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Archiv für die Kategorie ‘Bildung’

Ein Bullshit-Diplom für den Grassaft – nur bei der IHK Pfalz

21. Dezember 2014 16 Kommentare

gras
Der Ärger über die Verbreitung obskurer Heils- und Heilungslehren in Volkshochschulen reißt nicht ab. Dabei sind das beileibe nicht die einzigen Körperschaften des öffentlichen Rechts, die ihre Ressourcen der Unterminierung des gesellschaftlichen Bewusstseins mit Bullshit zur Verfügung stellen. Und manchmal findet man die Mineure sogar dort, wo man sie am wenigsten erwartet: bei den ehrwürdigen Industrie- und Handelskammern. Stein des Anstoßes ist hier konkret die IHK Pfalz mit Sitz in Ludwigshafen.

Von einer Industrie- und Handelskammer in der Pfalz, dem Land so vorzüglicher regionaler Spezialitäten wie dem Saumagen (jawohl!), Zwiwwelkuche, Flääschknepp, Grumbeersupp, Kerscheplotzer, Riesling und Burgunder, würde man, wenn es um die Förderung beruflicher Qualifikationen geht, nicht unbedingt auf die Rohkostmasche tippen. In Ludwigshafen tut man genau das. Dort kann man, nachdem man einen Kurs bei der „kulinaRoh Schule für Rohkost“ der Firma “lifefood Rohkost AG” aus Mitterteich (allerdings in der fränkischen bayerischen Oberpfalz gelegen) absolviert hat, ein „einzigartiges“ IHK-Zertifikat als „Fachberater/in für Rohkosternährung (IHK)“ erlangen.

Es ist nicht sicher, ob man sich bei der Kammer klar gemacht hat, dass hier nicht etwa über Rohkost als Ernährungsvariante unterrichtet werden soll, sondern offensichtlich Werbung füresel eine schwer ideologiebefrachtete Ernährungsheilslehre mit Wurzeln in ziemlich unappetitlichen Sümpfen getrieben wird. Mit anderen Worten: es werden dort keine Fachleute ausgebildet, die sich von einem objektiven Standpunkt dem Thema nähern und beraten, sondern Propagandisten einer Kostform mit grenzwertig eingeschränktem Produktangebot. Und, was sich davon offensichtlich gar nicht trennen lässt: Propagandisten von wissenschaftlich längst widerlegten Ernährungs- und Gesundheitsirrlehren bekommen ein Podium mit hochoffiziösem Ritterschlag geboten, von dem aus sie den Bullshit breittreten können.

Nach erfolgreichem Abschluss des Kurses sind die Teilnehmer in der Lage, Menschen über Rohkosternährung zu beraten, im Bereich der Rohkost weiterzubilden, Zubereitungskurse durchzuführen oder in Lebensmittelherstellung und entsprechendem Fachhandel fundierte Kenntnisse einzubringen.

 

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Meine Mama bringt mich um

7. Oktober 2014 Keine Kommentare

Text und Video: diewahrheit.at

Musik: Thomas Eder

Hogwarts an der Oder: mag. plast. scham. – oder: Wer will noch mal, wer hat noch nicht?

28. August 2014 16 Kommentare

intrag2Da die Viadrina der Empfehlung der Hochschulstrukturkommission nicht folgen mochte und das IntraG nach wie vor besteht, bleibt uns ein thematischer Dauerbrenner erhalten: das [hüstel] Lehrangebot des Instituts.

