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Archiv für die Kategorie ‘Anthroposophie’

Waldorfschule in staatlicher Trägerschaft – offener Brief an Senator Ties Rabe, Hamburg

21. Oktober 2012 152 Kommentare

von Andreas Lichte, Berlin, 3. September 2012, Erstveröffentlichung bei den Ruhrbaronen.

an:

Herrn Senator Ties Rabe

Behörde für Schule und Berufsbildung

Hamburger Straße 31

22083 Hamburg

 

Kopie an:

Prof. Dr. Stefan T. Hopmann

Institut für Bildungswissenschaft

Sensengasse 3a

A-1090 Wien

 

Vorab per E-Mail an: Senator Ties Rabe / Prof. Dr. Stefan T. Hopmann 

 

Waldorfschule in staatlicher Trägerschaft – offener Brief

 

 

Sehr geehrter Herr Senator Rabe,

die „erziehungsKUNST“, Publikation des „Bundes der freien Waldorfschulen“, berichtete im August 2012 über die erste deutsche „Waldorfschule in staatlicher Trägerschaft1, die zum Schuljahr 2013/14 in Hamburg entstehen soll. Mehr…

Die Waldorfschule und Andreas Molau, Aussteiger aus der rechtsextremen Szene

17. August 2012 18 Kommentare

Andreas Molau, ehemaliger NPD-Spitzenfunktionär und zuletzt für „pro NRW“ tätig,  ist aus der rechten Szene ausgestiegen. Offen bleibt die Frage, ob die „Freie Waldorfschule Braunschweig“, an der Molau von 1996 – 2004 Deutsch, Geschichte und Politik (sic !) unterrichtete, nichts von Molaus damaliger politischer Orientierung wissen konnte. Von Andreas Lichte.

Michael Mentzel schreibt am 2. August 2012 auf seiner anthroposophischen Website „Themen der Zeit“ über Andreas Molau:

„Ein bis zu seiner Entlassung im Jahre 2004 als Waldorflehrer tätiger Rechtsextremer, der nach Aussagen der damaligen Kollegen, Eltern und SchülerInnnen als guter Kumpel, aber nie als Rechtsextremer in Erscheinung getreten und infolgedessen auch nicht aufgefallen war.“

Ist es wirklich so einfach? Molau sagt in meinem 2009 bei „Publikative“ (damals noch „NPD-Blog.Info“) veröffentlichten Interview:

„(…) Lichte: Bis zu Ihrer Enttarnung arbeiteten Sie 8 Jahre lang an der Freien Waldorfschule Braunschweig? Mehr…

Anthroposophie und Nationalsozialismus: „Die Waldorfschulen erziehen zur Volksgemeinschaft“

30. Juli 2012 104 Kommentare

Die Anthroposophie hatte als konkurrierende Weltanschauung erbitterte Gegner innerhalb des nationalsozialistischen Machtapparats. Sie fand aber auch zahlreiche einflussreiche Förderer und Unterstützer, unter diesen am bekanntesten der „Stellvertreter des Führers“ Rudolf Heß. Was machte die anthroposophischen Angebote aus Sicht ihrer nationalsozialistischen Unterstützer attraktiv? Gibt es eine Kontinuität vom „Dritten Reich“ bis in die Gegenwart? Von Andreas Lichte.

Rudolf Heß, Unterstützer der Anthroposophie (rechts), mit Heinrich Himmler vor einem Modell des KZ Dachau, wo es einen biologisch-dynamischen Hof gab | Foto: Friedrich Franz Bauer, Deutsches Bundesarchiv. Lizenz: PD

Anthroposophen arbeiteten in allen für sie wichtigen Praxisfeldern mit nationalsozialistischen Organisationen zusammen, im Überblick: Mehr…

Religionsschule Waldorfschule: Ein „Umkreisen Gottes“

6. Mai 2012 151 Kommentare

Heute mal wieder ein Gastbeitrag von Andreas Lichte. Der Artikel wurde bereits bei den Ruhrbaronen veröffentlicht.

Bei den Ruhrbaronen streitet man darüber, ob es an öffentlichen Schulen bekenntnisorientierten Religionsunterricht geben sollte. An den Waldorfschulen gibt es ihn – als Ablenkungsmanöver von der alles durchdringenden religiösen Prägung durch die Anthroposophie.
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Hitler, Steiner, Mussolini – Anthroposophie und Faschismus, gestern und heute

19. März 2012 6 Kommentare

Waldorfschulen und Anthroposophie versuchten, mit den Nationalsozialisten zusammenzuarbeiten, wie es in einem Memorandum der Vereinigung der Waldorfschulen an Rudolf Hess offenbar wird:

“La Difesa Della Razza” übersetzt: “Die Verteidigung der Rasse”

Man erklärte, dass Waldorfschulen „in kleinem Maßstab das verwirklichten, was die Volksgemeinschaft im nationalsozialistischem Staat im Großen anstrebt“(1).

