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Artikel Tagged ‘Spiegel Online’

SPIEGEL, ALS und Ayurveda

27. Juni 2014 9 Kommentare

SPIEGEL ONLINE berichtet am 27.06.14 von einem Eishockey-Profi, der seit zwei Jahren an Amyotropher Lateralsklerose (ALS) leidet. Dank Ayurveda geht es ihm besser:

… plötzlich hat er Energie. Die Muskelzuckungen sind weniger geworden. Das Ungleichgewicht ist weg, das Gefühl, dass es kein nach Vorne sondern nur ein zu Ende gibt. Neun Kilo hat er mittlerweile abgenommen. Sein altes Spielergewicht, sagt L[…] fröhlich.

Die bittere Wahrheit ist, dass bei dieser Erkrankung die Kräfte stetig nachlassen und es keine Therapie gibt, die den Verfall aufhalten kann. Der Median der Überlebenszeit (d. h. zu diesem Zeitpunkt ist die Hälfte der Erkrankten verstorben) liegt bei ca. anderthalb Jahren nach Diagnosestellung. Gewichtsverlust im Krankheitsverlauf ist gewöhnlich [1]. Glücklicherweise ist die ALS selten. Mehr…

Eso-Einkauf bei FAZ, SPIEGEL und Süddeutscher Zeitung

22. Juni 2012 11 Kommentare

Medienkompetenz ist in der heutigen Zeit durch nichts zu ersetzen. Fürsorgliche Eltern kümmern sich darum, ihren Kinder rechtzeitig beizubringen, wie Medien zu konsumieren und zu verstehen sind. Und vor allem: Wie man Wichtiges und Blödsinn unterscheiden kann.

Ein wichtiges Standbein sind dabei seriöse Tageszeitungen. Diese mühen sich nach bestem Wissen und Gewissen, einen möglichst korrekten Blick auf Welt und Tagesgeschehen zu bieten. Wo die Fakten klar sind, sind die seriösen Blätter auf einer Linie, z.B. bei Lichtnahrung und Wünschelruten.

Was allerdings nicht in das seriöse Bild passt, ist das Geldverdienen mit Themen, die man gleichzeitig kritisiert. Das entwertet die gerade geübte, berechtigte Kritik und schadet dem eigenen seriösen Ruf. Ganz besonders, wenn es um Irrsinn in Buchform geht.

Wir möchten hier, auch anlässlich aktueller Ereignisse, ein paar Beispiele zur Verdeutlichung anführen: Mehr…

Yogi Prahlad Jani

29. April 2010 70 Kommentare

Dieser dreiundachtzigjährige Jogi behauptet, ohne Nahrung auskommen zu können.
Im SPON erschien gestern ein Artikel dazu, der auch in unser Wiki verlinkt:

Ist er ein Wunder oder doch bloß ein Scharlatan? Der 83-jährige Yogi Prahlad Jani aus Indien behauptet, seit über 70 Jahren nichts mehr gegessen und getrunken zu haben – dank Meditation und göttlichem Segen. Indische Ärzte wollen den rätselhaften Yogi nun untersuchen. Es ist nicht das erste Mal.

Spiegel online, 28.04.2010 70: Jahre ohne Nahrung Ärzte knöpfen sich angeblichen Wunder-Yogi vor
Vielen Dank dafür, das letzte Mal gingen dadurch die Zugriffszahlen für ein ziemliches Außenseiterthema ordentlich nach oben.

Da es nicht das erste Mal war, gibt es schon Laborwerte von älteren Untersuchungen: Prahlad Jani -Ten Day Study Medical Case Summary.
Wir haben die aus gegebenem Anlass grafisch aufbereitet und den Wikiartikel etwas aufgebohrt:
null
Mehr…

Danke SPON!

14. September 2009 22 Kommentare

Schon irre, was für eine Macht so ein großes Internetportal wie Spiegel-Online hat. Unser Projekt EsoWatch wurde in einem sehr guten Artikel über eine ziemlich skurrile Quacksalberei, die Leberreinigung, als Referenz empfohlen. Unsere Zugriffszahlen steigen seitdem, interessante und gute Leute haben sich in unserem Forum angemeldet und der Wikiartikel „Leberreinigung“ klettert fleißig die Hitliste der meistbesuchten Seiten nach oben (er hat inzwischen sogar fast die Homöopathie überholt).
Vielen Dank an Marcus von Plazeboalarm und an den zuständigen Redakteur.