Im Jahr 2014 werden im Modul „4a – Medizinethnologie“ Veranstaltungen angeboten, die offenbar auf einen Magister im Plastikschamanismus abzielen. So gibt es eine Veranstaltung von insgesamt sechs Stunden zu „Weltbild und Heilkunde nordamerikanischer Indianerstämme am Beispiel des Liban-Apache-Stammes“ [sic], als DozentIn ist nur „Gonzales Flores“ angegeben. Offenbar handelt es sich bei Herrn oder Frau Gonzales Flores um einen ganz geheimen wirklichen Geheimrat, da das gesamte Internet keine weiteren Ergebnisse finden kann, die auf eine Tätigkeit in der Ethnologie hindeuten. Das ist schade, weil wir unseren Lesern daher einen Überblick über die Tätigkeit dieses sicherlich hochqualifizierten und höchst produktiven Dozenten mit erheblichem Papierausstoß leider versagen müssen. Hinsichtlich der Qualifikation wundert es uns aber schon, dass einE EthnologIn im Titel der Veranstaltung gleich zweimal den Begriff „Stamm“ erwähnt und nicht etwa von „Ethnie“ spricht. Noch verwunderlicher ist es, dass eine solche Fachperson es nicht schafft, den Namen der Ethnie fehlerfrei zu schreiben. Da eine Fachperson ebenso wissen sollte, dass die indigenen Kulturen Nordamerikas sehr diversifiziert sind, hoffen wir doch, dass Herrn oder Frau Gonzales Flores in der sechsstündigen Veranstaltung keine unangebrachten Verallgemeinerungen unterlaufen sind. Mehr…

Ich war der Mathematiker des Kaisers

30. Juli 2014 6 Kommentare

Beim folgenden Text handelt es sich um ein winziges Sommerrätsel. Es ist für ein Rätsel natürlich viel zu leicht, macht aber vielleicht Lust sich mit der dargestellten Person zu beschäftigen, auch über den beschriebenen Zeitraum hinaus.


Seit ich geboren und gestorben bin, sind Jahrhunderte ins Land gezogen. Die Welt hat sich mannigfaltig verändert, sie ist aber auch gleich geblieben. Der Aberglaube, den ich betrieben habe und der Aberglaube, den ich bekämpft habe, sind beide noch da. Oh, sie haben sich etwas verändert, aber es ist alles noch vorhanden.

Aber ich glaube dennoch, in der Welt, oder zumindest Europa, ist es besser geworden. Um nur ein Beispiel zu nennen: Von meinen elf[1] Kindern haben nur drei das Erwachsenenalter erreicht.

Vielleicht wird diese kleine Erzählung etwas Interesse an meinem Leben, meinem Wirken und auch meiner Arbeit wecken. Immerhin gelte ich heute als so relevant, dass sogar meine Mutter (eine Wirtstochter) einen Wikipedia-Eintrag in sieben Sprachen hat. Ich habe den Riesen erkannt, der die Meere aufschaukelt, die Pfade der Wanderer in Gesetze gegossen, die Position von mehr als tausend Sternen zu Papier gebracht, die Netzhaut entdeckt und in einer utopischen Erzählung[2] von einer Reise auf den Mond geträumt (zwar mittels Hexerei, aber Raketen? Jahrhunderte später, noch 1920 verhöhnte die New York Times einen Raketenpionier, der solcherlei Ideen hatte[3]). Ich war meiner Zeit voraus, manche meinen sogar: Zu weit voraus.

Meine Jugend
Aber beginnen wir am Anfang, in meiner Geburtsstadt. Ich werde in eine religiöse Minderheit geboren, meine Geburtsstadt ist katholisch dominiert. Ein eigenwilliges Völkchen allerdings, das ihrem Pfarrer Möchel sogar die Hochzeit mit seiner langjährigen Geliebten ausrichtet. Der Ärger des Bischofs ist ihnen herzlich egal. Mehr…

Eine neue Hoffnung für Scharlatane …

15. Februar 2014 22 Kommentare

Liebe Scharlatane, Abzocker und ähnliche Zeitgenossen!
 

In letzter Zeit ist es für euch gar nicht gut gelaufen. Die esoterische Mauertrocknung ist vor Gericht kläglich eingegangen (wir berichteten), der gute Dr. Siebenhüner musste leider, leider vor Gericht eine schwere Schlappe einstecken und was des Verdrusses beim Geld-Einsacken mehr ist.