Wurde die Anthroposophie von den Machthabern in Deutschland letztlich als weltanschauliche Konkurrenz wahrgenommen, so war sie in Italien eine willkommene „spirituelle“ Ergänzung des Faschismus. Hier konnten Anthroposophen ihren Traum von der „überlegenen arischen Rasse“(2) ausleben und daran arbeiten, Rudolf Steiners programmatische Aussage „Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse“(3) zu verwirklichen. Zur Anthroposophie im italienischen Faschismus und ihrer anthroposophischen Rezeption heute. Von Andreas Lichte, Erstveröffentlichung bei den Ruhrbaronen.

„Rudolf Steiner war ein wahrhaft idealer Vorläufer des neuen Europa von Mussolini und Hitler. Ziel dieser Schrift war es, den Geist und die Figur dieses grossen, modernen, deutschen Mystikers für die Bewegung zu beanspruchen – eine Bewegung, die nicht nur politisch, sondern auch spirituell ist – eingeführt in die Welt von den zwei parallelen Revolutionen, der Faschistischen und der Nationalsozialistischen Revolution, denen Rudolf Steiner als echter Vorläufer und spiritueller Pionier in idealer Weise angehört“(4).

So das Fazit von Ettore Martinolis Artikel „Ein Vorankünder des neuen Europa: Rudolf Steiner“, in dem er vor allem die perfekte Übereinstimmung zwischen Rudolf Steiners Denken und den grundlegendsten Tendenzen des Faschismus und Nationalsozialismus im politischen, sozialen, und spirituellen Feld betont(5). Martinoli berichtet auch, dass Rudolf Steiner in seiner Wiener Periode „als Anti-Semit wohlbekannt wurde“(6). Mehr…

Techniker Krankenkasse lässt Versicherte für anthroposophische Pseudomedizin bezahlen

26. Dezember 2011 44 Kommentare

Dieser Artikel wurde am 17.12.2011 bereits bei den Ruhrbaronen veröffentlicht. Wir bedanken uns für die freundliche Möglichkeit zur Übernahme.

Rudolf Steiner um 1905
Rudolf Steiner um 1905 „Scharlatan und größenwahnsinniger Sektenführer“ (Quelle: Wikipedia)

Die „Techniker Krankenkasse“ (TK) will ab 1. Januar 2012 die Kosten für homöopathische, pflanzenheilkundliche und anthroposophische Medikamente erstatten. Gastautor Martin Ballaschk kommentiert die Entscheidung.
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Brandenburg: Waldorfschule für alle? – „Sekte“ für alle?

4. Dezember 2011 6 Kommentare
Ein Rechtsgutachten sagt: „Dass einem privaten Schulträger in Zukunft eine Monopolstellung zukommen kann, wird grundgesetzlich nicht ausgeschlossen.“ Und: „Er erfüllt dann die Aufgabe einer öffentlichen Schule.“ Gibt es bald eine Monopolstellung privater Schulen? Die Waldorfschule für alle? Von Andreas Lichte
 

Wie die „Potsdamer Neueste Nachrichten  am 29.11.2011 berichten, will die Brandenburger Koalition von SPD und Linke Kürzungen bei der Bezuschussung von Privatschulen vornehmen und begründet diese u.a. mit der wachsenden Existenz-Gefährdung der Öffentlichen Schulen durch Privatschulen.Aufgrund der massiven Proteste der privaten Schulträger wurden die vom Brandenburger Kabinett bereits beschlossenen Kürzungen inzwischen abgemildert: bis zum Jahr 2015 sollen die Zuschüsse für Privatschulen statt ursprünglich um 20 Millionen Euro nun nur noch um 13,5 Millionen Euro gekürzt werden. Mehr…

Freie Waldorfschule Kempten: Ein ehemaliger Schüler berichtet

19. November 2011 82 Kommentare

Letzte Woche erhielt EsoWatch eine E-Mail, in der ein ehemaliger Schüler der Freien Waldorfschule Kempten (jetzt Freie Schule Albris) von seinen Erfahrungen mit der Waldorfpädagogik an dieser Schule berichtet.

