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Artikel Tagged ‘Anthroposophie’

Martin Hirte: Impfen Pro & Kontra: Eine Rezension

26. Juli 2013 32 Kommentare

hirteWenn es um Literatur zum Impfen geht, ist wohl Martin Hirtes Buch „Impfen Pro & Kontra“ eines der prominentesten Werke. Wir haben uns, obwohl das Buch schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, mal die aktuelle Amazon-Vorschau angesehen. Das Buch liegt ja in der 17. Auflage überarbeitet und ergänzt vor. Der Vorteil ist, dass sich jeder die hier zitierten Passagen selbst durchlesen kann.

Die Einstellung
Zuerst fällt die Einstellung von Martin Hirte zu Krankheiten auf:

Untersuchungen, welche positiven Auswirkungen die eine oder andere Krankheit hat, deren Ausrottung auf dem Plan steht, fehlen völlig. Das Gefühl für den Sinn von Krankheiten ist verlorengegangen.

Akute Erkrankungen haben einen wichtigen Stellenwert in der Entwicklung des Immunsystems und wahrscheinlich auch der Persönlichkeit.

Krankheiten sind für ihn etwas Gutes und Wichtiges; Kinder brauchen es für ihre persönliche Entwicklung, wenn sie etwas leiden (und gelegentliches Sterben wird wohlwollend in Kauf genommen). Man darf den Krankheiten ja nicht ihren Sinn nehmen. Diese beiden Sätze drücken die Einstellung von Hirte zu Menschenleben sehr gut aus. In unserem Wiki finden sich weitere Beispiele solcher Aussagen.

Als Vater oder Mutter sollte man sich schon bei diesen Sätzen auf den ersten Seiten des Buches überlegen, ob man jemand mit einer solchen Einstellung wirklich sein Vertrauen schenken möchte. Mehr…

Henning Kullak-Ublick, der ‘Bund der Freien Waldorfschulen’, und die Glaubwürdigkeit

20. März 2013 Keine Kommentare

An Inquiry into Meaning and Truth 580

 

Die von GWUP-Mitglied André Sebastiani initiierte Petition „Gegen die geplante staatliche Waldorfschule in Hamburg“ macht weiter Schlagzeilen. Es berichtete auch der Deutschlandfunk. Und Henning Kullak-Ublick, Vorstand des „Bundes der Freien Waldorfschulen“, hält urplötzlich eine „Waldorf-Schule light“ für möglich, nachdem diese zuvor von Waldorf-Seite entschieden abgelehnt worden war: ist Kullak-Ublick glaubwürdig?
Gastbeitrag von Andreas Lichte mit freundlicher Genehmigung der Ruhrbarone.

Als Kommunikationschef des „Bundes der Freien Waldorfschulen“ scheint Kullak-Ublick dem selbsternannten Hellseher Rudolf Steiner, Begründer der Waldorfpädagogik und der esoterischen Weltanschauung Anthroposophie, nacheifern zu wollen. Rudolf Steiner sagt:

„Das müssen wir uns immer wiederum vor die Seele stellen, dass wir nicht aus Urkunden schöpfen, sondern dass wir schöpfen aus der geistigen Forschung selbst und dass wir dasjenige, was aus der Geistesforschung geschöpft wird, in den Urkunden wieder aufsuchen … Was heute erforscht Mehr…

Erste deutsche staatliche Waldorfschule: Wirbt Christian Füller, taz, für die ‘Sekte’ Anthroposophie?

4. Februar 2013 48 Kommentare

Hamburger Rathaus Foto „o“ wie Obacht Lizenz: CC

Regelmäßig erfreut die taz ihre anthroposophischen Leser mit der Beilage „taz THEMA Anthroposophie“. Nun wirbt Christian Füller in der taz-Rubrik „Zukunft – Bildung“ für ein höchst umstrittenes Schulprojekt, die erste „staatliche Waldorfschule“ Deutschlands, als „Zukunftsmodell für das Bildungswesen“. Wirbt Christian Füller damit für die, Zitat Prof. Hopmann, „Sekte“ Anthroposophie?
Gastbeitrag von Andreas Lichte mit freundlicher Genehmigung der Ruhrbarone.