Aber endlich gibt es wieder Hoffnung! Denn wie im Presserecht – wo bekannt ist, dass ganz gewisse Gerichte da ein viel offeneres Ohr haben als andere -, so ist es wohl auch für euch: Geht einfach ans Amtsgericht nach München!

Wie man bei der Wikipedia inzwischen nachlesen kann, hat es der unseren Lesern nicht ganz unbekannte Hans Weidenbusch geschafft, dort eine Einstweilige Verfügung gegen den TÜV Süd zu erwirken.

Wir sind begeistert – schöne Einzelleistung, Hans! Du hast das nicht gephotoshopped, oder? Und sei doch bitte so gut und lad die anderen Seiten auch noch hoch. Da fehlt doch was, oder?

Wann dürfen wir mit Einstweiligen Verfügungen aus München gegen die Evolutionstheorie rechnen? Wann darf man nicht mehr sagen, dass Quantenheilung Kappes ist? Besteht Hoffnung für all die Scientologen und andere, die mit Pülverchen, Cremes, absurden Geräten etc. ihr karges Brot verdienen, das sie ja dann doch an den Guru abdrücken müssen? Wir wissen es noch nicht. Aber wir werden es beobachten und berichten.

 

 

Schulbuch-Biologie: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde …

21. Januar 2014 76 Kommentare

Man könnte meinen, die Titelzeile ist ein Scherz. Ein absurder Witz, wie er vielleicht auf xkcd auftauchen könnte. Tatsächlich dürfen 17.000 Schüler, die ihre Biologiebücher aufschlagen, diesen Satz in der Einleitung lesen. Ein Reporter des US-Magazins Slate hat sich die Schulbücher der Charter School Responsive Ed angesehen und seine Funde in einem Artikel “Texas Public Schools Are Teaching Creationism” publiziert.

Charter Schools – was man in etwa als Vertragsschulen übersetzen kann – sind eine spezielle Schulform in den USA, die im Wesentlichen zu den öffentlichen Schulen zählen und auch großteils vom Staat finanziert werden. Responsive Ed erhält laut ihrem Business-Bericht 82 Millionen Dollar an Finanzierung von den Bundesstaaten, in denen die Firma tätig ist.

Obwohl sie damit eigentlich einen Bildungsauftrag hat, in dem die Trennung von Kirche und Staat vorgeschrieben ist, wird dieser jedoch, ohne Wert auf Subtilität zu legen, ignoriert.

Wie man es von typischen Kreationisten kennt, werden die üblichen rhetorischen Phrasen benutzt, um Unsicherheit und Zweifel zu säen.

Some scientists even question the validity of the conclusions concerning the age of the Earth.

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James Webb: Die Flucht vor der Vernunft. Eine Empfehlung.

11. November 2013 2 Kommentare

WebbManche Bücher liebt und hasst man zugleich. Einer der bemerkenswertesten Autoren zum Thema Esoterik und Okkultismus ist James Webb, 1946 in Schottland geboren und leider bereits 1980 wieder durch Suizid aus dem Leben ausgeschieden. Er hatte sein ererbtes Vermögen aufgebraucht, mit dem er hauptsächlich Bücher kaufte und eine riesige Privatbibliothek aufbaute.

Als Historiker, besessen von den okkultistischen Strömungen Anfang des 20. Jahrhunderts, sammelte er akribisch alles, was er zu diesem Thema auftreiben konnte. Wer den ersten Band kennt – Das Zeitalter des Irrationalen – weiß, dass das keine leichte Kost ist. Ein dicker Wälzer mit der wohl umfangreichsten Sammlung okkultistisch-esoterischer Themen. Dabei enthielt er sich stets Wertungen, er dokumentierte einfach nur. Eine Interpretation, warum okkultistisches Gedankengut so beliebt war (und immer noch ist), findet man nicht. Sein letztes, auf Deutsch veröffentlichtes Buch – Die Flucht vor der Vernunft – geht in diesem Stil als Fortsetzung weiter. Seine Werke kann man mit dem Duden vergleichen: es wird die Sprache dokumentiert, erklärt sie aber nicht – entsprechend anstrengend ist es, seine Bücher von vorne bis hinten durchzulesen; ähnliche Mühe hat man ebenso bei Telefonbüchern.

