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Artikel Tagged ‘Evolution’

Dr. Richard Dawkins und warum es nicht beleidigend ist mit Religion nicht übereinzustimmen

7. November 2012 24 Kommentare

Im zweiten Teil des Interviews mit Slashdot (den ersten bloggten wir hier) beschreibt Dawkins die Funktion und Intention seiner Webseite http://richarddawkins.net/. Klarerweise macht er etwas Werbung dafür, was aber wohl auch in berechtigtem Stolz begründet ist.

Er erwähnt, dass sie sich momentan sehr mit dem „Good News Club“ beschäftigen, einem Zusammenschluss fundamentalistisch-evangelikaler Organisationen, die weltweit verbreitet ist. Sie gehen nach dem Schlussläuten der Schulglocke in die Schulen (um so das Religionsverbot in Schulen zu unterlaufen). Sie treten dort wie Lehrer auf und missionieren: Wer sündigt, kommt in die Hölle. Juden und Katholiken kommen in die Hölle. Und man darf nicht vergessen: Ungläubige zu töten ist eine gute Sache.

Nächstes Jahr will sich der Good News Club wohl auf Denver konzentrieren und Dawkins und seine Leute planen, dort Gegenveranstaltungen durchführen. Mehr…

Dr. Richard Dawkins über Bildung, ‚Innocence of Muslims‘ und Paul Broun

6. November 2012 24 Kommentare

Richard Dawkins hat vor kurzem beim „Tech-Nachrichtenticker“ Slashdot einige Fragen beantwortet, die auch auf Video aufgezeichnet wurden. Slashdot ist im Wesentlichen ein Nachrichtenportal für technikrelevante Informationen, bei dem Nachrichten durch die Benutzer eingestellt werden und die interessantesten dann auf der Frontseite landen. Slashdot hat durchaus Einfluss; es sind schon Webseiten zusammengebrochen, weil sie auf Slashdot verlinkt wurden.

Die Leser von Slashdot wurden aufgefordert, Fragen zu posten, von denen einige ausgewählt und in einem zweiteiligen Interview online gestellt wurden. Der nachfolgende Text soll nur einen kurzen Überblick geben, worüber geredet wurde, welche Themen angeschnitten wurden. Das Video ist gut verständlich und es ist ein Transkript vorhanden, in dem man nachlesen kann. Mehr…

Evolution in Südkorea: Sieg durch K.O.

7. September 2012 3 Kommentare

Vor kurzem ging eine Nachricht durch die Medien, dass sich Südkorea den Kreationisten ergeben wird und die Evolutionstheorie aus den Schulbüchern gestrichen wird.

Die „Society for Textbook Revise (STR)“, eine Tochter der „Korea Association for Creation Research“, hatte dazu aufgefordert, die Evolution des Pferdes und des Vogelvorfahren Archaeopteryx aus den Büchern zu streichen: Die Beispiele seien wissenschaftlich umstritten. Vielmehr sollten „verschiedene Theorien“ über die Entwicklung des Lebens auf der Erde gelehrt werden. Der klassische Ansatz des „Teach the Controversy“, wie ihn Kreationisten so gerne argumentieren. Mehr…

Die Leere der Kreationisten und vom Intelligent Design.

29. Dezember 2010 30 Kommentare

Die Lehre der Kreationisten breitet sich aus. Sogar an Universitäten darf jetzt gelehrt werden, was jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrt. Gott hat die Welt vor sechstausend Jahren an sechs Tagen erschaffen und ist dann erst einmal pennen gegangen. Hätte er sich vor dieser Aktion ausgeruht, wäre die Welt vielleicht etwas entspannter und durchdachter geworden.

Es müssen aber auch nicht immer Kreationisten sein, Intelligent Design (=Kreationismus forte) ist auch nicht unbeliebt: Mit viel wissenschaftlicher Untermauerung propagieren diese Schmalspurdenker: Die Natur ist so toll, dahinter muß ein höheres, intelligentes Wesen stecken, das kann nicht der Zufall einer Evolution sein.

Bullshit.

Die Natur ist in der Tat faszinierend. Allein des Menschen Körper, wie dieser funktioniert! Wie irgendwelche Substanzen abgebaut und anderswo wiederverwertet werden, wie der rote Blutfarbstoff Hämoglobin, der nach dem Abbau überalterter roter Blutkörperchen anfällt, über die Leber aus dem Blut gefischt, anschließend anderweitig verwendet wird….

Die sensiblen Steuerungen für Blutdruck, Herzfrequenz, Blutzucker und diverse Hormone. Das Gehirn! Toll.

Doch ist das intelligent?

Klar sind viele Mechanismen faszinierend und für den Ahnungslosen vielleicht nur mit irgendwelchen Göttern zu erklären, weil sie eben nicht genügend Grips haben, die Wirklichkeit zu verstehen. Aber ob das alles Intelligent Design ist? Manches hätte man besser etwas einfacher machen können, doch hat es sich eben anders entwickelt, je nach den neuen Anforderungen. Aus einem Guss konstruiert wäre bei den meisten Lebewesen viel umständliches Zeug weggefallen. Und die Esoteriker gäbe es nicht bei perfekt ausgestaltetem Denkorgan.

