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Artikel Tagged ‘Piraten’

Wikipedia, Prof. Tschuschke und die Krebspersönlichkeit

1. August 2012 21 Kommentare

Seit kurzem steht im Abschnitt Rezeption zu unserer Seite in der Wikipedia eine Kritik, basierend auf einem Text des Psychoonkologen Volker Tschuschke aus dem Buch „Sport und körperliche Aktivität in der Onkologie“ (Seite 105). Und zwar:

Der Psychoonkologe Volker Tschuschke kritisiert die pauschale Ablehnung der sogenannten „Krebspersönlichkeit“, wie sie auch von Esowatch (Psiram) vertreten werde, und zählt die Seite zu „eher skeptisch zu betrachtende[n] Foren“.

Das hat uns natürlich interessiert: Was sagt denn Herr Tschuschke über uns?

Seriöse Internetforen, wie www.krebsinformationsdienst.de (immerhin Sprachrohr der Deutschen Krebsgesellschaft), oder eher skeptisch zu betrachtende Foren, wie www.esowatch.com (das sich als Kritiker esoterischer Auffassungen geriert) propagieren ein höchst kritisches Bild der sogenannten Krebspersönlichkeit und schlussfolgern, dass es keinerlei Grundlagen für die Annahme eines persönlichkeitsgebundenen Krebsrisikos gebe.

Erstmal möchten wir sagen: Prof. Tschuschke hat mit seiner Auffassung, dass wir skeptisch zu betrachten sind, völlig recht. Aber wir haben da ein paar Punkte: Mehr…

Es ist Weihnachten: Gute Medizin für die Piraten

25. Dezember 2011 23 Kommentare

Wir haben uns gedacht, dass wir den Piraten gerne ein Weihnachtsgeschenk machen würden.

Die haben ja gerade über „Evidence-based Medicine“ (EBM) als Grundlage der Gesundheitspolitik abgestimmt und 82% waren dafür! Ein schönes Ergebnis.

Die Piraten diskutieren ihre Position in dem Bereich ja noch und da haben wir beschlossen, etwas Brainstorming zu betreiben.

Allgemein empfehlen wir das (frei erhältliche) Buch „Testing Treatments“, das einige der angesprochenen Themen und weitere thematisiert. Es enthält viele interessante Betrachtungen. Eine deutsche Übersetzung der ersten Ausgabe von 2006 enthält die meisten der grundsätzlichen Punkte.

Im Wesentlichen sind uns folgende grobe Punkte eingefallen:

Bekenntnis zur Wissenschaftsbasierenden Medizin

Ein klares Bekenntnis zu Wissenschaftsbasierender Medizin (Science-based Medicine, SBM). Dies im klaren Unterschied zur „Evidence-based Medicine“, die wir als nicht hinreichend betrachten. Ohne ins Detail zu gehen, empfehlen wir einfach Literatur zum Thema:
„About SBM“ auf ScienceBasedMedicine.org
„Answering a criticism of science-based medicine“ auf ScienceBasedMedicine.org
Der Hund, der Eier legt/Der Schein der Weisen: Irrtümer und Fehlurteile im täglichen Denken
von Dubben/Beck-Bornholdt

Nutzung des Potentials der Heilpraktiker

In den kommenden Jahren wird Deutschland mehr ausgebildetes medizinisches Personal benötigen. Ein Ärztemangel ist zu erwarten.

Heilpraktiker haben aus unserer Sicht großes Potential, die Situation zu entlasten. Damit dies sinnvoll geschehen kann, ist im ersten Schritt eine Normierung der Ausbildung erforderlich. Heilpraktiker haben heute kaum Behandlungsrechte, da ihre Ausbildung beliebig schlecht sein kann. Viele wenden sich daher „Schwurbelmethoden“ zu.

Um eine zügige Verbesserung zu erreichen, sollte Heilpraktikern eine Anzahl im Detail zu definierender Kurse angeboten werden, deren Absolvierung im Gegenzug schrittweise durch Kassen und Ämter abgeglichene Behandlungs-/Versorgungsrechte einräumen. Als Beispiele kämen folgende Punkte in Frage:

Impfberatungen und Durchführung von Schulimpfungen wie Beratung/Aufklärung der Eltern
(Vor/Nach-)Betreuung bei Krankenhausaufenthalten
Durchführung der Anamnese (Wikipedia: Anamnese)
Diätberatung
Betreuung chronischer Erkrankungen
usw.

Selbstverständlich sind langfristig grundlegende Kurse sowie Weiterbildung Pflicht. Weiterbildungspunkte für nicht SBM- oder EBM-basierenden Unfug sind nicht akzeptabel. (Diese Forderung ist nicht heilpraktikerspezifisch und sollte für alle Bereiche und Universitäten gelten.)