Webb wird wohl die Frage getrieben haben, die auch so manchen Skeptiker treibt: “Wie kann man nur an solchen Unsinn glauben …”. Und hat dazu nie eine Antwort gefunden.

Dennoch, und gerade deswegen ist sein Werk von unschätzbarem Wert, will man verstehen, wie sehr auch unsere jetzige Gesellschaft von Okkultismus, magischem Denken – man kann es auch grob als Esoterik zusammenfassen – nach wie vor durchzogen ist. Es gibt keinen Bruch, nur die Begriffe haben sich geändert.

Predigt, Vortrag oder Diskussion? Eine Hilfestellung.

7. November 2013 21 Kommentare

Jeder kennt diese Art Gespräche. Man nennt das gemeinhin Diskussion. Aber ist es wirklich eine? Wir haben das hier gefunden, frei übersetzt und in eine lesbare Fassung gebracht. Ein PDF zum Ausdrucken gibt es auch: Diskussion

Viel Spaß beim Argumentieren 😉

 

Diskussion

 

 

 

 

 

Esoterikzwang an der Bonner Universität – Umfrage: Wie ist es bei Euch?

23. März 2013 34 Kommentare

Mit freundlicher Genehmigung von Cornelius Courts von den Science-Blogs bloggen wir noch einmal den Bericht über Esoterische Ausbildungsinhalte an der Uni Bonn.
Bitte schickt uns Rückmeldungen darüber, was Ihr an esoterischen Inhalten an Euren Unis lernen musstet und in Prüfungen gefragt wurdet.

Im Rahmen meiner Tätigkeit in Forschung und Lehre am Institut für Rechtsmedizin begegne ich auch zahlreichen Medizin-Studierenden, die in unserem Haus arbeiten, lernen, famulieren, praktizieren etc. Als ich kürzlich ein Gespräch mit einer dieser Personen führte, erzählte sie mir mißmutig, daß sie sich gerade auf eine ihrer letzten Klausuren vorbereite. Ich fragte sie, was sie denn zu lernen habe und sie zeigte mir die Folien aus einer Vorlesung zum „Querschnittsbereich (QB) Rehabilitation, Physikalische Medizin und Naturheilverfahren“. Was ich da sah und las, verschlug mir für einen Augenblick die Sprache.
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Henning Kullak-Ublick, der ‘Bund der Freien Waldorfschulen’, und die Glaubwürdigkeit

20. März 2013 3 Kommentare

An Inquiry into Meaning and Truth 580

 

Die von GWUP-Mitglied André Sebastiani initiierte Petition “Gegen die geplante staatliche Waldorfschule in Hamburg” macht weiter Schlagzeilen. Es berichtete auch der Deutschlandfunk. Und Henning Kullak-Ublick, Vorstand des „Bundes der Freien Waldorfschulen“, hält urplötzlich eine „Waldorf-Schule light“ für möglich, nachdem diese zuvor von Waldorf-Seite entschieden abgelehnt worden war: ist Kullak-Ublick glaubwürdig?
Gastbeitrag von Andreas Lichte mit freundlicher Genehmigung der Ruhrbarone.

Als Kommunikationschef des „Bundes der Freien Waldorfschulen“ scheint Kullak-Ublick dem selbsternannten Hellseher Rudolf Steiner, Begründer der Waldorfpädagogik und der esoterischen Weltanschauung Anthroposophie, nacheifern zu wollen. Rudolf Steiner sagt:

„Das müssen wir uns immer wiederum vor die Seele stellen, dass wir nicht aus Urkunden schöpfen, sondern dass wir schöpfen aus der geistigen Forschung selbst und dass wir dasjenige, was aus der Geistesforschung geschöpft wird, in den Urkunden wieder aufsuchen … Was heute erforscht Mehr…