Christian Füller beginnt seinen Artikel so: „Die Nachrichtenlage ist unübersichtlich, was die staatliche Waldorfschule in Hamburg anlangt. Ein Rudolf-Steiner-Hasser aus Bremen sammelt Unterschriften, um die Schule zu verhindern.“ Quellenangaben – z.B. einen einfachen link – hält Christian Füller offensichtlich nicht für nötig, um die „Nachrichtenlage“ zu verbessern, stattdessen versucht er es mit einer Unterstellung: „Rudolf-Steiner-Hasser aus Bremen …“.

Nein, André Sebastiani, Gastautor der Ruhrbarone, und Initiator der Petition „Gegen die geplante staatliche Waldorfschule in Hamburg“ ist kein „Steiner-Hasser“. Sebastiani interessiert sich als Lehrer einer öffentlichen Schule in Bremen für „Bildung“. Irgendwann stieß er auf das Thema „Waldorfschule“ und hat sich seitdem intensiv damit auseinandergesetzt, wie bei den Ruhrbaronen hier nachzulesen ist: Waldorfschule: Versteinerte Erziehung.

Für Sebastiani steht heute fest, dass es eine Waldorfschule ohne Anthroposophie nicht geben kann. Das ist eine Schlussfolgerung, die ich als ausgebildeter Waldorflehrer ausdrücklich bestätige: alles, was in der Waldorfschule passiert, basiert letztlich auf den Vorgaben Rudolf Steiners (1861–1925), Begründer der esoterischen Weltanschauung Anthroposophie. Über den anthroposophischen Hintergrund der Waldorfpädagogik informierte ich auch Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe in einem offenen Brief, Zitat:

„(…) Die Waldorfpädagogik übernimmt die in der Anthroposophie übliche Einteilung des Menschen in ‘Wesensglieder’. Diese ‘Wesensglieder’ entwickeln sich laut Rudolf Steiner in zeitlichen Abschnitten von 7 Jahren, den ‘Jahrsiebten’. Dazu sagt Prof. Dr. Stefan T. Hopmann, Bildungswissenschaftler an der Universität Wien, im Interview ‘Man kann nicht nur ein ‘bisschen’ Waldorf sein’, Zitat:

‘(…) Lichte: noch einmal zur Jahrsiebtelehre – von 0–7 Jahre wird der physische Leib entwickelt, von 8–14 Jahre der Ätherleib, von 15–21 Jahre der Astralleib, vom 21. Lebensjahr an endlich das »Ich« – erst dann ist der Mensch ein Mensch. Was sagen Sie zu Steiners Mensch aus dem Esoterik-Baukasten? Mehr…

Geschichte in der Waldorfschule: ‘Atlantis’ und die ‘Rassen’

9. Dezember 2012 106 Kommentare

Bei Diskussionen mit Befürwortern der Waldorfschule bekommt man immer wieder Standard-Antworten zu hören, wie sie der ehemalige Waldorfschüler Lukas Böhnlein in seinem „Waldorfschulen Bullshit-Bingo“ festgehalten hat. Sehr beliebt dabei: „Du hast noch nie eine Waldorfschule von innen gesehen!“ Kritik von aussen wird damit jegliche Berechtigung abgesprochen. Aber daraus ergibt sich auch die Frage: „Was können Eltern und Schüler in der Waldorfschule eigentlich sehen, wenn sie nichts über Rudolf Steiners ‘Anthroposophie’ wissen, auf der die gesamte Waldorfpädagogik basiert?“

Von unserem Gastautor Andreas Lichte.
Artikel übernommen mit freundlicher Genehmigung der Ruhrbarone.
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Der Plural von Jesus

6. November 2011 9 Kommentare

Eigentlich böte sich das Thema für bösartige Satire an. Doch ist es eigentlich zu traurig, denn eine Psychose ist wahrlich nicht komisch. Auch wenn es auf den ersten Blick lustig wirkt. Zumal die vielen Jesusse (Jesi? Jesen? Jesus mit langem U?) in das Lieblingsklischee passen – das des größenwahnsinnigen Spinners.

