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Archiv für die Kategorie ‘Religion’

Raif Badawi – Jeden Freitag 50 Peitschenhiebe

10. Januar 2015 8 Kommentare

Die Attentäter sind tot, Charb, Cabu, Tignous, Philippe Honoré, Georges Wolinski, Oncle Bernard und zahlose andere Menschen sind tot, viele schwer verletzt.

Und während es noch viel zu sagen gäbe, die Geschehnisse noch lange nicht aufgearbeitet sind, gibt es auch einen, der noch lebendig ist und nicht vergessen werden sollte: Raif Badawi, ein Blogger, der seit fast drei Jahren in Saudi-Arabien im Gefängnis sitzt.

Er wurde zu einer 10-jährigen Gefängnisstrafe und 1000, in Worten EINTAUSEND, Peitschenhieben verurteilt. Mit der Durchführung der Züchtigung wurde letzten Freitag begonnen und jeden folgenden Freitag, noch 19 Mal, soll er wieder ausgepeitscht werden.

Man kann sich gar nicht vorstellen, wie das ist: Fünfzig Peitschenhiebe bekommen. Und wenn man das ertragen hat, weiß man: Nächste Woche wieder. Und dann wieder. Und wieder. Und wieder.

Und warum? Weil er ein Terrorist ist und auf seiner Webseite die Meinung vertrat, dass Muslime, Juden, Christen und Atheisten gleichwertig sind. Deswegen wurde er zum Ungläubigen erklärt, für dieses „Vergehen“ ist sogar die Todesstrafe möglich.

Nun wird sich der Leser fragen: Terrorist? Was? Wie bitte? Mehr…

Die Bibel und die Relevanz

2. November 2014 9 Kommentare

Eigentlich handelt der ganze Abschnitt des 3. Buch Mose 20, 10-21 davon, dass Gott Blutschande und jede Art von unmoralischer sexueller Beziehung verbietet: Ehebruch, Unzucht und sexuellen Verkehr mit Tieren. Es ist überflüssig, über den Schaden für die menschliche Gesundheit und den zerstörenden Einfluss auf die Menschen überhaupt zu diskutieren.
Wohl deshalb erscheint Gottes gnadenloser Zorn über jede Art von Verstoß gegen diese Regeln verständlich. „Wenn ein Weib sich irgend zu einem Vieh tut, daß sie mit ihm zu schaffen hat, die sollst du töten und das Vieh auch; des Todes sollen sie sterben; ihr Blut sei auf ihnen.“ (3. Mose 20, 16)
Diese Prinzipien der Sexualmoral sind offenbar noch immer relevant, wenn man bedenkt, dass die Freizügigkeit ein allgemeines soziales Problem geworden ist und dass Geschlechtskrankheiten zu einer der wichtigen Bedrohungen der Volksgesundheit geworden sind.

Woher stammt dieser Text?
Aus einem theologischen Traktat des 17. Jahrhunderts?
Aus der Predigt eines Evangelikalen?
Aus den Tagebucheintragungen eines christlichen Apokalyptikers?

Nein.
Er stammt aus einer wissenschaftlichen medizinischen Zeitschrift, die „peer reviewed“ ist (d. h., die Beiträge werden vor Veröffentlichung von ausgewiesenen Fachvertretern geprüft), und die in allen bedeutenden medizinischen Datenbanken und Indizes gelistet ist.

Es handelt sich um das „Journal of Integrative Medicine“ (www.jcimjournal.com/jim), welches nach eigener Beschreibung eine internationale Plattform für die Publikation hochrangiger Arbeiten über komplementäre und alternative Medizin (CAM) ist.
Der Original-Text mit dem Titel

Medical implication in the Bible and its relevance to modern medicine
Medizinische Aspekte der Bibel und ihre Bedeutung für die moderne Medizin

ist frei zugänglich.
http://www.jcimjournal.com/articles/publishArticles/pdf/jintegrmed2013052.pdf

Ruqia (Exorzismus) für Anfänger

11. März 2014 6 Kommentare

Ein Gastbeitrag von Sigrid Herrmann-Marschall

Magisch-mythisches Denken auch in Alltagsfragen findet sich als volkstümliche Nebenerscheinung von einigen Religionen. So werden Hostien Heilkräfte zugeschrieben, ebenso dem Wasser aus Lourdes. Manche Gruppierung setzt auf die heilende Kraft des Gebetes wie viele Pfingstgemeinden. Es wird sich bekreuzigt, es werden Schutzzauber mit Reliquien vollzogen und es werden Heiligenbildchen mitgeführt. Es gibt einen bunten Strauß an Möglichkeiten, wie der ängstliche Mitmensch sich durch Rituale zu beruhigen suchen kann. Wenn es für die Person funktioniert und keine andere Person betroffen ist, so liegt das in ihrer persönlichen Freiheit. Viel Glück, die Person wird es brauchen bei ernsthafter Erkrankung.

Auch der fundamentalistische Islam ist nicht frei davon. Auf diversen Internetseiten finden sich detaillierte Nachfragen, was hinsichtlich einer rituell korrekten Wohnungsreinigung zu beachten ist, wie man  mit Dschinns umzugehen hat  oder ob Haarbürsten aus Schweinehaar benutzt werden dürfen. Obwohl Konzepte wie Gegenzauber und Exorzismus etc. wohl nicht auf den Koran zurückgehen, sondern auf die Sunna und eingebundenen Volksglauben, werden von einigen Strömungen diese Ideen verwendet, ebenso wie das Konzept der Dschinns oder der Zauberei, die sich im Koran wiederfinden. Es hat den Anschein, dass Anhänger fundamentalistischer Richtungen mehr zu Beiritualen neigen. Man könnte es auf die einfache Formel bringen: Mehr Angst, mehr Regelungsbedarf, mehr Abwehrzauber. Mehr…

Religionsbeleidigung in Griechenland: 10 Monate Bewährung

23. Januar 2014 9 Kommentare

Der griechische Blogger Filippos Loizos wurde vor wenigen Tagen wegen Religionsbeleidigng zu 10 Monaten auf Bewährung verurteilt. Er hatte im September 2012 Schlagzeilen gemacht, als er wegen einer satirischen Facebook-Seite verhaftet wurde.

Elder Pastitsios

Elder Pastitsios

Die Seite ist dem verehrten „Gerontas Pastitsios“ (ungefähr „Ältester Lasagne“) gewidmet.

Pastitsio ist ein beliebtes Nudelgericht und die Figur damit einerseits eine Hommage an das Fliegende Spaghettimonster, andererseits dem griechischen Mönch Paisios (1994 an Krebs verstorben) gewidmet, der in Griechenland sehr bekannt ist.

Der Mönch Paisios war auch als Hellseher berühmt und wurde mit Nostradamus verglichen. Ein Mann des Friedens, wie er quasi im Buche steht. So sagte für den nahenden dritten Weltkrieg voraus, dass Griechenland davon nur profitieren werde. Die Türkei werde vernichtet und die Griechen Konstantinopel zurückerhalten.

Mit solcher Art Prophezeiungen wurde er zur nationalen Berühmtheit, vor allem in nationalistischen Kreisen. Mehr…

Schulbuch-Biologie: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde …

21. Januar 2014 76 Kommentare

Man könnte meinen, die Titelzeile ist ein Scherz. Ein absurder Witz, wie er vielleicht auf xkcd auftauchen könnte. Tatsächlich dürfen 17.000 Schüler, die ihre Biologiebücher aufschlagen, diesen Satz in der Einleitung lesen. Ein Reporter des US-Magazins Slate hat sich die Schulbücher der Charter School Responsive Ed angesehen und seine Funde in einem Artikel „Texas Public Schools Are Teaching Creationism“ publiziert.

Charter Schools – was man in etwa als Vertragsschulen übersetzen kann – sind eine spezielle Schulform in den USA, die im Wesentlichen zu den öffentlichen Schulen zählen und auch großteils vom Staat finanziert werden. Responsive Ed erhält laut ihrem Business-Bericht 82 Millionen Dollar an Finanzierung von den Bundesstaaten, in denen die Firma tätig ist.

Obwohl sie damit eigentlich einen Bildungsauftrag hat, in dem die Trennung von Kirche und Staat vorgeschrieben ist, wird dieser jedoch, ohne Wert auf Subtilität zu legen, ignoriert.

Wie man es von typischen Kreationisten kennt, werden die üblichen rhetorischen Phrasen benutzt, um Unsicherheit und Zweifel zu säen.

Some scientists even question the validity of the conclusions concerning the age of the Earth.

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Masern und impfkritische Pfarrer in Texas

12. September 2013 1 Kommentar

Vor kurzem wurden bei einem Ausbruch der Masern in Texas wurden 21 Menschen angesteckt, darunter ein 4 Monate altes Baby. Die Krankheit wurde durch einen Reisenden aus Indonesien eingeschleppt und verbreitete sich schnell unter den 1500 Mitgliedern der „Eagle Mountain International Church“.

Es ist im Wesentlichen ein typisches Beispiel eines Masernausbruchs in den westlichen Ländern heutzutage. Texas hat zwar im Prinzip 98% Durchimpfungsrate, allerdings gilt das natürlich nicht für die fragwürdige Kirche. Mindestens 16 der infizierten Personen waren ungeimpft, die restlichen 5 könnten zumindest eine Impfung bekommen haben. Könnten, denn ob und wann sie geimpft wurden, ist undokumentiert.

Obwohl die Masern in den USA nicht mehr heimisch sind, werden sie ab und an doch aus anderen Ländern eingeschleppt. Wenn so ein Masernkranker dann auf eine entsprechend ungeimpfte Gemeinschaft trifft, hat man sofort eine Häufung von Fällen. Bei uns in Deutschland sind die Waldorfschulen eine Brutstätte für Masern: kaum ein Jahr vergeht, ohne dass es dort zu einem Ausbruch kommt. Mehr…

Russlands Polizei mag keine Spaghettimonster

28. August 2013 18 Kommentare

Es wäre ja zum Lachen, wenn es nicht zum Weinen wäre, wenn ein Polizist mit lächerlicher Kopfbedeckung einen Mann mit Nudelsieb auf dem Kopf durchschüttelt:

pastafari

 

Der Screenshot stammt aus folgendem Video vom „Marsch der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters„, bei dem etwa hundert fröhliche junge Leute in Piratenkostümen und mit Nudeln behängt den göttlichen Gedanken eines Biervulkans feierten. Und offensichtlich zumindest am Anfang eine Menge Spaß hatten.

Die russischen Pastafari hatten dazu geladen, die Gründung der ersten entsprechenden religiösen Gruppe in Moskau/Russland zu feiern, was aber auf einige Missgunst stieß.

Orthodoxe Christen der Gruppe БОЖЬЯ ВОЛЯ (Gottes Wille) hatten etwas an dem Marsch auszusetzen und drängten laut Anwalt der Pastafari die Polizei zum Einschreiten; diese hatte der Marsch vorher nicht interessiert. Gemeinsam mit der Polizei ging „Gottes Wille“ dann gegen den Marsch vor.

Dabei wurde tatsächliche Blasphemie begangen: Ein orthodoxer Christ bespritzte nämlich einen Pastafari mit Ketchup. Nudeln mit Ketchup? Das geht gar nicht. Haben diese Menschen denn keine Scham?

Acht Mitglieder der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters wurden verhaftet, da sie eine nicht genehmigte Versammlung abhielten, worauf eine Geldstrafe bis zu 30.000 Rubel steht (ca. 680 Euro). „Gottes Wille“ beschuldigt die Anhänger der großen Nudel allerdings noch, ihre religiösen Gefühle verletzt zu haben. Wenn ein Gericht dieser Argumentation folgt (was hoffentlich nicht der Fall ist), kann das bis zu drei Jahre Gefängnis bedeuten.

Die Pfingstkirche und die HIV-Wunderheilungen

20. August 2013 6 Kommentare

Wie die BBC berichtet, sind einige Pastoren der Pfingstbewegung in lebensgefährlicher Mission unterwegs. Oh, sie gefährden natürlich nicht das eigene Leben, nur das von Gläubigen.

Die Children’s HIV Association befragte 19 Mediziner, die in England mit Kindern und Babys arbeiten, da die Organisation Gerüchte vernommen hatte, dass HIV-Patienten ihre Medikamente absetzten, weil ihre Pastoren ihnen das befahlen.

Zehn dieser Mediziner hatten schon in den letzten 5 Jahren mit diesem Problem zu kämpfen: 29 ihrer Patienten hatten erklärt, sie seien unter Druck gesetzt worden, ihre Medikamente abzusetzen und mindestens elf hatten das dann tatsächlich getan.

Darunter Eltern, die unter Druck gesetzt worden waren, ihren kleinen Kindern die antiretroviralen Medikamente nicht zu geben und sich dem Druck beugten. Stillende Mütter, HIV positiv getestet, verweigerten die Medikamente, die ihre Kinder vor dem Virus geschützt hätten.

Einige Pastoren hatten den Patienten erklärt, dass sie stattdessen beten und Weihwasser trinken sollten. Mehr…

Psiram-Sommerrätsel 2013: Teil 3

6. August 2013 2 Kommentare

sr_3

Liebe Rätselfreunde,

wieder sind drei Tage ins Land gegangen, Zeit für den nächsten Teil des Psiram-Sommerrätsels 2013. Für alle, die jetzt so gar nicht wissen, worum es hierbei geht: schaut einfach mal in die [url=https://blog.psiram.com/2013/07/psiram-sommerratsel-2013-die-regeln]Regeln[/url] sowie in [url=https://blog.psiram.com/2013/07/psiram-sommerratsel-2013-teil-1]Teil 1[/url] und [url=https://blog.psiram.com/2013/08/psiram-sommerratsel-2013-teil-2]Teil 2[/url] des Rätsels, dann wird so Manches klarer.

Für diejenigen von Euch, die es jetzt gar nicht mehr erwarten können – hier ist der 3. Rätselteil:

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Yoga und die antichristliche Voreingenommenheit

3. Juli 2013 4 Kommentare

Im Encinitas Union School District in San Diego wird seit einiger Zeit Unterricht in Yoga angeboten. Interessant wurde dies wegen einer Klage, die von einer Familie eingebracht wurde, die der Meinung ist, dass Yoga im Schulunterricht gegen die strikte Trennung von Religion und Staat im Schulunterricht verstoße. Der Richter teilte diese Meinung nicht und urteilte, Yoga sei Teil der Gesundheits- und Sporterziehung und keine religiöse Beeinflussung.

Recherchiert man zum Thema, findet man eine recht eigenartige Geschichte.

Da wäre einmal das Yogaprogramm, das von der Jois Foundation finanziert wird. Krishna Pattabhi Jois war ein Guru, der seinen eigenen Yogastil namens Ashtanga erfand. Der Stil basiert angeblich auf einem Text zweifelhafter Herkunft namens Yoga Korunta, den der Guru aber offenbar gar nicht gelesen hat.

Der Mann war wohl ein recht harter Lehrer, der zwar lehrte, aber selbst keine Übungen durchführte und es war nicht ungewöhnlich, dass Schüler Verletzungen bei den Übungen davontrugen. Das heißt, vor allem Männer, Frauen hat er wohl „besonders“ behandelt. Insgesamt eine sehr skurrile Figur und man kann verstehen, wenn die Eltern nach kurzer Recherche von den Kursen nicht sehr angetan waren.

Nachdem sie in den regionalen evangelikalen Kirchen die Sache ausgiebig diskutiert hatten, sorgten sich viele Eltern, dass diese Übungen ihre Kinder möglicherweise näher an den Hinduismus führen könnten. Es gab Petitionen und Streit, aber die Schulverwaltung blieb hart und behielt das Programm bei. Mehr…