Ein wichtiges Qualitätsmerkmal für „gute“ Internetquellen fehlt EsoWatch: Die ladungsfähige Adresse im Impressum. Das wird uns auch oft genug vorgeworfen, z.B. hier in den Kommentaren eines Artikels über Impfgegner bei Plazeboalarm:
http://www.scienceblogs.de/plazeboalarm/2009/09/muttern-fand-einen-wurfzettel-im.php#comment55509

Tina· 08.09.09 · 19:20 Uhr

@ GeMa,

Esowatch ist so unseriös, dass die Betreiber aus Eigennutz ihre Identität verschweigen.

Ein Falschparker hingegen, kann seine Ordnungswidrigkeit sofort mit 20 Euro begleichen.

Das mit dem Impressum wird sich bei uns nicht so schnell ändern, während wir sachliche Fehler schnell eingestehen und die Texte dementsprechend verbessern. Wir sind uns bewusst, dass wir eine große Verantwortung tragen, weil wir nicht nur über Methoden sondern auch über Personen schreiben. Aber Artikel über Scientology, die Rath-Foundation, Nikolaus Klehr oder einflussreiche Anthroposophen sind für Kritiker ohne den Schutz der Anonymität kaum möglich. Die meisten von uns sind berufstätig, haben Familie und können es sich wirklich nicht leisten, von Sekten, deren Anhängern, oder Cranks und Betrügern mundtot geklagt zu werden. Natürlich wäre es für unsere Glaubwürdigkeit wesentlich besser, wenn wir mit offenem Visier kämpfen könnten. Man sollte aber nicht vergessen, dass sich das öffentliche Interesse und die Unterstützung für unsere Art der Aufklärung in engen Grenzen halten. Der Preis wäre einfach zu hoch. In einer anderen Welt gern, aber da bräuchte es EsoWatch nicht.

Spiegel Online und die Prozentrechnung

6. September 2009 15 Kommentare

Der Spiegel war, was die Berichterstattung über wissenschaftliche oder speziell medizinische Themen betrifft, noch nie besonders berühmt für differenzierte Berichterstattung. Spiegel-Online erst recht nicht. Trotzdem sollte es gerade bei so einem großen Verlag irgendwo Grenzen geben, was den Minimalstandard betrifft. So es sich denn noch um Journalismus handeln soll, dürfte dieser Standard dort deutlich unterschritten sein, wo eine Nachricht so dilettantisch verfasst ist, dass man völlig falsche Schlüsse daraus ziehen muss.

SPON berichtet über die HPV-Impfung, und dass diese in Deutschland übermäßig teuer ist. Soweit, so gut, Preise vergleichen gelingt dem Autor noch, auch wenn er offensichtlich übersehen hat, dass der Herstellerabgabepreis in Deutschland bei durchaus vertretbaren 115 EUR liegt und der Abrechnungspreis für Sprechstundenbedarf je nach Bundesland und Krankenkasse variiert. Dass Deutschland die volle Mehrwertsteuer von 19% auf Impfstoffe erhebt, kann man dem Hersteller nicht anlasten.

Doch dann geht es mit einer Zwischenüberschrift weiter:

In etwa sechs Prozent der Fälle schwerere Nebenwirkungen

Wie kann man als SPON-Schreiberling auf die Idee kommen, dass 6% der Geimpften schwere Nebenwirkungen bis zum Tod haben können und diese Impfung zugelassen sei? Und auch noch behaupten, dass das für alle Impfungen normal wäre? Sowas ist undenkbar und sollte selbst bei geringer Allgemeinbildung die Alarmglocken ertönen lassen.

Dies ist jedenfalls die Interpretation, die man beim Lesen des Artikels als Resumee zieht. Wir haben das mit mehreren Personen ausprobiert.

Das liegt nicht an der Oberflächlichkeit des Lesers, sondern des Schreibers, denn er behauptet:

Bei Auswertung der Daten von 12.424 geimpften Frauen in den USA zeigte sich:

Falsch, lieber SPON. Das ist nicht die Zahl Geimpfter, die untersucht wurden, sondern die Zahl aller gemeldeten Verdachtsfälle auf 20.383.145 Dosen HPV4*. Und diese Verdachtsfälle kann jeder melden, unabhängig von einem Kausalzusammenhang, über das Frühwarnsystem VAERS, welches gerade nicht darauf abzielt, die Verdachtsfälle auf biologische oder epidemiologische Plausibilität zu überprüfen. In der Jama-Studie** wurden diese VAERS-Verdachtsfälle ausgewertet. Schon im Abstract steht, dass es eine Quote von 53,9 gemeldeten Verdachtsfällen pro 100.000 Impfdosen gab. Das sind 0,0539 Prozent. Auf diese 0,0539 Prozent wiederum bezieht sich die Angabe der schweren Nebenwirkungen von 6 Prozent. Das haben wir nachgerechnet und kommen dann auf eine Häufigkeit von Verdachtsfällen mit schweren Nebenwirkungen von 0,003 Prozent oder auch 0,03 Promille oder noch deutlicher gesagt: Verschwindend gering im Vergleich zur Häufigkeit von 150.000 Konisationen pro Jahr in Deutschland (Quelle: http://www.chemie.uni-hamburg.de/igtw/Gesundheit/images/pdf/2009_02_Muehlhauser_Filz.pdf).

