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Artikel Tagged ‘Hexerei’

Hexerei, Ritualmorde und abgehackte Hände

2. April 2013 15 Kommentare

Esoterik ist in Deutschland in Mode: die Bandbreite reicht von wirkungslosem Klimbim wie Astrologie, über wertlose Ratschläge und Verschleppung von Krankheiten bis hin zu wirklich üblen Typen, die mit angeblichen Krebsheilmitteln den Opfern nicht nur das letzte Geld, sondern auch das letzte Leben rauben.

Esoterik ist ein Jahrmarkt voll falscher Einhörner und bärtiger Jungfrauen, über dem die Aasgeier kreisen.

Größtenteils harmloser Unsinn.

Aber wie sieht es in anderen Ländern aus? Die deutschen Lande sind reich und zivilisiert, in nicht so privilegierten Ländern herrschen noch schlimmere, mittelalterlichere Zustände. Blickt man nach Afrika, so findet man Aberglauben im Überfluss – Aberglauben, der oft genug tödlich endet. Man kann die Grausamkeiten fast endlos aufzählen, es genügt aber wohl schon, wenn man nur über wenige Wochen zurückblickt.

Vorige Woche wurde einem Mann in Uganda der Kopf abgehackt, der von seinen Nachbarn der Hexerei verdächtigt wurde. Mehr…

Hexerei im 21. Jahrhundert: Mit Suchmaschinen zum Erfolg!

6. Mai 2012 3 Kommentare

Früher war die Wahrsagerei ein hartes Gewerbe. Man musste sich ernsthaft etwas einfallen lassen. Schon Oma Wetterwachs wusste, Pschikologie gehört zu den wichtigsten Fähigkeiten einer Hexe und wohl auch Wahrsagerin. Aber heutzutage, in unserer hochtechnisierten Welt, hat man als Hexe ganz andere Möglichkeiten.

Zwei „mächtige“ und berühmte Hexen in Rumänien haben gezeigt, wie es geht. Die Kunden waren von dem ausführlichen Wissen der beiden Hexen beeindruckt; mit unglaublicher Treffsicherheit wussten sie Dinge, die kein anderer wissen konnte.

Über das Internet haben sich die beiden Hellseherinnen einen Überblick über ihre Opfer verschafft, sie durch Suchmaschinen gejagt, ihre Onlineprofile gelesen und wenn es rentabel schien, die Leute auch mit versteckten Kameras und angezapften Telefonen überwacht. Mehr…

1001 Tag- religiöser Aberglaube im Islam

16. Juni 2010 58 Kommentare

Manchmal fühlt man sich ja in eine andere Zeit versetzt, wenn man realisiert, woran Menschen glauben. Da wird an imaginäre Kräfte geglaubt, an Rituale, an Abwehrzauber der verschiedensten Art. Dass konkreter Hexenglaube, Glaube an Jinns und an den „Bösen Blick“ aber heute Inhalt bzw. Beiwerk einer Religion sein können, erstaunt dann doch etwas.
Im Koran und in der Sunna, das sind die gesammelten Überlieferungen zu dem Propheten des Islam, werden an vielen Stellen Zauberer und andere magische Vorstellungen erwähnt. Da der Koran das direkt offenbarte Wort Gottes sein soll, ist jemand, der bezweifelt, dass es Zauberer gibt, der bezweifelt, dass es Jinns gibt, für nicht wenige schon ein vom Glauben Abgefallener. Weil der „ideale Mensch“ des Islam, Mohammed, nimmt man einmal an, es habe diesen Menschen im 7. Jahrhundert gegeben, sich an einigen Stellen zu diesen Inhalten auslässt, ist es für den strenggläubigen Muslim nicht hinterfragbar, dass es Jinns und Zauberer gibt und auch, wie man mit ihnen zu verfahren hat. Der Koran sieht für Zauberei nämlich den Tod durch das Schwert vor.
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Nachtrag zum Fußballvoodoo

9. Juni 2010 Keine Kommentare

Zum gestrigen Artikel gibt es ein paar interessante zusätzliche Links:

Die Gwup hat auch zu dem Thema gebloggt und verlinkt eine Studie “Soccer, science and sorcery” und einen Essay „Where Has All the Magic Gone? Juju, Africa, and Superstitions in the Game“.