Doch viele meinen das ernst, sind davon überzeugt, eine Inkarnation des Protagonisten des Neuen Testaments zu sein. Die Krankheit  „Jerusalem-Syndrom“ unterscheidet sich vom Betrug durch mangelnden wirtschaftlichen Erfolg. Sonst würde nicht so mancher Jesus seine Webpräsenz mit Affiliate-Werbeprogrammen zu finanzieren versuchen. Wie zum Beispiel Jesus Schulze aus Sarstedt:

Ein Jesus von vielen

Sein Nachbar möchte man zwar weniger sein, denn auf dem Video mantrat er recht laut herum. Ansonsten wirkt er aber sympathisch-durchgeknallt und verwurstet, wie viele LeidensgenossInnen, in seinem religiösen Wahn gern christliche und halbverdaute fernöstliche Elemente.

Denn der Vorteil bei Religion ist: Je weniger man versteht, desto spirituell erleuchteter kann man sich im Nichts des Nichtverstehens versenken.

Noch einer der interessanteren Jesusse-Jesus-Jesen-Jesi ist der Druckluft-Jesus, der neben seiner erlösenden Aufgabe einen Druckluftantrieb zu vermarkten versucht. Die Einnahmen scheinen allerdings nicht zu reichen, einen vernünftigen Webdesigner zu bezahlen.

Auch Freunde von Jesus wandeln heute noch auf der Erde, auch wenn die Bibel mit Reinkarnation eigentlich nicht kompatibel ist (was allerdings unter anderen Rudolf Steiner nicht hinderte, diese in seine Anthroposophie einzubauen und zu lehren, Goethe sei eine Jesus-Inkarnation gewesen).

Auch weitere eigentlich nicht miteinander vereinbare Überzeugungssysteme werden munter verquirlt. Dies ist symptomatisch für spirituell-esoterischen Wahn, wenn die eigentliche Religion anscheinend noch nicht irrational genug ist, um das gewaltige Loch aus Nicht-Wissen, Nicht-Verstehen und Sinnsuche zu füllen.

In diesen Zusammenhang passen sehr gut die teilweise überbewerteten Engel und weitere „Lichtwesen“ wie Kryon, aber auch Außerirdische, die zuweilen gottähnliche Rollen zugewiesen bekommen.

Eine sich an eine Freundschaft mit Jesus erinnernde ist die des Öfteren im Zusammenhang mit Brauner Esoterik erscheinende Kersti Nebelsiek:

Nun, ich muß zugeben: Ich entspreche den meisten meiner früheren Vorurteile darüber, was es hieße, verrückt zu sein. Ich glaube zwar nicht grade, ich sei Jesus selbst gewesen – dafür bin ich überzeugt, daß ich sein Freund war. Und zu allem Überfluß bin ich auch noch der Ansicht, daß wir – also diejenigen, die damals Jesus folgten – heute das zuendeführen wollen, was wir damals begannen.

Ich kenne aber inzwischen einige Leute, die tatsächlich schon in einer Nervenheilanstalt waren. Der eine hatte auch seltsame Ansichten. Doch während er mit seinem Leben nicht zurechtkommt, je mehr Blödsinn er redet, desto schlechter, kann ich doch von mir sagen, daß ich je mehr ich diese doch sehr ungewöhnliche Geschichte für mich akzeptiere, meinen Alltag desto besser geregelt kriege. (zu lesen hier)

Auffallend in jedem Fall für jeden, der sich ernsthaft und unesoterisch mit Psychiatrie beschäftigt: Die Häufung religiöser Vorstellungen bei Psychosen und ähnlichen Krankheiten. Doch ist nicht die Religion selbst schon Wahnvorstellung genug?

Badische Zeitung und Rudolf Steiner: Bejubeln ja, Zitieren nein.

4. November 2011 8 Kommentare

Die Badische Zeitung feiert Rudolf Steiner und löscht Rudolf Steiner O-Ton: „Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse“ ist Werbung für die Religion Anthroposophie.
Von unserem Gastautor Andreas Lichte. Artikel übernommen mit freundlicher Genehmigung der Ruhrbarone.

„Wer, wie, was – wieso, weshalb, warum – wer nicht fragt, bleibt dumm!“ ist Kinderkram.
Ein guter Journalist wie Thomas Loisl Mink, Autor der Badischen Zeitung, weiß einfach, welcher Autorität er ungeprüft glauben kann. Und Peter Sloterdijk ist so eine Autorität.