Implementierung eines Pilotversuchs eines „Health Impact Fund“

Das Gesundheitssystem leidet unter dem fundamentalen Problem, dass Pharmafirmen ihren Gewinn aus dem möglichst teuren Verkauf von möglichst vielen Medikamenten ziehen. Sie sind wie alle Firmen ihren Anteilseignern verpflichtet, den maximal möglichen Gewinn zu erwirtschaften.

Im Gesundheitsbereich hat dies jedoch im Gegensatz zu vielen anderen Industrien erhebliche ethische Konsequenzen. Das Konzept der Gewinnmaximierung, Patente und Klagen, Marketingausgaben, die doppelt so hoch sind wie Forschungsausgaben, Einflussnahme auf Ärzte, … schadet der Gesundheitsversorgung von uns allen.

Die Idee des Health Impact Fund könnte viele Probleme des aktuellen Systems lösen. Es gibt natürlich auch Kritik. Es wäre notwendig, dieses Konzept in einem Pilotversuch zu testen. Die Idee wird weltweit bereits von namhaften Wissenschaftlern, Medizinern und Ökonomen, sowie auch einigen Abgeordneten der SPD unterstützt. Ein Antrag im Deutschen Bundestag legt die Idee auf Deutsch dar, das folgende TED Video ebenso:


(Leider zur Zeit keine Übersetzungen verfügbar)

Forschungsförderung an Universitäten unter einer Open Data/Open Science Klausel

Forschung an Universitäten sollte, da von unseren Steuergeldern finanziert, frei zugänglich und frei publiziert sein. Ideal wäre natürlich eine freie Veröffentlichung jeglicher Forschungsergebnisse, aber dies würde die Zusammenarbeit mit Privatfirmen verhindern. Universitäten müssen die Möglichkeit zur Vermarktung oder zur Kooperation mit Firmen haben. Dazu müssen Hybridmodelle geschaffen werden. Uns ist klar, dass die Schaffung solcher Modelle kein triviales Problem ist; hier müssen verschiedene Modelle in der Praxis evaluiert werden (z.B. könnte ein Prozentsatz der Forschungsgelder für „unfreie“ Forschung zur Verfügung stehen).

Immens wichtig erscheint uns auch die Forderung nach Veröffentlichung von jeglicher gescheiterter Forschung. Unangenehme Ergebnisse dürfen nicht in der Schublade verschwinden. Dem Problem der Publikationsbias muss Einhalt geboten werden.

Entlastung bei den bürokratischen Anforderungen an Ärzte.
Die bürokratischen Anforderungen an Ärzte sollten optimiert werden, zum einen durch die Überprüfung der Sinnhaftigkeit, zum anderen durch Delegation restlicher Anforderungen (viele Kliniken machen das jetzt schon).

Schließung von rechtsfreien Räumen in Bezug auf Quacksalberei unter Ärzten

Wenn einige Ärzte und Quacksalber rechtsfreie Räume nützen können, um Patienten über Jahre finanziell auszusaugen und ins Grab zu bringen (Klehr), ist etwas faul im Staate Deutschland. Diese rechtsfreien Räume sollten durch Definition und Implementierung klarer Zuständigkeiten geschlossen werden.

Wir hoffen, dass diese Ideen für die weitere Diskussion brauchbar und befruchtend sind.
Frohe Weihnachten und Mast- und Schotbruch im Neuen Jahr!

Die Berliner Piraten und ihre Fraktionsgeschäftsführerin

16. Dezember 2011 54 Kommentare

Es zieht gerade ein Sturm durchs Netz. Da es um Esoterik geht, wollen wir dazu auch nicht schweigen. Es geht um die Fraktionsgeschäftsführerin Daniela Scherler, die wohl stark der Esoterik zugewandt ist. Nun ist sowas erstmal nicht weiter schlimm. Wer meint, er müsse seine Nägel nach Mondphase schneiden, sein Bett nach Feng oder Shui aufstellen, hübsche Engelchen im Regal stehen haben oder bunte Steine in den Wasserkrug schmeißt – Privatsache. Jeder nach seiner Fasson. Kritisch und ein Fall für EsoWatch wird es aber, wenn Menschen psychischer, physischer oder finanzieller Gefährdung durch  esoterische Methoden ausgesetzt werden. Soweit wir das bis jetzt beurteilen können, tut Frau Scherler genau dies.  Frau Scherler hängt, zusammengefasst gesagt, der wirklich sehr unappetitlichen esoterischen Lehre an, dass jeder an seinem Leid selber schuld ist. Entsprechend sind ihre Affinitäten zu Rüdiger Dahlke und Ryke Geerd Hamer (GNM).