Unser Kommentator Alex wies uns in einem Kommentar auf den „offiziellen Partner des FC Bayern München“, Neosino AG/adionotec AG hin. Bei der Vermarktung dieser Wundermittel hing der ehemalige deutsche Mannschaftsarzt Müller-Wohlfart als Berater mit drin.

Hexerei im Fußballstadion

8. Juni 2010 10 Kommentare

Dass Sportler, also auch Fußballer abergläubig sind, ist nichts Neues. Der Physiotherapeut und Heilpraktiker Dieter Trzolek pendelt die „Mittel“ für die Knochen und Muskeln der teuren Profis aus, der ehemalige deutsche Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt verkauft Antioxidantien, verschiedene Spieler haben bizarre Marotten und beim 1.FC Köln trommelte eine Schamanin gegen die Pechsträhne.
Die Voodoopuppe, die passend zur WM verkauft wird, ist sicher als Scherzartikel anzusehen.

In Afrika geht das mit der Zauberei noch einige Zacken schärfer, wie zwei kürzlich veröffentlichte Spon-Artikel zeigen:

Mit Hexerei zum WM-Titel
Vorspiel auf dem Friedhof

Geköpfte Hühner, verfluchte Gegner, nächtliche Friedhofsbesuche: Oliver Becker hat einen Film über spirituelle Rituale im afrikanischen Fußball gedreht. SPIEGEL ONLINE sprach mit dem Afrika-Kenner über die Zeremonien der Hexenmeister und zeigt Eindrücke in Wort, Bild und Ton.

http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,669090,00.html

Hexenmeister in Afrika
Fußball von allen guten Geistern verlassen

Sie setzen auf Kräuter und grüne Pulver, um Gegner einzuschüchtern oder um das Tor zu vernageln: Traditionelle Heiler mischen Afrikas Fußball auf. Doch nicht immer geht die Zauberei gut. Thilo Thielke hat die kuriosesten Beispiele für Hexerei im Ballsport zusammengetragen.

http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,669090,00.html

Über den Tellerrand geschaut: Afrikanische Alternativmedizin

14. April 2009 5 Kommentare

„Unwissenschaftlichkeit ist der Boden der Inhumanität“ Karl Jaspers

Die Annahme, dass der „Wilde“ an sich ein edler sei und der Mensch in Stammeskulturen von Haus aus friedlich, freundlich und naturverbunden, ist ein beliebtes und verbreitetes Klischee postkolonialer Reaktion. Ungeachtet dessen, dass die Sichtweisen von Menschen, die noch weitab der Bildungs- und Erkenntnismöglichkeiten der modernen Gesellschaft sind, oft kaum verstehbar sind, sind doch die Auswirkungen dieser Sichtweisen auf die jeweilige Gemeinschaft und das Individuum beobachtbar. Schon, dass es in einigen Gebieten der Erde auch heute noch Sklaverei gibt, ist eine grausige Realität.

Je dümmer, ungebildeter und abergläubischer ein Mensch, je enger sein Horizont, desto weniger kann er sich oft in den Mitmenschen einfühlen und desto enger ist sein Schema von Menschsein und der Gruppe, zu der er sich zugehörig fühlt. Xenophobie ist ein verbreitetes Phänomen in unterschiedlichen Erscheinungsformen. Nicht umsonst heißt die eigene Gruppe in vielen Sprachen einfach „Mensch“ und die anderen Gruppen – sind dies halt nicht. Aber auch in der eigenen Gruppe haben Menschen mit ungewöhnlichen Eigenschaften, Menschen, die aus der Masse aufgrund körperlicher, seelischer oder geistiger Merkmale herausstechen, oft zu leiden. Dass die Hautfarbe alleine schon genügen kann, um einen Mitmenschen als anders- und fremdartig und – als Vorurteil – als Träger schlechter Eigenschaften oder böser Mächte anzunehmen, ist allgemein bekannt.