In seinem Bericht über die Podiumsdiskussion zur Eröffnung der Rudolf Steiner Ausstellung im Vitra Design Museum gibt Mink Fragmente von Sloterdijks Steiner-Lobpreisung wieder, ohne auch nur eine einzige Frage zu stellen. Worum es eigentlich geht, bleibt dem Leser unklar, sicher ist nur:

Rudolf Steiner ist ungeheuer bedeutend. Für die Kunst, und überhaupt …, Zitat Mink:

„Steiner sei jemand gewesen, dem es gelang, zeitgenössische Ideenspannungen wahrzunehmen, sagte Sloterdijk …“
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Waldorfschule: Dr. Detlef Hardorp verkauft Rudolf Steiners Rassismus als Multikulti

12. September 2011 42 Kommentare

Steiner Rassen
Dr. Detlef Hardorp, bildungspolitischer Sprecher der Waldorfschulen in Berlin-Brandenburg, behauptet, dass sich Rudolf Steiner für eine multikulturelle Gesellschaft engagiert habe. Von unserem Gastautor Andreas Lichte.

Ausgerechnet an Rudolf Steiners berüchtigtem „Arbeitervortrag“ – „Vom Leben des Menschen und der Erde – Über das Wesen des Christentums“, GA 349, Dritter Vortrag, Dornach, 3. März 1923 – versucht Detlef Hardorp zu belegen, dass Rudolf Steiner kein Rassist sei.
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Waldorfschule: Prof. Peter Loebell verkauft Rudolf Steiners Jahrsiebte

20. August 2011 62 Kommentare

Prof. Dr. Peter Loebell, Dozent an der anthroposophischen Freien Hochschule Stuttgart, behauptet, dass die für die Waldorfpädagogik zentrale „Jahrsiebte-Lehre“ Rudolf Steiners mit der empirischen Forschung vereinbar sei.
Von unserem Gastautor Andreas Lichte.

Peter Loebell verweist als Quelle für seinen Artikel in der „erziehungsKUNST“ „Jahrsiebte: Naturgegebenheit oder gesellschaftliches Konstrukt?“ auf Rudolf Steiners Aufsatz „Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft“, ohne selber daraus zu zitieren. Dort sagt Steiner, Seite 320:

„Man sieht aus dem Vorhergehenden, dass man beim Menschen von vier Gliedern seiner Wesenheit sprechen kann: dem physischen Leib, dem Äther- oder Lebensleib, dem Astral- oder Empfindungsleib und dem Ichleib. (…) Als Erzieher arbeitet man an diesen vier Gliedern der menschlichen Wesenheit.“
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Waldorfschule: „Man kann nicht nur ein »bisschen« Waldorf sein“

11. Juli 2011 99 Kommentare

Übernommen, mit freundlicher Genehmigung von Andreas Lichte, von den Ruhrbaronen:

 

Prof. Hopmann

Prof. Dr. Stefan T. Hopmann, Bildungswissenschaftler an der Universität Wien, über Waldorfschule, Rudolf Steiner und die Anthroposophie. Das Interview führte Andreas Lichte für die Ruhrbarone.

 

Andreas Lichte: Sie kennen Prof. Klaus Prange noch von Ihrer Zeit an der Christian-Albrecht-Universität in Kiel?

Stefan T. Hopmann: Ja, als einen der analytisch streng, sprachlich präzise schwierige Zusammenhänge beschreiben kann – garniert mit trockenem norddeutschem Humor …
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Waldorflehrer werden! – am „Seminar für Waldorfpädagogik Berlin“

2. März 2011 21 Kommentare

Passend zur Steiner-Woche ein Gastbeitrag von Andreas Lichte.
Dieser Beitrag ist am 28.02.2011 auch bei den Ruhrbaronen erschienen.

Waldigrafik
Unser Gastautor Andreas Lichte war als Experte zur Waldorfschule beim Deutschlandradio Kultur zu Gast. In der Zeitreisen“-Sendung „Die bessere Schule oder esoterischer Irrglaube?“ am 23.02.2011 berichtete er auch von seinen Erfahrungen während seiner Ausbildung zum Waldorflehrer am „Seminar für Waldorfpädagogik Berlin“. Hier eine Extended Version.

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