Nebenbei wird von 32 Toten berichtet, als ob es völlig selbstverständlich sei, dass dies kausal zuammenhängen würde und für jede Impfung gälte. Dass die Studie selbst sich nur mit der Zusammenfassung und Kategorisierung der gemeldeten Verdachtsfälle befasst, geht schon aus dem Abstract hervor. Auch die ihr zugrunde liegende Auswertung der Immunization Safety Office bezüglich der Todesfälle konnte anhand der ihr vorliegenden Daten keinerlei Schnittmengen hinsichtlich Häufigkeit, Altersgruppen und Zeitintervallen erkennen. Dass sich also beide Publikationen bezüglich der Kausalität nicht festlegen, hätte auch SPON erkennen können.

*Stand, 31.08.2008 (Biologics Surveillance Data, unpublished, CDC) Seite 6, http://www.cdc.gov/vaccines/recs/acip/downloads/mtg-slides-oct08/12-3-hpv.pdf
VAERS Team: Elaine Miller, RN, MPH; Alison Rue-Cover, RN, MPH; Kimp Walton
MSISO/OCSO: John Iskander, MD, MPH; CISA, VSD, and Brighton teams
NCHHSTP/CDC: Lauri Markowitz,
MDISD/NCIRD/CDC: Lisa Galloway (Biologics Surveillance Data)
FDA: Andrea Sutherland, MD

**“Postlicensure Safety Surveillance for Quadrivalent Human Papillomavirus Recombinant Vaccine“, JAMA. 2009;302(7):750-757.
Barbara A. Slade, MD, MS; Laura Leidel, RN, FNP-C, MPH; Claudia Vellozzi, MD, MPH; Emily Jane Woo, MD, MPH; Wei Hua, MD, PhD; Andrea Sutherland, MD, MSc, MPH; Hector S. Izurieta, MD, MPH; Robert Ball, MD, MPH; Nancy Miller, MD; M. Miles Braun, MD, MPH; Lauri E. Markowitz, MD; John Iskander, MD

Und nochmal: Homöopathie an der Charite

9. Juni 2008 5 Kommentare

Am 19. 5.08 erschien bei „spiegel.de“ ein Artikel:

Autor: Julia Koch
HOCHSCHULEN
Mit Nadeln und Kügelchen
Die Berliner Charité richtet die erste Professur für „Komplementärmedizin“ ein. Was haben Homöopathie und Qigong in der universitären Forschung zu suchen?

Link

2008, die Charite richtet eine Stiftungsprofessur für Komplementärmedizin ein.

Früher war alles besser:

Der langjährige Direktor des Institutes für Gerichtliche Medizin an der Charite, Otto Gerhard Prokop, schrieb bemerkenswerte Bücher zum Thema Alternativmedizin:

Homöopathie: was leistet sie wirklich? Ullstein, Frankfurt/M ; Berlin 1995

Ludwig Prokop, Otto Prokop, Heinz Prokop: Grenzen der Toleranz in der Medizin Verlag Gesundheit, Berlin 1990

Wolf Wimmer, Otto Prokop: Der moderne Okkultismus : Parapsychologie und Paramedizin ; Magie und Wissenschaft im 20. Jahrhundert 2. Aufl. 2006. Elsevier Verlag, München

Medizin sollte den Menschen helfen und nicht Ideologien bedienen.
Paramedizinische Forschung an deutschen Hochschulen im 21. Jahrhundert ist einfach nur noch peinlich.
Die Natur diskutiert sowieso nicht. Die Mißerfolge der „Erforschung“ der Homöopathie sind planbar.
Wozu also diese sinnlose Verschwendung von Ressourcen für Quack?
Weil man den Dummen dieses wirkunglose Zeug eben auch ohne Wirksamkeitsnachweis verkaufen kann. Der Otto-Normalbürgerin reichen Anekdoten und akademische Titel als Referenz. Die „Fachliterarur“ für Gesundheitsfragen liegt beim Frisör auf dem Zeitschriftenstapel.
So könnte man es eigentlich nennen: „Forschung auf dem Niveau von Frauenzeitschriften“.

Vielleicht sollten die Chemiker auch mal wieder anfangen, den „Stein der Weisen“ zu suchen. Schließlich wurde nie widerlegt, daß es ihn nicht doch geben könnte.