In jüngster Zeit sind immer wieder Berichte aufgetaucht, wonach in v. a. Zentralafrika von „Hexendoktoren“ Jagd auf Albinos gemacht wird, um sie als Ganzes oder Teile von ihnen (man schreckt sogar vor grausamsten Verstümmelungen an Verwandten oder Kindern nicht zurück) zu Zaubertränken und -pulvern zu verarbeiten.


BBC: Tanzania’s albinos in fear

„Tödliche Jagd auf Albinos“, SZ vom 10.08.2008

„Aberglaube an die Kräfte der „weißen Schwarzen“, FAZ vom 08.04.2009

„Mörderbanden machen Jagd auf Albinos“, Spiegel vom 25.10.2008

Asyl wegen ritueller Verfolgung:
„Afrikanischer Albino sucht Asyl in Spanien“, Bild 11.04.2009

Das Erschreckende an diesen Vorfällen, die leider keine ganz vereinzelten Vorkommnisse sind, ist nicht nur die tief verstörende Brutalität der unmittelbaren Täter, die von einem „was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu“ noch Lichtjahre entfernt sind; das Erschreckende ist auch, dass es eine Nachfrage, einen Markt für diese „Produkte“ gibt. Menschen also, die billigend in Kauf nehmen, dass für ihre persönlichen Bedürfnisse andere Menschen abgeschlachtet und „zubereitet“ werden. Wobei die geforderten Preise für diese Zaubermittel vermuten lassen, dass diese „Mittel“ eher nicht in den Unterschichten nachgefragt werden. Arme Leute können sich diese „Mittel“ schlicht nicht leisten, die Täter hingegen haben mit der Bezahlung für die Auftragsmorde bzw. beschafften Teile oft ausgesorgt. Warum die Täter, die „Hersteller“ dieser „Produkte“ aber nicht einfach die Überreste vom letzten Schweineschlachten (die Käufer werden wohl kaum das Mittel analysieren lassen können) nehmen, um ein Zaubermittel zu brauen, bleibt auch unergründlich. Ein besonders bizarrer Fall von Verbrecherehrlichkeit, die darauf schließen lässt, dass sie selber auch fest an die Wirksamkeit glauben.

The albino trade: Undercover with a witch-doctor, BBC

Man könnte nun entgegnen, ja, die Europäer, die verwenden ja auch Teile von lebenden (Blut, Lebendspenden eines paarigen Organs) oder toten Menschen (Organspende, frühere Gewinnung u .a. von Wachstumshormon). Doch da verläuft eine klare Linie: nämlich die zwischen magischen Vorstellungen und echter, begründeter Hilfe sowie zwischen verbrecherischer Zwangs“entnahme“ bzw. Mord und freiwilliger Spende. Das ist ethisch völlig anders zu bewerten.

Nur um vorzubeugen, es handle sich bei diesen Sichten um eurozentrische Herablassung: Auch in unseren Breiten wurden früher „Produkte“ aus Menschen gemacht, die Zauberwirkungen haben sollten. Das berühmte „Mumia-Pulver“, das aus Mumien gewonnen wurde (oder angeblich hergestellt wurde, es gab reichlich Verfälschungen), ist nur ein Beispiel.

„Die Heilkraft des Todes“, Spiegel vom 26.01.2009

Wir hier sind über DIESEN Aberglauben glücklicherweise allermeistens hinweg (es sind noch genug andere da, wenn auch nicht so brutale), was aber auch ein jahrhundertelanger Prozeß war. Mit wissenschaftlichen Ansätzen der Medizin und Achtung der Menschenrechte ist so etwas nicht mehr vereinbar. Das ist auch gut so. Es ist für die afrikanischen Albinos zu hoffen, dass diesem Aberglauben eine kürzere Restlebensdauer beschieden ist. Breitenbildung an Herz und Hirn ist der Weg dahin. Bis das umgesetzt ist, werden leider möglicherweise nur drakonische Strafen helfen und verdeckte Ermittler. Leider ist in den betroffenen Staaten auch Korruption und Bestechlichkeit weit verbreitet, so dass da noch ein weiter Weg zu gehen ist.