Mit Erlaubnis des Autors möchten wir sie hier veröffentlichen:

Hallo Esowatch-Team,

Ich möchte etwas zum Thema Waldorfpädagogik und Waldorfschulen beitragen:

Ich war die ersten zwei Schuljahre an der Waldorfschule in Pforzheim. In diesem Alter habe ich natürlich noch nicht die Unterrichtsmethoden hinterfragt. Es wurden viele Geschichten erzählt (ähnlich wie es auch im Eintrag unter Waldorfpädagogik steht). Mein Vater war an der Waldorfschule in Pforzheim und dann in Kempten Lehrer.

In die dritte Klasse wechselte ich dann an die Freie Waldorfschule Kempten. Zur Waldorfschule Kempten muss man sagen, dass sie eine Sonderrolle unter den Waldorfschulen einnimmt, weil sie so einen Krassen Kurs fährt, dass sie in den 80er Jahren aus dem Bund der Freien Waldorfschulen rausgeschmissen wurde (http://www.zeit.de/1986/41/streit-der-friedlichen). Der Schulgründer Sigurd Böhm bestimmt alles, was an der Schule passiert (auch wenn er nicht Schulleiter ist). Vor ein paar Jahren gab es wieder Streit zwischen der Waldorfschule Kempten und dem Bund der Freien Waldorfschulen, weil es gegen viele Lehrer zu Gerichtsverfahren und teilweise Verurteilungen wegen Körperverletzung gekommen war (Ich persönlich habe nur einmal mitbekommen, dass ein Lehrer einen Schüler am Kopf hochgehoben hat) (http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,438443,00.html). Seit dem darf sich die Schule nicht mehr Waldorfschule nennen, sie heißt jetzt „Freie Schule Albris“.

Der Gründer Sigurd Böhm hält (hielt?) immer wieder Vorträge, zu denen Leute aus ganz Deutschland anreisten. Die Inhalte dieser Vorträge habe ich nur am Rande mitbekommen, aber ich merkte immer wieder, dass sich keiner der Tagungsteilnehmer traute Herrn Böhm zu widersprechen. Auch manche Schüler gingen dort hin. Die Schüler, die nicht hin gingen sagten, sie könnten ja selber denken.

Während der Zeit in der ich an der Schule war habe ich sehr viel Schrott gelernt. Geschichten von Atlantis, wo es schwebende Menschen gegeben haben soll, wurden im Geschichtsunterricht erzählt. Auch nordische Götter wie Odin, Thor usw. nahmen viel Raum ein in den ersten Jahren. Eurythmie hatte ich natürlich auch. Selbst in der 11. Klasse wurde uns beigebracht, dass es keine Elektronen gäbe.

Einige Jahre (ca 8-12. Klasse) verbrachten wir viele Nachmittage damit auf dem neuen Schulgrundstück Zier-Mauern, Wege und Beete anzulegen. Sogar ein Gebäude wurde teilweise von meiner Klasse gebaut. Es ist halt günstiger, wenn man die Schüler arbeiten lässt, die sind nämlich so blöd und zahlen sogar dafür Schulgeld. Auf dem Grundstück wurden zu manchen Anlässen nachts Fackelzüge mit seltsamen Ritualen und lateinischen Sprüchen veranstaltet.

An Waldorfschulen ist es ja üblich, dass man in der 8. und in der 12. Klasse ein sogenanntes Klassenspiel (Also eine Theateraufführung, teilweise mit Eurythmie-Einlagen) macht. Dazu kommt noch ein Weihnachtsspiel, dass von den Lehrern aufgeführt wird. In Kempten war das auch so, nur dass es je nach Laune von Herrn Böhm noch ein 5.Klass-Spiel, ein 11. Klass-Spiel, ein Adventus genanntes zusätzliches Weihnachtsspiel usw. gab. Außerdem beschränkten sich die Spiele nie auf eine Klasse. Da die Stücke von Sigurd Böhm extrem umgeschrieben und bis zur Unkenntlichkeit entstellt wurden, dass quasi immer Feuergeister, Nebelgeister, Sonstige Geister und Sprechchöre darin vorkamen, wurden auch sehr viele „Schauspieler“ benötigt. Wenn wieder ein neues Stück eingeprobt werden sollte, wurden erstmal aus vielen Klassen (Teilweise von 1. bis 12. Klasse) Schüler rekrutiert, die man für geeignet hielt. Offiziell war zwar die Teilnahme freiwillig, aber wenn man „Nein“ sagte wurde so lange nachgebohrt bis man zusagte. Übrigens verpasste man immer eine Menge Unterricht und musste abends und am Wochenende Proben. Anfangs machte ich sogar wirklich ein oder zweimal freiwillig mit, dann aber nur widerwillig. Seit dem ich die Teilnahme an einem Theaterstück einmal verweigerte wurde ich von den verantwortlichen Lehrern nicht mehr beachtet, als gäbe es mich nicht.