Der Körper hat so viele Schwachstellen. Das Genick zum Beispiel ist schlecht konstruiert. Stabil ist anders. Herzinfarkte und Schlaganfälle sichern den Arterhalt auch nicht gerade. Die Fortpflanzung ist recht umständlich gelöst. Na gut, aber sie macht Spass.

Alles entwickelt sich. Nicht intelligent, sondern so, wie es gebraucht wird und wie es mit den bereits vorhandenen Ressourcen geht. Deshalb haben Vögel auch zwei Blinddärme und Menschen nur einen. Das hat nicht Gott so gemacht, das war das Nahrungsangebot.

Erschreckend jedoch, dass dieser Müll auch an Universitäten und Schulen Einzug gehalten hat…

95 mal daneben

20. Oktober 2009 29 Kommentare

Kreationisten sind ein seltsames Völkchen: Was sie nicht verstehen, gibt es nicht, 2 mal 3 sind 4 und im Zweifelsfall steht alles in der Bibel. Die hat natürlich immer recht und wenn es nicht passt, wird es passend gemacht. Dafür, dass sie es mit Belegen, Beweisbarkeit und auch Widerspruchsfreiheit ihrer eigenen Überzeugungen nicht sehr genau nehmen, sind sie überaus kritisch, wenn es um das naturalistische Weltbild und insbesondere die Evolutionstheorie geht. Um es rund heraus zu sagen: Es gefällt ihnen nicht, ein Produkt der Natur zu sein. Sie wollen gern Gottes eingeborene Kinder sein, denen zuliebe die ganze Schöpfung erschaffen wurde. Das ganze große All für sie und sie selbst als Krone der Schöpfung.

Nun kann jeder seinem persönlichen Größenwahn frönen wie er mag. Man gönnt sich ja sonst nichts. Das Fatale an Gläubigen ist aber, dass es sie stört, wenn sie sich für die Krone der Schöpfung halten, aber der Nachbar, der nicht ihrem oder irgendeinem Glauben anhängt, sie für nicht annähernd so wichtig hält, wie sie sich nehmen. Sie nehmen es dem Nachbarn übel, dass, wenn er sie ansieht, er nicht das Gotteskind sieht, sondern nur den Menschen als Produkt seiner (Stammes-)geschichte.

Das geht natürlich nicht.

Kreationisten sind vor allem aus den USA bekannt, wo sie erhebliche Anteile der Christen im „Bible Belt“ ausmachen. Dort wird immer wieder versucht, die finale Schlappe, die die Erzählung der Schöpfungsgeschichte, wie sie in der Bibel zu finden ist, längst erlitten hat, dadurch ungeschehen zu machen, indem sogar im naturwissenschaftlichen Schulunterricht die Evolutionstheorie nur neben die biblische Geschichte gestellt wird. Aber auch in Europa gibt es Menschen, die die narzisstische Kränkung, die sie meinen durch die Evolutionstheorie erlitten zu haben, nicht ertragen können. Kreationisten und Evangelikale, die viele Positionen teilen, missionieren intensiv in Europa. Ganz fundamentalistische Kreise versuchen gar, ihre Kinder völlig dem Schulunterricht zu entziehen, weil dieser sie frei vom Wahn ihrer Eltern machen könnte. 1,2,3

Freiheit geht natürlich gar nicht.

Das jüngste Elaborat aus dieser Ecke sind „95 Thesen“. Nicht eine Neuauflage der lutherschen Thesen gegen den Ablasshandel, sondern eine angeblich „wissenschaftliche Kritik am naturalistischen Weltbild“. Acht Autoren zeichnen für das Büchlein, darunter drei Ingenieure, ein Jurist, ein Chemiker, ein Pfarrer, ein Mediziner und ein Bürger, dessen Profession nicht näher benannt wird. Kein Biologe oder Biochemiker. Alle sehr (von sich) überzeugte Christen, die zumindest teilweise auch schon zu dem Themenkomplex an die Öffentlichkeit gegangen sind. Auf der Seite zu den 95 Thesen wird auf einen Verein „Pro Genesis“ verwiesen, über den eine ganze Bandbreite an Missionstätigkeiten abgerufen werden kann. Diese Verknüpfung führt wiederum zu genesisnet, wo man sich auch mit der Kritik am naturalistischen Weltbild und der kritiklosen Herleitung aus der Bibel beschäftigt. Der Verein „Pro Genesis“ stammt aus der Schweiz.

