein „Magnetgenerator“ zur Wasserbelebung nach Johann Grander installiert. Die Rückmeldungen zur „neuen Wasserqualität“ sollen ausgesprochen positiv ausgefallen sein.
Das Schwimmbad erhält von der Stadt Winthertur Zuschüsse von 125000 Schweizer Franken im Jahr. Der Vorsteher des Schul- und Sportdepartements fordert nun Rechenschaft über die Verwendung der städtischen Mittel für Wasservoodoo:

Zauberwasser in der Badi bringt Stadtrat zum Kochen

Im Becken der Winterthurer Badi Wolfensberg wird das Wasser vom «Magnetgenerator» eines österreichischen Erfinders belebt. «Quacksalberei», sagt der Chef des Sportamts und will nun dem Bad die Beiträge kürzen.

Wer im Winterthurer Schwimmbad Wolfensberg in die Fluten taucht, badet nicht in ganz normalem Wasser….

Züricher Tagesanzeiger Fr. 21.05.2010

Vielen Dank an  Leser K.R. für den Tipp.

Wasserwahn – „Granderwasser“ in Bubesheim

12. Februar 2010 5 Kommentare

Artikel via Augsburger Allgemeine:

„Granderwasser“ schmeckt nicht jedem

Bubesheim Die Gesundheit seiner Kinder will sich Bubesheim etwas kosten lassen. 3000 Euro gibt die Gemeinde für eine Wasserbelebungsanlage der österreichischen Firma Grander aus, die an den gemeinsamen Hauswasseranschluss von Rathaus und Kinderhaus eingebaut werden soll (wir berichteten). Ist das Granderwasser eine Wohltat – oder einfach nur Geldmacherei? Die Meinungen über das Grander-System sind geteilt, wie sich auch zahlreichen Internetforen zum Thema entnehmen lässt.

„Der Vorschlag kam aus den Reihen des Gemeinderats, die Grander-Anlage für das Kinderhaus einzubauen“, sagt der Günzburger Architekt Michael Brenner, der das Projekt in Bubesheim plant. Grund dafür sei die Tatsache gewesen, dass die Mädchen und Buben in dem Kinderhaus wahrscheinlich viel mit Wasser in Berührung kommen werden, wenn sie sich zum Beispiel die Hände waschen. „Der Gemeinderat, der den Vorschlag gemacht hat, hat von positiven Erfahrungen im Bekanntenkreis mit dem Granderwasser berichtet“, sagt Brenner.

Solche Anlagen seien auch schon in mehrere Hotels eingebaut worden, die er selbst geplant habe. „Die Erfahrungen damit sind sehr gut.“

Wo genau der Nutzen der Grander-Anlage liegt, kann Brenner nicht konkretisieren. „Die Wasserqualität soll besser werden“, sagt er. Das schreibt auch die Firma Grander auf ihrer Homepage. „Unser Wasser (…) erhält durch die Grander Wasserbelebung die Ur-Information zurück, die es braucht, um seine Kraft zur Selbstreinigung wieder aufbauen zu können“, wird Erfinder und Firmenchef Johann Grander zitiert.

„Ich wüsste nicht, wieso man unser Trinkwasser, das jeden Tag 120 000 Menschen im Landkreis trinken, irgendwie verbessern müsste“, sagt Dr. Roland Schmid, Leiter des Gesundheitsamtes Günzburg. „Immerhin vertreiben zwei Brauereien im Landkreis nicht nur damit hergestelltes Bier und Limonade, sondern verkaufen es auch erfolgreich als Tafelwasser.“

Einen echten Beweis, dass man mit der Grander-Methode des Vorbeileitens von Leitungswasser an mit „Informationswasser“ gefüllten Metallzylindern die Qualität von Wasser verbessern könne, gebe es ohnehin nicht.

„Es gibt immer wieder Leute, die auf die Wirkung des Systems des Wasser-Esoterikers Grander pochen“, so Dr. Roland Schmid. Als prominente Anhänger Granders werden auf der Internetseite des Unternehmens Schlagersänger Hansi Hinterseer und der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser genannt.

„Parawissenschaftlicher Unfug“

Wie groß die Differenzen zwischen Gegnern und Befürwortern Granders sind, zeigt auch ein Prozess vor dem Wiener Oberlandesgericht: Dort bekam ein Wiener Professor recht, der das Granderwasser als „aus dem Esoterik-Milieu stammender, parawissenschaftlicher Unfug“ bezeichnet hatte. Diese Aussage sei sachlich begründet, so das Gericht. Betrug dürfe man dem Unternehmen jedoch nicht unterstellen, befand das Gericht, da Käufer ein Rücktrittsrecht hätten.

Unfug oder nicht – das werden die Kinder im Bubesheimer Kinderhaus bald selbst testen können. Mediziner Dr. Schmid meint jedenfalls: „Das ist wohl alles Glaubenssache.“

Infos im Internet

Das Unternehmen Grander im Net unter

www.grander.com

Kritisch setzt sich unter anderem der Beitrag in der freien Web-Enzyklopädie Wikipedia auseinander:

www.wikipedia.de, Stichwort Grander

Schon sehr interessant, wie weit die Verblödung bereits fortgeschritten ist.

Deswegen klären wir mal wieder auf: