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Artikel Tagged ‘Meinungsfreiheit’

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit! Und Meinungsfreiheit.

8. Januar 2015 29 Kommentare

Man ist erstmal sprachlos. Traurig. Wütend. Erschrocken.

Dabei ist man ja abgehärtet, die regelmäßige Katastrophenmeldung steckt man ganz locker weg. Flug QZ8501 der Air Asia ist abgestürzt? 162 Tote? Ein Fährenunglück in der Adria? 13 Tote?

Ja, man ist abgehärtet. Man überfliegt diese Meldungen, aber es sind eben Unglücke, Unfälle, die normalen Katastrophen. Man ist ja abgehärtet.

Der Anschlag auf Charlie Hebdo trifft einen dann doch. Der Unterschied ist einfach: Es ist Mord. Sinnlos? Nein, schlimmer. Gezielter Mord, aus niedersten Motiven. Da wurden Menschen kaltblütig ermordet, nur weil sie anders dachten, anders fühlten und eben anders zeichneten. Anders Denkende werden nicht geduldet.

In gewisser Weise sogar schlimmer als Breivik. Der hat in gewisser Hinsicht wahllos gemetzelt, es war ihm im Grunde wohl egal, wen er umbringt. Hauptsache möglichst viele. Er wollte ein Zeichen setzen, die Regierung „so hart wie möglich“ treffen, da sie zum „Massenimport von Moslems“ maßgeblich beigetragen habe. Und gegen den Islam wollte er Norwegen verteidigen.

Die Täter von Paris sind dagegen zielgerichtet in die Redaktion von Charlie Hebdo eingedrungen, als diese ihr wöchentliches Treffen hatte. Das wussten sie offenbar und hatten daher diesen Zeitpunkt gewählt. Nach dem Eindringen hatten sie Frauen und Männer getrennt, bevor sie mit der Hinrichtung begannen. Mehr…

Ägyptischer Atheist zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt

15. Dezember 2012 6 Kommentare

Alber_SaberGerade erst haben wir über den Bericht „Freedom of Thought“ geschrieben, der sich mit religiöser Verfolgung befasst. Und quasi gleichzeitig wurde der 25-jährige ägyptische Blogger Alber Saber Ayad (ألبير صابر عياد) zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.

Der junge Mann war/ist Betreiber einer ägyptischen Facebookseite für Atheisten. Am 12. September, kurz nachdem das „Innocence of Muslims“ Video verbreitet worden war, wurde sein Haus (in dem er mit Mutter und Schwester lebt) von eine Menge umzingelt, die ihn beschuldigte, ein Häretiker und Atheist zu sein.

Seine Mutter rief zum Schutz die Polizei. Diese erschien auch – am nächsten Tag. Und statt den Mob zu zerstreuen, verhaftete sie Alber Saber. Er wurde der „Diffamierung des Islam und des Christentums, Beleidigung des Göttlichen und der Verächtlichmachung religiöser Rituale und Heiliger sowie des Propheten“ beschuldigt, was mit bis zu 6 Jahren Gefängnis geahndet werden kann. Mehr…

Verfolgung des Unglaubens

13. Dezember 2012 3 Kommentare

Die Freiheit der Gedanken, der eigenen Meinung und die Möglichkeit, diese Gedanken und Meinung frei äußern zu können, sind ein hohes Gut. Ein Gut, über das man sich oft genug ärgern muss, wenn wieder irgendwo im Internet jemand kompletten Schwachfug behauptet (wir weisen hier im Blog oft genug darauf hin) – aber ein Gut, das wir vielleicht oft nicht hoch genug schätzen.*

Zu dieser Freiheit der Gedanken zählt im Speziellen auch die Haltung zur Existenz eines oder mehrerer Götter bzw. welche davon die echten sind. Genau wie die Frage, welche Farbe man am liebsten mag oder ob man lieber Frucade oder Eierlikör möchte, ist es eine Frage, die man nur für sich selbst beantworten kann. Mehr…

Klehr verklagt Blogger: Aktion Klehranlage

30. Mai 2012 16 Kommentare

Der Krebsscharlatan Nikolaus Klehr war bereits mehrfach Thema hier im Blog. Die Tatsache, dass er für viel Geld ebenso „alternative“ wie wirkungslose Behandlungen gegen Krebs durchführt, brachte ihm nicht nur die Bezeichnung „erwerbsgetriebenes Ungeheuer“ seitens des Präsidenten der bayerischen Ärztekammer ein, sondern auch eine Anklage wegen Betruges in Österreich. Der Prozess in Salzburg läuft immer noch; Klehr drohen im Falle einer Verurteilung bis zu 10 Jahre Haft.

Neben seiner nutzlosen Krebstherapie ist Klehr aber auch für seine Klagefreudigkeit bekannt: Wie nicht wenige seiner Scharlatan-„Kollegen“ neigt er dazu, auf Kritik an seinen Behandlungsmethoden statt mit sachlichen Argumenten lieber mit Abmahnungen und Klagen zu reagieren.

Zuletzt traf es den Rechtsanwalt und Blogger Markus Kompa, den Klehr vor dem Landgericht Hamburg verklagte, und zwar nicht einmal wegen dem, was Kompa selbst schrieb, sondern lediglich, weil Kompa einen Link auf ein Video setzte. Bei diesem Video handelte es sich um einen Beitrag der Fernsehsendung Panorama der ARD, gegen den Klehr ebenfalls rechtlich vorgegangen war. Mehr…

Über Meinungsfreiheit, Fakten und Wirklichkeit

27. Dezember 2011 19 Kommentare

Angeregt durch einen Kommentar zu unserem Siegelwettbewerb, der übrigens noch läuft und bereits 16 Bilder enthält (the more the merrier!), aber auch durch die Diskussion zu den Piraten, die die ungute Scherler-Geschichte an der Backe haben, hier ein paar Gedanken dazu.

Wir halten es mit Voltaire und eines der schönsten Zitate, das ihm fälschlicherweise oft zugeschrieben wird, ist wohl:

„Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen.“

(The Friends of Voltaire, Evelyn Beatrice Hall, 1906)

Wir sind im Sinne Voltaires durchaus der Ansicht, dass jeder Mensch seine Meinung frei äußern können muss. Das ist ein Recht, das hart erarbeitet wurde, das wir nicht gefährden und mit Zähnen und Klauen verteidigen müssen.

Aber(!) man hat kein Recht auf seine eigene Wirklichkeit.

Realität ist das, was nicht verschwindet, wenn man aufhört daran zu glauben

(„How To Build A Universe That Doesn’t Fall Apart Two Days Later“, Philipp K. Dick)

Die Gravitation macht keine Ausnahmen, nur weil man heute mal nicht so in Stimmung ist. Man kann zwar Daten unterschiedlich interpretieren oder zu den Auswirkungen von Eigenschaften der Realität wiederum Meinungen haben, aber damit halten sich viele von unserer Stammkundschaft nicht auf.

Es werden fröhlich Dinge behauptet, ohne Scham werden Meinungen verbreitet, die erwiesenen Fakten völlig widersprechen. Es wird oft nicht einmal an der Wirklichkeit entlanggeschrammt, sondern gleich mit Warp 9 zum Todesstern geflogen.

Wenn nun eine Meinung durch Fakten nicht gedeckt wird oder diesen sogar widerspricht, wenn damit, wie es in der Medizin so häufig ist, Menschenleben gefährdet werden, dann sind wir ebenso wie Voltaire der Meinung, dass man solchen Unsinn auf das Schärfste kritisieren und verdammen sollte.

Nicht umsonst hat sich Voltaire in seinen Büchern mit beißendem Spott über Religion, Adel, Krieg, Sklaverei, Aberglauben, unrealistische Vorstellungen und einiges mehr lustig gemacht. Auch die Ärzteschaft seiner Zeit, die tatsächlich mehr Quacksalber als Heiler waren, verspottete er.

Mit der Eloquenz eines Voltaire können wir uns zwar nicht messen, aber im Geiste dieser Philosophie versuchen wir zu handeln.

Wer hanebüchenen (heutzutage gilt als Synonym vielleicht auch hahnemannschen) Unsinn von sich gibt, wird von uns kritisiert werden. Und im Gegenzug erwarten wir uns auch, ebenso kritisiert zu werden.

Kritik ist etwas gutes, etwas befruchtendes. Natürlich nur, wenn sie wie oben angesprochen auf der Fakten, der Realität, basiert. Fürchten muss Kritik nur der Gläubige; der Skeptiker, der Wissenschaftler, wird immer danach streben die Kritk anzunehmen und seine Sicht der Wirklichkeit anzupassen.

Edit: „fälschlicherweise“ zum Zwecke der Klarheit ergänzt. (Siehe Kommentare)

Italienische Wikipedia vor dem Aus?

4. Oktober 2011 4 Kommentare

Falls jemand glaubt, die Frage im Titel ist übertrieben, der möge die italienische Wikipedia ansurfen: http://it.wikipedia.org

Dort wenden sich die Nutzer der Wikipedia an die Öffentlichkeit und bitten um den notwendigen Aufschrei, der auch international erfolgen sollte. Hier der volle deutsche Text der Erklärung:

Lieber Leser,

zum derzeitigen Zeitpunkt besteht die Gefahr, dass die italienischsprachige Wikipedia nicht mehr den nützlichen Service, den der Leser bisher erwarten konnte, erbringen kann. Zurzeit ist die Seite, die Sie gerade lesen möchten, nur versteckt, doch es besteht die Gefahr, dass wir bald dazu gezwungen werden können, sie wirklich zu löschen.

In den vergangenen zehn Jahren wurde Wikipedia Teil im Leben von Millionen Internetnutzern, weil sie eine neutrale, frei lizenzierte und vor allem unabhängige Wissensquelle darstellte: eine neue, großartige Enzyklopädie, die jederzeit frei und kostenfrei zugänglich war.

Heute aber stehen die Säulen, auf denen Wikipedia gebaut war: Neutralität, Freiheit und Überprüfbarkeit ihrer Inhalte unglücklicherweise auf wackligem Boden. Ursache dafür ist der Paragraph 29 eines italienischen Gesetzentwurfes, namens „DDL intercettazioni“ (Abhörmaßnahmen).

Dieser Gesetzesentwurf, den das italienische Parlament zurzeit debattiert, enthält neben anderen Dingen eine Verpflichtung für Webseiten, innerhalb von 48 Stunden kommentarlos jegliche Korrektur am Inhalt vorzunehmen, die der Antragsteller im Interesse seiner Reputation fordert.

Unerfreulicherweise verlangt dieses Gesetz keine Evaluation durch eine unabhängige dritte Person. Ausschließlich die Meinung der angeblich beleidigten Person oder Organisation genügt, um die geforderten Korrekturen an der Webseite durchsetzen zu lassen.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass jeder, der sich durch irgendeinen Inhalt in einem Blog, einer Online-Zeitschrift oder eben auch Wikipedia angegriffen fühlt, direkt die Entfernung des Inhalts und eine dauerhafte Veröffentlichung einer durch ihn korrigierten Fassung verfügen kann. Als Begründung würde es genügen, einen angeblich schädigenden Inhalt anfechten und widerlegen zu wollen – unabhängig von möglichen angegebenen Quellen und ohne Rücksicht darauf, ob der Inhalt wirklich ein persönlicher Angriff ist.

In all den Jahren haben sich die Benutzer der Wikipedia (zur Erinnerung: Wikipedia hat keine festangestellte Redaktion) verpflichtet gefühlt, auf Nachfrage hin jede Art von Inhalt zu überprüfen, der für jemanden nachteilig sein könnte, ohne dabei auf die Neutralität und Unabhängigkeit des Projektes verzichten zu müssen. In dem sehr seltenen Fall, in dem es nicht möglich war, eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung zu erreichen, wurde die Seite gelöscht.

Die sich aus Paragraph 29 ergebende Verpflichtung, die Korrektur ohne Recht auf Diskussion und Überprüfung der Inhalte veröffentlichen zu müssen, würde zu einer inakzeptablen Beschneidung der Freiheit und Unabhängigkeit der Wikipedia führen, zur Beschädigung der Prinzipien, auf denen Wikipedia steht, ja letztlich zum Ende des Projektes, wie wir es bis heute kennen.

Es sollte klar geworden sein, dass niemand von uns den Schutz der Reputation, Ehre oder des Ansehens irgendeiner Person oder Organisation in Frage stellen möchte, sondern wir darauf hinweisen, dass jeder italienische Staatsbürger schon durch Artikel 595 des Strafgesetzbuches vor Diffamierungen geschützt ist.

Mit dieser Ankündigung wollen wir unsere Leser über die Gefahren aufklären, die auf uns zu kämen, wenn jedermann selbst in der Lage wäre, willkürlich den Schutz seines eigenen Ansehens und seiner eigenen Reputation durchzusetzen. Unter solchen Bedingungen werden Internetbenutzer wahrscheinlich Abstand davon nehmen, sich mit gewissen Themen oder Personen zu beschäftigen, einzig um Ärger aus dem Weg zu gehen.

Wir wollen Wikipedia frei und offen für alle belassen, weil unsere Artikel auch eure sind – wir sind schon neutral, wieso wollt ihr uns neutralisieren?

Die Benutzer der italienischsprachigen Wikipedia