Dampft man die Überzeugungen der 95-mal-Danebengreifer ein, bietet sich folgendes Bild:
– Erde und Kosmos sind jung (erst vor tausenden Jahren entstanden)
– (Makro-)Evolution existiert nicht, die Vielfalt entstand innerhalb weniger Tage
– Der Tod ist die Strafe für die Abwendung von Gott
– Ein Leben ohne Gott ist sinnlos
– Die Bibel hat recht, weil die Bibel recht hat

Die Ausführungen, die sehr oft einfach von amerikanischen Autoren übernommen wurden, strotzen nur so von falschem Verständnis. Grundlegende Mechanismen der Evolution oder Naturgesetze und Fakten wurden schlicht nicht verstanden oder werden so verdreht, dass der „kritische“, d.h. hier bibeltreue, „Forscher“ einen Hebel für seine Kritik findet. In nicht wenigen Fällen wird einfach die Unwahrheit geschrieben. Ob den Autoren bewusst ist, dass sie fälschen, verdrehen und täuschen, damit sie ihre Überzeugung retten können, sei der Wahrnehmung des Lesers überlassen. In weiten Teilen wird dankenswerterweise direkt aus der Bibel argumentiert.

Die Autoren schreiben auch noch das hier auf ihrer Seite:

„Da wir bestrebt sind, Fehler zu korrigieren, bitten wir Sie, uns nach dem aktuellen Stand der Wissenschaften Feedbacks und Änderungsvorschläge zukommen zu lassen. Kontaktieren Sie uns hier.“

Wir empfehlen: Einstampfen.
Da ist so viel falsch, da müsste man ihnen eine ganze Bibliothek senden. Und als Dreingabe den Verstand, das nicht alles nur an der Bibel zu messen.

(zum Weiterlesen auf „mehr“ klicken)
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Alles Gute zum Geburtstag, Herr Darwin!

5. Februar 2009 24 Kommentare

Charles Darwin wird am 12. Februar 200. Jahre alt. Im Sommer geht die Evolutionstheorie, deren „Vater“ er ist, in das 151. Jahr, Respekt. Vieles haben wir seitdem dazugelernt, aber die Fundamente der Grundidee wurden immer stärker und breiter.

Charles Darwin gilt für seine Forschungen und Veröffentlichungen zur Evolutionstheorie als einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler. Die von ihm begründete Evolutionstheorie hat die Biologie grundlegend beeinflusst, da beinahe alle Teildisziplinen angefangen von der Molekularbiologie bis hin zur Ökologie von ihr betroffen sind.

Damit hat er nicht nur ein grundlegendes Verständnis zur Entstehung der Arten geschaffen sowie einen Grundstein der modernen Biowissenschaften gelegt, sondern auch in einer vorher noch nie dagewesenen Weise das Weltbild vieler Menschen erschüttert. Das brachte ihm von Seiten Glaubender Anfeindungen und Spott ein. Darwin hat den Menschen als Ziel einer göttlichen Weltordnung aus dem Zentrum geholt und mit anderen Lebewesen in eine Reihe gestellt. Er hat dem Menschen eine ehrliche und auf Fakten gestützte Geschichte gegeben, indem er seine Funde vorurteilsfrei interpretierte und sich nicht scheute, der Wahrheit ins Gesicht zu schauen. Darwin hat eine Vergangenheit von uns allen entdeckt, die dem nicht gefällt, der sich lieber als Ebenbild Gottes sehen möchte.

Noch bis in die heutige Zeit wird immer wieder von christlichen Kreationisten und anderen Gläubigen versucht, die Evolutionstheorie in Abrede zu stellen. Beweise, die zur Widerlegung (Falsifizierung) führen könnten, bleiben sie indes schuldig. Schützenhilfe für die Evolutionsbiologie kommt auch aus der Geologie: Moderne Arten, die erst kürzlich entstanden sind, waren in alten Schichten bislang nicht zu finden. Funde in Gesteinsablagerungen lesen sich wie ein Geschichtsbuch des Lebens auf unserem Planeten, das viel dicker ist, als unsere Vorfahren wissen konnten. In aufeinander folgenden Schichten, deren Alter man gut bestimmen kann, kann man nacheinander die schrittweise Entstehung unserer heutigen Pferde aus hundegroßen Vorfahren ohne vernünftigen Zweifel und detailliert nachweisen. Ähnliches gilt auch für den Menschen. In der Fossilgeschichte des Menschen ist kein Platz und kein Bedarf für göttliche Schöpfungsmythen und auch die Arche Noah ist abgewrackt worden.

Trotz der unzähligen Daten auch aus anderen Wissenschaften, welche die Evolutionstheorie stützen, arrangierten sich die Kirchen mit der Evolutionstheorie nur widerwillig, stellt doch diese Theorie nicht nur ihr Menschenbild in Frage, sondern auch die Legitimation ihrer Macht.

Letztendlich man kann mit Recht sagen, dass die Anerkennung oder die Leugnung der Evolutionstheorie ein Gradmesser für aufgeklärtes und erwachsenes Denken darstellt.

Der Mensch ist genauso sicher aus Vorformen entstanden wie die Geschenke nicht vom Weihnachtsmann stammen.
Seit 150 Jahren kann der Mensch erwachsen sein – wenn er denn will.