In den Blogs von Marc Scheloske und Florian Freistetter sind dazu Details nachzulesen.

Die Piraten haben jetzt ein Problem. Die allermeisten dürften von Frau Scherlers geistigen Welten wenig überzeugt sein. Andererseits sollten die privaten Überzeugungen eines Menschen für seinen Job nicht relevant sein, solange er diesen normal erledigt. Es herrscht schießlich zurecht Glaubens- und Meinungsfreiheit. Zudem, sagen sie, ist eine Fraktionsgeschäftsführerin nicht politisch unterwegs, sondern für organisatorische Aufgaben angestellt.

Die Piraten haben reagiert. Hier werden Fragen zur Fraktionsgeschäftsführerin beantwortet:

Zu der aktuellen Berichterstattung bezüglich privater Ansichten unserer neuen Fraktionsgeschäftsführerin erreichten uns gestern Abend vier Fragen, die wir an dieser Stelle gern beantworten.

1. Wußte die Fraktion bei der Einstellung von Scherlers Vorstellungen von Medizin?

Den am Auswahlprozess beteiligten Fraktionsmitgliedern war Frau Scherlers Buch “Du hast die Macht über Dich!” in Auszügen bekannt. Die Fraktion hat kein vollumfängliches Bild von Frau Scherlers persönlichen Vorstellungen von Medizin.

2. Wie steht die Fraktion zu esoterischem Heilertum im Allgemeinen und GNM im besonderen?

Die Fraktion hat keinen Beschluss für oder gegen esoterisches Heilertum. Die Fraktion lehnt Germanische neue Medizin ab.

3. Sieht die Fraktion einen Interessenskonflikt zwischen der Anschauung von Scherler und ihrer Tätigeit als Geschäftsführerin?

Nein.

4. Wird die Fraktion personelle Konsequenzen ziehen?

Nein.

Das war nun keine Meisterleistung in Dialog und Konfliktbewältigung.

Gleich der erste Kommentar trifft ins Schwarze:

Pseu says:
16. Dezember 2011 at 16:22

“…und solange ihre persönlichen Ansichten ihre Arbeit für die Fraktion nicht behindern, spielen diese für uns auch keine Rolle.”

Das klingt nach: “Ich hab ihn ja nicht als wissenschaftlichen Mitarbeiter eingestellt.”

Personalentscheidungen waren bisher ja nicht gerade eure Stärke.

Oder, um es mit den Worten des neuen FDP-Generalsekretärs Patrick Döring zu sagen: „In einer verantwortungsvollen politischen Position ist ein Außenspiegel nicht einfach ein Außenspiegel.“

Blöd an der Sache ist, dass die Piraten bis heute kein offizielles Programm zu Medizin und Gesundheitswesen verabschiedet haben. Sie sollten diesen Fall als dringenden Ansporn nehmen, damit potentielle Wähler bei diesem wichtigen Thema wissen, woran sie sind. Eine entsprechende Formulierung wie das Bekenntnis zu einer wissenschaftsbasierten Medizin dürfte nicht allzu schwer zu formulieren sein.

Nachtrag: Der SpON hat sich des Themas inzwischen auch angenommen:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,804278,00.html

 

Piraten stellen KenFM bloß

7. November 2011 20 Kommentare

Wir möchten den Piraten zu ihrem neuesten Coup gratulieren!

Sie stellten nicht die Sendung KenFM vom letzten Sonntag, die vom Rundfunk Berlin-Brandenburg wegen Vorwürfen des Antisemismus und Leugnung der Verbrechen des NS-Regimes gegen den Moderator Ken Jebsen abgesetzt wurde, sondern verworrene Verschwörungstheorien, welche zum 10. Jahrestages des 11. Septembers gesendet wurden als Stream zur Verfügung.

Mit diesem Geniestreich gießen sie zusätzliches Öl ins Feuer und befeuern eine notwendige öffentliche Diskussion über einen Truther, der nicht auf einer Apfelsinenkiste auf dem Alex, sondern in einem öffentlich-rechtlichen Massenmedium seine irren Thesen herunterrattert.

Ob Jebsen nun ein Antisemit (wofür es schon noch 1-2 Indizien gibt) ist oder nicht, die Sendung zeigt sehr schön, dass er ein klassischer Verschwörungstheoretiker und 9/11-Truther ist. Bravo an die Piraten für diese gelungene Bloßstellung!. Und vor allem war alles nur ein Irrtum, sie haben ja nur irrtümlich eine alte Sendung ausgestrahlt, wink, wink!

Brilliant sozusagen. Ganz ehrlich!