Es gab auch ein paar gute Lehrer, während ich an dieser Schule war, aber die wurden entweder rausgeekelt oder gingen freiwillig.

Von den Lehrern wurden immer große Reden geschwungen, wie Frei doch hier die Entwicklungsmöglichkeiten für die Schüler seien. Erklärtes Ziel wäre es die Schüler zu selbständig denkenden Menschen zu erziehen. In der Praxis sah das selbstständige Denken so aus, dass jede abweichende Meinung eine Themaverfehlung war.
Obwohl es ja an Waldorfschulen keine Noten gibt, gab es einen wahnsinnigen (psychischen) Druck. Da man als Schüler nicht auf Noten verweisen konnte, war es den Lehrern möglich Schülern einzureden, dass sie schlecht wären. Bei vielen stellte sich erst beim Wechsel auf andere Schulen heraus, dass sie gar nicht so schlecht waren.

Ich bin schließlich von der Schule geflogen (Mit fast 19 Jahren), weil ich ein Konzert meiner Band nicht drei Tage vorher absagen wollte. Die Begründung war, dass mir die Musik nicht gut tun würde (Die Lehrerin kannte die Musik bis dahin nicht, war dann aber bei dem Konzert). Bei meinem ersten Notenzeugnis, dass ich beim Verlassen der Schule bekam kann ich bis heute nicht nachvollziehen, wie diese Noten zustande kamen.

Ich bin mir bewusst, dass man aus dem Zusammenhang des Textes auf mich kommen kann, wenn man dabei war. Ich stehe dazu! Diese Schule ist eine Sekte, die meiner Meinung nach komplett verboten werden sollte. Vor allem ist es unerhört, dass so etwas noch mit Steuergeldern unterstützt wird. Viele Eltern schicken ihre Kinder gutgläubig an so eine Schule und wissen nicht was da abgeht. Meinetwegen sollen Erwachsene sich irgendwelchen versponnenen Esoterik-Sekten anschließen. Aber Kinder die an so eine Schule geschickt werden haben ja überhaupt keine Wahl und können auch nicht beurteilen, ob das normal ist, was da unterrichtet wird.

Der Freitag, seine Blogs und Edzard Ernst als mephistophelischer Despot

11. November 2011 4 Kommentare

„Das Wochenblatt „Der Freitag“ bietet mit seiner Community eine Plattform für Menschen, die sich anderen Menschen als Blogger mitteilen wollen. Das Mutterhaus „der Freitag“ ist Jakob Augstein zufolge politisch „irgendwie Links“ anzusiedeln. Die in den Blogs vertretenen Meinungen sind weit gestreut, eine redaktionelle Betreuung/Moderation findet in sehr weiten Grenzen statt. Die von Anfang an recht hohe Reichweite zieht auch Menschen an, die irgendwie anders sind. Ob die Anzahl der Anhänger von Alternativmedizin unter sich selbst links verortenden Menschen größer ist als bei Konservativen? Der Blogger bertamberg zumindest hat ein Problem mit evidenzbasierter Medizin im allgemeinen und Prof. Edzard Ernst im speziellen.

Der Schritt ist nur logisch:

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Badische Zeitung und Rudolf Steiner: Bejubeln ja, Zitieren nein.

4. November 2011 8 Kommentare

Die Badische Zeitung feiert Rudolf Steiner und löscht Rudolf Steiner O-Ton: „Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse“ ist Werbung für die Religion Anthroposophie.
Von unserem Gastautor Andreas Lichte. Artikel übernommen mit freundlicher Genehmigung der Ruhrbarone.

„Wer, wie, was – wieso, weshalb, warum – wer nicht fragt, bleibt dumm!“ ist Kinderkram.
Ein guter Journalist wie Thomas Loisl Mink, Autor der Badischen Zeitung, weiß einfach, welcher Autorität er ungeprüft glauben kann. Und Peter Sloterdijk ist so eine Autorität.

In seinem Bericht über die Podiumsdiskussion zur Eröffnung der Rudolf Steiner Ausstellung im Vitra Design Museum gibt Mink Fragmente von Sloterdijks Steiner-Lobpreisung wieder, ohne auch nur eine einzige Frage zu stellen. Worum es eigentlich geht, bleibt dem Leser unklar, sicher ist nur:

Rudolf Steiner ist ungeheuer bedeutend. Für die Kunst, und überhaupt …, Zitat Mink:

„Steiner sei jemand gewesen, dem es gelang, zeitgenössische Ideenspannungen wahrzunehmen, sagte Sloterdijk …“
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